[ROMAN] Einstein im Bad von Daniel Mellem

Autor*in: Daniel Mellem
Hardcover: 272 Seiten
ISBN: 978-3036950877
Preis: 18,99 EUR (eBook) / 26,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Bad Nauheim, 1920 – die Versammlung deutscher Naturforscher sorgt für Wirbel in dem kleinen, beschaulichen Kurort, denn neben all den Wissenschaftlern und Gelehrten hat sich auch Albert Einstein angekündigt, der seine neue Relativitätstheorie vor Kritikern verteidigen will. Sein größter Widersacher ist der völkische Professor Lenard, der eine Unterkunft im Hotel Rastenden Kranich erhält. Das in die Jahre gekommene Hotel wird von Direktor Kleeberger geführt, der höchsten Wert auf Diskretion und Ruhe legt und wenig mit der trubeligen, neuen Zeit anfangen kann. Als auch noch Professor Einstein sein Hotel beehrt sieht Kleeberger in der Beherbergung der beiden Kontrahenten seine Chance, eine Schlichtung herbeizuführen um sein Hotel positiv in die Nachrichten zu bringen. Einfach ist das nicht, zumal sich die Probleme in den Zimmern und mit dem ein oder anderen Gast häufen …

Eigene Meinung:
Mit “Einstein zu Bade” erschien im Winter 2026 ein unterhaltsamer Roman von Daniel Meller im Kein & Aber Verlag, der lose auf wahren, historischen Begebenheiten beruht. Das in sich abgeschlossene Büchlein umfasst 272 Seiten und entführt Leser*innen in eine Zeit des Aufbruchs und Umschwungs zwischen den beiden großen Weltkriegen.

Die Geschichte entführt Leser*innen über 100 Jahre in die Vergangenheit in den kleinen Kurort Bad Nauheim und stellt den Hoteldirektor Kleeberger ins Zentrum der Geschichte. Als Mann, der den Großteil seines Lebens im Hotel verbracht hat und Wert auf Ruhe und Diskretion legt, ist ihm das Wohlergehen seiner Gäste wichtig. Dass das Hotel “Rastender Kranich” inzwischen spürbar in die Jahre gekommen ist und Besucherzahlen zurückgehen, bleibt nicht unbemerkt, doch lehnt er Werbung strikt ab, hält er sie für zu aufdringlich. Stattdessen baut er ganz auf die Professoren, die anlässlich der Versammlung deutscher Naturforscher nach Bad Nauheim kommen und nimmt ich vor die beiden Kontrahenten Lenard und Einstein zu versöhnen, was ihm einiges an Zeit, Geduld und vielen Gesprächen abverlangt. Und während in seinem Hotel Mäuse in frisch hergerichteten Zimmern ihr Unwesen treiben, sich unschöne Gerüche ausbreiten und langjährige Mitarbeitende Kündigungen aussprechen versucht Kleeberger an allen Fronten gleichzeitig zu kämpfen.
Daniel Mellem gelingt er hervorragend den überforderten Kleeberger durch eine knappe Woche voller turbulenter Ereignisse zu begleiten und die Ereignisse mit viel Humor und Charme niederzuschreiben. Aufgrund der Schreibstils und der Sprache fühlt man sich direkt in die Zeit um 1920 zurückversetzt und begleitet Kleeberger bei seinen Versuchen dem Hotel mithilfe der geplanten Schlichtung positive Presseresonanz zu bringen. Dabei ist er so fokussiert, dass ihm wichtige Dinge entgleiten und er zumeist das Gegenteil von dem erreicht, was er bezweckt. Als Leser*in ist man immer hautnah am Geschehen und lernt durch seine Perspektive nicht nur die renommierten Physiker sondern auch den ein oder anderen schrulligen Hotelgast kennen, die die Geschichte spürbar aufwerten. Auch die ersten ernsten Anklänge der gesellschaftlichen Veränderung sind spürbar, allein durch Professor Lenards völkischer Einstellung, die eine wirkliche Schlichtung des Streits von Anfang an unmöglich macht.

Die Figuren sind sehr sympathisch und gut gezeichnet – Kleeberger lernt man am besten kennen, ist er doch der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er liebt die Ruhe und ist der perfekte Gastgeber, denn sein Credo lautet, Gästen ihre Wünsche zu erfüllen, bevor sie ihn überhaupt hegen. Durch seine unermüdliche Arbeit du seine hohen Anforderungen an sich und sein Personal bleibt einiges auf der Strecke, darunter auch seine Gefühle für den Portier Wegethaler, die er nie wirklich ergründet hat.
Die weiteren Figuren sind schillernd und einzigartig – seien es die viele Professoren, die sich im Hotel treffen oder die Stammgäste des Hauses, alles voran Madam Hunderbrock, die für Kleeberger inzwischen mehr als ein hochgeschätzter Gast ist. Sie alle werden sehr lebendig und charmant dargestellt.

Stilistisch legt der Autor ein gut geschriebenes, witziges und unterhaltsames Buch vor, das durch eine geschliffene Sprache im alten Stil und entsprechend guten, stimmungsvollen Dialogen besticht. Man braucht ein wenig, um in die Geschichte einzutauchen, doch sobald man einen Draht zu Kleeberger und den anderen Figuren aufgebaut hat, kann man “Einstein im Bade” nur schwer aus der Hand legen. Daniel Mellem weiß, wie man die damalige Zeit lebendig werden lässt und wie man als promovierter Physiker die verschiedenen Theorien der Professoren Lesenden verständlich darlegt. Ein rundum gelungenes Buch, das Lust auf mehr Geschichten dieser Art in der Zeit um 1920 macht.

Fazit:
“Einstein im Bade” ist eine witzige, charmante und unterhaltsame Erzählung, die durch eine perfekte Mischung aus historischem Ernst, Situationskomik und herrlich skurrilen Figuren besticht. Daniel Mellem gelingt es die damalige Zeit des Umbruchs mittels passend pointierten, historischen Stil perfekt einzufangen und lebendig werden zu lassen. Wer historische Romane mag, die auf wahren Begebenheiten beruhen oder auf der Suche nach einer heiteren Erzählung mit ungewöhnlichen Hauptfiguren ist, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren und sich von Direktor Kleeberger ins Bad Nauheim der 20er Jahre entführen lassen – zu empfehlen.

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