
Autor*in: Markus Köhler
Taschenbuch: 404Seiten
ISBN: 978-3696370916
Preis: 7,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Marc ist in seinem tristen, überschaubaren Alltag gefangen, der vorwiegend aus Arbeit, wenig sozialen Kontakten und geregelten Abläufen besteht. Veränderungen und Überraschungen gibt es kaum, bis er sich in einem Film Forum anmeldet und dort den Nutzer SilverMoon kennenlernt. Ihre Gespräche beginnen bei Filmen und werden nach und nach persönlicher, bis Marc in dem fremden Mann einen Freund und mehr findet. Als SilverMoon plötzlich den Kontakt abbricht, macht sich Marc auf die Suche nach dem Mann, der ihn aus seiner Alltags-Tristesse befreit hat …
Eigene Meinung:
Der Roman “Wenn du bleibst” von Markus Köhler erschien im Sommer 2026 im Eigenverlag; es handelt sich um das Debüt des Autors. Die Geschichte um Marc und John ist als eBook und im Taschenbuch erhältlich und umfasst ca. 400 Seiten.
Die Geschichte entführt Lesende zunächst in Marcs Leben, der in einer deutschen Großstadt lebt und dessen Alltag aus seiner Arbeit an einer Imbissbude und einsamen Abenden in einer kleinen, unpersönlichen Wohnung besteht. Er hat wenig Kontakt zu anderen Menschen und ist sehr ruhig, zurückgezogen und introvertiert. Erst als er sich mit John aka SilverMoon austauscht, beginnt er sich Stück um Stück zu verändern, wird offener und kommunikativer. Die beiden kommen sich im Laufe des Schriftwechsels immer näher, entdecken Gemeinsamkeiten und vertrauen einander ihre persönlichen Gedanken und Gefühle an – ohne dass sie sich jemals begegnen. Das ändert sich erst, als John plötzlich den Kontakt abbricht und Marc auf die Suche geht.
Markus Köhlers Geschichte zweier Männer ist geprägt von Ruhe, Unaufgeregtheit und leisen Tönen. In gewisser Weise prägt er den Begriff Slow-Burn vollkommen neu, denn es dauert viele Hundert Seiten und unendlich vielen Mails und Nachrichten bis sich Marc und John ein wenig näherkommen und mehr offenbaren. Als Leser*in ist man stets an Marcs Seite, lernt ihn sehr gut kennen und erlebt seine Entwicklung. So schön es ist, die kleinen Beobachtungen und Änderungen mitzuerleben, teilweise zieht sich die Geschichte doch ein wenig. Zudem gibt es Szenen in Marcs Leben, die sich wiederholen, z. B. das Treffen mit ehemaligen Mitschülern, bei dem man den Eindruck hat, die Dialoge laufen wortwörtlich identisch ab. Es gibt öfters Szenen, wo man sich denkt – das hatten wir doch schonmal. So schön das langsame Wachsen der Beziehung zwischen Marc und John ist, nach vielen nahezu identischen Szenen ermüdet die Geschichte ein wenig. Es wird erst wieder interessant als Marc sich auf die Suche macht und letztendlich ins Flugzeug steigt, um zu John zu fliegen.
Die Figuren sind gut ausgearbeitet und wachsen Leser*innen schnell ans Herz, bleiben einem aber trotz der intensiven Geschichte ein wenig fremd. Da es jedoch Marcs Charaktereigenschaft ist, Menschen auf Distanz zu halten, funktioniert das in “Wenn du bleibst” sehr gut – man spürt als Leser*in quasi selbst, wie Marcs Persönlichkeit ist. Da man John nur durch Marcs Augen kennenlernt, bleibt einem seine Natur zwar nicht gänzlich verborgen, doch man kommt ihm nicht so nahe, um ihn wirklich intensiv kennenzulernen. Insgesamt bleibt man bei den beiden Hauptfiguren eher ein Beobachter, der ihre Geschichte aus der Distanz miterlebt, anstatt hautnah dabei zu sein.
Weitere Nebenfiguren sind spärlich gesät, da der Fokus deutlich auf Marc und John liegt und Marcs Kollegin oder Johns Großmutter trotz wichtiger Gesprächspartner, nur am Rande vorkommen. Dementsprechend lernt man diese eher oberflächlich kennen.
Stilistisch ist “Wenn du bleibst” ein wenig gewöhnungsbedürftig, da Markus Köhler einen sehr schlichten, reduzierten Stil hat, der auf unnötige Wörter, Sätze und Beschreibungen verzichtet. So wird man keine ausufernden Darstellungen finden, weder von Marcs Gefühlswelt noch von den Städten, Personen oder persönlichen Hintergründen der Charaktere. Auch die Tatsache, dass nach jedem Satz ein Absatz gesetzt wurde, fühlt sich zu Beginn seltsam an, da er das gewohnte Lesemuster durchbricht und man den Eindruck hat, dass auf diese Weise unnötige viele Seiten gefüllt werden. Bei Dialogen verliert man zudem ab und zu den Faden (ganz besonders bei mehreren Personen), da auf erklärende Beschreibungen wie z. B. “sagt Marc” verzichtet wurde und man nur das Gesagte als Anhaltspunkt hat. Trotz der Kritikpunkte entfaltet der Text beim Lesen dennoch eine ungewohnte Wucht und vermag zu berühren, was aufgrund der Tatsache, dass er bewusst einfach und knapp gehalten ist, beeindruckend ist.
Eigene Meinung:
“Wenn du bleibst” ist ein stiller, sensibler und ruhiger Roman, der durch eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte, empathische Figuren und eine reduzierte, schlichte Sprache besticht, die durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Markus Köhler erzählt die Geschichte zweier Männer, die sich in ihren Welten eher als Außenseiter fühlen und sich über Nachrichten und Emails näherkommen. Wer ruhige, stille Geschichten mag, in denen der Fokus auf den Figuren liegt und den es nicht stört, wenn die Handlung nur langsam voranschreitet, wird mit dem Roman nichts falsch machen. Wegen des ungewohnten Stils empfiehlt sich aber vorab ein Blick in die Leseprobe.





