
Autor*in: Priest
Übersetzer*innen: Monja Reichert
Hardcover: 496 Seiten
ISBN: 978-3551625939
Preis: 14,99 EUR (eBook) / 28,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Der 13-jährige Chang Geng wächst in der Grenzregion des Reiches Groß Liang auf. Neben seiner Mutter, die ihn kalt und abweisend behandelt, sind der Gelehrte Shen Yi und der halbblinde und -taube Nichtsnutz Shen Shiliu seine einzigen Bezugspersonen. Letzterer hat die Rolle des Ziehvaters übernommen, nachdem er Chang Geng das Leben gerettet hat. Sein überschaubares Leben ändert sich, als die Grenzstadt von den “Barbaren” aus dem Norden angegriffen wird und sich ausgerechnet Shen Shiliu als bekannter und mächtiger Kriegsheld Gu Yu entpuppt, der mit seinen Soldaten die Grenzen des Reiches sichert. Chang Geng wird offenbart, dass er der vierte Prinz des Kaisers ist und reist mit Gu Yun in die Hauptstadt, was erst der Anfang seiner Probleme ist …
Eigene Meinung:
“Stars of Chaos” ist eine fünfbändige Danmei Reihe der Autorin Priest und erschien im Original 2015. Nun kam der erste Band in Deutschland bei Hayabusa heraus und markiert den Start der fantastischen Danmei-Steampunk-Reihe. Die Geschichte um Chang Geng und Gu Yun kommt als hübsch aufgemachtes Hardcover mit Farbschnitt, Buchumschlag und Lesebändchen auf den Markt, zudem ist ein Page-er der beiden Hauptfiguren enthalten. Band zwei soll im Dezember auf den Markt kommen.
Die Geschichte entführt Leser*innen nach Groß Liang, einem fiktiven, historischen China, in dem die Menschen statt Kultivierung technische Errungenschaften für sich entdeckt haben. So gibt es Maschinen, die mit violettem Gold betrieben werden, einem seltenen Rohstoff, der dafür sorgt, dass der Zugang zu dem Rohstoff stark reglementiert ist. So steht auch für das Militär nur eine begrenzte Menge zur Verfügung, um die gewaltigen Kampfrüstungen zu betreiben, die Soldaten im Kampf verwenden. In diesen Zeiten wächst Chang Geng an der Grenze zum Nordreich der Barbaren, ohne zu ahnen, dass er der vierte Sohn des Kaisers ist. Auch sein Ziehvater entpuppt sich als geachteter und gefürchteter Anführer Gu Yun der Truppe Schwarzes Eisen, was alles noch komplizierter macht, da er ausgerechnet zu diesem allmählich Gefühle entwickelt – was Gu Yun weder registriert noch überhaupt in Betracht zieht.
Die Handlung schreitet insgesamt sehr langsam und bedächtig voran – nachdem Chang Geng in die Hauptstadt gekommen ist, passiert relativ wenig spannendes. Weder gibt es weitläufige Intrigen, die sein Leben bedrohen, noch können Boys Love Fans im ersten Band schon auf eine Liebesgeschichte hoffen. Das liegt vorrangig daran, dass Chang Geng viel zu jung ist, sprich die Autorin lässt ihn notgedrungen erst einmal erwachsen werden, bevor sie die Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren beleuchtet. Dementsprechend sollten sich Leser*innen bewusst sein, dass im ersten Band wirklich nichts passiert – Slow Burn Romance bedeutet bei Priest, dass die beiden sich erst in Band 2 oder 3 näherkommen. In der Beziehung ist der Klappentext wirklich irreführend, da er nicht den wirklichen Inhalt des Buches widerspiegelt, sondern eher einen Ausblick auf die nächsten Bände gibt.
Die Charaktere sind gewöhnungsbedürftig, da sie größtenteils unberechenbar sind und selten so agieren, wie man es erwartet. Chang Geng verhält sich meistens nicht wie ein junger Teenager, sondern wie ein Erwachsener mit entsprechender Lebenserfahrung – er ist für sein Alter sehr ruhig, gefasst und handelt überlegt und kontrolliert. Im Gegenzug dazu ist Gu Yun unreif und handelt selten wie der erwachsene Part – er ist unfähig, sich auf einen heranwachsenden Jungen einzustellen oder mit ihm auf Augenhöhe zu reden. Zudem übernimmt er ungern Verantwortung für seine Taten, so dass man sich fragt, wie er überhaupt als Anführer eines militärischen Trupps respektiert werden kann.
Die Nebenfiguren sind mitunter sympathischer und angenehmer, als die beiden Hauptfiguren, allen voran Shen Yi, der zwar auch ein Gelehrter ist, sich aber für die technischen Errungenschaften interessiert und als Freund und Mechaniker an Gu Yuns Seite ist. Auch Chang Gengs Kindheitsfreunde sind interessante Figuren, die sich in den Folgebüchern hoffentlich noch weiterentwickeln dürfen.
Stilistisch ist “Stars of Chaos” ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Figuren – Priest hat einen etwas holprigen, unausgereiften Stil, der sich durch viele Längen auszeichnet. So passiert im Mittelteil der Geschichte so gut wie nichts – Chang Geng bekommt seinen Ziehvater kaum zu Gesicht und wenn dann enden die Begegnungen häufig im Streit. Auch spannende Intrigen oder packende Kämpfe sucht man vergebens, diese kommen erst am Ende des Bandes wieder zum Tragen, doch bis dahin muss man durchhalten. Es scheint, als wollte die Autorin abwarten, bis Chang Geng älter ist, was die Frage aufwirft, warum sie sein Alter nicht von Anfang an auf 16/17 gesetzt hat, denn es gibt keine Gründe, ihn zu Beginn der Geschichte auf 13 zu setzen – eine wirkliche Entwicklung seiner Figur findet zwar statt, aber Leser*innen bleiben dabei außen vor. Auch die Welt kann Priest nicht authentisch und nachvollziehbar gestalten. Trotz vieler Beschreibungen bleibt sie blass und ungreifbar. Ganz besonders die Maschinen kann man sich nur schwer vorstellen, allen voran die Kampfrüstungen, bei denen man nicht einmal weiß, wie groß sie eigentlich sind. So gibt es zwar Steampunk-Elemente und die Ursprünge dieser sind durchaus spannend und bieten viel Potenzial, doch so recht fügen sie sich nicht in das historische China ein.
Fazit:
Der Auftaktband der “Stars of Chaos”-Reihe von Priest hinterlässt ein durchwachsenes Gefühl – so interessant die Grundidee und die Kombination aus historischem China und Steampunk ist, so wenig kann die Umsetzung von Priest überzeugen. Die Figuren sind inkonsistent und handeln oftmals unlogisch, die Geschichte schreitet eher gemächlich voran und bietet keinen wirklichen Spannungsbogen und der Stil der Autorin ist Geschmackssache, da er nicht wirklich zu fesseln vermag. Wer jedoch Lust auf ein ungewöhnliches Danmei-Setting hat, mal einen anderen Genre-Mix lesen möchte und Priests Geschichten mag, kann einen Blick riskieren. Im Steamfantasy-Bereich gibt es zwar besseres (z.B. “Die Stadt der Maschinenmagie” von Tanja Meurer), doch vielleicht wird die Geschichte im weiteren Verlauf besser.





