[ROMAN] Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London von Amalia Zeichnerin

Autor: Amalia Zeichnerin
Taschenbuch:  348 Seiten
ISBN: 978-1987476989
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 10,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Nachdem Berlington und seine Freunde die wahre Natur der Mordserie von Jack the Ripper aufgeklärt haben, steht die nächste Bedrohung an – die Anderswelthexe Carmun bedroht London und plant die Stadt in ihre Gewalt zu bringen. Während die Gruppe alles daran setzt, Vorkehrungen für den bevorstehenden Kampf zu treffen, bekommen sie unerwartet Hilfe einer geheimen, königlichen Organisation, die sich mit Magie und Übernatürlichem auseinandersetzt. Mit neuen Verbündeten stellen sie sich Carmun, die in London bereits ihre Truppen zusammengezogen hat und den finalen Schlag gegen die Königin und das Empire plant …

Eigene Meinung:
Mit „Die Türme von London“ beendet Amalia Zeichnerin zum einen die Geschichte, die sie in „Mördernächte“ begonnen hat, zum anderen ihre Trilogie „Berlingtons Geisterjäger“. Es werden nahezu alle offenen Fragen beantwortet, wenngleich es durchaus Möglichkeiten gäbe, die Reihe um Berlington und seine treuen Freunde fortzusetzen.

Die Geschichte setzt nahtlos an „Mördernächte“ an, es empfiehlt sich also mindestens Band 2 der Urban Fantasy Reihe zu kennen – Amalia Zeichnerin führt den Kampf gegen Carmun, ihre Getreuen und die Andersweltwesen dem Finale entgegen und sorgt für eine Menge Spannung und Action. Es geht hoch her, gerade was die Kämpfe und die vielen magischen Gegenmaßnahmen anbelangt. Wie schon in „Mördernächte“ werden gerade Nebenfiguren immer wichtige für das Geschehen – sei es der Magier Wenthworth, der mehr als jeder andere auf Rache gegen Carmun aus ist, oder die vielen magisch Begabten, die die Gruppe um Berlington unterstützen, sie alle sind wichtig für die Handlung, denn jeder von ihnen ist wichtig, um die Bedrohung durch Carmun abzuwenden. Glücklicherweise können dieses mal die nicht-magischen Menschen ein wenig mehr unternehmen, denn die Kämpfe finden nicht nur im magischen Umfeld statt. Leider wirken die Beschreibungen der Kampfhandlungen sehr verworren und sind in einigen Punkten nicht nachvollziehbar. Wie jemand mitten im Kampf noch mitbekommen kann, wie es seinen Gefährten ergeht, ist mir schleierhaft (zumeist kann man sich in so einer Situation nur auf sich selbst konzentrieren), ebenso ist nicht nachvollziehbar, wie jemand mit gebrochener Nase noch zu einer langen Verfolgung ansetzen kann. Auch werden einige Handlungsbögen nicht bis zum Ende gebracht, z.B. die Erpressung von Lord Berlington und sein Rauswurf aus dem Club, ebenso wartet man vergeblich auf den Mord an Mary Jane Kelly, das letzte Opfer des Rippers. Dafür offenbart die Autorin noch einige letzte Geheimnisse, gerade um die irische Hexe Fiona

Die Charaktere sind interessant und facettenreich, allerdings kommen im dritten Band so viele Figuren zum Tragen, dass die meisten Figuren untergehen und nur grob ausgearbeitet werden. Das sorgt auch dafür, dass man die vielen Magier und ihre Fähigkeiten nur schwer auseinanderhalten kann, denn bei dieser Fülle an verschiedenen Charakteren ist es für den Leser fast unmöglich den Überblick zu behalten. Schade ist nach wie vor, dass der Künstler Alec als einzige Hauptfigur keine eigene Stimme bekommt, denn nie wird die Handlung aus seiner Sicht beschrieben. Er hätte es verdient, zumindest einmal zu Wort zu kommen.

Stilistisch legt Amalia Zeichnerin ein gut geschriebenes und solide recherchiertes Werk vor, denn man spürt auf jeder Seite, wieviel Zeit sie sich genommen hat, um die örtlichen Begebenheiten und die historischen Details zu recherchieren und mit den fantastischen Elementen der Geschichte zu verknüpfen. Im Gegensatz zu den vorherigen Büchern hat die Autorin dieses Mal einige Bilder zur Untermalung, teils auch Grundrisse von wichtigen Gebäuden an passender Stelle eingebaut, um dem Leser ein besseres Bild vermitteln zu können. Dementsprechend stimmungsvoll und durch die Bilder zusätzlich authentisch sind die Beschreibungen der Hintergründe und historischen Begebenheiten, ebenso die Dialoge und feinen Hinweise auf gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Ein wenig hölzern sind leider die Beschreibungen der Kampf- und Actionszenen, die viel zu runtererzählt wirken, ohne dass der Leser wirklich das Gefühl hat dabei zu sein, was vor allem daran liegt, dass jede Aktion der Figuren hintereinander weg beschrieben wird, obwohl man die Szenerie eigentlich aus Sicht eines Charakters erleben sollte. Dadurch verlieren die Kämpfe an Schwung und wirken sehr durcheinander. Leider schleichen sich auch immer wieder Rechtschreibfehler und überflüssige Wörter ein, die das Lesevergnügen ein wenig mindern.

Fazit:
„Die Türme von London“ bieten trotz einiger Schwächen ein gelungenes Finale von „Berlingtons Geisterjäger“, das durch eine gut recherchierte und sehr komplexe Handlung und ein passendes Ende für den Kampf gegen Carmun punkten kann. Einzig die Charaktere büßen aufgrund der schieren Masse an aktiv handelnden Figuren etwas ein, da weniger Raum für die eigentlichen Hauptakteure bleibt. Auch die Kämpfe können nicht immer überzeugen, was schade ist – denn der Urban Fantasy lebt nun einmal von der Action und den sich überschlagenden Ereignissen. Nichtsdestotrotz ist Amalia Zeichnerins Roman ein Muss für Leser der Reihe, die gerade Fans von historischen Phantastik, Steampunk und Mystery ansprechen dürfte. Schwache 4 Sterne.

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