[ROMAN] Nur fast am Boden zerstört von Sophie Gonzales

Autorin: Sophie Gonzales
Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN: 978-3570166086
Preis: 9,99 EUR (eBook) / 15,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Für Ollie bricht eine Welt zusammen, als seine Familie am Ende des Sommers beschließt, nach North Carolina zu ziehen, um seine krebskranke Tante und deren Familie unterstützen zu können. Für Ollie bedeutet das fort von seinem Freundeskreis und seiner Band zu sein und das letzte Schuljahr auf einer neuen High School zu verbringen. Die Aussichten ändern sich, als er mitbekommt, dass sein Sommerflirt Will, der in den letzten Wochen auf keine seiner Nachrichten geantwortet hatte, ebenfalls auf seine neue High School geht. Als Basketballstar ist dieser allerding weniger begeistert, Ollie wiederzusehen, zumal er nicht geoutet ist und sich in Gegenwart seiner Freunde wie ein Idiot verhält. Auf Anraten seiner Tante hin, versucht Ollie dem neuen Will eine Chance zu geben, doch ein Zusammensein scheint nahezu unmöglich …

Eigene Meinung:
„Nur fast am Boden zerstört“ stammt von der australischen Autorin Sophie Gonzales und erschien im Juli 2021 in Deutschland bei cbj. Das queere Jugendbuch erschien 2020 in den USA, erhielt mehrere Preise und steht auf einigen Bestenlisten für Kinder- und Jugendliteratur. Parallel zum Roman erschien mit „Mein fast perfekter Sommer“ die knapp 150-seitige Vorgeschichte zum Roman als eBook und beleuchtet den gemeinsamen Sommer von Ollie und Will. Für den April ist mit „Theoretisch perfekt“ ein weiteres queeres Jugendbuch des Autorin bei cbj angekündigt.

Die Geschichte setzt am Ende eines perfekten Sommers an – Ollie hat in Will seine große Liebe gefunden, nahezu jede freie Minute mit ihm verbracht und ist sich sicher, dass sie sich irgendwann wiedersehen werden, auch wenn Will auf keine seiner Nachrichten reagiert. Dass seine Eltern ihm kurz darauf eröffnen, vorerst in der Gegend zu bleiben, um sich um seine schwerkranke Tante und deren Familie zu kümmern, ist für Ollie nicht halb so schlimm, wie die Funkstille seitens Will. Für Ollie beginnt ein neues Leben in der kleinen Stadt und an der städtischen High School, wo er bereits am ersten Tag das Mädeltrio Juliette, Lara und Niamh kennenlernt und über seinen Sommerflirt mit Will berichtet – ohne zu wissen, dass Will an diese Schule geht und nicht geoutet ist. Als er Will schließlich wiedersieht, ist nichts wie es war, denn Will verhält sich nicht nur anders, er meidet Ollie auch, um kein unnötiges Gerede zu provozieren.
Mit „Nur fast am Boden zerstört“ legt die Autorin Sophie Gonzales ein klassisches, queeres Jugendbuch vor, in dem es vorwiegend um die holprige Beziehung mit allen Höhen und Tiefen von Ollie und Will geht, aber auch Themen wie Coming-Out, Homophobie und Freundschaft werden angesprochen. Mit Ollies schwerkranker Tante bringt die Autorin auch Problemthemen wie Krankheit, Tod und Trauer zur Sprache und gibt der Geschichte dadurch eine ernste Note, die zwar immer präsent ist, aber niemals die Oberhand gewinnt. Sophie Gonzales versteht es all die Themen zu einem soliden, gefühlvollen und gut verständlichen Jugendbuch zu verweben, ohne gängige Klischees zu bedienen. Die Liebesgeschichte wirkt authentisch, die Handlungen der Jugendlichen ebenso.
Um die Geschichte in all seinen Facetten zu verstehen, empfiehlt es sich auch die Vorgeschichte „Mein fast perfekter Sommer“ zu lesen, der das Kennenlernen und den gemeinsamen Sommer der Jungs beleuchtet. Passagen aus dem Kurzroman erscheinen auch als Rückblenden in „Nur fast am Boden zerstört“, doch wenn man die Beziehung der beiden wirklich erleben will und darüber hinaus auch verstehen will, warum der Titel des Buches „Nur fast am Boden zerstört“ lautet, sollte man auf jeden Fall die Vorgeschichte lesen – sie ist kostenfrei verfügbar und in sich abgeschlossen.

Die Figuren sind authentisch und glaubhaft in Szene gesetzt – gerade Ollie lernt man sehr gut kennen und kann seine Sorgen und Probleme nachvollziehen. Man ist immer an seiner Seite, erlebt mit ihm einige turbulente Monate und ist ähnlich hin und her gerissen wie er, wenn es um Will geht. Auch diesen kann man verstehen – gerade zum Ende hin begreift man erst so richtig, wovor Will eigentlich Angst hat und wie sehr er mit sich und seiner Homosexualität hadert. Die restlichen Jugendlichen, allen voran Lara, Juliette und Niamh sind ebenfalls toll ausgearbeitet und sind nicht nur die üblichen Statisten, sondern haben alle ihr eigenes Päckchen zu tragen und kommen viel stärker zum Tragen, als man zu Beginn erwartet hat. Es ist toll, dass die Autorin auch ihnen ihre kleinen Randgeschichten zugesteht und sie dadurch noch lebendiger macht.

Der Schreibstil ist lockerleicht und passt hervorragend zu einem Feel Good-Roman wie „Nur fast am Boden zerstört“. Sophie Gonzales hat einen angenehm lesbaren und abwechslungsreichen Stil der durch Humor, Drama und witzige Dialoge besticht. Man fliegt förmlich durch die Seiten und kann das Buch nur schwer aus der Hand legen, wenn man erst einmal in die Geschichte eingetaucht ist. Angenehm ist auch, dass die Autorin die erotische Komponente komplett ausklammert, wenngleich es bei einem Jugendbuch ab 14 durchaus einen Platz hätte finden können. Doch es passt zum Feeling und zur Atmosphäre des Jugendbuches, die Dinge nur ganz am Rande anzudeuten (wenngleich diese Komponente in „Mein fast perfekter Sommer“ nicht gänzlich ausgeklammert und ein wenig deutlicher beschrieben wird).

Fazit:
„Nur fast am Boden zerstört“ ist trotz der vielen ernsten Themen ein gelungenes, lockerleichtes Feel Good Jugendbuch, das durch sympathische, authentische Figuren und einem angenehm witzigen und flüssigen Schreibstil besticht. Sophie Gonzales legt ein wundervolles queeres Jugendbuch vor, das Spaß macht und das man nur schwer aus der Hand legen kann. Wer neugierig ist und den Stil der Autorin antesten will, sollte sich im Vorfeld unbedingt das kostenfreie eBook „Mein fast perfekter Sommer“ holen – es bietet einen perfekten Einstieg und gibt der Geschichte um Ollie und Will eine zusätzliche, etwas erotischere Facette. Aber auch ohne Kenntnisse der Vorgeschichte kann man den Roman genießen – zu empfehlen.

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