[ZITATE-FREITAG] Like a Dream

Hallo ihr Lieben,

letzte Woche hatte ich euch bereits die Zitate aus unserer Benefizanthologie “Like a Dream” angekündigt, heute ist es endlich soweit. Da ich alle Zitatesammlungen unter dem Begriff “Zitate-Freitag” poste, bekommt auch dieser Sonntags-Post dieses Label, also wundert euch nicht. Zu jeder Geschichte habe ich einen kurzen Abschnitt rausgesucht, damit ihr einen Eindruck von den einzelnen Geschichten bekommt. Eine ausführliche Leseprobe gibt es natürlich auch: Leseprobe. Doch nun wünschen wir viel Spaß mit den Textausschnitten 🙂

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[LIKE A DREAM] Vorstellung: Florian Tietgen

Hallo in die Runde,

heute kann ich euch Florian Tietgen präsentieren, der für die Anthologie die gefühlvolle Kurzgeschichte “Klangfarben der Liebe 1965” geschrieben hat. Zudem gab es vor einiger Zeit bereits eine Special Week mit ihm, bei dem seine Werke und er als Autor näher vorgestellt wurde. Schaut also unbedingt mal vorbei 😉

Erzähl ein bisschen was über dich. Wo kommst du her? Was für Hobbys hast du? Schreibst du hauptberuflich oder hast du einen „Brot-Job“?
Ich komme aus Hamburg und liebe viel zu viele Dinge, um ihnen allen gerecht zu werden. Hauptberuflich redigiere ich die Texte anderer, und obwohl ich lieber nur schriebe, finde ich das doch manchmal sehr spannend, erst recht, wenn es sich um Doktorarbeiten mit interessantem Thema handelt. Nebenbei trainiere ich ehrenamtlich noch zwei Fußballmannschaften, betreue einen Sportplatz und das Passwesen, was so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass es gut einen Brotjob füllen würde.

Was hat dich dazu gebracht mit dem Schreiben anzufangen?
Das kann ich nicht sagen. Gefühlt habe ich schon immer geschrieben, seit ich die linierten Din-A4-Hefte der Grundschule mit Geschichten vollschmieren konnte. weiterlesen…

[LIKE A DREAM] Ankündigungen zur Anthologie

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Hallo in die Runde,

die Anthologie ist inzwischen seit einem Monat auf dem Markt und s ist einfach toll, wie unser Projekt angenommen wird. Auf der Gay Book Fair haben wir einen grandiosen Start hingelegt, denn viele Besucher haben sich ein Exemplar von “Like a Dream” gesichert. Inzwischen gibt es die Anthologie auch in den Räumlichkeiten der “Bar jeder Sicht” zu erwerben – wie ihr wisst kommen alle Einnahmen dem Verein zugute, zu dem die Bar gehört.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch unsere erste große Anthologielesung ankündigen. Diese findet am Samstag, 10. Dezember 2016, ab 19:00 Uhr in der “Bar jeder Sicht” in Mainz statt. Folgende Autoren werden vorraussichtlich mit von der Partie sein:

  • Bianca Nias
  • Savannah Lichtenwald
  • Anna Maske
  • Tanja Meurer
  • Juliane Seidel

Sollten weitere Autoren zusagen, werde ich das natürlich noch bekannt geben. Wir freuen uns auf euch und sind schon sehr gespannt auf unsere Lesung.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf einige wundervolle Rezensionen hinweisen, die in den letzten Wochen eintrudelten. An erster Stelle ist die Rezension von Ulla zu nennen, die bereits am Montag nach dem Erstverkaufstag online ging:

Ulla liebt Bücher

Das Buch „Like a dream“ enttäuscht nicht, ganz im Gegenteil. Es präsentiert eine wirklich „traumhafte“ Auswahl an 16 Storys von ebenso vielen Autoren, die sich dem Thema aus ganz unterschiedlichen Seiten nähern. Bekannte und – zumindest mir – bisher unbekannte Namen haben teils lustige, teils nachdenkliche, aber immer unheimlich berührende Geschichten beigesteuert. Einige sind zeitgenössisch, andere haben eine deutliche Fantasy-Komponente. Spannend ist die Auseinandersetzung mit dem sehr aktuellen Thema Flüchtlinge, das in einigen Storys aufgegriffen und von ganz unterschiedlichen Seiten beleuchtet wird.

Ich finde die Auswahl und Zusammenstellung der Geschichten erstklassig, entsprechend erhält das Buch von mir mehr als 5 Punkte und eine begeisterte Leseempfehlung. Außerdem ist nicht nur für jeden Geschmack etwas dabei, obendrein geht der Erlös der Antho auch noch an einen guten Zweck.

El Ma liest

Von mir gibt es für diese Anthologie auf jeden Fall eine volle Lese- und Kaufempfehlung. Wie eingangs erwähnt, hätte ich ein paar der Geschichten so wahrscheinlich nicht gelesen, mein „darauf einlassen“ war gut und richtig. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich echt etwas verpasst, wenn ich sie nicht gelesen hätte.

Weitere Rezensionen folgen, denn aktuell läuft auf Facebook unsere Leserunde – wer mitmachen will, kann gerne noch quereinsteigen. Wir freuen uns auf euch.

Nächste Woche kehren wir zu den Interviews zurück – seid gespannt, wen ich für euch in petto habe 🙂

 

Liebe Grüße,
Juliane

[LIKE A DREAM] Leserunde – jetzt bewerben!

 

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Hallo ihr Lieben,

die Autor*innen von “Like a Dream” laden zur gemeinsamen Leserunde auf Facebook ein. Wir brennen darauf, zu erfahren, wie ihr die Anthologie und die Kurzgeschichten findet und freuen uns auf gemeinsame Diskussionen mit euch. Zu diesem Zweck stellen wir 10 eBooks im Wunschformat zur Verfügung – sollte es mehr als 30 Bewerber geben, werden wir die Anzahl auf 15 erhöhen 🙂

Ihr könnt euch bis zum 11.11. für eins der Bücher bewerben – Start ist der 13.11. in einer öffentlichen Gruppe auf Facebook. Wir erwarten eine aktive Teilnahme von euch, sprich Kommentare zu jeder Geschichte und eine abschließende Rezension (auf Amazon und weiteren Plattformen). Natürlich ist jeder eingeladen, der das Buch schon hat und sich gerne dazugesellen möchte, denn je mehr, umso besser 🙂

Kommentiert einfach unter dem entsprechenden Facebook-Post – wir freuen uns auf euch.

Liebe Grüße,
Juliane

[LIKE A DREAM] Anthologie erschienen

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standIhr Lieben,

sie ist da! Unsere Anthologie wurde gestern auf der Gay Book Fair 2016 beim Stand von QUEER gelesen vorgestellt und kann ab heute überall gekauft werden. Die Messe war ein voller Erfolg, denn viele haben sich am Erstverkaufstag ein Buch gesichert und es sich von den anwesenden Autoren (und natürlich der Coverdesignerin) signieren lassen. Zudem haben die sympathischen Jungs von Gay Jet unsere Anthologie ebenfalls passend präsentiert:

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Nun sind wir gespannt, wie euch unsere Anthologie gefällt und freuen uns auf euer Feedback, ganz gleich ob in Form von Rezensionen, kurzen Anmerkungen oder persönlichen Nachrichten. Also schaut bei Amazon, Weltbild oder Bücher.de vorbei und sichert euch euer Exemplar 🙂 Zu empfehlen ist auch das Printbuch, denn nur in diesem ist eine exklusive Zeichnung zu Tanja Meurers Kurzgeschichte “Bruderliebe” enthalten, auf die im eBook verzichtet wurde.

Amazon | Weltbild | Bücher.de

Wer es ausführlicher mag und die Geschichten gemeinsam mit anderen und den Autoren lesen will, wird Ende Oktober die Chance haben an einer Leserunde auf Facebook teilzunehmen. Informationen dazu wird es demnächst geben 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[LIKE A DREAM] Anthologie vorbestellbar

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Hallo in die Runde,

nur noch wenige Tage, dann erscheint unsere Benefizanthologie. Auf Amazon ist das eBook bereits gelistet und vorbestellbar – es erscheint am Samstag, den 22.10.2016. Wer es sich jetzt vorab sichert, erhält es pünktlich um Mitternacht auf seinen Reader und kann es als erstes lesen <3

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Hier nochmal der Klappentext
Nimm dir Zeit zum Träumen – es bringt dich den Sternen näher. (Irisches Sprichwort)

Seit über 15 Jahren beschäftigt sich der Blog „Like a Dream“ mit queeren Romanen, Comics und Filmen. Grund genug, den Geburtstag mit einer besonderen Anthologie zu feiern. 15+ Autor*innen präsentieren fantasievolle, nachdenkliche und sinnliche Geschichten zum Thema Träume, Wünsche und Hoffnungen.

Der Erlös der Anthologie geht an das Mainzer LSBTI-Zentrum „LBSK e.V.“, das nicht nur mit der „Bar jeder Sicht“ einen Treffpunkt in Mainz geschaffen hat, sondern auch zahlreiche Gruppen und Vereine unterstützt.

Mit Beiträgen von: Tanja Meurer, Florian Tietgen, Bianca Nias, Elisa Schwarz, Laurent Bach, Leann Porter, Sabrina Železný, Jobst Mahrenholz, Karo Stein, Thomas Pregel, Alexa Lor, Chris P. Rolls, Anna Maske, Savannah Lichtenwald, Jannis Plastargias und Juliane Seidel.

Vorbestellen:

Amazon

Wir sind sehr gespannt, wie euch unsere Träume gefallen – wie gehabt könnt ihr viele von den teilnehmenden Autoren auf der Gay Book Fair kennenlernen. Wir freuen und auf euch.

Liebe Grüße,
Juliane

 

[LIKE A DREAM] Anthologie – Leseprobe

Hallo in die Runde,

nur noch eine Woche, dann erscheint endlich die Benefizanthologie “Like a Dream”. Erstmals wird sie auf der Gay Book Fair erhältlich sein, die am Buchmesse-Samstag (22.10.2016) ab 16 Uhr im Restaurant Schnitzel Paul (Oeserstraße 220, 65933 Frankfurt). Merkt euch den Termin, denn an diesem Tag werden viele der Autoren vor Ort sein, sprich sie können euer druckfrisches Exemplar natürlich auch signieren. Folgende Autoren werden auf der Gay Book Fair sein:

  • Chris P. Rolls
  • Bianca Nias
  • Elisa Schwarz
  • Jobst Mahrenholz
  • Tanja Meurer
  • Jannis Plastargias
  • Anna Maske
  • Savannah Lichtenwald
  • Alexa Lor
  • Juliane Seidel

Wir freuen uns auf euch <3

Hier aber endlich die Leseproben zu “Like a Dream” als PDF, epub und mobi zum Download. Die Autoren und ich wünschen euch viel Spaß beim Lesen. Kommende Woche erscheint die Antho dann auf den gängigen Verkaufsplattformen.

PDF | epub| mobi

Damit verabschiede ich mich und wünsche euch einen schönen Restsonntag. Wir sehen uns auf der gay Book Fair, bzw. hören kommenden Sonntag wieder voneinander.

Liebe Grüße,
Juliane

[LIKE A DREAM] Anthologie – Coverenthüllung

Hallo ihr Lieben,

vor einer gefühlten Ewigkeit (im März 2016) habe ich euch eine Benefizanthologie zum Thema Träume, Hoffnungen und Wünsche versprochen. Auch wenn es diesbezüglich lange ruhig geblieben ist, so hat sich das Projekt im Hintergrund doch beständig weiterentwickelt und steht kurz vor der Fertigstellung. Ich freue mich ungemein ab sofort jeden Sonntag etwas von unserer Anthologie “Like a Dream” zu erzählen und euch die Wartezeit bis Ende Oktober ein wenig zu verkürzen.

Den Anfang macht das wundervolle Cover, das von Casandra Krammer gestaltet wurde, und der Klappentext, damit ihr wisst, worum es in der Anthologie geht.

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Nimm dir Zeit zum Träumen – es bringt dich den Sternen näher. (Irisches Sprichwort)

Seit über 15 Jahren beschäftigt sich der Blog „Like a Dream“ mit queeren Romanen, Comics und Filmen. Grund genug, den Geburtstag mit einer besonderen Anthologie zu feiern. 15+ Autor*innen präsentieren fantasievolle, nachdenkliche und sinnliche Geschichten zum Thema Träume, Wünsche und Hoffnungen.

Der Erlös der Anthologie geht an das Mainzer LSBTI-Zentrum “LBSK e.V.”, das nicht nur mit der „Bar jeder Sicht“ einen Treffpunkt in Mainz geschaffen hat, sondern auch zahlreiche Gruppen und Vereine unterstützt.

Mit Beiträgen von: Tanja Meurer, Florian Tietgen, Bianca Nias, Elisa Schwarz, Laurent Bach, Leann Porter, Sabrina Železný, Jobst Mahrenholz, Karo Stein, Thomas Pregel, Alexa Lor, Chris P. Rolls, Anna Maske, Savannah Lichtenwald, Jannis Plastargias und Juliane Seidel

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Die Anthologie erscheint vorr. am 20.10.2016 und wird erstmals auf der Gay Book Fair erhältlich sein (ein Besuch auf der Messe lohnt sich – ein Großteil der teilnehmenden Autoren werden vor Ort sein :)). Das eBook wird 6,99€ kosten, das Taschenbuch vorr. 14,99€. Sobald die Anthologie auf Amazon verfügbar ist, erfahrt ihr es natürlich hier und auf Facebook. Wir sind sehr gespannt, was ihr von “Like a Dream” halten werdet.

Bis nächsten Sonntag,
Juliane

[ROMAN] Helden von Florian Tietgen


Autor: Florian Tietgen
Taschenbuch: 174 Seiten
ISBN: 978-3-426-43001-9
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Mit dem übergewichtigen, unsicheren Jan kommt ein Neuzugang ins Heim, der ebenso wie die anderen Jungs schlimme Dinge erlebt hat. Einer von ihnen ist Jonas, der in Jan einen Helden sieht, da diesem etwas gelungen ist, das er nie geschafft hat – den Mut sich gegen seinem Vater aufzulehnen. Jan selbst sieht die Situation allerdings anders, doch mit der Zeit fasst er vertrauen zu seinem neuen Mitbewohner. Schon bald erkennen sie, dass sie etliche Gemeinsamkeiten haben – während sie Jonas Geschichten schreibt und seinen Helden Minky in einer Fantasywelt Abenteuer erleben lässt, flüchtet sich Jan in seine Zeichnungen und Bilder. Nach und nach werden sie Freunde und beginnen sich über ihre Sorgen und Probleme auszutauschen. Zudem baut Jonas den stillen Janko in Minkys Abenteuer ein, der eine ganz ähnliche Vergangenheit hat, wie sein neuer Mitbewohner.

Eigene Meinung:
Florian Tietgen ist ein Garant für außergewöhnliche Geschichten, die zum Nachdenken anregen und in keine Schublade passen. „Helden“, erschienen im eBook Label eRiginal des Droemer Knaur Verlags, ist eine solche Geschichte, denn sie ist in vielfacher Hinsicht originell und anders. Zum einen verläuft die Geschichte nicht linear, sondern ist wie die typischen Rollenspiel-Romane, sprich der Leser kann entscheiden, auf welchem Weg er das Buch liest. Ob er nun erst den Jungs folgt und anschließend in Minkys Welt eintaucht, oder doch den Empfehlungen des Autors folgt, bleibt jedem selbst überlassen. Als Besonderheit wird Jankos/Jans Geschichte in Mangaform erzählt. Die Illustrationen stammen von Daniela Winkler, die Mangafans von ihrem Goth/Vampir-Manga „Grablicht“ kennen dürften. weiterlesen…

[ZITATE-FREITAG] Haus der Jugend

Hallo ihr Lieben,

nach vielen Überlegungen habe ich mich heute für ein Buch entschieden, das mich unheimlich fasziniert und begeistert hat: Florian Tietgens “Haus der Jugend”. Es war ganz anders, als ich erwartet hatte und zählt mit zu meinem Lieblingsbüchern. Allgemein erwartet den Leser bei Florians Werken etwas besonderes, da all seine Geschichten ziemlich außergewöhnlich sind. Aus diesem Grund habe ich auch mit ihm schon eine Special Week veranstaltet – neben einer Rezension zum Buch, fand auch das Charakterinterview mit Siegfried und Darius statt, den Hauptfiguren aus “Haus der Jugend”.


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meine Rezension

Er ist ein Mann von zwanzig Jahren, wie damals, als er von einem auf den anderen Tag verschwunden war. Wie damals, als ich auf der Suche nach ihm die Isar entlanggelaufen bin, am Gärtnerplatz gelauert habe, ob ich irgendwo sein Lachen hören oder sein Gesicht sehen könnte. Und als ich jeden Tag die Zeitungen las, nur um über eine Nachricht Gewissheit zu bekommen, es wäre ihm etwas passiert, man hätte ihn verhaftet, ins Gefängnis gesteckt oder ermordet.

“Haus der Jugend”, S. 7 (c) Florian Tietgen

Wir mussten nicht darüber sprechen, ob ich über Nacht bliebe. Darius fragte nur, wann ich morgens anfangen müsste. Und wir blieben nackt, auch, als wir wieder ins Bett gingen, uns aneinander kuschelten und ohne Sex gemeinsam einschliefen.

»Du bist es«, sagte Darius staunend, als ich am nächsten Morgen ging. »Ich habe es an deinem Körper gespürt.« Mehr nicht. Es klang wie das Versprechen: ›Ab jetzt brauchst du keine Angst mehr zu haben, ob jemand aus dem Fenster des Theaters schaut.‹

“Haus der Jugend”, S. 15 (c) Florian Tietgen

»Worüber denkst du nach?«

»Darüber, dass ich ein Phantom geliebt habe.«»Im juristischen Sinne schon. Erschreckt dich das?«

»Ich weiß, dass es dich gibt.«

Er fragt, ob er in meinem Auto rauchen dürfte, ich nicke. Dieses Mal lehne ich ab, als er mir eine anbietet. Er sitzt ja bei mir, wir wissen um einander. Ich muss sie nicht als Zeichen der Kontaktbereitschaft annehmen.

»Darf ich dich fragen, wie alt du wirklich bist?«

»Ja«, sagt er und atmet den Rauch aus.

Dann schweigen wir wieder. Ich fahre die Helgoländer Allee entlang über den Millerntorplatz zur Glacischaussee. Darius drückt die Zigarette aus, ich stelle das Radio an. Musik spült die Atmosphäre im Auto weich. Nach der Werbung erzählt der Nachrichtensprecher von Attentaten im Irak und von anhaltendem Frost. Die ganz normale Routine einer Fahrt, aber in mir pocht erwartende Anspannung.

»Und?«

»Ich weiß es nicht«, antwortet Darius. »Mit den Jahren verliert man das Gefühl dafür und ich habe nichts, worin ich nachschlagen könnte. Es ist, als lebte ich schon immer.«

“Haus der Jugend”, S. 41 (c) Florian Tietgen

»Sie haben dich entlassen.«

Die komische Stimmung vom Morgen fiel mir ein, Darius, der zögerte, seine Sorgenfalten auf der Stirn, sein Versprechen.

»Du hast es gewusst, oder?«

Er nickte.

»Kannst du auch Zukunft fühlen?« Ich hielt die Tasse in der Hand, sah dem Dampf nach, der in die Luft stieg, da der Ofen das Zimmer noch nicht richtig erwärmt hat.

»Nur manchmal. Aber heute Morgen wusste ich, was passieren wird.« Darius lehnte sich zurück, legte die Beine über den Mosaiktisch.

»Warum hast du mich nicht gewarnt?«

»Ich hatte gehofft, mich zu irren. Die Zukunft ist sehr unzuverlässig.«

“Haus der Jugend”, S. 74 (c) Florian Tietgen

»Du vermisst die Liebe.«

Die Stimme, fest und klar, kam mir bekannt vor, aber ich wusste nicht, woher. Ich blickte mich in der Dunkelheit des Zimmers um. Schrank, Tisch und Stühle waren wie dunkle Schatten in schwachem Mondlicht zu sehen, wie auf einer unterbelichteten Fotografie. Die Nacht hatte die Farbe aus dem Leben genommen. Woher kam die Stimme, wem gehörte sie?

»Du bist nicht verdorben, du suchst nur einen Weg.«

Die Worte waren zu laut, um aus meinem Kopf zu stammen, sie vibrierten wie das Flimmern einer Fata Morgana durch das Zimmer, wie die Spiegelung einer Straße im Sonnenlicht. Es war dunkel. Ich krallte meine Hände ins Laken und starrte auf die Stelle, an der die Stimme wie eine gläserne Platte in der Atmosphäre schwebte.

»Deine Fantasien weisen dir den Weg, sie sind die Früchte deiner Wünsche, die Kinder deiner Lust.«

»Das ist doch bescheuert«, rief ich, musste einen Kloß aus dem Hals husten. Unverwandt blickte ich zu der Stelle, von der die Worte kamen, richtete mich auf, um nicht schwach und ängstlich zu erscheinen. »Mein Wunsch war die Kunst. Mein Wunsch war es, mit Darius zu leben, was ist davon übrig geblieben?«

»Der Wunsch.« Plötzlich saß er auf meinem Bett, das Gesicht fahl und faltig, mindestens hundert Jahre alt, die Haare zu einer Tolle frisiert. Der Wolpertinger. In der schwarz-weißen Umgebung der einzige Farbfleck, als wäre er in Tageslicht getaucht, während um ihn herum die Nacht brütete.

“Haus der Jugend”, S. 115 (c) Florian Tietgen

Weint er? Darius, der mich mit so viel Gefühl anfüllt, voller Ruhe jeden Gedanken hören und ertragen kann, der gelassen ein ewiges Leben auf der Straße als Freiheit bezeichnet und die Erfahrungen von Jahrhunderten in seinem jungen Körper trägt? Habe ich ihn überhaupt schon einmal weinen sehen? Im Spiel waren wir uns nahe gekommen, beim Sex näher und in den ausgesprochenen Worten »Du bist es« hatten sich unsere Seelen geküsst und für immer angenommen, dennoch hatte ich es für unvorstellbar gehalten, er könnte weinen.

Er blickt auf, sieht mir ins Gesicht. Die Tränen laufen über seines, die Augen glänzen. Er lächelt wie zur Entschuldigung.

»Weißt du, wie oft ich dich beneidet habe?«

“Haus der Jugend”, S. 149 (c) Florian Tietgen

»Ich weiß nicht mehr, wann es war. Auf jeden Fall ist es zu lange her. Ich hatte einen Freund, den ich zwar nicht liebte, dem ich aber doch inniglich verbunden war. Trotzdem kann ich mich an seinen Namen nicht erinnern. Ist das nicht furchtbar?«

»Du bist nicht mehr der Jüngste.« Ich will ihn trösten, bevor er weint, einen Scherz machen, der ihm zeigt, ich höre zu. Er legt wieder die Hand auf mein Bein, zieht sie dieses Mal nicht zurück.

»Bitte nicht.«

»In Ordnung.«

»Es ist furchtbar«, fährt er fort, »weil es mit fast allem so ist. Seit das Haus mich gefangen hält, geht es mir gut, aber nichts bedeutet mir etwas. Ich kann mir die Gesichter der Männer, mit denen ich ausgehe, vielleicht sogar schlafe, nicht merken, ihre Namen nicht. Ich weiß nicht, wer meine Eltern waren, wie ich einmal hieß, als wer ich geboren wurde. Ich weiß kaum, was ich getan habe in all den Jahren. Es hat sich so viel geändert, doch ich war dazu verdammt, beteiligungslos zuzusehen.«

“Haus der Jugend”, S. 177 (c) Florian Tietgen

Ich hoffe, euch gefällt die Auswahl und ihr bekommt Lust herauszufinden, was sich hinter den teils recht krytischen Zitaten verbirgt 😀

Liebe Grüße,
Juliane