[ROMAN] Berlingtons Geisterjäger 4 – Untotentanz von Amalia Zeichnerin

Autor: Amalia Zeichnerin
Taschenbuch:  328 Seiten
ISBN: 978-1689135313
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 10,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Nach dem letzten großen Kampf gegen die Anderswelthexe Carmun ist es ruhiger in London geworden und Berlingtons Geisterjäger haben sich in alle Winde zerstreut: Victor und Alec sind nach Paris geflüchtet, nachdem das Gerücht verbreitet wurde, sie seien ein Paar, Giselle ist ebenfalls in Frankreich und lebt bei ihrer Tochter. Lediglich Fiona, ihre Partnerin Nica und Eliott sind noch in London, haben im alltäglichen Leben jedoch nur wenige Berührungspunkt. Das ändert sich, als sie gleichzeitig nach Paris aufbrechen – Fiona und Nica um einer Zusammenkunft der magischen Gemeinde teilzunehmen, Eliott wegen eines Auftrages des Britischen Museums. Er soll vier gestohlene, altägyptische Artefakte zurückbringen. Als kurz darauf eine seltsame Seuche in Paris ausbricht, bei der Erkrankte nicht nur lichtempfindlich sind, sondern auch Hunger auf blutiges Fleisch bekommen, schließen sich die alten Freunde auf der Suche nach Antworten zusammen. Sie suchen nach Antworten und einer Möglichkeit die Kranken zu heilen, denn Eliott hat sich angesteckt …

Eigene Meinung:
Mit „Untotentanz“ entführt Amalia Zeichnerin ihre Leser*innen einmal mehr in die viktorianische Zeit, dieses Mal jedoch nach Paris. Der Roman ist in sich abgeschlossen und knüpft lose an die Ereignisse der ersten drei Bände an, allerdings kann man ihn auch weitestgehend ohne Vorkenntnisse lesen – wenngleich in dem Fall die Masse an Figuren verwirren dürfte. Nach aktuellem Stand ist es der letzte Teil der Reihe „Berlingtons Geisterjäger“.

Die Geschichte spielt 1889 und einmal mehr sind die Freunde um Berlington einem übernatürlichen Phänomen auf der Spur, genauer gesagt einer seltsamen Krankheit, die Betroffene nach und nach in zombieähnliche Kreaturen verwandelt. Amalia Zeichnerin lässt sich Zeit, die Ereignisse voranzutreiben und allen Charakteren Platz zur Entwicklung zu geben – nahezu jede tragende Figur darf einen Teil der Geschichte aus seiner/ihrer Sicht beitragen – auch Alec, der in den ersten drei Büchern leider keine eigene Stimme bekam. So dauert es, bis die Gruppe auf die Ursachen der Krankheit stößt, ebenso lange dauert es, ein Heilmittel zu erschaffen, um Eliott und die anderen Erkrankten zu heilen. Währenddessen befindet sich Paris im Ausnahmezustand, was jeder zu spüren bekommt.
Wie immer ist der Genremix aus Steampunk, Fantasy und historisch realen Elementen sehr gelungen Man steigt schnell in die Geschichte ein und fiebert mit den Helden mit, die sich dieses Mal einer kaum greifbaren und bekämpfbaren Bedrohung stellen dürfen. Amalia Zeichnerin wendet viel Zeit auf, das Paris des 19. Jahrhunderts zu beschreiben und zum Leben zu erwecken. Man spürt bei den Beschreibungen der Straßenzüge, Gebäude und Hintergründe auch, wie viel Zeit die Autorin in der Recherche gesteckt hat – das viktorianische Paris wirkt lebendig und authentisch, man hat wirklich das Gefühl mit den Figuren durch die Straßen zu wandeln. Auch die Beschreibungen der Krankheit und die Herangehensweise der Charaktere, die Probleme in den Griff zu bekommen sind gelungen – Amalia Zeichnerin lässt genügend Zeit für Entdeckungen und Lösungsstrategien der Gruppe. Sie baut die komplexe Geschichte mit der nötigen Ruhe und Vielschichtigkeit auf. Leider gelingt es ihr nicht, dies bis zum Ende durchzuhalten, denn der Schluss wirkt sehr überstürzt, das Finale sehr gehetzt. Es wird zwar alles aufgelöst und zu einem zufriedenstellenden Ende geführt, aber das Tempo passt nicht zum Rest des Buches. Im letzten Kapitel wird quasi alles im Eiltempo aufgelöst – das ist sehr schade, zumal sich dann auch Logikfehler häufen.

Die Figuren sind lebendig und gut in Szene gesetzt – dieses Mal kommt jeder zu Wort und darf den Leser ein Stück weit durch die Geschichte führen. Wie immer ist der Mix queerer Figuren toll, man hat ein lesbisches und ein schwules Pärchen, die vollkommen gleichberechtigt sind und ihren Platz im Buch haben. Auch eine leichte Romanze zwischen Eliott und der indischen Zauberkundigen Amrita Jhadav findet einen Platz, die eine größere Rolle einnimmt als in den bisherigen Büchern. Es ist schön, dass weitere Figuren hinzukommen und teils wichtigere Rollen übernehmen. Das sorgt für Abwechslung und Spannung.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Amalia Zeichnerin hat einen sehr flüssigen, soliden Schreibstil, der gut zur Geschichte und den Figuren passt. Sie erzählt aus wechselnden Perspektiven, was man mögen muss um die Reihe zu genießen und bemüht sich jeder Figur gerecht zu werden. Das birgt die einzige Schwäche, die das Buch stilistisch hat – die Perspektiven klingen zu gleichförmig, es gibt keine Varianzen zwischen den einzelnen Erzählenden. Gerade bei der Masse an Perspektivwechseln fällt dies auf. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt, der das Lesevergnügen nur teilweise schmälert.

Fazit:
Auch der 4. Teil der „Berlingtons Geisterjäger“-Reihe kann überzeugen und punktet durch eine solide Geschichte, authentische und lebendige Beschreibungen und Charaktere, und einen stimmungsvollen Schreibstil. Wer die ersten Bände der Reihe mochte, sollte auf jeden Fall auch zu „Untotentanz“ greifen, Neueinsteigern empfehle ich aufgrund der vielen Charaktere und Perspektiven doch zu den ersten Bänden, um die Figuren kennenzulernen und die Zusammenhänge zu verstehen. Wer historische Romane mit fantastischen Elementen mag, sollte auf jeden Fall reinschauen – zu empfehlen.

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