[ROMAN] Fairytown – Where the Magic Sleeps von Christian Handel

Autor*in: Christian Handel
Taschenbuch: 384Seiten
ISBN: 978-3764171636
Preis: 14,99 EUR (eBook) / 20,00 EUR (Taschebuch)
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Story:
Violas Leben ist komplett durchgeplant, ihr Studium an der London School of Economics soll den Grundstein legen. Als sie nicht direkt aufgenommen wird und ein seltsamer Junge sie zu einer Au-Pair Agentur führt, die seltsamerweise eine Stelle im ländlichen Fairytown für sie parat hat, entscheidet sich Viola dem Unbekannten eine Chance zu geben und sich ein halbes Jahr um zwei Kinder zu kümmern. Unerwarteterweise hat der chaotische Ben dieselbe Stelle angeboten bekommen. Die Familie entscheidet sich für eine einwöchige Probezeit und sich dann für den Au-Pair zu entscheiden, was Viola und Ben zu Konkurrenten macht. Zwischen kuscheligen Herbstmärkten und Spaziergängen lernen sich die Rivalen besser kennen und stoßen auf das Geheimnis von Fairytown und den Grund, warum es sie dorthin verschlagen hat …

Eigene Meinung:
Mit “Fairytown – Where the Magic Sleeps” legt Christian Handel seinen neusten Roman vor, der dieses Mal im Cosy Fantasy Genre angesiedelt ist. Die Geschichte erschien als abgeschlossener Einzelband für Leser*innen ab 12 im Ueberreuter Verlag und kommt als schicken Taschenbuch mit Farbschnitt daher. Zudem kann man die Abenteuer von Viola und Ben als eBook und Hörbuch, gesprochen von Nora Jokhosha, genießen.

Die Geschichte spielt in der aktuellen Zeit und entführt die strukturierte, durchgeplante Viola ins beschauliche Fairytown, einem fast mittelalterlich anmutenden Ort, der an der Grenze zum Feenreich liegt. Dementsprechend geschehen dort einige Dinge, die nur schwer zu erklären sind und sowohl Viola als auch Ben in Erstaunen versetzen. Für die beiden unterschiedlichen Jugendlichen geht es nicht nur darum, miteinander klarzukommen und sich aufeinander einzulassen, sondern auch die Geheimnisse des Ortes zu ergründen, da sie aus gutem Grund nach Fairytown geschickt wurden. Gemeinsam mit Viola lernt man Bewohner*innen des kleinen Dorfes kennen und ergründet mit ihr die Geheimnisse des Ortes. Christian Handel hat eine kuschelige, atmosphärische Fantasywelt erschaffen, in der zwar auch die ein oder andere Gefahr schlummert, die Atmosphäre aber herbstlich-romantisch ist. Dementsprechend wenig passiert in einem Großteil des Buches – man erlebt Violas Alltag als Au-Pair, lernt die beiden Kinder und deren Familie kennen, und ist bei den Streitigkeiten mit Ben dabei, der mit Viola um die Stelle konkurriert. Erst zum Ende hin nimmt die Geschichte ein wenig an Fahrt auf, denn es werden nicht nur Geheimnisse gelüftet, sondern es wird auch deutlich welche Aufgabe Viola und Ben haben.
Wer bereits Berührungspunkte mit Romanen über Feenwesen hatte, dem wird die Welt nicht gänzlich unbekannt vorkommen – tatsächlich erinnert die räumliche Konstellation ein wenig an Neil Gaimans “Sternenwanderer”. Wer auf eine kuschelige Liebesgeschichte hofft, wird größtenteils enttäuscht, was aber nicht schlimm ist, da die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen Viola und Ben vollkommen in Ordnung ist. Nicht alles muss automatisch in einer Liebesgeschichte enden – was Christian Handel vielleicht hätte bedenken sollen, als er den Epilog geschrieben hat. Dieser macht leider viel von der Stimmung kaputt, da sich die plötzliche Liebesgeschichte vollkommen überstürzt und fehl am Platz anfühlt.

Die Figuren sind sympathisch, bleiben Leser*innen aber fremd und distanziert. Man kann sich nur bedingt in sie hineinversetzen, was vor allem daran liegt, dass man die Geschichte nur aus Violas Sicht kennenlernt. Dadurch bleiben anderen Figuren etwas blass und bekommen nur wenig Raum, um sich zu entfalten. Zwar lernt man Ben und die beiden Kinder der Goodwins kennen, doch viele andere interessante Charaktere werden nur oberflächlich beleuchtet.
Fans, die auf starke queere Figuren oder eine tragende queere Komponente hoffen, kommen bei “Fairytown” nur am Rande mit queeren Themen in Berührung. Sicherlich ist Ben queer und seine Probleme werden in einigen Dialogen auch behandelt, doch tiefergehend wird das Thema nicht behandelt.

Stilistisch legt Christian Handel ein schönes, stimmungsvolles Jugendbuch vor, das durch atmosphärische Beschreibungen, angenehme Dialoge und einer kuscheligen Grundstimmung besticht. Teilweise handeln die Figuren zwar nicht immer logisch – ganz besonders eine strikte, logisch denkende Person wie Viola – doch da es sich um ein fantastisches Jugendbuch handelt, fällt das nicht störend ins Gewicht. Dafür ist Fairytown wirklich liebevoll beschrieben und man bekommt ein gutes Bild des idyllischen Städtchens mitten im Herbst. Statt Action, Spannung und unerwarteten Wendungen verläuft die Handlung langsam und gemütlich – perfekt für herbstlich-ruhige Lesestunden.

Fazit:
“”Fairytown” ist ein atmosphärisches Cosy Fantasy Jugendbuch, dass durch eine gemütliche Geschichte und einen schönen, unaufgeregten Schreibstil besticht. Es entführt jugendliche Leser*innen in eine fantastische Welt voller Geheimnisse und in der Familie, Freundschaft und Gemeinschaft wichtig sind, um eine kleine Stadt zu retten. Die Figuren können dabei leider nicht gänzlich überzeugen, auch die romantischen Aspekte auf den (wortwörtlich) letzten zwei Seiten wirken unpassend und übereilt. Eine starke, solide Freundschaft hätte besser zu Viola und Ben gepasst. Auch der flache Spannungsbogen sorgt gerade in den ersten beiden Dritteln für Längen, die den Lesefluss hemmen und den Spaß nehmen. So bleibt das Buch insgesamt zwar eine kuschelige Lektüre für grau-herbstliche Stunden, aber nicht weiterführend im Gedächtnis. Schade …

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