[REZENSION] Der Fluch der Herzkönigin von Serena C. Evans

Autor: Serena C. Evans
Taschenbuch: 236 Seiten
ISBN: 978-1544819099
Preis: 3,99 EUR (eBook) | 9,99 EUR (Taschenbuch)
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Story: 
Die Kinderbuchillustratorin Alice Liddle endet geradewegs im Kerker der Herzkönigin, als sie einem weißen Kaninchen ins Wunderland folgt und unbedacht die roten Rosen der Herrscherin berührt. Mit Hilfe einer Katze gelingt es ihr zu fliehen und zu einer verrückten Teegesellschaft zu gelangen. Dort findet sie nicht nur Unterstützung, sondern trifft auch auf die verrückte Hutmacherin Fay, die ihr Herz schneller schlagen lässt. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden versucht Alice das Todesurteil der Herzkönigin aufzuheben und die herauszufinden, welche Geheimnisse Alices Familiengeschichte verbirgt – kein leichtes Unterfangen, wenn ihnen die Schergen der Herzkönigin auf den Fersen sind; die Person, die sie begnadigen könnte seit Jahren verschwunden ist und es im Wunderland keine wirklichen Regeln gibt … 

Eigene Meinung: 
Mit „Der Fluch der Herzkönigin“ legt Serena C. Evans eine lesbische Märchenadaption des Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ vor. Die Geschichte hält sich vage an das Original, man trifft bekannte und weniger bekannte Figuren des Klassikers wieder und erlebt eine eigenständige Neuinterpretation des Stoffes. Der Roman erschien 2017, aktuell arbeitet die Autorin an einer Fortsetzung.  

Die Geschichte ist spannend, in sich schlüssig und schreitet schnell voran. Gemeinsam mit Alice folgt man dem weißen Kaninchen ins Wunderland und begleitet sie und die Hutmacherin auf ihrem Abenteuer. Die Autorin hat sich einige schöne Hintergründe ausgedacht, um die Handlungen der Figuren zu erklären und sie miteinander zu verknüpfen. Sehr schön sind ihr die Hintergründe gelungen und die Beweggründe der einzelnen Figuren – es macht Spaß, mit Alice die Geheimnisse rund ums Wunderland und ihrer eigenen Familie aufzudecken. Teilweise werden die einzelnen Schlüsselszenen ein wenig schnell abgewickelt, so dass man das Gefühl hat, durch die Geschichte zu hetzen. Hier und da hätten einzelnen Szenen und Episoden mehr Raum gebraucht, um sich gänzlich zu entfalten. Ebenso scheinen einige Dinge unter den Tisch zu fallen (z.B. die Eltern der handelnden Figuren), was sehr schade und irritierend ist. So wird beispielsweise Hazel von ihren Freunden komplett vergessen, als diese bei einem Kampf gegen die Soldaten zurückbleibtDas verwirrt ein wenig und sorgt dafür, dass man Alices Handlungen nicht immer nachvollziehen kann. 

Die Figuren sind gut dargestellt und sind sympathisch in Szene gesetzt. Alice wirkt allerdings ein wenig unrund und nur schwer greifbar. Sie handelt oftmals unlogisch der reagiert unfair. Dass sie sich in Fay verliebt ist okay, dass all das binnen weniger Tage passiert und innerhalb kürzester Zeit in einer Hochzeit mündet, kommt mir dann doch sehr unrealistisch vor. Allgemein kommen Fay und sie sehr schnell zusammen – trotz Verfolgung und allgemeiner Hektik. Fay handelt in der Beziehung allerdings auch nicht logischer, im Gegenteil. Sie scheint sich bereits nach wenigen Stunden in Alice zu verlieben und ist bereit, alles für sie zu tun.
Die übrigen Figuren sind ebenfalls spannend und erinnern durchaus an die Vorbilder der Kinderbücher, kommen jedoch nur teilweise zum TragenAm seltsamsten mutet Serena C. Evans Interpretation der Grinsekatze an, deren Auftritte nicht nur Alice irritieren. 

Stilistisch ist „Der Fluch der Herzkönigin“ Geschmackssache – einerseits lässt sich die Geschichte um Alice und ihre Freunde gut lesen und man fliegt förmlich durch die knapp 300 Seiten, andererseits schwächt Serena C. Evans ihr eigenes Buch massiv da sie viele Passivsätze und schwache Verben verwendet. Das bläht nicht nur die Geschichte auf, es nimmt auch Schwung und Dynamik aus den Beschreibungen. Ein weiteres Problem sind die vielen Adjektive, die die Autorin einbaut. Man hätte mehr als die Hälfte streichen können, ohne dass dem Leser die Beschreibungen zu fad und langweilig geworden wären. Weniger ist manchmal mehr – in diesem Fall hätte dem Roman die ein oder andere Streichung und Kürzung gut getan, um frischer und eingehender zu sein. Wen das nicht stört, bekommt einen solide geschriebenen Roman, der durchaus zu unterhalten weiß. 

Fazit: 
„Der Fluch der Herzkönigin“ ist eine schöne Märchenadaption, die durch eine spannende Geschichte und ungewöhnliche Wendungen punkten kann. Die Schwachpunkte liegen deutlich bei den Figuren, der Charakterentwicklung und der stilistischen Umsetzung. Wen das nicht stört und wer schon immer ein queeres Mädchen mit lesbischen Heldinnen lesen wollte, der sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren – ich empfehle in die Leseprobe zu schmökern und sich dann zu entscheiden. 

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