
Autor*in: Sher Lee
Übersetzer*inne: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN: 978-3426564202
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 18,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Um seiner Mutter das dringend benötigte Heilmittel zu besorgen, macht sich Prinz Xian auf den Weg in die Stadt Changle, denn dort soll sich laut Prophezeiung des Orakels die “Zutat” befinden, die benötigt wird – eine weiße Schlange, die für die Herstellung des Heilmittels essentiell ist. Statt eine Schlange begegnet er dem Stallburschen Zhen, der sofort seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Während Xian in der Stadt ist, kommen sich die beiden näher, was Zhen schon bald in eine Zwickmühle bringt, ist er doch der Schlangengeist, nach dem Xian sucht. Als seine wahre Natur offenbart wird, ist ihre wachsende Liebe zueinander zum Scheitern verurteilt …
Eigene Meinung:
Der Roman “Legend of the White Snake” von Sher Lee erschien 2024in den USA und kam im Frühjahr 2026 in deutscher Übersetzung bei Karibu heraus. Er ist in sich abgeschlossen und basiert auf einer der berühmtesten klassischen Liebesgeschichten der chinesischen Mythologie. Dementsprechend sind sowohl die Figuren nicht gänzlich unbekannt, wenn man sich mit chinesischer Folklore beschäftigt, ebenso verläuft die Handlung in den bekannten Bahnen. Einzig der queere Aspekt kommt in der Originalgeschichte nicht vor, ebenso darf man sich über ein Happy End freuen.
Die Geschichte spielt im historischen China und erzählt die Geschichte von Xian und Zhen sehr eindringlich. Die Autorin legt der Hintergrundgeschichte um Zhen und Xian eine bekannte, chinesische Legende zugrunde und modernisiert sie ein wenig. So wird aus der weißen Schlange ein junger Mann, während sie in der Originalversion eine wunderschöne, junge Frau ist. Auch die übrigen Figuren aus der Legende kommen vor und finden ihren Platz, ebenso verläuft die Handlung in den Grundzügen genauso wie im Original. Von diesem Gesichtspunkt aus ist der Roman eine gelungene, moderne Adaption der Geschichte – der größte Unterschied dürfte sein, dass Sher Lees Hauptfiguren zwei junge Männer sind, die sich ineinander verlieben. Die Gefühle, die die beiden ziemlich direkt nach dem Kennenlernen füreinander haben, werden sehr schnell intensiver – tatsächlich hat man den Eindruck, dass sich wenig zwischen den beiden entwickelt. Sie sehen sich und sind unsterblich ineinander verliebt – wer diesen Trope nicht mag, wird mit “Legend of the White Snake” zu kämpfen haben. Sicherlich wendet die Autorin knapp die Hälfte des Buches auf, um die Beziehung zwischen den beiden zu vertiefen, dennoch hat man den Eindruck, dass das meiste zu schnell voranschreitet. In der zweiten Hälfte kommt es zu einem Bruch – sowohl bei den Figuren als auch bei der Geschichte, denn mit der Offenbarung von Zhens wahrer Identität beginnt auch der dramatische Teil der Geschichte. Dieser ist spannend und packend erzählt und sorgt dafür, dass man gerade zum Ende hin das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Die Autorin wartet mit der ein oder anderen Wendung auf, die durchaus überraschen kann. Und wo das Original (je nach Version) tragisch endet, so kann man sich doch über ein Happy End freuen, dass Leser*innen zufrieden stellt.
Die Figuren sind gut gezeichnet und handeln nachvollziehbar. Xian ist zwar ein Prinz, ist jedoch nicht arrogant und überheblich, sondern offen und herzlich. Sein Fokus liegt auf der Suche nach dem Heilmittel für seine geliebte Mutter, für die er alles tun würde, allerdings würde er einen Freund nie verraten. Zhen wiederum ist noch nicht lange ein Schlangengeist und versucht noch immer mit einem menschlichen Leben zurecht zu kommen. Er ist extrem loyal, gutgläubig und würde alles für die Personen tun, die er liebt, selbst wenn das ihm selbst schadet. Gemeinsam ergänzen sich die beiden jungen Männer gut und harmonieren miteinander.
Die übrigen Figuren sind ebenfalls gut gezeichnet, wirken weder blass noch farblos. Ganz besonders Qing, ebenfalls ein Schlangengeist, bleiben im Gedächtnis, ebenso Feng, Xians Leibwächter. Auch der Antagonist Fahai ist gut dargestellt.
Stilistisch legt Sher Lee einen leichtgängigen, angenehm geschrieben Roman vor, der durch schöne, stimmungsvolle Beschreibungen und gute Dialoge besticht. Die Autorin hat einen angenehm jugendlichen Stil, weswegen der Roman perfekt für jugendliche Leser*innen ist. Zudem eignet sich “Legend of the White Snake” hervorragend, um in das Danmei Genre zu schnuppern, da man einiges über die chinesische Kultur erfährt und es die klassischen, fantastischen Elemente des Xianxia-Genres enthält, der Einzelband insgesamt aber eher westlich geprägt ist. So ist die Handlung sehr geradlinig erzählt, das Buch ist in sich abgeschlossen (die meisten Danmei Geschichten füllen zumeist mehrere Bücher) und die queere Liebesgeschichte wirkt sehr leichtfüßig und unproblematisch.
Fazit:
“Legend of the White Snake” ist ein gelungener Jugendroman, der durch sympathische Charaktere, einen angenehmen Schreibstil und eine spannende Hintergrundgeschichte besticht, die neugierig macht und dafür sorgt, sich ein wenig intensiver mit der chinesischen Mythologie auseinander zu setzen. Sicherlich hat das Buch seine Schwächen – wer InstaLove nicht mag wird ebenso wenig glücklich wie Leser*innen, die es ein wenig expliziter mögen. Sher Lees Roman ist eher ein Jugendbuch, was bedeutet, dass man jugendliche Hauptfiguren hat und der Fokus zum größten Teil auf Liebesgeschichte und Drama liegt. Wen das nicht stört, und wer schon immer mal in das Damei-Genre schnuppern wollte, sollte einen Blick riskieren. “Legend of the White Snake” ist der perfekte Einstieg – sowohl inhaltlich als auch vom Umfang her.





