[ROMAN] Die Schwimmbad-Bibliothek von Alan Hollinghurst


Autor: Alan Hollinghurst
Taschenbuch: 496 Seiten
ISBN: 978-3-959850360
Preis: 9,99 EUR (eBook) |14,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der junge Adelige William Beckwith genieß sein Leben in vollen Zügen: Partys, erotische Exzesse und ohne finanzielle Sorgen lebt
der schwule Mann im London der 80er Jahre in den Tag hinein. Erst als er dem alten Lord Nantwich auf einer Toilette das Leben rettet, ändert sich sein Leben Stück um Stück. Der ehemalige Kolonialbeamte bittet den jungen Mann nämlich darum, seine Memoiren zu schreiben und übergibt Will einige seiner Tagebücher und Aufzeichnungen. Obwohl Will weniger daran interessiert ist, liest er sich doch in Nantwichs Leben ein und taucht in die damalige Zeit ein, in der Homosexualität noch strafbar war. Gleichzeitig lernt er den jungen Bodybuilder Phil kennen und lieben, und beginnt eine lose Beziehung mit ihm.

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst erschien bereit 1988 und zählt zu den Klassikern der schwulen Literatur. Mit seinem Debüt gewann der Autor unter anderem den „Somerset Maugham Award“ und „E. M. Forster Award of the American Academy of Arts and Letters“. Auch Hollinghursts spätere Werke brachten ihm weitere Preise ein und fast durchweg positive Kritiken, weswegen er zu den bedeutendsten modernen, englischsprachigen Schriftstellern gehört. weiterlesen…

[NOVELLE] Rauhnacht von Tanja Meurer


Autor: Tanja Meurer
Taschenbuch: 162 Seiten
ASIN: B01A167CLW
Preis: 4,99 EUR (eBook)
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Story:
Eine eisige Kältewelle hat das viktorianische London fest im Griff: die Themse ist komplett begehbar und unzählige Menschen erfrieren in der winterlichen Kälte. Als im Hyde Park die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, fordert Scotland Yard die ungewöhnlichen Ermittlerinnen der englischen Krone Annabelle Talleyrand und Madame Zaida als Unterstützung an. Schon bald zeigt sich, dass die Hilfe der beiden Frauen dringend erforderlich ist, denn ein seltsames Geschöpf aus Schnee und Eis attackiert die beiden, kann jedoch von der Magierin Madame Zaida vertrieben werden.

Mit diesem Angriff endet die Serie an seltsamen Ereignissen nicht, denn die totgeglaubte Frau erwacht in der Leichenhalle und richtet unter den Ärzten ein Blutbad an. Sie stellt sich später als russische Gräfin Jewa Petrowna vor. Schnell wird klar, dass sie der Wirt des winterlichen Geschöpfes war, das nun körperlos durch London streift und für die eisigen Temperaturen verantwortlich ist. Für Annabelle und Zaida steht fest, dass sie die Kreatur schnellstmöglich aufhalten müssen, bevor diese einen neuen Körper findet …

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Rauhnacht“ begibt sich Tanja Meurer erstmals in lesbische Gefilde, denn Madame Zaida und Annabelle Talleyrand sind im Geheimen ein Liebespaar. Die Geschichte bildet den Auftakt einer längeren Reihe, in der die beiden Detektivinnen verschiedene, teils übernatürliche Phänomene für die englische Königin untersuchen. Die Bücher erscheinen im Weltenschmiede Verlag und liegen bisher nur als eBook vor. weiterlesen…

[ZITATE-FREITAG] Maurice

Hallo ihr Lieben,

auf Wunsch meiner Frau Tanja habe ich mir dieses Mal den Klassiker “Maurice” vorgenommen und auf schöne Zitate quergelesen. Es ist ein tolles Buch, das man wirklich gelesen haben sollte, denn E.M. Forster hat ein wundervolles Werk geschrieben, das 1987 auch mit Hugh Grant und Rupert Graves verfilmt wurde. Wer also historische Romane mag sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen – vielleicht helfen euch meine ausgewählten Zitate ja weiter. Diese stammen aus meiner alten btb-Ausgabe, sprich die Zitate sind noch in der alten Rechtschreibung gehalten.

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meine Rezension

Sie fingen an, sich hin und wieder zu sehen. Durham lud ihn zum Mittagessen ein, und Maurice erwiderte die  Einladung, aber nicht zu schnell. Eine ihm fremde Vorsicht war am Werk. In kleinen Dingen war er immer vorsichtig gewesen, aber dies hier lag auf einer ganz anderen Ebene. Er war auf der Hut, und alles, was er während jenes Herbsttrimesters tat, könnte man sehr gut in einer Sprache schildern, mit der man einen Kampf beschreibt. Er wagte sich auf kein schwieriges Gelände vor. Er spähte sowohl Durhams Schwächen als aus seine Stärken aus. Und vor allem trainierte er seine eigenen Kräfte und möbelte sie auf.

“Maurice”, S. 41 (c) E.M.Forster / btb Verlag

„Durham, ich liebe dich.“

Sein Freund lachte bitter.

„Doch … immer schon …“

„Gute Nacht, gute Nacht.“

„Ich sage dir doch, es ist so … ich bin gekommen, um es dir zu sagen … genau in der gleichen Weise wie du …, ich bin schon immer wie die Griechen gewesen, ich habe es nur nie gewußt.“

„Diese Behauptung mußt du ein wenig erläutern.“

Sofort ließen ihn die Worte im Stich. Er konnte nur reden, wenn man ihn nichts fragte.

“Maurice”, S. 78 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Sie lagen Seite an Seite, ohne sich zu berühren. Kurz darauf sagte Clive: „Hier ist es auch nicht viel besser. Ich gehe jetzt wieder.“

Maurice war nicht traurig darüber, denn er fand keinen Schlaf, und er hatte Angst, Clive könne das Klopfen seines Herzens hören und die Ursache dafür ahnen.

“Maurice”, S. 137 (c) E.M.Forster / btb Verlag

„Ich bin normal geworden – wie andere Männer, ich weiß auch nicht wie, nicht mehr, als ich vor meiner Geburt weiß. Das ist jenseits aller Vernunft, und es geschieht gegen meinen Willen. Frag mich, was du willst. Ich bin gekommen, um dir zu antworten, denn ich konnte in meinem Brief nicht auf Einzelheiten eingehen. Aber ich habe dir den Brief geschrieben, weil es stimmte.“

„Weil es stimmte, sagst du?“

„Weil es stimmte! Es war und es ist die Wahrheit.“

„Du behauptest, daß du dich nur für Frauen interessierst, nicht für Männer?“

„Ich interessiere mich für Männer im eigentlichen Sinn des Wortes, Maurice, und das wird immer so bleiben.“

„Und das kommt einfach so, ganz plötzlich?“

“Maurice”, S. 150-151 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Aber als er in sein Bett zurückging, ertönte ein leises Geräusch, ein Geräusch so nahe, daß sein eigener Körper es hätte verursacht haben können. Er schien innerlich zu knistern und zu brennen, und er sah, wie das Ende der Leiter im Mondlicht schwankte. Der Kopf und die Schultern eines Mannes tauchten auf, verhielten einen Augenblick, ein Gewehr wurde äußerst sorgfältig an das Fenstersims gelehnt, und jemand, den er kaum kannte, kam auf ihn zu und kniete neben ihm und flüsterte: „Sir, haben Sie mich gerufen? … Sir, ich weiß … ich weiß“ und berührte ihn.

“Maurice”, S. 228 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Aber während er prahlte, rückte sein Arm dem von Maurice näher. Sie verdienten eine solche Liebkosung – es war ein seltsames Gefühl. Worte schwanden dahin, um plötzlich erneut aufzutauchen. Es war Alec, der sich vorwagte.

„Komm mit mir.“

Maurice wich plötzlich zur Seite, und ihrer beider Muskeln spannten sich. Jetzt waren sie ineinander verliebt, und sie wußten es.

„Schlaf diese Nacht mit mir. Ich kennen einen Ort.“

„Ich kann nicht, ich habe eine Verabredung“, sagte Maurice, und sein Herz schlug heftiger.

“Maurice”, S. 271 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Ich hoffe, dass ihr dadurch genauso viel Lust auf “Maurice” habt, wie ich – ehrlich gesagt, würde ich liebend gern das Buch noch einmal lesen oder zumindest den Film schauen (was ich vielleicht heute Abend machen werde). Nächste Woche findet die Special Week mit Tanja Meurer statt, daher wird es Zitate aus ihrem neusten Roman “Die Seelenlosen” geben – seid gespannt.

Liebe Grüße,
Juliane

[ZITATE-FREITAG] Ich, Adrian Mayfield

Hallo ihr Lieben,

zum Bloggeburtstag hab ich ja bereits neue Aktionen auf dem Blog angekündigt, heute startet die erste: der “Zitate-Freitag”! Die Idee hab ich schon länger, denn wer kennt das nicht? Man liest ein tolles Buch und stolpert über Textpassagen und Zitate, die einen in Erinnerung bleiben und die man gerne mit anderen Teilen möchte. Aus diesem Grund bin ich auf die Idee gekommen, ab sofort jeden Freitag fünf Zitate eines Buches zu posten, das mich wirklich beeindruckt hat – und euch natürlich neugierig zu machen 🙂

Den Anfang macht eines meiner absoluten Lieblinge im schwulen Jugendbuch-Bereich “Ich, Adrian Mayfield” von Floortje Zwigtman – der erste Band der “Adrian Mayfield” Trilogie, die ich jedem ans Herz legen möchte!

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meine Rezension

“Ach, du hast das. Ich war schon neugierig, wer den Spruch bekommen würde”, sagte der Leiermann mit einem staubtrockenen Lachen.
“Zeig her! Zeig her!”, riefen die Mädchen.
Ich legte den Zettel auf den Tisch. Auf ihm stand so nüchtern und platt, wie es nüchterner und platter nicht ging: Die Liebe ist wie die Masern. Irgendwann muss jeder mal durch.

“Ich, Adrian Mayfield”, S.39 (c) Floortje Zwigtman, Gerstenberg Verlag

Jetzt stand ich dem Mann gegenüber, den ganz London kannte: durch seine Bücher und Theaterstücke, von seinen Lesungen und den unzähligen Dinners, bei denen er Hauptgast war, und von den Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften, und ich konnte lediglich denken: Gott, bist du hässlich!

“Ich, Adrian Mayfield” S. 156 (c) Floortje Zwigtman, Gerstenberg Verlag

Im Atelier sah ich Vincent neben seiner Staffelei stehen, reglos wie eine der Puppen aus Procopius’ Schaufenster. Die Bestürzung auf seinem Gesicht wegen dem, was er ja durchaus hätte vermuten können, war eine Überraschung, die unumwundene Abscheu ein Schock für mich. Ich spürte seinen Blick bis in den Magen. Es war ein stechender Schmerz. Ich hatte genau gewusst, dass Vincents Verbindung mit dem purpurnen Hofstaat lediglich ein Flirt war, aber nicht, dass es ein derart naiver Flirt war. Einer, der es nicht ertrug, die Wahrheit zu sehen: einen Mann, der einen Jungen küsste.

“Ich, Adrian Mayfield” S. 258 (c) Floortje Zwigtman, Gerstenberg Verlag

Es war ziemlich lange her, dass ich mit jemandem im Bett gewesen war. Es wäre schön, mal wieder ein paar warme Arme um sich zu spüren und einen anderen Körper zu genießen. Nur wünschte ich, dass es nicht Trops’ Körper war, sondern …
“Du lieber Gott!”
Ich schlug die Hand vor den Mund. Was ich gerade gedacht hatte, war tabu: absolut verboten! Freunde waren Freunde, und Liebhaber waren Liebhaber!

“Ich, Adrian Mayfield” S. 491 (c) Floortje Zwigtman, Gerstenberg Verlag

“Ich komme so schnell wie möglich zurück”, flüsterte er. “Vor Weihnachten bin ich wieder bei dir.”
“Auch ein Versprechen?”
“Auch ein Versprechen.”
Er ließ mich los, um sich das Gesicht abzuwischen. “Wir gehen zurück”, sagte er beherrscht.
Wir trennten uns mit drei Versprechen, verteilt auf uns beide. Zwei für ihn und eines für mich.

“Ich, Adrian Mayfield” S. 505 (c) Floortje Zwigtman, Gerstenberg Verlag

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig neugierig machen – nächsten Freitag gibt es die nächsten fünf Zitate aus einem meiner Lieblingsbücher 🙂 Ihr könnt aber auch gerne Wünsche äußern – einfach posten, von welchen Büchern (die ich rezensiert habe), ihr gerne mal eine Hand voll ausgewählter Zitate lesen wollt.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Der blutige Thron von Jutta Ahrens


Autor: Jutta Ahrens
Taschenbuch:  712 Seiten
ISBN: 978-1500215736
Preis: 4,99 (eBook) | 19,99 (Taschenbuch)
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Story:
Asarhaddons Leben ist von Anfang an durch Blut, Grausamkeit und strenger Enthaltsamkeit geprägt. Bereits in jungen Jahren wird er zum Hohepriester Aschschurs ausgebildet, des strengen, grausamen Kriegsgottes der Assyrer, dem man mit Menschopfern huldigt. Seine erste Erfahrung mit einer Frau endet in einer Katastrophe, die ihn gelähmt zurücklässt. Er hat bereits mit seinem Leben abgeschlossen, da taucht eines Tages ein Mann namens Kautilya auf und bietet Asarhaddon an, ihn zu heilen. Im Ausgleich dafür soll der Hohepriester ein Jahr lang auf seine Macht verzichten und als Bettler leben. Asarhaddon nimmt das Angebot an und lernt erstmals ein anderes Leben, fernab des Priestertums kennen. Mit diesem Jahr legt sich der Grundstein einer stetigen, aber sehr langsamen Wandlung Asarhaddons, der in den Folgejahren nicht nur umliegende Länder und Reiche in Kriegszügen erobert und sogar seinen Bruder vom Thron stößt, sondern auch Freunde findet und schließlich auch eine ganz andere Art der Liebe kennenlernt – in den Prinzen Sardur.

Eigene Meinung:
Jutta Ahrens Roman „Der blutige Thron“ erschien bereits 1993 unter dem Titel „Der König von Assur“ und ist einer der ersten deutschen Romane, der die Homosexualität mehrere Figuren thematisiert. Inzwischen ist das bei Piper herausgekommene Buch längst vergriffen, doch die Autorin hat es unter dem Titel „Der blutige Thron“ selbst herausgebracht und hat den Lesern damit einen der schönsten und gleichzeitig tiefgängigsten, historischen Roman wieder zugänglich gemacht. weiterlesen…

[BLOGTOUR] Sunford – Homosexualität um 1900

Heute macht die Blogtour zu „Sunford – Verführung eines Gentleman“ endlich Station bei mir. Ich darf mich mit dem faszinierenden Thema „Homosexualität um 1900“ beschäftigen. Natürlich ließen sich damit mehrere Bücher füllen (hat man übrigens auch getan – „Das andere Berlin“ beispielsweise), dennoch will ich wenigstens einen kleinen Einblick in die Thematik geben. Aufgrund der Tatsache, dass „Sunford“ ein schwuler, historischer Roman ist, konzentriere ich mich vorwiegend auf die männliche Homosexualität – die lesbische Geschichte um 1900 ist einen eigenen Artikel wert 😉

England:
Bereits im 16. Jahrhundert stand in England die Todesstrafe auf Sodomie (in diesem Fall analer Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern), festgeschrieben durch den 1533 geschlossenen Buggery Act. Erst 1871 wurde die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt, das Gesetz an sich jedoch selten angewandt, da sich Sodomie nur schwer nachweisen ließ.
Im Jahr 1885 wurde der Criminal Law Amendment Act verabschiedet, der Mädchen und Frauen vor Prostitution und Bordellen schützen sollte. Der von Henry Labouchere kurzfristig eingereichte Artikel 11 stellte jedoch alle homosexuellen Akte (gross indecency – grobe Unzucht) zwischen Männern (auch der Versuch solcher Handlungen) unter Strafe. Das Strafmaß belief sich auf zwei Jahre Zuchthaus (mit oder ohne Zwangsarbeit). Die recht schwammige Formulierung „gross indecency“ sorgte dafür, dass jegliches homosexuelles Verhalten unter Strafe gestellt wurde, selbst wenn kein analer Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte.

Der erste große Skandal, der im später 19. Jahrhundert die englische Bevölkerung erschütterte, war der Cleveland-Street-Skandal, bei dem 1889 ein Bordell für Männer in der Cleveland Street in London entdeckt wurde. Da sexuelle Handlungen zwischen Männern verboten waren, drohte den Kunden nicht nur eine strafrechtliche Verfolgung durch die Polizei, sondern auch gesellschaftliche Ächtung. Zu Beginn verliefen die Ermittlungen noch ohne die Aufmerksamkeit der Presse – die meisten Botenjungen, die in dem Bordell arbeiteten, wurde mit geringen Strafen belegt, die meisten Kunden kamen straffrei davon. Der Skandal nahm erst größere Züge an, als Ernest Perke, Herausgeber der radikalen Wochenzeitung The North London Press darüber berichtete und erstmals andeutete, dass mehrere Adelige in die Affäre verwickelt seien (darunter laut Gerüchten sogar Prinz Albert Victor, der Zweite in der britischen Thronfolge), beispielsweise der nach Südfrankreich geflohene Lord Arthur Somerset.
Im Nachhinein hatte der Skandal vor allem die Vorstellung gefördert, dass Homosexualität besonders in aristokratischen Kreisen verbreitet sei und dass Jugendliche der unteren Schichten verdorben werden.

Bereits 6 Jahre später folgte ein noch größerer Skandal – die Prozesse um Oscar Wilde. Vom Marquis of Queensberry im Juli 1985 als Sodomit bezeichnet, strebte Wilde eine Verleumdungsklage gegen den Vater seines Freundes und Liebhabers Lord Alfred Douglas an. Im folgenden Prozess wurde nicht nur der Marquis of Queensberry freigesprochen, man erhob Anklage wegen grober Unzucht gegen den britischen Autoren, als sich herausstellte, dass Wilde mit jungen Männern aus der Unterschicht sexuellen Umgang pflegte, darunter auch männlichen Prostituierten. In einem zweiten Verfahren wurde er am 25. Mai 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Nach seiner Entlassung war Wilde gesellschaftlich und gesundheitlich ruiniert und floh nach Paris, wo er am 30. November 1900 starb.

Homosexuelle Handlungen blieben in England bis 1967 strafbar, erst dann wurde der Criminal Law Amendment Act aufgehoben. Neben Oscar Wilde wurde auch der britische Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing wegen grober Unzucht verurteilt und unterzog sich einer chemischen Kastration, die ihn wahrscheinlich in den Selbstmord trieb. Erst 2013 wurde er von Elisabeth II. rehabilitiert.

Deutschland:
Auch in Deutschland standen homosexuelle Handlungen zwischen Männern seit 1872 unter Strafe, nachdem Karl Heinrich Ulrichs als einer der ersten Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen ab 1865 erfolglos gegen den §175 vorgegangen war. Unter Strafe standen widernatürliche Handlungen, die mit Gefängnis oder der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte geahndet wurden. In den folgenden Jahrzehnten kämpften unterschiedliche Mediziner (u.a. Magnus Hirschfeld, Arzt und Gründer des Wissenschaftlich-humanitäres Komitees) und Politiker gegen den §175. Mehrere Skandale, wie die Harden-Eulenburg-Affäre, bei der prominente Mitglieder des Kabinetts von Kaiser Wilhelm II. zwischen 1907-1909 vor Gericht standen, brachten jegliche Aktionen gegen den Unzuchts-Paragraphen jedoch zum Scheitern. Auch die Taten homosexueller Serienmörder wie Fritz Haarmann und dessen Verhandlung 1924 verhinderten die Aufhebung des umstrittenen Paragraphen.

Dennoch entwickelte sich Berlin ab Mitte des 19. Jahrhunderts als wichtigste Metropole, in der Homosexuelle relativ frei und sicher leben konnten. Die Stadt wurde international bekannt und unzählige Homosexuelle, die vor der Verfolgung im eigenen Land flüchteten, reisten nach Deutschland. Der bekannteste von ihnen ist der englische Schriftsteller Christopher Isherwood, der mit dem Buch „Leb wohl Berlin“ seine Erlebnisse in Berlin niederschrieb. Es existierten nicht nur mehrere Bars, Clubs und Treffpunkte, die teilweise sogar von der Polizei geschützt und überwacht wurden (im Eldorado in der Motzstraße trafen sich Transvestiten, Transsexuelle und voyeuristische Touristen, Mediziner und Journalisten, die von der Polizei begleitet wurden), sondern auch mehrere Magazine, Vereinigungen und homosexuelle Organisationen, die offen für die Rechte Homosexueller kämpften. Unter Magnus Hirschfeld entstand 1919 auch der Film „Anders als die Anderen“, der erstmals Homosexualität zum Thema hatte und sie nicht in einem negativen Licht darstellte.

Erst mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten änderte sich das offene, ungezügelte Leben der Homosexuellen in Deutschland, was zur Schließung der Berliner Clubs und Bars und zur Einstellung der vielen Zeitschriften führte, die sich mit schwuler und lesbischer Liebe beschäftigten. Ab 1933 begann die systematische Verfolgung Homosexueller.

Frankreich:
Als eines der ersten Länder weltweit wurde Homosexualität in Frankreich bereits 1791 legalisiert, indem die Anti-Sodomie-Gesetze abgeschaffte wurden. Mit dem Code Napoléon 1804 und Code pénal impérial 1810 gewährte Frankreich erstmals absolute Straffreiheit gegenüber Homosexuellen, solange dabei die Rechte Dritter nicht verletzt werden. Das Gesetz wurde von französischen Enzyklopädisten und Vertreter der Aufklärung wie Voltaire, Montesquieu, Mably, Morelly und Condorcet vorangetrieben.
Gesellschaftlich waren Homosexuelle nichtsdestotrotz gesellschaftliche Außenseiter, da die gesellschaftliche Akzeptanz fehlte, doch im Vergleich zu England (und teilweise Deutschland) konnten Homosexuelle ihre Neigung relativ offen ausleben. Aus diesem Grund flüchteten mehrere Homosexuelle aus England nach Frankreich (Lord Arthur Somerset, Oscar Wilde)

USA:
Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika war Homosexualität verboten und wurde bis 1873 in einigen Bundesstaaten mit dem Tod bestraft. Ansonsten drohten je nach Bundesstaat mehrjährige Haftstrafen, da jeder Staat sein eigenes Strafgesetz besaß. Dennoch bildeten sich im ausgehenden 19. Jahrhunderts erste schwule Clubs und Treffpunkte, in New York gab es mit der Bowery sogar einen schwulen Distrikt, in dem sich homosexuelle Männer im Geheimen treffen konnten. In dieser Zeit wurde für Homosexuelle auch der Begriff Fairies geprägt, da dieser zumeist sehr extravagant gekleidet waren. Nichtsdestotrotz wurden Homosexuelle verfolgt und waren zumeist gezwungen ihre Neigungen im Geheimen auszuleben. Teils lebten Männer gebildeter Gesellschaftsschichten in gleichgeschlechtlichen Freundschaften zusammen, bei Frauen prägte sich der Begriff Boston Marriage. Dies änderte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts, das Gesetz gegen sexuelle Perversionen wurde erst ab 1962 schrittweise abgeschafft.

Literatur:
Adrian Mayfield“-Trilogie (Floortje Zwigtmann)
Maurice“ (E.M. Foster)
Die Brüder“ (2. Teil der „Brückenbauer“-Reihe, Jan Guillou)
Eine Welt dazwischen“ / „In einem Leben wie diesem“ (Aline Sax)
Ein Mann aus bestem Hause“ (Anne Perry)
Das andere Berlin – Die Erfindung der Homosexualität: Eine deutsche Geschichte 1867 – 1933“ (Robert Beachy)
„Der Imoralist“, „Die Ringeltaube“ (André Gide)
Die Werke von Walt Withman
Die Werke von Karl May

Damit komme ich auch schon ans Ende meines kurzen Einblicks in das spannende Thema „Homosexualität um 1900“. Und natürlich kann man auch heute wieder ein Print-Exemplar von “Sunford” gewinnen. Wer seine Chancen erhöhen will, sollte bei den anderen Blogtour-Teilnehmern vorbeischauen – bis zum 3. März 2016; 23.59 Uhr könnt ihr die Fragen der anderen Blogger zu den jeweiligen Themen beantworten und so eure Chancen erhöhen. Bitte denkt daran neben eurem (Nick)Namen auch eure Mailadresse zu hinterlassen. Danke.

Hier meine Frage:
Homosexualität wird heutzutage weitestgehend akzeptiert. Wie schätzt ihr die Entwicklung und den heutigen Stellenwert gleichgeschlechtlicher Liebe im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahrhunderten ein?

Hier nochmal die einzelnen Stationen:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de – Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de – Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de – Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de – Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de – Edwardianische Zeit
26.2. likeagaydream.wordpress.com – Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de – Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de – Protagonisteninterview

Teilnahmebedingungen:
Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
Teilnahme am Gewinnspiel ab 18 Jahren oder mit Erlaubnis des Erziehungsberechtigten.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Für den Postversand wird keine Haftung übernommen, Versand nur innerhalb Deutschlands, Österreich und Schweiz.
Die Adressen werden nur für den Versand ermittelt.

Viel Glück an alle Teilnehmer.

Liebe Grüße,
Juliane

Blogtour-Ankündigung “Sunford”

Hallo ihr lieben,

ab morgen findet eine Blogtour zu Celia Janssons Debüt “Sunford – Verführung eines Gentleman” statt. Auch bei mir macht die Blogtour Station – am 26.02.2016 darf ich über das spannende Thema “Homosexualität im 19. Jahrhundert schreiben. Aber auch sonst erwarten euch einige tolle Berichte, also schaut vorbei. Auf jedem Blog könnt ihr eine Printausgabe von Sunford gewinnen, sprich jeden Tag habt ihr die Chance auf ein Exemplar des Buches.

Hier die einzelnen Stationen:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de – Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de – Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de – Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de – Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de – Edwardianische Zeit
26.2. www.like-a-dream.de – Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de – Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de – Protagonisteninterview

Wir freuen uns auf euch 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Sunford – Verführung eines Gentleman von Celia Jansson

Autor: Celia Jansson
Taschenbuch:  300 Seiten
ISBN: 978-3864435218
Preis: 6,99 (eBook) | 12,90 (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der gutsituierte Unternehmer Leonard Knightly setzt alles daran, um dem kleinen Städtchen Sunford eine direkte Eisenbahnanbindung nach London zu verschaffen – etwas, dass von den alteingesessenen Bürgern eher skeptisch beäugt, teilweise sogar blockiert wird. Genau zu dieser Zeit lernt er den gutaussehenden Lord Vincent Fanbury kennen, der über den Sommer bei seinen Verwandten zu Besuch ist. Das kleine Örtchen steht ob seiner Berühmtheit Kopf – gerade die weiblichen Bewohner hoffen auf eine gute Partie. Auch Leonard ist von dem jungen Lord fasziniert und freundet sich bei gemeinsamen Reitausflügen mit ihm an. Schnell wird ihre Beziehung tiefer, denn auch Vincent zeigt sich an Leonard interessiert. Dass Vincent ein düsteres Geheimnis mit sich herumträgt und bei weitem nicht so unschuldig ist, wie Leonard denkt, wird schnell klar. Antworten findet er jedoch erst, als Vincent nach London zurückkehrt, aus dem er wegen eines gewaltigen Skandals geflohen ist …

Eigene Meinung:
Mit „Sunford – Verführung eines Gentleman“ legt die Autorin Celia Jansson ihr Debüt vor. Der Roman erschien im Sieben Verlag, bei dem u.a. auch Romane von Corinna Bach („Bodyguard – Specialauftrag: Liebe“, „Vancouver Dreams“) und Sylvia Pranga („Männerbande“) erschienen sind. weiterlesen…

[SACHBUCH] Das andere Berlin von Robert Beachy

Autor: Robert Beachy
Taschenbuch:  464 Seiten
ISBN: 978-3-8275-0066-3
Preis: 19,99 EUR (eBook) | 24,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Der US-Historiker Robert Beachy stellt in seinem Sachbuch “Das andere Berlin” eine mutige These voran: dass die Homosexualität, bzw. die Auseinandersetzung mit dieser Thematik und das Finden einer homosexuellen Identität, erstmals in Deutschland zur Sprache kam – weit vor den Stonewall Vorfällen im New York der 60er Jahre. Acht Kapitel, die sich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Weimarer Republik erstrecken, umfasst Beachys Beweisführung, angefangen bei dem Vorkämpfer für Homosexuellenrecht Karl Heinrich Ulrichs, der bereits ab 1867 für die Abschaffung des §175 kämpfte und erstmals offen über Homosexualität redete. Das beginnende 20. Jahrhundert in Berlin, das durch Hirschfelds Forschungen und die Gründung des Wissenschaftlich-humanitäre Komitees (WhK) geprägt war, die sich über Jahrzehnte für die Rechte der Homosexuellen einsetzten, nimmt den Löwenteil des Buches ein, ebenso die Ausschweifungen und die offen schwulen und lesbischen Lebensweise nach dem ersten Weltkrieg.

Eigene Meinung:
Robert Beachy hat bereits mehrere Sachbücher veröffentlicht, die sich der deutschen und amerikanischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts widmen, wobei sein Schwerpunkt auf der Historik der Homosexualität liegt. „Das andere Berlin“ erschien 2014 unter dem Titel „Gay Berlin. Birthplace of a Modern Identity“ in den USA. weiterlesen…

[NOVELLE] Das Lilienschwert von Laurent Bach

Autor: Laurent Bach
Taschenbuch: 126 Seiten
ISBN: 978-1500166793
Preis: 2,30 EUR (eBook) | 4,96 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Es scheint ein glücklicher Zufall zu sein, dass der junge Jerôme während einer Prozession zu Ehren der Jungfrau Johanna (Jeanne D’Arc) einem Kind das Leben rettet und daraufhin von Gille de Rais, Feldmarschall Frankreichs, in sein Palais geladen wird. Nicht nur begegnet er dort dem bildschönen Guy, der während der Festlichkeiten die heilige Jungfrau von Orleans verkörperte, er wird von de Rais auch als Knappe aufgenommen. Während für Jerôme ein neues Leben beginnt bandelt er mit Guy an, der sich ebenfalls in den unschuldigen Jungen verliebt. Leider wird auch Gille de Rais auf Jerôme aufmerksam – sehr zu Guys Missfallen, der dem Adeligen immer wieder auch im Bett zu Diensten ist – und bietet Jerôme endlich die Möglichkeit den Schwertkampf zu lernen. De Rais schenkt seinem Knappen im Gegenzug für gewisse Gefälligkeiten ein Lilienschwert, doch Jerôme fallen die Übungskämpfe schwer – lediglich bei de Rais ereilen ihn keine blutigen Visionen. Zudem häufen sich die Streitereien mit Guy, was beiden Männern zusetzt …

Eigene Meinung:
Mit der Novelle „Das Lilienschwert“ veröffentlichte Brunhilde Witthaus unter dem Pseudonym Laurent Bach 2014 die Geschichte von Jerôme und Guy im Selbstverlag. Das knapp 80-seitige Werk spielt vor ihrem historischen Roman „Des Teufels Schreiber“, in dem es um Gilles de Rais und seine Machenschaften geht. Die Novelle greift lose die historischen Ereignisse im Frankreich des 15. Jahrhunderts auf und bildet eine gute Ergänzung zu dem im Sieben Verlag erschienen Roman, wenngleich „Das Lilienschert“ dem Gay Historical Genre angehört. weiterlesen…