
Autor*in: Tommaso Vitiello
Zeichner*in: Licia Cascione
Übersetzer*in: Monja Reichert
Hardcover: 128 Seiten
ISBN: 978-3989620209
Preis: 25,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Dichter, Dramatiker, Provokateur – Oscar Wildes Leben voller Höhe und Tiefen wird in dieser Comic-Biografie anhand der wichtigsten Stationen vorgestellt. Tommaso Vitiello und Licia Cascione stellen den schillernden Ausnahmekünstlers auf 128 Seiten vor und geben einen groben Einblick in ein Leben voller Widersprüche. Zwischen Kunst und Literatur, Erfolgen und Konflikten, Liebe und Affären verfolgt man Oscar Wilde auf seinem Weg in den Untergang und schließlich ins Exil.
Eigene Meinung:
Die 128-seitige Graphic Novel erschien im Februar 2026 im Knesebeck Verlag und stammt von Tommaso Vitiello, der für die Text. Der großformatige Hardcoverband ist in sich abgeschlossen und erschien erstmals 2024 in italienischer Sprache.
Oscar Wildes Lebensgeschichte ist den meisten bekannt und geläufig, immerhin wurde sein Leben sehr oft verfilmt und in diversen Biografien aufgearbeitet. Auch ist er als Ikone der LGBTIQA-Bewegung bekannt, ebenso seine Bücher und Bühnenwerke, die man ebenfalls in verschiedenen Medien findet. Nun gibt es seine Biografie erstmals als Graphic Novel, was Comiclesern die Möglichkeit gibt, ein wenig mehr über eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts zu erfahren. Allerdings zeigt sich recht schnell, dass man auf 128 Seiten keine ausführliche Biografie zaubern kann, sondern lediglich einen Überblick der wichtigsten Stationen in Wildes Leben: seine Jugend in Dublin, seine aufstrebende Karriere als Autor und Dramatiker in London, sein Niedergang durch Skandale und Prozesse. Tommaso Vitiello gibt einen soliden Überblick, schafft es jedoch nicht den Tiefgang zu erreichen, den man sich gewünscht hätte. So bleibt der Einblick in Wildes Leben leider recht oberflächlich, eine intensive Auseinandersetzung mit seiner Person erfolgt nicht. Das mag teilweise an der knappen Seitenzahl liegen, teilweise konzentriert sich der Autor aber auch zu stark auf unwichtige Aspekte in Wildes Leben (beispielsweise ein Kartenspiel zu Beginn, das mehrere Seiten umfasst, aber wenig relevanten Inhalt bietet), so dass die Dinge zu kurz kommen, die wirklich interessant sind. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto knapper werden die Szenen, desto gehetzter wirkt die Graphic Novel. Das unglückliche Ende Wildes wirkt fast wie eine Fußnote, denn die letzte Etappe seines Lebens wird im Comic lediglich in aller Kürze zusammengefasst. Das ist schade, denn was dem Werk von Tommaso Vitiello und Licia Cascione fehlt, ist der Tiefgang und eine eindringliche Auseinandersetzung mit ihm als Person.
Stilistisch ist “Oscar Wilde – die Comic-Biografie” Geschmackssache – Licia Cascione hat einen routinierten Stil, allerdings wirken die Zeichnungen manchmal etwas linkisch, unbeholfen und steif. Es mangelt an Perspektive und Dynamik, was die grafische Umsetzung insgesamt sehr unausgegoren macht. Ebenso sucht man Hintergründe, die das viktorianische Zeitalter noch besser widerspiegeln und einen passenden Rahmen geben, vergeblich – die Künstlerin konzentriert sich größtenteils auf die Figuren, was viel Potenzial verschenkt. Alles in allem mangelt es an Können und einer gewissen Ästhetik.
Fazit:
“Oscar Wilde – die Comic-Biografie” ist ein ambitioniertes Projekt von Tommaso Vitiello und Licia Cascione mit dem Ziel das Leben von Oscar Wilde Comicfans näher zu bringen und seine Person in einem bisher unbekannten Medium vorzustellen. Dies glückt nur teilweise, da die Seitenzahl zu knapp bemessen ist, was Lesenden leider nur einen oberflächlichen Einblick in Wildes Leben beschert. Wer mehr wissen will, muss zu einer ausführlicheren Biografie greifen, gerade wenn es um seine letzten Lebensjahre geht. Auch stilistisch kann Licia Cascione nicht überzeugen. Ihr Stil wirkt steif und unausgegoren, Perspektiven und Dynamik liegen der Künstlerin spürbar nicht, was die Graphic Novel leider zusätzlich schwächt. Ein schwungvollerer, ästhetischer Stil hätten dem Comic gutgetan. Alles in allem ist die Comic-Biografie eher etwas für Fans, als für solche, die Oscar Wilde kennenlernen wollen. Schade …





