
Autor*in: J. Soori
Übersetzer*inne: Alexandra Dickmann
Taschenbuch: 528 Seiten
ISBN: 978-3426567180
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 18,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Das Leben des Informatikstudenten Sangwoo Choo folgt klaren Regeln und Strukturen, Änderungen und Chaos werfen ihn schnell aus der Bahn. Aus diesem Grund fokussiert er sich aufs Studium, hat keine engeren Freund*innen und kann sich Gesichter und Namen kaum merken. Als er den ungezwungenen, lebensfrohen Designer Jaeyoung Jang repräsentiert dieser alles, was Sangwoo hast. Und doch ist er gezwungen mit ihm an seinem Privatprojekt, eine Spiele-App für Kinder, zusammenzuarbeiten, denn ohne vernünftigen Designer droht das Spiel zu scheitern. Mühsam raufen sich beide zusammen und zwischen Unverständnis für den jeweils anderen, zermürbenden Streitereien und unüberwindbaren Konflikten kommen sich die beiden näher – für beide überraschend und unerwartet …
Eigene Meinung:
Die K-Novel “Semantic Error” von J. Soori erzählt die Geschichte von Sangwoo Choo und Jaeyoung Jang in zwei Bänden. “Systemfehler im Code der Liebe” erschien im Januar 2026 bei Bramble Books, die nahtlos daran anschließende Fortsetzung “Ein neuer Algorithmus für die Liebe” kam im April auf den Markt. Die Popularität der Romane zog eine 5-bändige Manhwa-Reihe nach sich, sowie eine äußerst populäre K-Drama Serie, die mit deutschen Untertiteln auf Viki zu finden ist.
Die Geschichte entführt Leser*innen in das Leben Sangwoo Choos, der mit seinen klaren Regeln, Zeitplänen und Strukturen deutlich autistische Züge aufweist, was im weiteren Verlauf der Geschichte allerdings keine Rolle spielt. Der Fokus liegt klar auf der sich entwickelnden Beziehung zwischen Sangwoo und dem Design Studenten Jaeyoung Jang, der sein Studium fast abgeschlossen hat und sich auf ein Auslandssemester in den USA freut. De beide Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, was für allerhand Reibereien und Streitigkeiten sorgt. Damit legt die Autorin den Grundstein für ein klassisches Enemy-to-Lover, denn natürlich kommen sich die beiden während ihrer gemeinsamen Arbeit an der Spiele-App näher. Der treibende Charakter ist hierbei Jaeyoung Jang, der seinen Rivalen unbedingt für sich gewinnen will. Die knapp 500-seitige Geschichte zeigt dabei genau, wie sich de beiden kennenlernen, anfreunden und näherkommen – Platz für weitere Handlungsbögen gibt es leider nicht, der Fokus liegt komplett auf der Romance- später auf der Erotikkomponente. Gerade der Spice-Anteil steigt auf den letzten hundertfünfzig Seiten spürbar an und nimmt unnatürlich viel Raum ein, als hätten die beiden Männer keine andere persönliche Ebene mehr als miteinander ins Bett zu steigen. Sonderich einvernehmlich geht es teilweise auch nicht zu, so dass gerade diese beiden Erotikszenen die Geschichte für sensible Lesende eher unerträglich machen. Schade, dass die Autorin hier nicht einen anderen Weg gefunden hat bzw. die Beziehung zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren auf eine andere Art weiterentwickelt hat.
Die Figuren sind gut in Szene gesetzt und durchaus spannend – Sangwoo hat viele Charaktereigenschaften, die ihn zu einer interessanten Hauptfigur machen: seine Engstirnigkeit, seine persönlichen Ziele und seine Unfähigkeit mit anderen Menschen zu interagieren. Man spürt deutlich, dass er irgendwie funktioniert, aber kaum in der Lege ist, sich empathisch mit anderen auseinanderzusetzen. Jaeyoung Jang ist sein genaues Gegenteil – offen, kommunikativ, gesellschaftlich im Mittelpunkt des Campuslebens stehend. Für ihn ist Sangwoo zu Beginn ein Ärgernis, dann ein Gegner und später jemand, den er für sich gewinnen will. Dass er dabei spürbar übers Ziel hinausschießt, merkt man daran, dass er Sangwoo am liebsten jegliche Freundschaften verbieten will, ganz besonders wenn es sich dabei um weibliche Personen handelt. Einige Dialoge und Aktionen Jaeyongs sind schon extrem übergriffig und bleiben Lesenden negativ in Erinnerung.
Stilistisch liest sich “Semantic Error” ein wenig holprig, doch sobald man den Einstieg gefunden hat, kommt man gut mit den verschiedenen Perspektiven klar. J. Soori erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven, teils wechseln sich Sangwoo und Jaeyoung ab, teilweise werden Szenen und Handlungsstränge noch einmal aus der Sicht des jeweils anderen erzählt, so dass man einen guten Überblick der Gefühls- und Gedankenwelten beider Männer hat. Das sorgt zwar dafür, dass man sie gut kennenlernt, zieht das Buch aber unnötig in die Länge. Es ist recht mühselig, der Geschichte zu folgen, die sich wirklich nur darum dreht, ob sich die beiden kriegen oder nicht und wann sie miteinander ins Bett steigen. Allein aufgrund des autistischen Sangwoo hätte man so viel mehr aus der Geschichte holen können.
Fazit:
Insgesamt kann “Semantic Error” nur bedingt überzeugen, da sich J. Soori zu sehr auf das Beziehungsgeflecht und die Erotik zwischen Sangwoo und Jaeyoung konzentriert und spannende Aspekte der Geschichte wie Sangwoos Autismus kaum Beachtung finden. Auch das übergriffige Verhalten Jaeyoungs fällt negativ auf, ebenso die expliziten, ausführlichen Erotikszenen, die nicht so recht zur Geschichte passen wollen. Dafür gelingt der Autorin zwischendurch eine gute Charakterisierung der beiden unterschiedlichen Männer, eine authentische Darstellung ihres Lebens auf dem Campus und eine gute Darstellung der wachsenden Gefühle, die beide füreinander entdecken. Zwar hat das “Semantic Error” seine Längen, doch wer Romance und Erotik kombiniert mit dem klassischen Enemy-to-Lovers Trope mag, sollte ggf. einen Blick riskieren.





