[ROMAN] Yadriel und Julian. Cemetery Boys von Aiden Thomas

Autor*in: Aiden Thomas
Übersetzer*in: Stefanie Frida Lemke
Hardcover: 400 Seiten
ISBN: 978-3748801818
Preis: 14,99 EUR (eBook) / 18,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Da dem jungen Transmann Yadriel das Ritual zum brujo seitens seiner Familie verwehrt wird, bei dem die jungen Männer der Familie Brujx den Segen und die Kräfte von Santa Muerte erhalten, beschließt er das Ritual mit seiner besten Freundin Maritza heimlich durchzuführen. Tatsächlich erhält er den Segen der Totengöttin und kann fortan Geister beschwören und ins Jenseits begleiten. Doch schon kurz darauf spürt er den Tod seines Cousins Miguel und beschwört in einer alten Kirche den Geist von Julian Diaz, einem Jungen, der keinen sonderlich guten Ruf hat. Julian will nicht so schnell ins Jenseits übertreten, denn er will nicht nur wissen, was ihm widerfahren ist, sondern auch, wie es seinen Freund*innen geht. Yadriel beschließt ihm zu helfen und parallel herauszufinden, was mit Miguel passiert ist, denn niemand scheint dessen Leiche oder Geist finden zu können …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ erschien das Debüt des Autors Aiden Thomas in deutscher Sprache beim Dragonfly Verlag. Das Buch schaffte den Sprung auf die New York Times Bestsellerliste und wurde mehrfach ausgezeichnet. Weitere Bücher des Autors sind für den deutschen Markt in Planung, ebenso wurde für 2024 ein Sequel zu Cemetery Boys angekündigt, in dem die Ereignisse aus Julians Sicht beschrieben werden sollen.

Die Geschichte bietet eine gelungene Mischung aus Fantasy, Coming-Out, Familienzugehörigkeit und Traditionen, sowie Freundschaft und Liebe. Aiden Thomas legt ein beeindruckendes LGBTIQA* Werk vor, das angenehm aus der breiten Masse heraussticht und mehr zu bieten hat, als die üblichen Geschichten über Trans*. So bringt er den Leser*innen auch die hispanische Kultur näher und webt diese sehr überzeugend in die Geschichte ein – die Hintergründe der Familie Brujx, bei denen die Männer so etwas wie Geisterführer (brujos) sind und die Frauen (brujas) die Fähigkeit haben, zu heilen, ist wirklich spannend und geben der Geschichte einen passenden Rahmen. Sie bietet die perfekte Grundlage für Yadriel, der als Trans* am Ritual der brujos teilnehmen möchte, dies aber nicht darf, da seine Familie an den alten Traditionen festhält und sie Yadriel nicht als Jungen sehen. Auch die Geschichte mit Julian und die zarte Liebe die sich zwischen ihm und Yadriel entspinnt, sind sehr stimmig und authentisch – man kann gut nachvollziehen, warum Yadriel zunehmend Probleme damit hat, Julian gehen zu lassen.
Einzig die eigentliche Hintergrundgeschichte hat man als Leser relativ schnell durchschaut, so dass das große Finale inklusive aller Enthüllungen keine Überraschung mehr bietet. Der Autor folgt zu sehr den üblichen Bahnen, wie man einen Bösewicht einführt und streut zu viele Hinweise, als das die Entwicklungen und Offenbarungen zum Ende hin noch überraschen können. Das ist schade, da das Buch dadurch zum Ende hin spürbar an Schwung verliert. Auch wirkt Julians letzter Tag und das Finale recht schnell runtergeschrieben – während sich der Autor am Anfang sehr viel Zeit gelassen hat, wirkt es, als würden ihn zum Ende hin die Seiten ausgehen, was sehr schade ist, da das Buch inhaltlich ein wenig unausgewogen wirkt.

Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und wirken authentisch und gut nachvollziehbar. Mit Yadriel kann man sich sehr gut identifizieren und seine Probleme als Trans*junge sehr gut nachvollziehen. Er ist ein starker Charakter, der für das kämpft, an das er glaubt und sich keine Beschränkungen auferlegen lässt. Auch Julian ist ein toller Gegenpart – feurig, witzig und ungemein energiegeladen. Trotz seiner Vergangenheit und seines Rufs weiß er ganz genau, wo er steht und wer er ist. Man kann gut verstehen, was Yadriel in ihm sieht.
Auch die übrigen Figuren, allen voran Maritza, sind toll in Szene gesetzt – über die meisten, allen voran Julians Freund*innen würde man gerne mehr erfahren.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Aiden Thomas hat einen angenehmen, spannenden Schreibstil, der sehr gut zur Geschichte passt. Besonders hervorzuheben ist hierbei das Einfließen der hispanischen Kultur, der Tradition des dias de muertos und der spanischen Sprache, die den Leser*innen meistens sinngemäß übersetzt wird. Allein aus diesem Grund lohnt sich „Yadriel und Julian. Cemetery Boys“, denn kaum ein anderes Buch zeigt diese Kultur so authentisch und eindrucksvoll. Obwohl die Geschichte komplett aus Yadriels Sicht beschrieben ist und man vorwiegend seine Gedanken und Gefühle kennenlernt, erfährt man viel über Julian und dessen Probleme – der Autor weiß, wie er seine Figuren den Leser*innen näherbringt.

Fazit:
„Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ ist ein gelungenes, authentisches und mitreißendes Jugendbuch, das durch tolle Figuren und einen tollen Schreibstil besticht. Die Handlung ist zwar an einigen Stellen zu vorhersehbar und die Spannungskurve zum Ende hin etwas flach, doch der Mix aus Urban Fantasy, hispanischen Traditionen und Familienzugehörigkeit, sowie Freundschaft, Liebe und queerer Selbstfindung kann dennoch überzeugen und hebt den Roman angenehm aus gängigen queeren Jugendbüchern hervor. Wer auf der Suche nach einem spannenden Roman mit einem Trans*Helden ist, sollte auf jeden Fall zugreifen. Zu empfehlen!

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