[ZITATE-FREITAG] Narbenmond

Hallo in die Runde,

der Zitate-Freitag ist fester Bestandteil der Special Week – nichtsdestotrotz unterscheidet er sich ein wenig von den bisherigen 😉 Dieses Mal hat nämlich die Autorin selbst die Zitate ausgewählt (nicht ich) und ihre Lieblingsstellen für euch zusammengestellt. Wer schon immer wissen wollte, welche Szenen Serena bei “Narbenmond am liebsten hatte, kann jetzt nachlesen. Ich wünsche euch viel Spaß 🙂

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meine Rezension

»Und der Letzte in unserer Runde ist Tarik.«

Das war der Mann, der Morgana als Erstes aufgefallen war. Als der König seine Position nicht weiter ausführte, zögerte sie und sprach ihre Frage dann doch aus: »Welches Amt hat er inne?«

Die Männer schmunzelten und Tarik erhob sich. »Ich bin bloß ein gewöhnlicher Dieb.« Dabei ließ er es klingen, als sei es ein ehrenvoller Titel und keine Schande.

Morgana war sich mit einem Mal bewusst, dass sie nicht nur angesehen, sondern beobachtet wurde. Ihre Reaktion war eine Prüfung. Während alle sie musterten, lächelte sie Tarik an.

»Wie ich sehe, seid Ihr noch im Besitz aller Finger, und das, obwohl Kommandant Arturo mit an der Tafel sitzt. Ich kann demnach davon ausgehen, dass Ihr mehr vermögt, als nur Silberlöffel unbemerkt einzustecken.«

Für einen Augenblick herrschte Stille, bevor die Männer einschließlich der Königin in Gelächter aus­brachen, selbst der fast ängstlich wirkende Balduin schmunzelte.

»Mylady, Ihr beweist, dass Ihr Euch den Platz an dieser Tafel wahrlich verdient habt.« König Richard deutete auf den letzten freien Platz zwischen Tarik und Merkan.

“Narbenmond” S. 38-39 (c) Serena C. Evans

Während sie zweifelte, erkannte Morgana, wie leicht ihre Aufgabe als höchste Tempeldienerin es ihr immer gemacht hatte. Keine Wahl zu haben hatte auch bedeutet, dass sie keine falsche Entscheidung hatte treffen können, doch nun …

Wieder musste sie sich für einen Weg entscheiden und wieder konnte sie nur aus tiefstem Herzen darauf vertrauen, dass die Göttin sie immer beschützte, gleich ob sie die richtige Entscheidung traf.

“Narbenmond” S. 58 (c) Serena C. Evans

Als sie den Innenhof überquerte, ließ etwas Caleb aufsehen, ohne dass es einen besonderen Anlass dazu gab. Oben auf einer der Seitentreppe stand eine Frau, deren Anblick Caleb mitten in der Bewegung innehalten ließ. Sie trug ein tiefrotes Kleid, das ihre helle Haut förmlich leuchten ließ. Schwarze Locken rahmten das schmale Gesicht ein, das sie der Morgen­sonne entgegenstreckte. Im geschäftigen Treiben wirkte sie seltsam deplatziert, wie sie mit ge­schlossenen Augen dastand und den Tag auf ihre ganz eigene Art und Weise begrüßte.

“Narbenmond” S. 62 (c) Serena C. Evans

Sie war nicht fähig, seine Worte zu begreifen. Mehr und mehr schwanden ihr die Sinne und der Schmerz schien bis in den letzten Winkel ihres Körpers vorzudringen und jede Faser zu zerfressen.

»Ich bin da.« Da war eine neue, ihr unbekannte Frauenstimme, warm und weich. »Alles wird gut.«

Caleb konnte die Augen nicht mehr öffnen, nichts sagen, keinen Muskel bewegen. Und obwohl sie der festen Überzeugung war, hier und jetzt den Tod zu finden, glaubte sie der Stimme.

“Narbenmond” S. 84 (c) Serena C. Evans

Zu sterben fühlte sich an wie nach Hause zu kommen. Der Augenblick, wenn der Schmerz lang­sam nachließ und immer weiter in den Hinter­grund rückte, war Caleb vertraut. So war es schon einmal gewesen, damals in einer eiskalten Winter­nacht, als die Hand ihr Nase und Mund zuge­halten hatte. Sie hatte das schon beinahe vergessen …

“Narbenmond” S. 94 (c) Serena C. Evans

Und warum? Weil sie eine Frau war. Sie war niemals wirklich in Sicherheit, musste sich immer verstecken und hatte pausenlos Angst, weil sie mit dem falschen Geschlecht zur Welt gekommen war. Frauen heirateten und gebaren Kinder. Sie konnten nicht unter Holzfällern leben, keine Soldatin sein, keine Leibwächterin des Königs. Alles, was sie erreichte, gehörte nicht wirklich ihr und konnte ihr in wenigen Sekunden genommen werden.

Sie war so verdammt wütend! Auf die Welt, in der Frauen weniger wert waren, auf die Soldaten, auf alles und jeden. Wieso verdiente sie all das Leid, wenn sie doch nichts Böses tat? Sie versuchte doch nur zu überleben und fügte damit niemandem Schaden zu.

“Narbenmond” S. 112 (c) Serena C. Evans

Sie erhob sich und ordnete fahrig ihr Röcke. Als sie sich bereits abwenden wollte, ergriff Caleb – noch vor ihr kniend – ihre Hand. Fragend sah sie zu ihr auf und als Morgana ihre Hand nicht zurückzog, hauchte Caleb einen Kuss auf ihren Handrücken. »Ich danke Euch, Lady Morgana, für alles.«

»Das ist nicht vonnöten.« Beinahe war sie erleichtert, als Caleb ihre Hand losließ. »Wir sehen uns morgen.« Sie wandte sich ab und ging etwas zu hastig fort. Im Stillen dachte sie, dass Caleb noch vieles über Etikette würde lernen müssen, so zum Beispiel, dass ein Handkuss nur angedeutet wurde. Ihre Haut brannte dort, wo Calebs Lippen sie berührt hatten und insgeheim war Morgana erleichtert darüber, dass die Anwärterin manches noch nicht wusste.

“Narbenmond” S. 123 (c) Serena C. Evans

Jedes Mal wenn Morgana neue Brandsalbe herstellte, erinnerte der Duft von Ringelblumen sie an Caleb. Sie sah das Gesicht der Anwärterin förmlich vor sich. Die gebräunte Haut, das helle, kurze Haar und die verschiedenfarbigen Augen, die ihr etwas Exotisches und Unnahbares gaben. Caleb war schön. Sie erfüllte nicht die klassischen Attribute, in vielerlei Hinsicht, die noch über ihre Verkleidung als Mann hinaus­gingen, und dennoch war sie für Morgana eine der schönsten Menschen, denen sie je begegnet war. Sie war ähnlich wie der Duft der Blüte, nicht süß, sondern angenehm würzig.

“Narbenmond” S. 133 (c) Serena C. Evans

Umringt von jungen Birken, fiel Licht auf die Wiese. Unzählige violette Blüten reckten ihre Köpfe der Sonne entgegen. Der Ort wirkte wie ein friedliches ver­stecktes Paradies. Nur Arturos vorherige Frage ließ Caleb an diesem ersten Eindruck zweifeln. »Ist hier jemand beerdigt worden?«, fragte sie nach einigen Minuten der Stille vorsichtig nach.

»So ist es.« Kommandant Arturo blickte sie nicht an, sondern sah geradeaus zu dem Blütenteppich.

»Wer ist es?«

»Armeran«, antwortete Arturo leise. »Dana, Lir, Armeu, Sigrid, Midir, Eriu …« Mehr und mehr Namen nannte der Kommandant.

Langsam dämmerte es Caleb, dass dieser wunder­schöne, mystisch wirkende Ort in Wahrheit ein Massengrab war.

“Narbenmond” S. 176 (c) Serena C. Evans

Morgana wollte nicht das Bett mit dem König teilen, sich nicht mit Merkan vermählen und auch nicht dem Werben des Herzogs nachgeben. Die mächtigen Männer des Landes vermochten es nicht mit der Anziehungskraft mitzuhalten, die Caleb auf sie ausübte. Ihr Herz gehörte allein der Leib­wächterin.

“Narbenmond” S. 229 (c) Serena C. Evans

Morgana konnte ihren warmen Atem an ihren Lippen spüren. »Noch nicht …« Viel zu rasch schien jeder Moment der Zweisamkeit zu vergehen und gleich, wie oft sie Wege fanden, um zusammen zu sein, es war doch nie genug. Morgana genoss jeden Augenblick, aber es blieb beim Abschied immer ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Etwas in ihr wollte mehr, gleich wie das aussah.

“Narbenmond” S. 242 (c) Serena C. Evans

Zu Morganas Überraschung war Caleb ein sehr guter Tänzer. Sie verstand es, sie zu führen, ohne sie dabei einzuengen. Jedes Mal wenn Morgana sich drehte, war Calebs Gesicht ihr Fixpunkt. Sie war das eine Bindeglied, das ihr Leben zusammenhielt und allem einen Sinn verlieh.

Die exotischen zweifarbigen Augen nahmen sie vollkommen gefangen und ließen sie beinahe vergessen, dass sie nicht allein in der Halle waren. Vergessen war die Angst vor Herzog Raimund und alle Ängste und Sorgen. Mit Caleb zu tanzen hatte etwas überraschend Befreiendes. Sie konnten einander nahe sein und sich berühren, ohne einen Frevel zu begehen.

“Narbenmond” S. 272 (c) Serena C. Evans

Neben Caleb im Bett liegend fuhr sie mit den Fingerspitzen gedankenverloren über deren Mond­narbe auf der Brust. Eine Mondsichel und eine Träne. Als habe die Göttin um das Kind mit den zweif­arbigen Augen geweint …

“Narbenmond” S. 297 (c) Serena C. Evans

Sie sah auf und in diesem Augenblick fielen die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster, so gleißend hell, dass sie wegsah und ihre Augen mit den Händen abschirmte.

»Erfülle deine Aufgabe noch einmal. Bring Leben, wo sonst Tod herrscht, auf dass das Schicksal sich erfülle. Leuchte, mein liebstes Kind, und dein Wunsch wird Gehör finden.«

“Narbenmond” S. 299 (c) Serena C. Evans

»Die Zeit rennt davon.« Er trat einige Schritte auf sie zu. »Ihr müsst sofort mit mir zusammen fliehen, sonst kann ich nicht für Eure Sicherheit bürgen. Das Ende wird bald kommen!«

Seine Worte klangen verzweifelt und er sprach wie im Wahn. Wären seine hellen Augen nicht klar und fokussiert, würde sie glauben, er spreche im Fieberdelirium. »Wovon sprecht Ihr? Wessen Ende?« Sie wollte daran glauben, dass er den Verstand verloren hatte, und konnte doch nicht verhindern, dass seine Worte sie beunruhigten.

»Das von uns allen. Die Zeit das Wartens ist endgültig vorbei!«

“Narbenmond” S. 349 (c) Serena C. Evans

Die schwarze Raubkatze.

Das Monstrum war grauenvoller, als alle es beschrieben hatten. Tiefschwarz, mit langen spitzen Zähnen wie aus gehärtetem Blut. Als es langsam auf sie zutrat, verpestete der faulige Atem die Luft.

Zitternd hielt Morgana schützend ihre Arme vor ihr Gesicht und baute eine rote Barriere um sich herum auf. Sie wartete förmlich darauf, dass das Monster sie angriff, stattdessen ging es langsam und lauernd auf sie zu und … trat einfach durch den magischen Wall hindurch, bis es direkt vor ihr stand.

Die seltsam hellen Augen des Monstrums sahen sie direkt an. Lauernd, aber ohne dass es sie angriff. In dem Augenblick, als Morgana glaubte, die Wahrheit zu erkennen, wurde sie von hinten niedergeschlagen und um sie herum wurde es schwarz.

“Narbenmond” S. 352 (c) Serena C. Evans

Ich hoffe euch hat der kleine Einblick in “Narbenmond” gefallen und das Buch landet auf eurer Leseliste. Morgen erwartet euch das Interview mit der Autorin, also schaut vorbei 🙂

Viele Grüße,
Juliane

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