[REZENSION] Narbenmond von Serena C. Evans

Autor: Serena C. Evans
Taschenbuch: 412 Seiten
ISBN: 978-1729467190
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 13,50 EUR (Taschenbuch)
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Story: 
Caleb und Morgana könnten kaum verschiedener sein – während Caleb als Junge bei Holzfällern aufgewachsen ist und unfreiwillig in die Armee des Königs eingezogen wird, ist Morgana Tempeldienerin und Heilerin, die in die Garde rund um König Richard berufen wird. Die beiden Frauen trennen Welten, ganz besonders dank der stark patriarchischen Welt, in der sie leben und Frauen weitestgehend alle Rechte abspricht. Doch nicht nur die Tatsache, dass die beiden bald mehr füreinander empfinden, sorgt für Probleme, in den Schatten sammelt sich eine dunkle Macht, denn der gutmütige und gerechte König Richard hat nicht nur Freunde. Caleb, die schon bald Leibwächterin des Königs wird und Morgana, die als Heilerin die Richards Familie schützen soll, geraten schon bald ins Visier eines unsichtbaren Gegners, der genauso gefährlich wie unauffindbar ist … 

Eigene Meinung: 
Mit „Narbenmond“ legt Serena C. Evans einen in sich abgeschlossenen, lesbischen Fantasyroman vor, der 2018 im Selbstverlag erschien. Die Autorin ist im Lesbian Romance Genre keine Unbekannte, hat sie doch bereits mehrere, vorwiegend realistische Romane geschrieben. Mit „Narbenmond“ wagt sie sich erstmal in High Fantasy Genre vor. 

Die Geschichte spielt in einer stark patriarchischen Fantasywelt, in dem der Glaube an Götter und Magie das Leben der Menschen bestimmt. In den Führungspositionen befinden sich ausschließlich Männer, was Frauen ein selbstbestimmtes Leben fast unmöglich macht. Für Caleb, die von Geburt an als Junge aufgewachsen ist und gelernt hat sich in allen Lebenslagen zu behaupten, ein doppelt schweres Los, da sie sich niemandem wirklich anvertrauen kann. Das ändert sich, als sie Morgana kennenlernt, die sofort erkennt, dass es sich bei dem vermeintlichen Soldatenanwärter um eine Frau handelt. Die beiden kommen sich natürlich näher – die Autorin lässt sich dabei viel Zeit und gibt ihren beiden Protagonisten genug Raum, um sich kennenzulernen und zu entdecken. Dabei verzichtet sie vollkommen auf explizite Erotik, was im Grunde nicht zur Geschichte gepasst hätte, und gibt sich mit keuschen Küsschen zufrieden.
In den ersten beiden Dritteln steht klar die Geschichte von Morgana und Caleb im Vordergrund, parallel zur Weiterentwicklung von Caleb, die sich von einer einfachen Soldatin zur Leibwächterin des Königs mausert. Man begleitet die beiden ungleichen Frauen, die zunächst von immensen Standesunterschieden getrennt werden und die sich später einen Platz in einer reinen Männerwelt erkämpfen müssen. Im letzten Drittel konzentriert sich die Handlung verstärkt auf die düsteren Mächte, die das Land und König Richard bedrohen. Dieser Abschnitt ist sehr spannend, insbesondere wenn die Geheimnisse der Figuren gelüftet werden, allerdings aber auch ein wenig hektisch und vorhersehbar. Als Leser hat man schnell den Drahtzieher in Verdacht, ebenso schnell ist diese Gefahr gebannt, ganz gleich wie viel Zeit im Buch vergeht (denn man hat nicht das Gefühl, dass aktiv an das Problem herangegangen wird). Allgemein werden alle Hindernisse sehr schnell, fast problemfrei gemeistert – Calebs Aufstieg zum Leibwächter, was bedeutet, dass sie Morgana gleichgestellt ist, ihre Hochzeit (nach außen hin als Mann und Frau) und all die Probleme, die recht schnell aufgelöst werden. Es ist schön, dass die beiden ihr Glück finden, doch der Spannungsbogen leidet leider darunter. 

Die Figuren sind interessant und nachvollziehbar in Szene gesetzt – gerade die beiden Frauen sind wahre Sympathieträger. Man lernt sowohl Morgana, als auch Caleb sehr gut kennen und kann sich gut mit ihnen identifizieren. Leider sind sie in einigen Punkten sehr stereotyp geworden, was vor allem daran liegt, dass sie keine Ecken und Kanten haben und die typischen Klischees bedienen. Zum Ende hin werden die letzten großen Geheimnisse der beiden gelüftet (was den Leser allerdings stark an einen anderen Fantasyroman erinnert), was gut zur Gesamtgeschichte passt und zumindest einiges hinsichtlich ihres Charakters erklärt.
Auch die Nebenfiguren sind gut in Szene gesetzt – neben Morgana und Caleb gibt es noch zwei weitere queere Pärchen, die jedoch keine große Rolle spielen. Leider fehlen insgesamt ein wenig die Ecken und Kanten, die eine Figur erst authentisch und greifbar machen – König Richard ist fast zu lieb und gut, seine Berater stets zur Stelle und der Bösewicht fast schon plakativ böse. 

Stilistisch legt die Autorin gut geschriebene, solide Fantasykost vor. Man kann „Narbenmond“ wunderbar zwischendurch lesen. Ein wenig störend fallen die Fehler im ersten Viertel auf (nach hinten hin nimmt die Quote glücklicherweise ab), ebenso die vielen inhaltlichen Wiederholungen und Erklärungen (vieles wird x-fach in einem Nebensatz erklärt, was mit der Zeit wirklich stört). Fantasyfans werden ausschweifende Beschreibungen der Orte und Landschaften vermissen, ebenso wirken die Actionszenen manchmal ein wenig unbeholfen. Dafür sind die Szenen und Dialoge zwischen die Charakteren schön und stimmungsvoll – gerade wenn es um Caleb und Morgana geht. Auch die Liebegeschichte ist sehr ansprechend erzählt und kann durchaus überzeugen. 

Fazit: 
„Narbenmond“ ist ein schöner Fantasyroman mit einer interessanten Grundidee, liebenswerten Charakteren und einer schönen lesbischen Liebesgeschichte ohne ausufernde Erotikszenen. Wer es romantisch und ein bisschen magisch mag, wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Wer auf actionreichen Spannungeine komplexen Hintergrundgeschichte mit vielen Wendungen oder ein detailliert beschriebenes Fantasyepos hofft, der ist bei Serena C. Evans Roman leider an der falschen Adresse. Am besten reinlesen und selbst entscheiden, ob man Morgana und Caleb auf ihrer Reise begleiten möchte. 

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