[ROMAN] Birdie und ich von J. M. M. Nuanez

Autor*in: J. M. M. Nuanez
Übersetzer*in: Birgitt Kollmann
Hardcover: 288 Seiten
ISBN: 978-3423640954
Preis: 9,99 EUR (eBook) / 15,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Nach dem Tod ihrer Mutter finden Jack und Birdie nirgends ein richtiges zu Hause. Bei ihrem Onkel Carl erwartet die beiden zwar ein Leben voller Freiheiten, Fast Food und so gut wie kein Regeln, doch Carl ist zu chaotisch, um zwei Kinder großzuziehen. Daher werden Jack und ihr Bruder zu dem eigenbrötlerischen, stillen Patrick weitergegeben, der zwar kein Ahnung von Kindern hat, dafür aber feste Regeln – besonders für den sensiblen, kreativen Birdie, denn mit seinem Faible für lila, Lipgloss, Regenbogensneakern, Mode und bunten Leggins fällt er überall auf. Jack hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Bruder zu schützen, stößt jedoch an ihre Grenzen, denn die beiden gehen auf unterschiedliche Schulen. Und während Birdie mit Mobbing und verständnislosen Lehrern zu kämpfen hat, fällt es Jack schwer sich zurecht zu finden und mit Patrick zurecht zu kommen …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Birdie und ich“ legt die Autorin J. M. M. Nuanez ihre Debüt vor. Das Kinderbuch erschien 2020 in englischer Sprache bei Penguin Random House und richtet sich an Leser*innen ab 11 Jahren. In Deutschland erschien „Birdie und ich“ im August 2022 unter Verwendung desselben Covers, wie in den USA. Der Roman ist aktuell das einzige Werk der Autorin, weitere Bücher wurden Stand Februar 2023 noch nicht angekündigt.

Die Geschichte setzt an, als die Geschwister Jack und Birdie das Haus ihres Onkels Carl verlassen müssen und zu ihrem Onkel Patrick ziehen, der wesentlich verschlossener ist und strengere Regeln durchsetzen möchte. Erst nach und nach erfährt man die Hintergründe und weiß, was Jack und Birdie hinter sich haben. Beide vermissen ihre Mutter, die sie bestärkt hat, so zu sein, wie sie sind – allen voran Birdie, der Mode und schöne Kleider liebt und nicht viel von den typischen Jungssachen hält. Für Jack ist das kein Problem – sie will, dass Birdie glücklich ist, auch wenn die meisten Kinder und Erwachsene Probleme damit haben, dass Birdie anders ist als die anderen. Die Autorin vermeidet es hierbei Birdie in eine Schublade zu stecken, auch wenn das Thema Homosexualität, Transgender und Queerness angesprochen wird. Stattdessen überlässt sie es den Leser*innen den neunjährigen Jungen zu verorten, denn im Grunde braucht Birdie kein Label, sondern einen Ort, wo er er selbst sein kann und so respektiert wird, wie er ist. Neben den Problemen, die Birdie in seiner Schule umtreiben, spielt auch die Familie eine größere Rolle – Carl und Patrick sind beide nur bedingt in der Lage, sich auf Kinder einzustellen und mit der Trauer von Jack und Birdie umzugehen. Denn das beide den Verlust ihrer Mutter nur schwer überwinden können, ist auf jeder Seite spürbar.
J. M. M. Nuanez hat einen warmherzigen, sensiblen Roman geschrieben, in dem viele schwierige Themen behandelt werden, die mal stärker, mal schwächer zum Tragen kommen – Verlust und Trauer, Mobbing, Queerness und Identität, Akzeptanz und Toleranz, Familie und Freundschaft, und letztendlich Zusammenhalt. Die Geschichte lebt von den realistischen, gut beschriebenen Figuren, ebenso von dem Zusammenhalt der Geschwister zueinander, denn trotz der Dinge, die Jack und Birdie belasten, sind sie füreinander da.

Die Figuren sind sehr lebendig und authentisch in Szene gesetzt, bestechen durch Charme, Witz und einen Hauch Tragik. Jack verhält sich für ein zwölfjähriges Mädchen sehr erwachsen, was jedoch bei allem, was sie erlebt hat, nicht verwunderlich ist. Sie ist eine unheimlich starke, gefestigte Person, die weiß, was wichtig ist und bedingungslos zu ihrem Bruder steht. Dieser unterscheidet sich spürbar von den üblichen Jungs, ohne dass man ihn in eine Schublade stecken kann – er weiß, was ihn glücklich macht und möchte so sein, wie er ist. Auch Carl und Patrick sind tolle Figuren – sie sind vollkommen verschieden, versuchen aber ihrer Nichte und ihrem Neffen gerecht zu werden. Während Carl ein wenig abgedreht und egozentrisch ist, ist Patrick wie eine Auster, verschlossen und angepasst, letzteres erwartet er auch von Birdie.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – J. M. M. Nuanez hat einen wunderschönen, stimmungsvollen Stil, der hervorragend zur Geschichte und den Figuren passt. Die Ereignisse werden komplett aus Jacks Sicht erzählt – als Leser*in erfährt man alles, was das Mädchen empfindet, denkt und umtreibt, lernt ihre Ängste und Sorgen kennen und weiß, wie sehr sie Birdie liebt und beschützen möchte. Gerade die Beziehung der Geschwister ist sehr liebevoll beschrieben und trägt einen Großteil der Geschichte. Auch die Dialoge und Beschreibungen sind passend in Szene gesetzt, die vielen Themen sensibel eingebaut, ohne die Geschichte zu überfrachten.

Fazit:
„Birdie und ich“ ist ein tolles Kinderbuch, dass Leser*innen ab 11 dank der authentischen, sympathischen Figuren, der warmherzigen Geschichte und des schönen Schreibstils zu fesseln weiß. J. M. M. Nuanez legt ein berührendes Debüt vor, dass eine Menge wichtiger Themen anspricht und diese kindgerecht in eine Geschichte einwebt, in der es vorwiegend um das Finden einer neuen Familie, sowie Akzeptanz und Toleranz füreinander, geht. Wer auf der Suche nach unterhaltsamen Kinderbüchern mit starken Hauptfiguren und Büchern abseits des Mainstreams ist, sollte einen Blick riskieren – „Birdie und ich“ ist eine tolle Geschichte voller Herz, Humor und Mut. Zu empfehlen.

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