[COMIC] Nenn mich Kai von Sarah Barczyk


Autor: Sarah Barczyk
Taschenbuch: 80 Seiten
ISBN: 978-3-7704-5529-4
Preis: 14,99 EUR
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Story:
Andrea sehnt sich danach ein Mann zu sein, denn sie mag ihren weiblichen Körper überhaupt nicht. Als sie davon erfährt, dass es Therapiemöglichkeiten gibt, entschließt sie sich, den steinigen Weg zu gehen, um endlich auch optisch dem zu entsprechen, wer sie in Wirklichkeit ist. Natürlich kommen mit dieser Entscheidung Probleme und Zweifel: Wie reagieren ihre Freunde und ihre Eltern auf ihre Transsexualität? Welche Hürden gibt es zu überwinden, bevor Andrea endlich die langersehnte Hormontherapie beginnen kann? Und wie reagiert ihre Umwelt auf ihre Anpassung in Kai?

Eigene Meinung:
Die 80-seitige Graphic Novel „Nenn mich Kai“ stammt von der deutschen Künstlerin Sarah Barczyk, die 2014 das Comicstipendium des Egmont Graphic Novel Verlags gewann und daraufhin den vorliegenden Comic zeichnete. Bis auf einige kleinere Publikationen ist „Nenn mich Kai“ die erste Veröffentlichung der Zeichnerin. Weiterlesen …

[ROMAN] Das Morgen ist immer schon jetzt von Partick Ness


Autor: Patrick Ness
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-17266-7
Preis: 13,99 EUR (eBook) | 16,99 (Taschenbuch)
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Story:
Mickey ist ein ganz normaler Jugendlicher, der mit den üblichen kleinen und großen Problemen kämpft – sein Schulabschluss, das Auf und Ab mit seinen Freunden, und seine erste große Liebe Henna. Darüber hinaus leidet er unter einer Zwangsstörung, die ihn dazu zwingt bestimmte Dinge wie Händewachsen, Anziehen oder das Abschließen einer Tür endlos zu wiederholen. Er gehört nicht zu den Finns, Dylans und Sachtels, die in regelmäßigen Abständen die Welt vor der Vernichtung durch Vampire, Göttern, Seelenfressern und Zombies retten und die in regelmäßigen Abständen die Schule in die Luft jagen. So bekommen er und seine Freunde zwar am Rande mit, dass sich eine neue Bedrohung ankündigt, doch glücklicherweise betrifft es sie nicht direkt, so dass sie sich ihrem Alltag stellen können.

Eigene Meinung:
Patrick Ness ist einer der bekanntesten, englischen Kinder- und Jugendbuchautoren, der mit seinen Büchern unzählige Preise gewinnen konnte, darunter auch den Deutschen Jugendliteraturpreis für „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (dessen Filmadaption im Herbst 2016 in die Kinos kommt). Er widmet sich oftmals queeren Themen und baut schwule und lesbische Haupt- und Nebenfiguren in seine Geschichten ein. Weiterlesen …

[ROMAN] Zusammen werden wir leuchten von Lisa Williamson


Autor: Lisa Williamson
Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN: 978-3-7336-0109-6
Preis: 10,99 EUR (eBook) | 12,99 (Taschenbuch)
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Story:
Bereits im Alter von acht Jahren weiß David, dass er ein Mädchen sein will. Seinen Eltern möchte er sein größtes Geheimnis nicht offenbaren – diese rechnen bei einem Coming-Out eher mit der Homosexualität ihres Sohnes, nicht damit, dass er Transgender ist. Lediglich Davids beste Freunde Essie und Felix wissen um Davids geheimen Wunsch. Sie halten zu ihm, auch wenn er in der Schule noch so oft von seinen Mitschülern angegangen und beleidigt wird.
Das Blatt wendet sich Stück um Stück als mit Leo ein neuer Schüler auftaucht, der aus einem schlechten Viertel und von einer noch schlechteren Schule stammt. Anstatt dem Mobbing tatenlos zuzusehen, verteidigt er David. Die beiden lernen sich kennen und Leo beginnt David Mathenachhilfe zu geben. Nach und nach werden die beiden Freunde und schon bald wird klar, dass auch Leo ein Geheimnis hat, dass vieles ändern könnte …

Eigene Meinung:
Der Roman „Zusammen werden wir leuchten“ ist das Debüt der Autorin Lisa Williamson und beschäftigt sich als eines der ersten Jugendbücher mit dem Thema Transgender. Die Autorin gewann mehrere Preise und erhielt weitestgehend positives Feedback. Die deutsche Ausgabe erschien 2015 beim Fischer Verlag. Weiterlesen …

[ROMAN] Lieber Philip von Imme Dros


Autor: Imme Dros
Taschenbuch: 148 Seiten
ISBN: 3-7876-9712-8
Preis: ab 1,00 EUR (gebraucht, Hardcover)
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Story:
Philip ist schon von klein auf anders, als andere Jungen. Aus Angst sich lächerlich zu machen oder von seinen Mitschülern und den Erwachsenen verspottet zu werden, hat er nur wenige Freunde und zieht es vor allein zu bleiben. Erst die gleichaltrige Diana sorgt dafür, dass sich Philip öffnet. Er findet Freundinnen, glaubt sogar sich in Diana zu verlieben und reagiert eifersüchtig, als sie mit anderen Jungs anbandelt. Doch erst als er Dianas Cousin Roger kennenlernt und mit diesem zusammen einen alten Trimm-dich-Pfad wieder aufpoliert, blüht Philip auf. Die aufkeimende Freundschaft mit Roger endet jäh, als dieser ihm sagt, dass er homosexuell ist. Für Philip bricht eine Welt zusammen und er meidet ihren gemeinsamen Treffpunkt, wenn er glaubt, dass Roger dort ist. Erst spät in der Nacht traut er sich in den Wald und findet dort regelmäßig Briefe von Roger, in denen er Philip alles erzählt was ihn bewegt und damit Philip zum Nachdenken bringt.

Eigene Meinung:
Der Jugendroman „Lieber Philip“ stammt von der niederländischen Autorin Imme Dros, die bereits seit den frühen 70er Jahren Kinder- und Jugendbücher schreibt und bereits etliche Preise gewonnen hat. Einige ihrer Werke wurde ins Deutsche übersetzt, der knapp 150-seitige Roman „Lieber Philip“ erschien 2000 beim Middelhauve Verlag und ist inzwischen nur noch gebraucht erhältlich. Weiterlesen …

[ROMAN] Sutphin Boulevard von Santino Hassell

Autor: Santino Hassell
Taschenbuch: 291 Seiten
ISBN:  978-1-63477-775-9
Preis: 6,99 EUR (eBook)
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Story:
Seit über 20 Jahren sind Michael und Nunzio beste Freunde, zusammengeschweißt durch eine ähnlich schwere Kindheit und etliche Probleme, die sie stets gemeinsam bewältigt haben. Eine Reise nach Italien soll die beiden New Yorker Lehrer auf andere Gedanken bringen, doch ausgerechnet kurz vor dem Abflug taucht Michaels alkoholkranker Vater wieder auf und nistet sich bei dessen jüngerem Bruder Raymond im Haus ihrer verstorbenen Mutter ein. Kurzerhand kippt Micheal die Reise und zieht zurück nach Hause, um den Burgfrieden zwischen seinem Vater und Raymond irgendwie zu wahren. Zudem will er in Ruhe über den heißen Dreier nachdenken, den er kurz zuvor mit Nunzio und dem jungen David genossen hat, denn der intensive Sex mit seinem besten Freund richtet ein gewaltiges Chaos in Michaels Gefühlswelt an. Zu allem Überfluss wird David als neue Lehrkraft an seiner Schule eingestellt und zu Hause droht die Situation mit Micheals Vater endgültig zu eskalieren. Als der alte Mann stirbt, bricht Michael endgültig zusammen und greift selbst zur Flasche, ohne darauf zu achten, in welchen Teufelskreis er sich begibt …

Eigene Meinung:
„Sutphin Boulevard“ ist der erste Teil der „Five Boroughs“-Reihe von Santino Hassell und erschien im Juni 2016 in deutscher Übersetzung bei Dreamspinner Press. Der Roman markiert den ersten Teil der „Five Borough“-Reihe, deren Bücher in New York spielen. Vom Autor liegen etliche weitere Romane und Reihen in englischer Sprache vor. Weiterlesen …

[ROMAN] This ain’t Love von Rosha Reads

Autor: Rosha Reads
Taschenbuch: 266 Seiten
ISBN: 978-3-945934852
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 11,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Für den jungen Arbeiter Finn sind One-Nights-Stands ein absolutes No-Go. Für ihn gehört zum Sex Vertrauen und ein fester Partner, dem er sich ohne Bedenken hingeben kann. Da solche Männer eher eine Seltenheit sind, ist Finn zumeist allein und geht im Gegensatz zu seinem besten Freund nach einem Barbesuch meist allein nach Hause. Sein neuer Nachbar Kyle ist in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil: gutaussehend, souverän und gut betucht. Zudem hat er einen ungewöhnlichen Nebenjob: er ist Luxus-Callboy und schläft gegen Geld mit Männern.

Gegen alle Bedenken und trotz aller Unterschiede werden die beiden Freunde – Finn genießt die Nähe zu seinem Nachbarn, Kyle kann sich Finns rauer Attraktivität nur schwer entziehen. Selbst als sie miteinander im Bett landen, weigern sich beide zuzugeben, dass mehr Gefühle im Spiel sind, als sie wahrhaben wollen …

Eigene Meinung:
Der lockerleichte Roman „This ain’t Love“ von Rosha Reads erschien als „Cock Lit“- Veröffentlichung bei Deadsoft. Die Veröffentlichung ist nicht die erste Publikation der Autorin – unter ihrem richtigen Namen erschienen bereits diverse Kurzgeschichten und Romane, u.a. der Roman „Into Blackness – Die Schwärze hinter dem Licht“, der 2015 beim Deadsoft-Label Tensual Publishing erschien. Weiterlesen …

[ROMAN] Vielleicht für immer von Susann Julieva

Autor: Susann Julieva
Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN: 978-3-95823-047-7
Preis: 7,95 EUR (eBook) | 10,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Sam seine große Jugendliebe Gabriel aus den Augen verloren hat, nachdem dieser den Kontakt komplett einstellte. Seitdem ist Sam kaum in der Lage eine vernünftige Beziehung zu führen – zu sehr wiegt die Angst erneut fallen gelassen zu werden. Da bietet sich ihm plötzlich die Möglichkeit die Angelegenheit direkt mit Gabriel, der inzwischen zum aufstrebenden Star der Musikbranche avanciert ist, zu klären. Für die Europatour wird kurzfristig ein Kameramann gesucht, der Gabriel und die Gruppe begleitet und für die Fans kleine Videobotschaften erstellt. Sofort bringt Sams beste Freundin Leni ihn beim Assistenten von Gabes Managerin ins Gespräch und kurz darauf hat er den Job.

Die Europatour beginnt unterkühlt, doch schon bald muss Sam erkennen, dass seine Gefühle für Gabe auch nach so langer Zeit nicht erloschen sind. Auch der junge Musiker kann sich seiner alten Liebe nur schwer erziehen, hütet jedoch ein Geheimnis, dass alles zerstören könnte, was sich zwischen den beiden Männern anbahnt …

Eigene Meinung:
Susann Julievas „Vielleicht für immer“ erschien 2016 beim Cursed Verlag. Die Geschichte ist ein Spin-Off ihres Debüts „Böse Jungs“ (erschienen bei Ullstein Forever), bzw. der Bonusgeschichte „Berlin Blues“, in der Gabriel West erstmals als Nebenfigur auftauchte. Der Roman über Gabe und Sam ist in sich abgeschlossen. Weiterlesen …

[ROMAN] Die Magie der Namen von Nicole Gozdek


Autor: Nicole Gozdek
Hardcover: 368 Seiten
ISBN: 978-3492703871
Preis: 12,99 EUR (eBook) | 16,99 EUR (Hardcover)
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Story:
In Mirabortas bestimmt die Namensmagie über alles: Aussehen, Anerkennung und Ruhm erlangen die Nummern (Kinder), die am Tag der der Namensgebung einen bedeutenden Namen erhalten. Auch Nummer 19 träumt davon ein großer Name zu werden, um endlich aus der Bedeutungslosigkeit zu fliehen und etwas Großes zu vollbringen. Doch als es soweit ist, erhält er den Namen Tirasan Passario, während seine Klassenkameraden teilweise als bekannte und berühmte Persönlichkeiten wiedergeboren werden. Von einem Tirasan hat niemand je etwas gehört, so dass er den Weg nach Himmelstor antritt um mehr über sich und seine Vergangenheit zu erfahren. Dabei wird er von dem Krieger Rustan Polliander, der Magierin Nelia Wabloo und deren Freunden begleitet und muss schon bald feststellen, dass sich mehr hinter dem Namen Tirasan verbirgt, als er gedacht hat – denn es gibt Menschen, die ihn aus dem Weg räumen wollen …

Eigene Meinung:
„Die Magie der Namen“ stammt aus der Feder Nicole Gozdek, die mit ihrem Fantasy-Roman die Piper Awards auf Wattpad gewann. Das Buch erschien im Hardcover beim Piper-Label ivi, und soll im kommenden Jahr mit dem Roman „Die gestohlen Wirklichkeit“ fortgesetzt werden, da noch etliche Punkte offen sind und auch das Thema von Rustans Homosexualität (das am Ende des vorliegenden Buches auf zwiespältige Art gelöst wurde) erneut aufgegriffen werden soll. Weiterlesen …

[ZITATE-FREITAG] Café der Nacht

Hallo ihr Lieben,

einmal mehr habe ich mir für heute ein wundervolles Buch rausgepickt, das ich euch auf diesem Weg näherbringen möchte: “Café der Nacht” von Susann Julieva. Wer ruhige, intensive Coming-of-Age Romane mag und Bücher liebt, die in der Künstlerszene spielen, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen. Mir hat es unheimlich gut gefallen – ich mag den Stil der Autorin, die Dialoe und die Beschreibungen. Wer das Buch also noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren 🙂

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meine Rezension

Er richtete sich unwillkürlich auf. Am Briefpapier war ein wundersam vertrauter Duft, der staubige Fetzen von Vergangenheit aus dunklen Ecken zerrte. Lavendel … und das ausgelassene Klirren von Gläsern wie ein Echo in seinen Gedanken.

In elegant geschwungener Handschrift waren nur wenige Sätze flink aufs Papier geworfen worden. Maxim las sie zweimal, dreimal und schließlich nochmals, während er sich abwesend hinter seinen Schreibtisch zwängte und auf den knarrenden Stuhl sank. Diese Worte – zu unglaublich, wie ein Schlag, noch unbewertet, ob erfreulich oder nicht. Der Brief war von seiner alten Freundin Dela. Und wie es schien, war er von diesem Moment an designierter neuer Besitzer des legendären Cafés der Nacht.

“Café der Nacht”, S. 6 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Zunehmend von einer warmen, entspannten Müdigkeit umfangen beobachtete er seine Umgebung. Ein neues Zuhause, ein neues Leben. Alles war so schnell gegangen. Schwindelerregend schnell. So schnell, dass es noch gar nicht real schien. Er blieb in seiner Nische, bis irgendwann, spät, endlich alle gegangen waren. Bis Rufus zum letzten Mal die Bar abgewischt und ihm den Weg in den zweiten Stock zu seinem Pensionszimmer gezeigt hatte. Dort fiel er sofort wie erschlagen ins Bett und schlief traumlos wie ein Stein. Denn von jetzt an erwarteten ihn Träume, die bereits seine Tage füllen würden. Und so fing alles an.

“Café der Nacht”, S. 28-29 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Vida nickte und neigte den Kopf leicht zur Seite, während sie behutsam den Zucker in ihrem Cappuccino verrührte. Sie nahm ihre Sonnenbrille ab. „Und so eine Leidenschaft vermisst du in deinem Leben.“

„Ich weiß, das ist Blödsinn.“

„Wieso ist das Blödsinn?“

„Ich meine bloß, ich kann nicht ewig Hilfsbarkeeper bleiben. Irgendwann werde ich mir wohl einen richtigen Beruf suchen müssen. Etwas Ernsthaftes.“

Sie lächelte. „Schon seltsam. Wir leben in einer Gesellschaft, die Künstler zwar bewundert, aber die Kunst für brotlos hält. Da sind all diese wohlmeinenden Menschen, die meinen, man sollte besser einen soliden Beruf ergreifen.“ Eine der beiden Bienen kam herangeschwirrt und ließ sich auf Vidas Untertasse nieder. Sie betrachtete das pelzige Insekt und stellte ihre Tasse auf der weißen Tischplatte ab. „Dabei ist die Basis von Kunst Unvernunft. Es sind immer die unvernünftigsten Künstler, die die größten Meisterwerke schaffen. Stell dir vor, Schiller hätte auf seinen Vater gehört und wäre Regimentsarzt geblieben. Oder Michelangelo hätte sich wegen seiner Zweifel nie an die Sixtinische Kapelle gewagt.“

„Aber es ist gar nicht so leicht, unvernünftig zu sein.“

„Gegen den Strom zu schwimmen ist immer gefährlich“, meinte Vida versonnen. „Der Weg des Künstlers ist riskant, weil es die bewusste Entscheidung für ein anderes Leben ist, als das von der Gesellschaft als normal erachtete. Das ist oft schwer zu ertragen.“

“Café der Nacht”, S. 83 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Monroe blinzelte. Als würde er aus einer Trance erwachen, begreifen, was er im Begriff war, zu tun. Rasch sah er weg, in Sekundenschnelle wieder distanziert und unnahbar. Der Moment verstrich. Maxim schloss die Augen, die Hitze verflog. Die Vertrautheit des Moments zerriss wie ein Spinnennetz im Wind, wehte davon. Gerade noch mal davongekommen. Maxim war schwindelig bei dem Gedanken daran, was er gerade eben fast hätte geschehen lassen, und doch saß die Enttäuschung tief.

Monroe wollte ihn nicht, würde ihn nie wollen. Was immer gerade zwischen ihnen vorgegangen war, er war high, er war nicht er selbst gewesen. Und doch fühlte es sich an, als wäre genau das Gegenteil der Fall gewesen. Als wäre er drauf und dran gewesen, die Mauer, die ihn umgab, einzureißen und Maxim einzulassen. Maxim sah in den Himmel hinauf und schnaubte leise über seine Einfältigkeit. Sicher bildete er sich das alles nur ein. Wunschdenken. Er musste aufhören mit diesem Unsinn, oder es würde ihm wirklich ergehen wie Nona. Dennoch blieb eine nie gekannte Leere, ein vages Sehnen zurück. Und ein verwirrtes, viel zu schnell pochendes Herz.

“Café der Nacht”, S. 111-112 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Er schien nur noch aus Sehnsucht und Verlangen zu bestehen. Das alles war einfach zu viel. Er wusste nicht, wie es geschah, doch irgendetwas übernahm die Kontrolle. Wie von selbst lehnte er sich hinüber, sachte, langsam, und küsste Vida, sanft und behutsam. Vidas Lippen waren weich und warm.

Maxim öffnete langsam die Augen. Er blickte direkt in das unergründliche Grün. Sah, was in den Tiefen ihres Blickes geschah.

Ein Erkennen, Verstehen. Und sofort darauf eine tiefgehende, so ohnmächtige Traurigkeit, dass Maxims Kehle schlagartig wie zugeschnürt war. Er begriff nicht, was hier gerade vor sich ging, aber ihm war klar, dass er etwas Falsches getan hatte. Etwas Unverzeihliches.

Maxim war so bestürzt, dass er sich weiß werden fühlte. „Entschuldige“, flüsterte er.

Vida erhob sich wortlos. Maxim spürte intuitiv, dass er etwas zwischen ihnen zerbrochen hatte. Es war, als ob er beobachten könnte, wie Monroes Gesicht die magische Wandlung durchlief, wie er wieder zu sich selbst wurde. Monroe hob langsam die Hand und zog die dunkle Perücke von seinem Kopf. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung, kein Gefühl. Doch sein Blick traf Maxim bis ins Mark. Als er die Stille brach, war seine Stimme rau und abweisend. „Bist du jetzt zufrieden?“

“Café der Nacht”, S. 224 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

„Das ist Unsinn, Liebes! Sieh mich an, Maxim. Du hast nie zwischen ihnen gestanden. Dean hat nur dich geliebt!“

Maxim starrte sie an, sprachlos für einen Moment. Er sah weg, um zu verbergen, wie berührt er war. Geliebt. Wie hätte er da jemals sicher sein können? Doch Dela dies sagen zu hören, war fast so, als hätte Monroe es selbst gesagt. Für einen Moment schien er hier zu sein, ganz nah. Maxim schloss die Augen. Mühsam sammelte er sich.

„Du liebst ihn immer noch“, bemerkte Dela weich und strich ihm behutsam über den Arm.

Maxim wurde in dem Moment, in dem sie es aussprach, klar, dass es die Wahrheit war. Er liebte ihn. Er liebte Dean Monroe, und er würde es immer tun. Es hatte keinen Sinn, es länger vor sich selbst zu verleugnen. „Ich habe versucht, das zu lassen“, erwiderte er betont heiter. „Das ist schließlich verrückt. Es ist zwanzig Jahre her. Und alles, was wir hatten, war ein Augenblick.“

„Nenn mich eine Romantikerin, aber manchmal ist das alles, was nötig ist.“ Sie lächelte.

“Café der Nacht”, S. 255-256 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Maxim sah versonnen an ihm vorbei. „Aber Freiheit ist einsam.“

„Freiheit ist das Einzige, was zählt. Eher würde ich mir eigenhändig einen Finger abhacken, als sie zu verlieren.“

„Du würdest dir einen Finger abkacken? Du bist ja verrückt.“ Maxim sah ihn halb lachend, halb entgeistert an.

Monroe jedoch schien es ernst zu meinen. „Ich würde noch viel mehr tun, wenn es nötig wäre.“

Maxim grinste und tippte auf Monroes rechte Hand. „Welchen denn?“ Er zeigte auf den Mittelfinger. „Den hier?“

„Niemals. Der wird gebraucht.“

„Wie wär’s mit dem Ringfinger? Das wäre doch poetisch. So voller Aussagekraft.“

Monroe lachte. „Sehr gut. Der soll es sein.“

„Du spinnst.“

„Zum Glück.“ Seine Augen jedoch waren ernst, als er Maxim wieder ansah. „Irgendwann werden wir beide frei sein, du und ich. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen.“

Maxim sah ihn fragend an. Sein Herz pochte laut. „Der Zeitpunkt für was?“

Monroe lächelte nur. „Merk dir das, Max. Merk dir meine Worte. Vergiss sie nicht.“

“Café der Nacht”, S. 266-267 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Er fühlte eine Leere in sich, wie er sie nicht mehr empfunden hatte, seit Monroe damals vom Café der Nacht fortgegangen war. Nun hatte er ihn zum zweiten Mal verlassen, und diesmal war es seine eigene Schuld. Doch anders als damals hatte er die Gewissheit, dass ihre Geschichte damit endgültig zu Ende war. Es würde keine Fortsetzung geben. Es gab keinen richtigen Zeitpunkt für sie. Das hatte er Monroe ins Gesicht gesagt, getrieben von altem Zorn und verletztem Stolz. Doch hatte er es auch wirklich so gemeint?

Allmählich erst wurde ihm klar, was Monroe ihm da gerade offenbart hatte. Er hatte ihn nicht vergessen. Er hatte sein Leben, seinen Werdegang aus der Ferne verfolgt. Weshalb nur? Weshalb nur immer dieser Sicherheitsabstand? Und nun dieser Vorschlag aus heiterem Himmel. Warum war er damit ausgerechnet zu ihm gekommen? Hatte er es schon bei anderen versucht? Fragen und Zweifel nagten an ihm, beruhigende Zweifel, denn sie halfen ihm, zu glauben, dass er das Richtige getan hatte. Doch Monroe behielt recht. Maxim wünschte sich an jedem Tag nach diesem, er hätte Monroe niemals mehr wieder gesehen. Besonders nachdem die zwanzig Uhr Nachrichten berichtet hatten, dass er tot war.

“Café der Nacht”, S. 303-304 (c) Susann Julieva / Deadsoft Verlag

Damit verabschiede ich mich für diese Woche – nächste Woche werde ich erstmals ein lesbisches Buch im Rahmen des “Zitate-Freitags” präsentieren. Seid gespannt, auf welches Buch meine Wahl fällt 😉

Liebe Grüße,
Juliane

[AUTOBIOGRAFIE] Zwei Papas und ein Baby von Tobias Rebisch


Autor: Tobias Rebisch
Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN: 978-3453200968
Preis: 11,99 EUR (eBook) | 14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Nach einer schmerzhaften Trennung stellt Tobias fest, dass er für seinen besten Freund Marc mehr empfindet, als reine Freundschaft – ein Schock für den jungen Mann, der in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist. Glücklicherweise werden seine Gefühle erwidert und beide beschließen sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Nach einiger Zeit wächst bei beiden der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind, denn ihre Liebe ist stark genug, um ein junges Leben zu begleiten und ihm über Jahre hinweg beizustehen. Doch der Kampf um ein Kind ist schwierig, denn als gleichgeschlechtliches Paar haben sie mit ungleich mehr Problemen zu kämpfen, wenn es darum geht ein Baby zu adoptieren. Über Jahre hinweg halten Tobias und Marc an ihrem Traum fest und erst als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, kommt der erlösende Anruf …

Eigene Meinung:
Das autobiografische Buch „Zwei Papas und ein Baby“ erschien 2016 im Heyne Verlag und ist eine einzige Liebesgeschichte des Autors an seinen Mann Marc und seinen Sohn Luis. Dies spürt man auf jeder Seite, was dafür sorgt, dass es schwer fällt, den Roman aus der Hand zu legen. Es ist wundervoll die Geschichte der beiden Männer mitzuerleben, die sich nicht nur finden, sondern auch, trotz vieler Probleme und Widrigkeiten, eine kleine Familie aufbauen. Es zeigt, wie schwierig es für junge Paare ist (dabei sind nicht nur homosexuelle gemeint, sondern auch heterosexuelle Pärchen, bei denen sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt), ein Kind zu adoptieren und welche bürokratische Hürden genommen werden müssen, bevor man ein Kind bei sich aufnehmen kann. Trotzdem haben es Tobias und Marc doppelt schwer, da es ihnen nicht gestattet ist, gemeinsam als Paar ein Kind zu adoptieren (bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist das bis heute nicht möglich), sondern nur einer von ihnen darf einen entsprechenden Antrag stellen. Dass sie dadurch schlechtere Karten haben, wenn es darum geht, eine Auslands- oder Inlandsadoption durchzuführen, wird mit der Zeit klar, denn  natürlich werden junge Paare gegenüber einem (von Rechtwegen) Single bevorzugt. Dementsprechend müssen die beiden Männer Jahre warten, bevor sie (quasi über Nacht) Eltern werden, was sie und ihre Beziehung vor ganz neue Probleme stellt. Weiterlesen …