
Autor*in: Julya Rabinowich
Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN: 978-3446285897
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 17,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Mo stammt aus einer Familie mit muslimischen Wurzeln, die nach der Flucht aus ihrer Heimat versucht ihren Platz in Wien zu finden. Als er aufgrund eines Missverständnisses die Schule verlassen muss, beginnt er eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon. Schnell findet er dort Anschluss und erhält die Möglichkeit etwas aus seinem Leben zu machen. Als Moritz, der aus einer jüdischen Familie stammt, in sein Leben tritt, schwebt Mo schnell auf Wolke sieben – und hat gleichzeitig Angst vor der Zukunft. Was wenn seine Familie mitbekommt, dass er schwul ist. Und wie soll er mit seinem Bruder umgehen, der sich immer weiter radikalisiert?
Eigene Meinung:
Mit „Mo & Moritz“ legt die Autorin Julya Rabinowich ihr neustes Jugendbuch vor, das bereits als “Jugendbuch des Monats” von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet wurde. Der 224-seitige Roman erschien Januar 2026 im Hanser Verlag und erzählt die Geschichte der queeren Jugendlichen Mo und Moritz, die aus verschiedenen Welten stammen und doch zusammenfinden.
Die Geschichte wird aus Mos Sicht geschildert, der stark mit seiner muslimischen Familie verwurzelt ist. Gemeinsam sind sie vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen und haben dabei viele traumatische Erlebnisse gehabt. In Wien bietet sich ihnen eine neue Welt, doch nicht immer fällt es ihnen leicht, dort Fuß zu fassen – ganz besonders Mos älterer Bruder tut sich schwer und radikalisiert sich im Laufe der Geschichte immer stärker. Die Bekanntschaft zu Moritz holt Mo ein wenig aus seinem Schneckenhaus und bestätigt seine Vermutung, dass er selbst schwul ist – was ihn in Anbetracht des muslimischen Glaubens viel Kopfzerbrechen bereitet.
Die Autorin legt den Fokus der Geschichte klar auf Mos Entwicklung und seinen Weg, sich selbst zu akzeptieren. Dazu gehört auch, dass er den Mut findet, zu seiner Sexualität zu stehen und sich zu Moritz zu bekennen, auch wenn er nicht darin gipfelt sich vor deiner Familie zu outen. In dem Punkt verschenkt die Autorin einiges an Potenzial, denn sie umgeht einen Konflikt, mit dem Leser*innenfest gerechnet haben. Stattdessen greift sie den Faden der Radikalisierung von Mos Bruder auf, der die Familie fast auseinandertreibt. Dieser Aspekt ist sicherlich spannend und passend in die Rahmenhandlung eingewoben (insbesondere da aktuelle Ereignisse aufgegriffen werden), dennoch fehlt dieser große Schritt in Mos Entwicklung. So bleibt die queere Liebesgeschichte zwar sehr einfühlsam und authentisch, gleichzeitig aber auch ein wenig oberflächlich. Auch Moritz‘ jüdische Wurzeln werden eher oberflächlich beleuchtet – hier mangelt es an Tiefgang.
Die Figuren sind sehr realistisch und authentisch, man kann sich gut in sie hineinversetzen. Mo lernt man am besten kennen, da er die Leser*innen mit sich nimmt und sie an seinem Leben teilhaben lässt. Moritz bleibt leider etwas blass – er ist ein sonniger Charakter, offen und lebensfroh, der nicht so sehr mit seinen familiären Wurzeln zu kämpfen hat wie Mo. Neben Moritz lernt man auch Mos Familie sehr gut kennen, ganz besonders Mos kleine Schwester und dessen Mutter, die gänzlich verschiedene, traditionelle Werte repräsentieren. Mos Vater ist zumeist stumm und hat wenig zu sagen, Mos Bruder wird spürbar extremer, je länger die Geschichte voranschreitet.
Stilistisch ist Julya Rabinowichs Roman ein wenig gewöhnungsbedürftig, da sie eher ungewöhnliche Sprachbilder erschafft, die nicht jedermanns Sache sind. Da ist von Bruderbein, Mutterhaar und Vaterhand die Rede oder von Moritzatem – Worte, die beim Lesen durchaus irritieren können, zumal Mo die Tendenz hat keine Namen zu nennen. So erfährt man erst recht spät, wie Mos Bruder eigentlich heißt, die Namen seiner Eltern fallen nie. Die seltsamen Wortkreationen sorgen jedoch für eine spürbare Distanz zu den Personen, von denen sich Mo immer weiter entfernt und zu denen ihm das Vertrauen fehlt, was stilistisch gut umgesetzt ist. Ansonsten ist das Buch stilistisch gut geschrieben, die Dialoge sind schnörkellos und prägnant, die Beschreibungen aus Mos Sicht ebenfalls.
Fazit:
„Mo & Moritz“ ist ein solides, queeres Jugendbuch über Identität, die erste Liebe und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Julya Rabinowich Erzählweise und Wortwahl mag nicht immer überzeugen, ebenso wirken einige Figuren und Handlungsstränge etwas oberflächlich, doch die Geschichte um den muslimischen Mo und den jüdischen Moritz ist brandaktuell und regt zum Nachdenken an. Wer realistische Jugendbücher mag, sollte einen Blick riskieren.





