[ZITATE-FREITAG] [3517] Anno Domini – Wir waren Götter

Hallo ihr Lieben,

es wird Zeit endlich mal ein Buch von Raik Thorstad im Rahmen des Zitate Freitags vorzustellen und nach einigem Überlegen viel die Wahl auf ihren Science Fantasy “[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, den ich sehr gerne gelesen habe. Ich mag Aiden und Ragnar unheimlich gerne, ganz besonders Letzteren. Keine Ahnung, was mich an dem Merowinger so fasziniert, aber neben Sascha aus “Leben im Käfig” und “Nach der Hölle links” mag ich ihn einfach am meisten. Ich hoffe, euch gefällt die Zitate-Auswahl und ich kann eure Neugierde wecken 🙂

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meine Rezension

Ragnar stieß sich vom Bett ab und schlenderte zum nahen Fenster. Dem Lichteinfall nach zu urteilen befanden sie sich in einem der obersten Stockwerke des Turms.

Mit dem Rücken zu Aiden sagte er: »Du bist jetzt mein Eigentum. Die Regeln sind leicht zu verstehen. Selbst für einen ungebildeten Kerl aus der Unterstadt. Du hältst dich in allen Belangen zu meiner Verfügung, und ich passe dafür gut auf dich auf.« Ragnar drehte sich um. Er lehnte am Glas, während er Aiden lüstern betrachtete. »Kennst du dich mit Sex unter Männern aus?«

»Mit freiwilligem oder erzwungenem Sex?«, konnte Aiden sich nicht verkneifen.

Anscheinend trübte der Durst seinen Verstand. Hatte er nicht entschieden, dass er zu erschöpft war, um frech zu werden? Leider stand ihm die Erinnerung an die peinlichen ärztlichen Untersuchungen, an die Selbstverständlichkeit, mit der Ragnar ihm zwischen die Beine gefasst hatte, noch zu klar vor Augen.

Nun war es an Ragnar zu schweigen, bevor er seinen sinnlichen Mund zu einer scharfen Linie verzog. »Wenn du mich so fragst: sowohl als auch.«

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 48-49 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

Eine weitere Anzeige sprang ihm ins Auge. Sie war mit einem Wort versehen, das ihm nichts sagte. Er deutete mit dem Finger darauf. »Wenn der Chip nicht arbeitet, was ist dann das?«

Ragnar drehte das Display um, runzelte die Stirn und sah Aiden schließlich ernst in die Augen. »Körpereigene Schmerzmittel. Dir wurde ein Loch in den Schädel geschnitten, falls du dich nicht erinnerst. Ich hielt es für richtig.«

Unwillkürlich sammelte sich Speichel in Aidens Mund. Er musste schlucken. Gegen seinen Willen fand er Ragnars Bemühen, ihn nicht unnötig leiden zu lassen, beruhigend. Der Merowinger mochte ein selbstgerechter Dreckskerl sein, aber er hatte daran gedacht, Aiden Schmerzen zu ersparen. Wenn man im Hinterkopf behielt, dass er seinen Dienst verweigerte, war das nicht selbstverständlich.

Ragnar hätte die Schmerzen nutzen können, um ihn zu erpressen. Doch er hatte es nicht getan, wie er auch darauf verzichtete, Aiden mithilfe seiner eigenen Körperchemie in die Knie zu zwingen.

Es hätte ihn schlimmer treffen können. Andererseits war es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Ragnars Geduld erschöpft war.

Und dann?

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 118 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlags

Aiden begriff, dass er ein Instrument war. An ihm wurde Ragnars Fähigkeit zu herrschen erprobt. In Takirs Augen hatte er jämmerlich versagt. Fragte sich nur, was diese Niederlage für Aiden nach sich zog. Würde man ihn ersetzen? Bekamen sie noch eine Chance, Ragnar und er?

Inzwischen bereute Aiden einiges, was er getan und gesagt hatte. Er wünschte sich verzweifelt, er hätte Ragnar leiser die Meinung gesagt. Er wünschte, er hätte sich hier und da etwas kooperativer gezeigt, um Takir in Sicherheit zu wiegen. Er wünschte, er hätte rechtzeitig zu schätzen gewusst, wie locker Ragnar seine Zügel hielt. Aber vielleicht hatte er den direkten Vergleich gebraucht, um die relative Milde seines Herrn anzuerkennen.

Vertrauen, dämmerte Aiden, erwartete niemand von ihm. Und es war ihm in diesen Stunden zu seinem eigenen Entsetzen auch vollkommen egal.

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 175-176 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

Es würde Aiden gefallen, kam es Ragnar in den Sinn.

Was würde er sagen, wenn seine Familie die Möglichkeit bekäme, die rostende, stinkende Plattform der Unterstadt zu verlassen und sich auf einer der Inseln ein kleines Haus zu bauen? Sich eine Katze zu halten? Nicht bei jeder Gelegenheit damit rechnen zu müssen, ins Wasser geweht zu werden?

Was, wenn er zu Aiden sagen könnte: »Hast du Lust, mit mir am Strand zu liegen? Oder im Wald joggen zu gehen?« Nicht in den Fluren, nicht in den Sportanlagen mit der künstlichen Belüftung, nicht auf der Brüstung, wo jeder Schritt dröhnte.

Ragnar stöhnte innerlich auf.

Die Erinnerung hatte ihn eingeholt. Die Erinnerung an bittere Vorwürfe, an seine eigene Unfähigkeit und darunter das Gefühl, versagt zu haben.

Wenn er sich konzentrierte, konnte er das Salz auf Aidens Haut noch schmecken. Er hatte sich eine Kostprobe davon gewünscht, bevor er abreiste. Bekommen hatte er einen verärgerten Lustdiener, der abgelehnt hatte, mit ihm zusammen zu sein.

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 256-257 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

Ragnar blieb die Luft weg. Instinktiv krallte sich seine Rechte in Aidens Oberarm, als könne er ihn dadurch schützen. Er sah den Tod im Blick seines Vaters, die Allmacht, die dessen Position ihm bescherte. Wenn Takir jetzt und hier entschied, Aiden solange zu foltern, bis sein Herz aussetzte, gab es nichts und niemandem, der etwas dagegen unternehmen konnte.

Takir hatte recht. Er war ein unreifer Narr, der für ein paar Stunden verlogener Freiheit mit dem Leben eines Mannes gespielt hatte.

»Vater …«, setzte er zum Sprechen an.

Er hasste sich sowohl für den Versuch, als auch dafür, dass ihm die Stimme versagte. Er hasste es, am Boden zu knien und sich langsam bewusst zu machen, dass nicht nur Aidens Leben in Gefahr war, sondern auch das seiner anderen Begleiter. Dass es ihre Geschäfte waren, die sie auch ohne sein Zutun mindestens einmal in der Woche in die Unterstadt geführt hatten, war kein großer Trost.

Zum ersten Mal klang Takir zornig: »Was? Was hast du mir noch zu sagen? Nichts, nicht wahr? Du solltest sowieso besser den Mund halten. Meine Geduld ist am Ende. Wachen!« Die Männer näherten sich ihm und verbeugten sich sicherheitshalber, um nicht Ziel seiner Wut zu werden. »Bringt meinen Sohn und sein Spielzeug in die Festung. Schafft sie direkt zu Geno. Er weiß, was er zu tun hat. Was die anderen angeht …«, er musterte sie desinteressiert, »… nehmt Franco erst einmal mit. Alexis hat etwas für ihn übrig. Vielleicht kastriere ich ihn nur oder denke mir etwas anderes Nettes für ihn aus. Was meine verräterischen Wachleute angeht − schneidet ihnen die Kehle durch.«

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 345 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

»Und genau das ist es, was ihr plant: Ihr wollt fliehen.«

»Wir wollen von vorn anfangen«, berichtigte Branka ihn. Sie kam auf ihn zu und kniete sich vor ihm auf den Boden. »Komm mit uns. Ich kann dir nichts versprechen. Vielleicht ist auf unseren Kontakt doch kein Verlass. Es gibt sogar Leute, die glauben, dass Takir selbst der Zar ist, der ein krankes Spiel mit uns spielt. Es kann sein, dass unsere Schiffe abgeschossen werden, sobald wir das Hoheitsgebiet der Merowinger verlassen. Aber wenn wir es schaffen …«, ihre Augen begannen zu leuchten, »… könnten wir an Land leben. Mit festem Boden unter den Füßen und Bäumen um uns herum. Wir könnten vernünftige Häuser bauen und unsere eigene Ernte einbringen. Wir wären frei.«

Überwältigt grub Aiden die Finger in die Oberschenkel. Was Branka ihm anbot, klang wie ein Wunschtraum. Tatsächlich hatten ihnen die alten Frauen in der Unterstadt früher Märchen vom festen Land erzählt. Von reißenden Flüssen und gewaltigen Städten war die Rede gewesen, von Schlössern mit Gärten, deren Bebauung einzig der Kunst und Freude der Betrachter galten.

Von grauen Asphaltbändern, auf denen Automobile in Windeseile vom einen Ort zum nächsten sausten. Von Getreidefeldern, deren Ende sich am Horizont nicht ausmachen ließ, und Wäldern, in denen man wochenlang wandern konnte, ohne das andere Ende zu erreichen. Die Welt war damals viel größer gewesen. Es gab Ebenen voller Grün, mit Schnee bedeckte Berge, weite Flusslandschaften, Sümpfe und Wüsten. Jetzt gab es nur noch Wasser. Zumindest für sie.

Es klang zu schön, um wahr zu sein.

Aiden befeuchtete die trockenen Lippen und sah auf Branka herunter. In einem plötzlichen Bedürfnis nach Nähe nahm er ihre Hand in seine und hielt sie fest. »Deswegen bist du hier? Deshalb bringst du dich fast um? Damit ich hier rauskomme, obwohl es mir in der Festung tausend Mal besser geht als dir in der Unterstadt?«

»Du bist mein Bruder«, sagte sie schlicht.

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 411-412 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

Die Herrin der Festung trat zwei Schritte nach vorn und lächelte Geno kurz zu. Dann wandte sie sich mit gestrafften Schultern und erhobenem Kopf an die Anwesenden.

»Ja, ihr habt richtig verstanden. Ich bin euer Zar, und nur, damit wir uns nicht missverstehen: Ich entscheide, wann und ob dieses Schiff ablegt. Seit 20 Jahren habe ich auf diesen Tag hingearbeitet. Ich werde ihn mir von euch nicht nehmen lassen.« Sie musterte die Flüchtlinge. Bei den meisten musste sie dafür das Kinn heben. »Ich habe meine Hand über euch gehalten und dafür gesorgt, dass ihr im Stillen Vorbereitungen treffen konntet. Ich habe bewerkstelligt, dass eure Raubzüge selten schiefgingen. In eurem Laderaum liegen Maschinen und Gerätschaften, die ich euch gestattet habe, aus meinen Lagerhallen zu entfernen. «

»Warum?«, fragte Jenson und näherte sich ihr misstrauisch.

»Euer Charakter mag weniger verdorben sein als der von Takir.« Er spuckte auf den Boden. Aiden fiel auf, dass Jenson immer noch die Herrschaftsanrede verwendete, und wunderte sich. »Aber warum solltet Ihr ein Interesse daran haben, uns fortgehen zu lassen?«

»Weil ihr jetzt in meiner Schuld steht und ich euch meinen Preis nennen kann.«

»Einen Preis?«, höhnte jemand aus der Menge. »Die Herrschaft über unsere neue Kolonie? Steuern? Zwangsarbeit?«

Alexis lächelte dünn. »Nein. Nur, dass ihr meinem Sohn erlaubt, eure Mannschaft zu verstärken. Ihr habt die Wahl. Entweder Ragnar begleitet euch oder dieses Schiff bleibt, wo es ist.«

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 489 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

Ragnars grüne Augen waren dunkel vor Unsicherheit. Schließlich senkte er unter einem harschen Atemzug die Hand in die Tasche und zog die Fernbedienung heraus. Er betrachtete sie, als wäre sie ein kostbarer Schatz. Sein Daumen strich über das Gehäuse. Dann sagte er: »Ich wollte dir das hier geben.« Mit einer raschen Bewegung drückte er Aiden die Steuerung in die Hand und verwirrte ihn damit vollends.

Er wollte sagen: »Na endlich.« Oder »Warum muss man dich immer erst daran erinnern, was richtig ist?«

Aber Ragnars Verhalten war eigenartig. Er wollte ihm die Fernbedienung doch nicht geben. Misstrauisch betrachtete Aiden das Gerät in seiner Hand und fragte sich, ob Ragnar dreist genug war, ihm eine Attrappe unterzuschieben.

Und tatsächlich, auf den zweiten Blick erkannte er, dass es nicht seine Fernbedienung war. Das Gehäuse war dunkler und die Kanten abgerundet. Auch das Display war von anderer Bauart.

Aiden sah zu Boden und biss die Zähne aufeinander, um nicht zu explodieren. »Das ist nicht meine«, sagte er gepresst.

Ragnar würgte ein trockenes Lachen hervor. »Das weiß ich.« Er zögerte einen Augenblick, dann fügte er kaum hörbar hinzu: »Es ist meine.«

“[3517] Anno Domini – Wir waren Götter”, S. 550 (c) Raik Thorstad / Incubus Verlag

Ich hoffe sehr, dass euch die Zitate gefallen und ihr zum Buch freifen wollt, um Ragnars und Aidens geschichte zu lesen. Damit verabschiede ich mich für diese Woche von euch 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Helden von Florian Tietgen


Autor: Florian Tietgen
Taschenbuch: 174 Seiten
ISBN: 978-3-426-43001-9
Preis: 4,99 EUR (eBook)
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Story:
Mit dem übergewichtigen, unsicheren Jan kommt ein Neuzugang ins Heim, der ebenso wie die anderen Jungs schlimme Dinge erlebt hat. Einer von ihnen ist Jonas, der in Jan einen Helden sieht, da diesem etwas gelungen ist, das er nie geschafft hat – den Mut sich gegen seinem Vater aufzulehnen. Jan selbst sieht die Situation allerdings anders, doch mit der Zeit fasst er vertrauen zu seinem neuen Mitbewohner. Schon bald erkennen sie, dass sie etliche Gemeinsamkeiten haben – während sie Jonas Geschichten schreibt und seinen Helden Minky in einer Fantasywelt Abenteuer erleben lässt, flüchtet sich Jan in seine Zeichnungen und Bilder. Nach und nach werden sie Freunde und beginnen sich über ihre Sorgen und Probleme auszutauschen. Zudem baut Jonas den stillen Janko in Minkys Abenteuer ein, der eine ganz ähnliche Vergangenheit hat, wie sein neuer Mitbewohner.

Eigene Meinung:
Florian Tietgen ist ein Garant für außergewöhnliche Geschichten, die zum Nachdenken anregen und in keine Schublade passen. „Helden“, erschienen im eBook Label eRiginal des Droemer Knaur Verlags, ist eine solche Geschichte, denn sie ist in vielfacher Hinsicht originell und anders. Zum einen verläuft die Geschichte nicht linear, sondern ist wie die typischen Rollenspiel-Romane, sprich der Leser kann entscheiden, auf welchem Weg er das Buch liest. Ob er nun erst den Jungs folgt und anschließend in Minkys Welt eintaucht, oder doch den Empfehlungen des Autors folgt, bleibt jedem selbst überlassen. Als Besonderheit wird Jankos/Jans Geschichte in Mangaform erzählt. Die Illustrationen stammen von Daniela Winkler, die Mangafans von ihrem Goth/Vampir-Manga „Grablicht“ kennen dürften. Weiterlesen …

[ROMAN] Der Savant von Innis von Susanne Esch

Autor: Susanne Esch
Taschenbuch: 326 Seiten
ISBN: 978-3-942277-29-7
Preis: 5,95 EUR (eBook) | 11,90 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Mit Beginn der Pubertät ändert sich Yuros überschaubares Leben in einem abgeschiedenen Kloster in den Grafilla-Bergen. Er entwickelt besondere Fähigkeiten, die er nur bedingt kontrollieren kann, zudem zieht es ihn in die Welt hinaus, um ein ihm unbekanntes Schicksal zu erfüllen. Als er sich entschließt den Konvent zu verlassen, begleitet ihn sein bester Freund Solus, zu dem er schon immer eine besondere Verbindung hat. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit und müssen erkennen, dass das Schicksal des Planeten Innis, der von außerirdischen Invasoren eingenommen wurde, in ihren Händen liegt. Doch der Weg zur Befreiung ist lang, denn selbst als sich Yuro als Savant entpuppt, ein Wesen, dass alle besonderen Fähigkeiten ihres Volkes in sich vereint, ist er noch lange nicht vor Fehlern gefeit …

Eigene Meinung:
Der Roman „Der Savant von Innis“ stammt von der deutschen Autorin Susanne Esch und erschien 2013 im Titus Verlag. Die Geschichte um Yuro und Solus wurde im März 2015 mit dem Roman „Solus – Reise in die Vergangenheit“ fortgesetzt, der nach den Ereignissen aus „Der Savant von Innis“ spielt. Neben diesen beiden Romanen erschienen weitere Bücher der Autorin im Titus Verlag. Weiterlesen …

[ZITATE-FREITAG] Sutphin Boulevard

Hallo ihr Lieben,

erst am Mittwoch habe ich euch den Roman von Santino Hassell vorgestellt, jetzt möchte ich ein paar Zitate aus dem Roman präsentieren, die mir sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Dieses mal sind es recht lange Zitate geworden, aber teilweise ging es einfach nicht anders – ich unterbreche halt ungerne mittendrin (im Grunde gäbe es noch weitere Stellen, die ich gerne zitieren würde). Ich hoffe, die Auswahl gefällt euch und macht euch neugierig – ich kann das Buch empfehlen und freue mich schon jetzt auf Band 2.

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meine Rezension

Zugegeben, es war ziemlich armselig, mich zu verstecken. Aber ich sah nicht ein, warum ich offen schwul sein sollte, bevor ich nicht wirklich fest mit jemandem zusammen war. Mein Schwulsein würde nur heißes Öl auf das Feuer gießen, das schon zwischen mir und meiner Familie brannte – insbesondere zwischen meinem Vater und mir.

Nunzio schnippte vor meiner Nase mit den Fingern. „Was zum Henker hast du nur? Ist es wegen letzter Nacht?“

Mein Gedankenfluss kam abrupt zum Stehen. „Was? Nein! Wieso sollte ich damit ein Problem haben?“

„Hm, lass mich überlegen. Vielleicht weil ich das Pornodrehbuch ein bisschen umgeschrieben und dir meinen Schwanz in den Arsch gesteckt hab?“

„Ay Dios….“ Ich sah mich um. „Sprich leiser.“

“Scheiß auf die Leute hier.“

Ich stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Jetzt reg dich ab. Ist nicht deswegen. Wir waren beide betrunken. Es ist passiert. War kein Ding.“

Seine Mundwinkel zogen sich nach unten. „So siehst du das also.“

„So habe ich‘s nicht gemeint, und das weißt du ganz genau.“

“Sutphin Boulevard”, S. 35 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Das hoffe ich, denn dann müsste er auch zugeben, dass er mit seinem früheren Teamleiter geschlafen hat.“

„Früheren Teamleiter?“ Ich setzte mich auf mein Pult. „Papi, Nunzio und ich kennen uns seit 20 Jahren. Damals hast du noch Sesamstraße geguckt und gelernt, aufs Töpfchen zu gehen. Ich bin so viel mehr als sein ehemaliger Teamleiter.“

Triumphierend zeigte David mit dem Finger auf mich. „Hab ich’s doch gewusst. Ihr seid doch zusammen!“

„Nein“, verbesserte ich ihn. „Er ist seit 20 Jahren mein bester Freund. Wir haben nichts miteinander. Das war das erste Mal, dass wir je sowas gemacht haben. Du hast uns inspiriert.“

„Blödsinn.“

„Wieso Blödsinn?“

David ließ die Hand sinken. „Wie er dich angesehen hat, wie du deine Finger nicht von ihm lassen konntest – es hat einfach so ausgesehen, als wäre er dein Lover. Davon, dass er kein Kondom benutzt hat, ganz zu schweigen.“

“Sutphin Boulevard”, S. 61 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Ich bin stolz auf dich, Michael. Ich wollte, dein Bruder wäre mehr wie du.“

„Dann benimm dich doch so. Versuch ihm beizubringen, wie man ein Mann wird. Hilf ihm, sich einen Job zu suchen, frag deine Freunde, ob sie jemanden kennen, der ihn einstellt. Tu irgendwas, außer ihn schlechtzumachen. Mach das, was du verdammt nochmal schon vor Jahren hättest tun sollen, dann fängt er vielleicht auch an, darüber nachzudenken, ob er Respekt vor dir haben sollte.“ Ich zog die Vorhänge zu. „Sei sein Vater und hör auf, eine Last zu sein.“

„Bald bin ich tot, dann falle ich keinem mehr zur Last.“

Er sah mich an und wartete auf eine Reaktion, aber ich behielt den gleichgültigen, harten Ausdruck bei. Ich weigerte mich, ihm zu zeigen, wie seine Worte mich innerlich aufwühlten und die Flasche in meiner Hand schwerer und schwerer machten. Ich hatte ganz vergessen, dass ich sie immer noch umklammert hielt.

Ich stellte die Flasche auf dem Couchtisch ab und zuckte die Achseln, als wäre er mir gleichgültig. Es war einfacher, ihn weiter abzulehnen, als ihm zu zeigen, wie vollkommen unvorbereitet ich darauf war, den zweiten Elternteil auch noch zu verlieren.

Das Schweigen zwischen uns zog sich in die Länge und wurde nur unterbrochen vom entfernten, dumpfen Aufprall des Balls auf Beton, dann drehte Joseph sich mit feuchten Augen weg.

Ich biss mir auf die Backe, um mich davon abzuhalten, mich zu entschuldigen und sah ihn mit gesenktem Kopf aus dem Zimmer gehen.

“Sutphin Boulevard”, S. 98 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Ach, das Übliche. Papa unterstellt doch schon immer, dass Nunzio mich langsam schwul macht.“

„Dann sag ihm doch einfach, dass du auch schon schwul warst, bevor du Nunzio kennengelernt hast.“

Nunzio zog gerade an der Pfeife, und bei Raymonds Worten verschluckte er sich am Rauch und fing an zu husten.

Ich starrte meinen Bruder an. Jetzt war ich es, der so tat, als sei er ein Ölbild. Ich versuchte, mein Gehirn neuzustarten, aber alles, was ich herausbrachte, war ein schwaches „Hä?“, während Nunzio nach Luft schnappte und mit der Hand auf die Matratze schlug.

Raymond rollte die Augen. „Ja denkst du denn ernsthaft, ich bin bescheuert? Wir haben uns verdammt nochmal ein Zimmer geteilt, Alter. Und ich bin dir überall nachgelaufen, als ich klein war. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich es nicht mitbekommen habe, wenn du immer aufs Dach oder hinter den Klos am Teich verschwunden bist?“

Die viel entscheidendere Frage war, warum ich mir eigentlich so sicher gewesen war, dass meine Ausflüge in den Captain-Tilly-Park unentdeckt geblieben waren, und warum ich nie darauf gekommen war, dass mein nerviger kleiner Bruder mir einfach folgen würde, wenn ich ihn mal wieder abgehängt hatte.

Beim Gedanken, dass der kleine Raymond beobachtet hatte, wie irgendein Typ bis zum Anschlag in meinem Mund oder meinem Hintern steckte, hätte ich mich am liebsten von der nächsten Brücke gestürzt.

“Sutphin Boulevard”, S. 149 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Pa ist tot.“ Raymond klang hölzern. Er sah auf seine Füße hinunter. Sie waren nackt. „Ich hab versucht, ihn zu wecken, aber er ist nicht aufgewacht. Ich dachte, er schläft.“

Das Gefühl in meiner Brust war vertrauter als mir lieb war: In mir breitete sich ein Loch aus, das immer größer wurde. Es war so dunkel, dass es mein Herz verschluckte und mir die Luft abschnürte.

„Ich …“

Ich sah den Polizisten an, aber er war schon mit etwas Anderem beschäftigt. Das Loch in meiner Brust wuchs weiter und schluckte all meine Gefühle wie ein Vakuum. Raymonds Finger gruben sich in meinen Arm.

„Ich … hätte dich anrufen sollen. Ich hab nicht nachgedacht … ich wusste nicht …“

„Ist okay. Ich kümmere mich drum, Ray. Du kannst hier bleiben.“

„Nein.“ Raymond kam näher und umklammerte mich fester. „Nein, ich komme mit.“

“Sutphin Boulevard”, S. 174 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„So wie Clive?“

Die Pause zog sich hin, aber Nunzio senkte nicht die Augen. Ich fürchtete, das Falsche gesagt zu haben, oder die falsche Frage gestellt zu haben – und das auch noch viel zu spät. An seiner Wange bebte ein kleiner Muskel, und schließlich zuckte er die Achseln.

„Ja. Und er hat es mir unter die Nase gerieben, so oft er konnte, weil er wusste, dass ich dich wollte. Er ist mir sofort auf die Schliche gekommen.“

„Aber ich hab nie was gemerkt.“

„Weil du so an mein Verhalten gewöhnt warst, dass du dachtest, es sei ganz normal. Und es war ja nicht so, dass ich mich jede Nacht nach dir verzehrt habe, aber er hat eben gesehen, wie ich dich manchmal ansehe. Er hat gemerkt, wie es mich fertig gemacht hat, wenn er dich abgeknutscht hat, wenn er dich Baby genannt hat, all diese kitschige Kacke. Und er wusste, wie furchtbar ich die Vorstellung fand, dass du je mit ihm zusammenziehen würdest. Damit bin ich aufgeflogen, an dem Tag, als wir darüber sprachen.“ Nunzio schnaubte leise. „Du warst einkaufen und hast mich mit dem Idioten alleine gelassen, und er hat davon angefangen. Ich muss so ausgesehen haben, als hätte mir gerade einer die Eier abgeschnitten, und von da an wusste er genau, was mit mir los war.“

„Ich wär nie im Leben mit ihm zusammengezogen.“

„Vielleicht nicht. Aber du hast es trotzdem ernst gemeint mit ihm. Ich war früher schon eifersüchtig auf deine anderen Kerle, aber da ging es um Sex. Die durften dich anfassen und ich nicht. Aber mit Clive … eine Zeitlang sah es wirklich so aus, als würdet ihr zusammenbleiben. Es war einfach anders.“

“Sutphin Boulevard”, S. 203 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

Der nächste Gedanke schoss mir so schnell durch den Kopf, dass ich erschrak.

Ich wollte nach Hause, duschen und dann meinen Kater mit einem Drink bekämpfen. Ich wollte es so sehr, dass ich es förmlich schmecken konnte. Ich konnte die Erleichterung spüren, spüren, wie meine Kopfschmerzen nachließen und wie meine Anspannung sich löste. Ungefähr 30 Sekunden lang wies ich den Gedanken von mir. Dann sagte ich mir, dass ein einziger Drink nicht schaden würde. Nur um den Kopf wieder klar zu bekommen. Nur zum Entspannen und um den Kater loszuwerden. Aber würde ein Drink wirklich ausreichen? Meine Toleranz war mittlerweile so groß, dass es etwas Starkes sein müsste …

Zum ersten Mal seit Wochen war ich ausgeruht und hatte keine Giftstoffe mehr im Blut. In der Helligkeit des flimmernden Lichtes sah ich viel zu klar, wie sehr diese Gedanken all das bestätigten, was Raymond gesagt hatte.

Scheiße.

“Sutphin Boulevard”, S. 229 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Wenn eins zum anderen kommt …“ Ich machte eine Pause und versuchte in Worte zu fassen, was mich jeden Tag beschäftigte. Es war schwierig, auszudrücken, was einer der Hauptgründe dafür war, dass ich in der Therapie nie etwas sagte. „Wenn etwas passiert, das ich nicht in Ordnung bringen oder kontrollieren kann, bin ich so gestresst, dass ich mich abschalten muss. Sonst drehen sich meine Gedanken die ganze Zeit im Kreis.“ Ich drehte den Finger neben meinem Ohr. „Ich kann nicht schlafen, also bleibe ich wach und brüte weiter. Am nächsten Tag bin ich dann total fertig, und dann wird es nur noch schlimmer. Alles ballt sich in meinem Kopf zusammen, bis ich kurz davor bin zu explodieren, und ich denke immer wieder die gleichen beschissenen Gedanken. Es endet damit, dass ich will, dass es aufhört, und das passiert nur, wenn ich aufhöre, ich selbst zu sein und mir selber entkomme. Meinen Problemen. Einfach allem.“

„Und das gelingt dir, wenn du trinkst?“

„Das gelingt mir, wenn ich trinke.“

Fix nickte verständnisvoll. „Also hast du lieber einen Filmriss als du selbst zu sein?“

„Manchmal schon. Und ich weiß genau, wie es sich anhört.“

„Es klingt so, als ob du ein schwarzes Loch willst und nicht die Wirklichkeit. Lieber eine große Lücke als dein Gedächtnis. Und immer, wenn mir jemand so etwas erzählt, frage ich mich, wie lange es noch dauert, bis sie für immer weg sein wollen.“

“Sutphin Boulevard”, S. 258 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

Damit verabschiede ich mich für diese Woche – mal schauen, was ich mir für die kommende Woche rauspicke. Aktuell habe ich noch keine Ideen. Wie immer könnt ihr mir eure Wünsche mitteilen – ich würde mich freuen.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Sutphin Boulevard von Santino Hassell

Autor: Santino Hassell
Taschenbuch: 291 Seiten
ISBN:  978-1-63477-775-9
Preis: 6,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Seit über 20 Jahren sind Michael und Nunzio beste Freunde, zusammengeschweißt durch eine ähnlich schwere Kindheit und etliche Probleme, die sie stets gemeinsam bewältigt haben. Eine Reise nach Italien soll die beiden New Yorker Lehrer auf andere Gedanken bringen, doch ausgerechnet kurz vor dem Abflug taucht Michaels alkoholkranker Vater wieder auf und nistet sich bei dessen jüngerem Bruder Raymond im Haus ihrer verstorbenen Mutter ein. Kurzerhand kippt Micheal die Reise und zieht zurück nach Hause, um den Burgfrieden zwischen seinem Vater und Raymond irgendwie zu wahren. Zudem will er in Ruhe über den heißen Dreier nachdenken, den er kurz zuvor mit Nunzio und dem jungen David genossen hat, denn der intensive Sex mit seinem besten Freund richtet ein gewaltiges Chaos in Michaels Gefühlswelt an. Zu allem Überfluss wird David als neue Lehrkraft an seiner Schule eingestellt und zu Hause droht die Situation mit Micheals Vater endgültig zu eskalieren. Als der alte Mann stirbt, bricht Michael endgültig zusammen und greift selbst zur Flasche, ohne darauf zu achten, in welchen Teufelskreis er sich begibt …

Eigene Meinung:
„Sutphin Boulevard“ ist der erste Teil der „Five Boroughs“-Reihe von Santino Hassell und erschien im Juni 2016 in deutscher Übersetzung bei Dreamspinner Press. Der Roman markiert den ersten Teil der „Five Borough“-Reihe, deren Bücher in New York spielen. Vom Autor liegen etliche weitere Romane und Reihen in englischer Sprache vor. Weiterlesen …

[ROMAN] This ain’t Love von Rosha Reads

Autor: Rosha Reads
Taschenbuch: 266 Seiten
ISBN: 978-3-945934852
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 11,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Für den jungen Arbeiter Finn sind One-Nights-Stands ein absolutes No-Go. Für ihn gehört zum Sex Vertrauen und ein fester Partner, dem er sich ohne Bedenken hingeben kann. Da solche Männer eher eine Seltenheit sind, ist Finn zumeist allein und geht im Gegensatz zu seinem besten Freund nach einem Barbesuch meist allein nach Hause. Sein neuer Nachbar Kyle ist in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil: gutaussehend, souverän und gut betucht. Zudem hat er einen ungewöhnlichen Nebenjob: er ist Luxus-Callboy und schläft gegen Geld mit Männern.

Gegen alle Bedenken und trotz aller Unterschiede werden die beiden Freunde – Finn genießt die Nähe zu seinem Nachbarn, Kyle kann sich Finns rauer Attraktivität nur schwer entziehen. Selbst als sie miteinander im Bett landen, weigern sich beide zuzugeben, dass mehr Gefühle im Spiel sind, als sie wahrhaben wollen …

Eigene Meinung:
Der lockerleichte Roman „This ain’t Love“ von Rosha Reads erschien als „Cock Lit“- Veröffentlichung bei Deadsoft. Die Veröffentlichung ist nicht die erste Publikation der Autorin – unter ihrem richtigen Namen erschienen bereits diverse Kurzgeschichten und Romane, u.a. der Roman „Into Blackness – Die Schwärze hinter dem Licht“, der 2015 beim Deadsoft-Label Tensual Publishing erschien. Weiterlesen …

[ROMAN] Vielleicht für immer von Susann Julieva

Autor: Susann Julieva
Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN: 978-3-95823-047-7
Preis: 7,95 EUR (eBook) | 10,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Sam seine große Jugendliebe Gabriel aus den Augen verloren hat, nachdem dieser den Kontakt komplett einstellte. Seitdem ist Sam kaum in der Lage eine vernünftige Beziehung zu führen – zu sehr wiegt die Angst erneut fallen gelassen zu werden. Da bietet sich ihm plötzlich die Möglichkeit die Angelegenheit direkt mit Gabriel, der inzwischen zum aufstrebenden Star der Musikbranche avanciert ist, zu klären. Für die Europatour wird kurzfristig ein Kameramann gesucht, der Gabriel und die Gruppe begleitet und für die Fans kleine Videobotschaften erstellt. Sofort bringt Sams beste Freundin Leni ihn beim Assistenten von Gabes Managerin ins Gespräch und kurz darauf hat er den Job.

Die Europatour beginnt unterkühlt, doch schon bald muss Sam erkennen, dass seine Gefühle für Gabe auch nach so langer Zeit nicht erloschen sind. Auch der junge Musiker kann sich seiner alten Liebe nur schwer erziehen, hütet jedoch ein Geheimnis, dass alles zerstören könnte, was sich zwischen den beiden Männern anbahnt …

Eigene Meinung:
Susann Julievas „Vielleicht für immer“ erschien 2016 beim Cursed Verlag. Die Geschichte ist ein Spin-Off ihres Debüts „Böse Jungs“ (erschienen bei Ullstein Forever), bzw. der Bonusgeschichte „Berlin Blues“, in der Gabriel West erstmals als Nebenfigur auftauchte. Der Roman über Gabe und Sam ist in sich abgeschlossen. Weiterlesen …

[ROMAN] Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille von Andromeda Spice

Autor: Andromeda Spice
Taschenbuch: 412 Seiten
ISBN: 978-3-7386-5924-5
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 12,69 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Ludovic lebt mit seinen Eltern und seiner treuen Hündin Mösie am Rande der Galaxis auf dem Zwergplaneten XLD-32b. Sein Leben ist überschaubar und einfach, denn nur selten verirren sich Reisende in diesen abgeschiedenen Teil des Universums. Der Absturz des Raumschiffes Millenium Mopsum in der Nähe seines Wohnhauses bietet Ludovic urplötzlich die Möglichkeit dem tristen Alltag zu entkommen, denn die sechs Möpse – Wilma, Ovo und Misty – wollen die Galaxis vor dem dritten interstellaren Zickenkrieg retten und benötigen dringend Unterstützung. Für Ludo ist klar, dass er sich dem chaotischen Transen-Trio anschließt, um endlich das Universum kennenzulernen. Der Weg der Truppe führt sie nach Epítomo, wo ihnen eine kostbare goldene Pille überreicht wird, die alles Böse und Schlechte der Galaxis verschwinden lassen kann. Dafür müssen sie allerdings rechtzeitig zur nächsten Superlola auf dem organischen Planeten Hubba Bubble sein, was nicht leicht fällt, denn ihre Gegnerin Franka Vaginatra ist Ludo und den sechs Möpsen bereits auf den Fersen …

Eigene Meinung:
Die durchgeknallte Sci-Fi-Parodie „Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille“ erschien 2015 im Selbstverlag und stammt aus der Feder Andromeda Spices. Der Roman markiert den ersten Band einer Reihe und endet dementsprechend offen. Eine Fortsetzung ist bisher noch nicht in Sicht, so dass man sich wahrscheinlich länger gedulden muss, wenn man wissen will, wie die Geschichte der chaotischen Gruppe weitergeht. Weiterlesen …

[ROMAN] Die Magie der Namen von Nicole Gozdek


Autor: Nicole Gozdek
Hardcover: 368 Seiten
ISBN: 978-3492703871
Preis: 12,99 EUR (eBook) | 16,99 EUR (Hardcover)
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Story:
In Mirabortas bestimmt die Namensmagie über alles: Aussehen, Anerkennung und Ruhm erlangen die Nummern (Kinder), die am Tag der der Namensgebung einen bedeutenden Namen erhalten. Auch Nummer 19 träumt davon ein großer Name zu werden, um endlich aus der Bedeutungslosigkeit zu fliehen und etwas Großes zu vollbringen. Doch als es soweit ist, erhält er den Namen Tirasan Passario, während seine Klassenkameraden teilweise als bekannte und berühmte Persönlichkeiten wiedergeboren werden. Von einem Tirasan hat niemand je etwas gehört, so dass er den Weg nach Himmelstor antritt um mehr über sich und seine Vergangenheit zu erfahren. Dabei wird er von dem Krieger Rustan Polliander, der Magierin Nelia Wabloo und deren Freunden begleitet und muss schon bald feststellen, dass sich mehr hinter dem Namen Tirasan verbirgt, als er gedacht hat – denn es gibt Menschen, die ihn aus dem Weg räumen wollen …

Eigene Meinung:
„Die Magie der Namen“ stammt aus der Feder Nicole Gozdek, die mit ihrem Fantasy-Roman die Piper Awards auf Wattpad gewann. Das Buch erschien im Hardcover beim Piper-Label ivi, und soll im kommenden Jahr mit dem Roman „Die gestohlen Wirklichkeit“ fortgesetzt werden, da noch etliche Punkte offen sind und auch das Thema von Rustans Homosexualität (das am Ende des vorliegenden Buches auf zwiespältige Art gelöst wurde) erneut aufgegriffen werden soll. Weiterlesen …

[ZITATE-FREITAG] Café der Nacht

Hallo ihr Lieben,

einmal mehr habe ich mir für heute ein wundervolles Buch rausgepickt, das ich euch auf diesem Weg näherbringen möchte: “Café der Nacht” von Susann Julieva. Wer ruhige, intensive Coming-of-Age Romane mag und Bücher liebt, die in der Künstlerszene spielen, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen. Mir hat es unheimlich gut gefallen – ich mag den Stil der Autorin, die Dialoe und die Beschreibungen. Wer das Buch also noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren 🙂

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meine Rezension

Er richtete sich unwillkürlich auf. Am Briefpapier war ein wundersam vertrauter Duft, der staubige Fetzen von Vergangenheit aus dunklen Ecken zerrte. Lavendel … und das ausgelassene Klirren von Gläsern wie ein Echo in seinen Gedanken.

In elegant geschwungener Handschrift waren nur wenige Sätze flink aufs Papier geworfen worden. Maxim las sie zweimal, dreimal und schließlich nochmals, während er sich abwesend hinter seinen Schreibtisch zwängte und auf den knarrenden Stuhl sank. Diese Worte – zu unglaublich, wie ein Schlag, noch unbewertet, ob erfreulich oder nicht. Der Brief war von seiner alten Freundin Dela. Und wie es schien, war er von diesem Moment an designierter neuer Besitzer des legendären Cafés der Nacht.

“Café der Nacht”, S. 6 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Zunehmend von einer warmen, entspannten Müdigkeit umfangen beobachtete er seine Umgebung. Ein neues Zuhause, ein neues Leben. Alles war so schnell gegangen. Schwindelerregend schnell. So schnell, dass es noch gar nicht real schien. Er blieb in seiner Nische, bis irgendwann, spät, endlich alle gegangen waren. Bis Rufus zum letzten Mal die Bar abgewischt und ihm den Weg in den zweiten Stock zu seinem Pensionszimmer gezeigt hatte. Dort fiel er sofort wie erschlagen ins Bett und schlief traumlos wie ein Stein. Denn von jetzt an erwarteten ihn Träume, die bereits seine Tage füllen würden. Und so fing alles an.

“Café der Nacht”, S. 28-29 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Vida nickte und neigte den Kopf leicht zur Seite, während sie behutsam den Zucker in ihrem Cappuccino verrührte. Sie nahm ihre Sonnenbrille ab. „Und so eine Leidenschaft vermisst du in deinem Leben.“

„Ich weiß, das ist Blödsinn.“

„Wieso ist das Blödsinn?“

„Ich meine bloß, ich kann nicht ewig Hilfsbarkeeper bleiben. Irgendwann werde ich mir wohl einen richtigen Beruf suchen müssen. Etwas Ernsthaftes.“

Sie lächelte. „Schon seltsam. Wir leben in einer Gesellschaft, die Künstler zwar bewundert, aber die Kunst für brotlos hält. Da sind all diese wohlmeinenden Menschen, die meinen, man sollte besser einen soliden Beruf ergreifen.“ Eine der beiden Bienen kam herangeschwirrt und ließ sich auf Vidas Untertasse nieder. Sie betrachtete das pelzige Insekt und stellte ihre Tasse auf der weißen Tischplatte ab. „Dabei ist die Basis von Kunst Unvernunft. Es sind immer die unvernünftigsten Künstler, die die größten Meisterwerke schaffen. Stell dir vor, Schiller hätte auf seinen Vater gehört und wäre Regimentsarzt geblieben. Oder Michelangelo hätte sich wegen seiner Zweifel nie an die Sixtinische Kapelle gewagt.“

„Aber es ist gar nicht so leicht, unvernünftig zu sein.“

„Gegen den Strom zu schwimmen ist immer gefährlich“, meinte Vida versonnen. „Der Weg des Künstlers ist riskant, weil es die bewusste Entscheidung für ein anderes Leben ist, als das von der Gesellschaft als normal erachtete. Das ist oft schwer zu ertragen.“

“Café der Nacht”, S. 83 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Monroe blinzelte. Als würde er aus einer Trance erwachen, begreifen, was er im Begriff war, zu tun. Rasch sah er weg, in Sekundenschnelle wieder distanziert und unnahbar. Der Moment verstrich. Maxim schloss die Augen, die Hitze verflog. Die Vertrautheit des Moments zerriss wie ein Spinnennetz im Wind, wehte davon. Gerade noch mal davongekommen. Maxim war schwindelig bei dem Gedanken daran, was er gerade eben fast hätte geschehen lassen, und doch saß die Enttäuschung tief.

Monroe wollte ihn nicht, würde ihn nie wollen. Was immer gerade zwischen ihnen vorgegangen war, er war high, er war nicht er selbst gewesen. Und doch fühlte es sich an, als wäre genau das Gegenteil der Fall gewesen. Als wäre er drauf und dran gewesen, die Mauer, die ihn umgab, einzureißen und Maxim einzulassen. Maxim sah in den Himmel hinauf und schnaubte leise über seine Einfältigkeit. Sicher bildete er sich das alles nur ein. Wunschdenken. Er musste aufhören mit diesem Unsinn, oder es würde ihm wirklich ergehen wie Nona. Dennoch blieb eine nie gekannte Leere, ein vages Sehnen zurück. Und ein verwirrtes, viel zu schnell pochendes Herz.

“Café der Nacht”, S. 111-112 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Er schien nur noch aus Sehnsucht und Verlangen zu bestehen. Das alles war einfach zu viel. Er wusste nicht, wie es geschah, doch irgendetwas übernahm die Kontrolle. Wie von selbst lehnte er sich hinüber, sachte, langsam, und küsste Vida, sanft und behutsam. Vidas Lippen waren weich und warm.

Maxim öffnete langsam die Augen. Er blickte direkt in das unergründliche Grün. Sah, was in den Tiefen ihres Blickes geschah.

Ein Erkennen, Verstehen. Und sofort darauf eine tiefgehende, so ohnmächtige Traurigkeit, dass Maxims Kehle schlagartig wie zugeschnürt war. Er begriff nicht, was hier gerade vor sich ging, aber ihm war klar, dass er etwas Falsches getan hatte. Etwas Unverzeihliches.

Maxim war so bestürzt, dass er sich weiß werden fühlte. „Entschuldige“, flüsterte er.

Vida erhob sich wortlos. Maxim spürte intuitiv, dass er etwas zwischen ihnen zerbrochen hatte. Es war, als ob er beobachten könnte, wie Monroes Gesicht die magische Wandlung durchlief, wie er wieder zu sich selbst wurde. Monroe hob langsam die Hand und zog die dunkle Perücke von seinem Kopf. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung, kein Gefühl. Doch sein Blick traf Maxim bis ins Mark. Als er die Stille brach, war seine Stimme rau und abweisend. „Bist du jetzt zufrieden?“

“Café der Nacht”, S. 224 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

„Das ist Unsinn, Liebes! Sieh mich an, Maxim. Du hast nie zwischen ihnen gestanden. Dean hat nur dich geliebt!“

Maxim starrte sie an, sprachlos für einen Moment. Er sah weg, um zu verbergen, wie berührt er war. Geliebt. Wie hätte er da jemals sicher sein können? Doch Dela dies sagen zu hören, war fast so, als hätte Monroe es selbst gesagt. Für einen Moment schien er hier zu sein, ganz nah. Maxim schloss die Augen. Mühsam sammelte er sich.

„Du liebst ihn immer noch“, bemerkte Dela weich und strich ihm behutsam über den Arm.

Maxim wurde in dem Moment, in dem sie es aussprach, klar, dass es die Wahrheit war. Er liebte ihn. Er liebte Dean Monroe, und er würde es immer tun. Es hatte keinen Sinn, es länger vor sich selbst zu verleugnen. „Ich habe versucht, das zu lassen“, erwiderte er betont heiter. „Das ist schließlich verrückt. Es ist zwanzig Jahre her. Und alles, was wir hatten, war ein Augenblick.“

„Nenn mich eine Romantikerin, aber manchmal ist das alles, was nötig ist.“ Sie lächelte.

“Café der Nacht”, S. 255-256 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Maxim sah versonnen an ihm vorbei. „Aber Freiheit ist einsam.“

„Freiheit ist das Einzige, was zählt. Eher würde ich mir eigenhändig einen Finger abhacken, als sie zu verlieren.“

„Du würdest dir einen Finger abkacken? Du bist ja verrückt.“ Maxim sah ihn halb lachend, halb entgeistert an.

Monroe jedoch schien es ernst zu meinen. „Ich würde noch viel mehr tun, wenn es nötig wäre.“

Maxim grinste und tippte auf Monroes rechte Hand. „Welchen denn?“ Er zeigte auf den Mittelfinger. „Den hier?“

„Niemals. Der wird gebraucht.“

„Wie wär’s mit dem Ringfinger? Das wäre doch poetisch. So voller Aussagekraft.“

Monroe lachte. „Sehr gut. Der soll es sein.“

„Du spinnst.“

„Zum Glück.“ Seine Augen jedoch waren ernst, als er Maxim wieder ansah. „Irgendwann werden wir beide frei sein, du und ich. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen.“

Maxim sah ihn fragend an. Sein Herz pochte laut. „Der Zeitpunkt für was?“

Monroe lächelte nur. „Merk dir das, Max. Merk dir meine Worte. Vergiss sie nicht.“

“Café der Nacht”, S. 266-267 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Er fühlte eine Leere in sich, wie er sie nicht mehr empfunden hatte, seit Monroe damals vom Café der Nacht fortgegangen war. Nun hatte er ihn zum zweiten Mal verlassen, und diesmal war es seine eigene Schuld. Doch anders als damals hatte er die Gewissheit, dass ihre Geschichte damit endgültig zu Ende war. Es würde keine Fortsetzung geben. Es gab keinen richtigen Zeitpunkt für sie. Das hatte er Monroe ins Gesicht gesagt, getrieben von altem Zorn und verletztem Stolz. Doch hatte er es auch wirklich so gemeint?

Allmählich erst wurde ihm klar, was Monroe ihm da gerade offenbart hatte. Er hatte ihn nicht vergessen. Er hatte sein Leben, seinen Werdegang aus der Ferne verfolgt. Weshalb nur? Weshalb nur immer dieser Sicherheitsabstand? Und nun dieser Vorschlag aus heiterem Himmel. Warum war er damit ausgerechnet zu ihm gekommen? Hatte er es schon bei anderen versucht? Fragen und Zweifel nagten an ihm, beruhigende Zweifel, denn sie halfen ihm, zu glauben, dass er das Richtige getan hatte. Doch Monroe behielt recht. Maxim wünschte sich an jedem Tag nach diesem, er hätte Monroe niemals mehr wieder gesehen. Besonders nachdem die zwanzig Uhr Nachrichten berichtet hatten, dass er tot war.

“Café der Nacht”, S. 303-304 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Damit verabschiede ich mich für diese Woche – nächste Woche werde ich erstmals ein lesbisches Buch im Rahmen des “Zitate-Freitags” präsentieren. Seid gespannt, auf welches Buch meine Wahl fällt 😉

Liebe Grüße,
Juliane