[ROMAN] Loveless von Alice Oseman

Autor*in: Alice Oseman
Übersetzer*in: Vanessa Walder
Taschenbuch:
4804 Seiten
ISBN: 978-3743212190
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 14,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Georgia ist 18, liebt Romantik und Fanfictions und sehnt sich nach der großen, alles verändernden Liebe. Bisher hat sie die berühmten Schmetterlinge im Bauch noch nicht erlebt, ebenso wenig hat sie jemanden geküsst, geschweige denn Sex gehabt. An er Uni will sie das ändern – sie muss einfach, denn sich zu verlieben und eine*n Freund*in zu haben, ist doch ganz normal und das groß Ziel im Leben eines Menschen. Unterstützung bekommt sie von ihrer neuen Mitbewohnerin Rooney, die ihr letztendlich vorschlägt, ihrem besten Freund Jason eine Chance zu geben. Georgia versucht alles, um so zu sein, wie alle anderen, doch Liebe lässt sich nicht erzwingen – und sie muss feststellen, dass er mehr sexuelle Facetten gibt, als heterosexuell und homosexuell zu sein …

Eigene Meinung:
Das mit dem YA Book Prize2021 ausgezeichnete Jugendbuch “Loveless” stammt von Alice Oseman und erschien 2020 bei HarperCollins. Es handelt sich um ihr viertes Jugendbuch und beschäftigt sich mit den eher unbekannten Themen Aromantik und Asexualität. Ihr bekanntestes Werk, die Webcomicserie “Heartstopper”, erscheint ebenfalls im Loewe Verlage und wurde von Netflix als Serie umgesetzt.

Die Geschichte behandelt ein wenig repräsentiertes, queeres Thema im Jugendbuch, denn Aromantik und Asexualität kommen in den meisten Büchern nicht vor – im Gegenteil. Die erste Liebe, der erste Kuss, zarte Annäherungen und die Entwicklung tiefer Gefühle für eine andere Person sind wichtige Elemente in Jugendbüchern, die fast schon obligatorisch eingebaut sein müssen, damit ein Buch den gewünschten Erfolg erzielt. Doch was, wenn man als Leser*in solche Dinge gar nicht nachvollziehen und begreifen kann? Wenn es einem geht wie Georgia, die so verzweifelt versucht, etwas zu empfinden und (in den Augen anderer) normal zu sein? Die erste Hälfte des Buches begleitet man sie auf ihrer Suche nach sich selbst und eine*m Partner*in – fast verzweifelt versucht sie alles, um so zu sein wie alle anderen und ist sich sicher, dass es einfach etwas länger dauert. Dabei wird sie von Rooney unterstützt, ihrer Mitbewohnerin im Studentenwohnheim, die das genaue Gegenteil von Georgia ist – offen, extrovertiert und jemand, der auch in Sachen Sex nichts anbrennen lässt. Sie gibt ihr gutgemeinte Tipps, versucht sie auf Mitstudenten und -studentinnen aufmerksam zu machen und schlägt letztendlich vor, es mit Jason zu versuchen, Georgias Kindheitsfreund, was erst recht für Chaos sorgt und die Freundschaft zu diesem und Georgias bester Freundin Pip fast zerstört.
Alice Oseman erzählt die Geschichte um Georgia sehr gefühlvoll und nachvollziehbar. Sie ist authentisch und eindringlich umgesetzt – man kann Georgia sehr gut nachvollziehen, ganz gleich ob man, wie sie dem aromantischen/asexuellen Spektrum angehört oder nicht. Die Autorin lässt sich Zeit, die Gedanken und Gefühle ihrer Heldin der*m Leser*in nahezubringen– mitunter zieht sich daher das Buch gerade am Anfang ein wenig, was jedoch im Nachhinein verständlich ist: Georgia braucht einfach Zeit, um sich selbst kennenzulernen, zu begreifen wer sie ist und wie sie empfindet und letztendlich auch um zu akzeptieren, dass ihre große Liebesgeschichte nie stattfinden wird. Das bedeutet nicht, dass die Autorin auf die Liebe verzichtet, im Gegenteil. “Loveless” ist nicht frei von Liebe und ehrlichen, tiefen Gefühlen – nur spielt gerade bei Georgia eher die platonische Liebe zu ihren Freund*innen eine tragende Rolle, und letztendlich ist diese genauso wichtig (wenn nicht wichtiger), wie die romantische Liebe zu einem besonderen Menschen.

Die Figuren sind sehr gut umgesetzt und wirken sehr authentisch und greifbar. Georgia ist ein stilles, introvertiertes Mädchen, das oftmals nicht weiß, was sie sagen, wie sie auf bestimmte Situationen reagieren und wie sie sich angemessen verhalten soll. Alice Oseman hat eine machvollziehbare, , glaubwürdige junge Frau erschaffen, die nicht nur sich selbst kennenlernt, sondern auch mit ihren Gedanken, Dinge in Frage stellt, die heute fest in der Gesellschaftals normal verankert sind – erste Liebe, Beziehungen und schließlich Heiraten und eine Familie zu gründen.
Auch die übrigen Figuren können überzeugen und wirken sehr realistisch und greifbar. Man schließt sowohl Jason, als auch Pip und Rooney ins Herz.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Alice Oseman hat einen lockerleichten, authentischen und sehr realistischen Schreibstil, der gut zur Geschichte passt und ohne Spannung und Dynamik auskommt. Die Geschichte ist sehr ruhig angelegt, entwickelt sich nur langsam und kommt vollkommen ohne Wendungen und Twists daher. Sie wird komplett aus Georgias Sicht erzählt, als Leser*in lernt man daher sie und ihre Gedanken- und Gefühlswelten am Besten kennen. Nichtsdestotrotz erfährt man eine Menge über Georgias Freund*innen – den ruhigen, eher stillen Jason, die flippige Pip und die zwiespältige Rooney- und lernt auch diese gänzlich unterschiedlichen Charaktere sehr gut kennen. Einige von ihnen bieten Potenzial für eine eigene Geschichte, gerade Sunil, Präsident der queeren Vereinigung an der Uni.

Fazit:
“Loveless” ist ein gelungenes, lesenswertes Jugendbuch, das durcheine eindringliche Geschichte, authentische, gut nachvollziehbare Figuren und einen angenehm lockerleichten Schreibstil besticht. Alice Oseman ist ein wichtiges Jugendbuch geglückt, das wirklich jeder lesen sollte, da es ein Thema aufgreift, das viel zu selten besprochen wird und daher kaum bekannt ist. Wer auf der Suche nach Büchern ist, die sich mit Aromantik/Asexualität beschäftigen und diese Facette des LGBTIQA* kennenlernen will, sollte auf jeden Fall zugreifen. Doch auch allen anderen empfehle ich dieses Jugendbuch – um zu sehen, dass nicht jede*r da draußen für die große Liebe geschaffen ist und das ist okay so. Unbedingt reinlesen!

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