[REZENSION] Unter weiten Adlerschwingen von Svea Lundberg und Màili Cavanagh

Autor*innen: Svea Lundberg / Màili Cavanagh
Taschenbuch: 476 Seiten
ISBN: 978-3947031238
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 13,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Das Leben als Native American ist in einem Reservat nicht leicht – Alkohol, Drogen, Gewalt und eine hohe Kriminalität prägen den Alltag. Chayton Callahan gehört den Lakota an, hat den Großteil seines Lebens dort verbracht und will seinen Beitrag leisten, seinem Brüdern und Schwestern zu helfen. Als ausgerechnet seine Cousine missbraucht wird und fast stirbt, schaltet er voller Verzweiflung die ICCU des FBI ein, deren Aufgabe es ist, sich um die Belange der indigenen Völker zu kümmern. Entgegen aller Erwartungen – denn normalerweise interessieren sich weiße Polizisten und Agents nicht für Fälle von Indianern – taucht Special Agent Logan Harris auf, der kurz zuvor strafversetzt wurde. Er nimmt sich das Missbrauchsfalls an und bindet Chayton von Anfang an in seine Ermittlungen ein. Schon bald haben sie eine heiße Spur, müssen jedoch auch mit ihrer Anziehung füreinander klarkommen, die beiden Probleme bringen könnte …

Eigene Meinung:
Bei dem Gay Romance „Unter weiten Adlerschwingen“ handelt es sich um die erste gemeinsame Arbeit der Autorinnen Svea Lundberg und Màili Cavanagh und erschien im Traumtänzer Verlag. Beide Autorinnen haben eine Vielzahl von Romanen veröffentlicht und sich in der Szene einen gewissen Ruf erarbeitet – Svea Lundberg im Gay Crime und Gay Drama Bereich, Màili Cavanagh hat mehrere Bücher geschrieben, in denen Cowboys eine zentrale Rolle spielen. Ob es weitere gemeinsame Romane gibt, steht bisher noch nicht fest.

Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit, größtenteils in einem Reservat in Amerika. Die Beschreibungen der Lebensumstände der Lakota und den Problemen mit denen Native Americans zu kämpfen haben, sind sehr realistisch dargestellt. Die Autorinnen haben genau recherchiert und ein (für den Leser) erschreckendes Bild des Lebens in Reservaten gezeichnet – wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, wird mitbekommen, wie schlimm die Zustände für Indianer wirklich sind. Auch der Kriminalfall wird gut in die Handlung eingebaut, ist logisch und wird gut (wenn auch vorhersehbar) aufgelöst – er erinnert ein wenig an den Highway of Tears in Kanada. Man ist von Anfang an in der Geschichte und erlebt die Ereignisse wechselnd aus Logans und Chaytons Sicht. Zum Ende hin häufen sich leider die Ungereimtheiten (nach einer OP an der Lunge spaziert man nicht einen Tag später aus dem Krankenhaus), doch das ist Geschmackssache. Ein wenig schade und unglaubwürdig finde ich es zudem die Zusammenfassung im Epilog – zwischen Chayton und Logan liegen (kulturelle) Welten und trotzdem scheinen sie binnen eines Jahres alles Hürden (auch für das Reservat und die Lakota) aus dem Weg zu räumen – so schön ein solches perfektes Happy End auch ist, so wenig realistisch ist es leider. Einige Passagen, gerade zum Ende hin, hätte ich mir ausführlicher gewünscht – wozu nicht die erotischen Szenen gehören, denn diese sind sehr explizit und vollkommen ausreichend.

Die Figuren sind sehr gut in Szene gesetzt – man kann sowohl Chayton, als auch Logan gut nachvollziehen und erlebt die Geschichte durch ihre Augen. Chayton Callahan ist hierbei besonders gut gelungen – sein Kampf zwischen seinen Traditionen und dem Hochhalten seiner Kultur und dem Kampf mit der modernen Welt, in der er sich zurechtfinden muss. Er ist ein ungemein starker Mann, dem man wünscht aus dem Teufelskreislauf auszubrechen. Logan Harris ist nicht minder interessant und kann durch sein starkes Gerechtigkeitsempfinden und seine Ausdauer punkten – ihm ist es gleich, welche Hautfarbe ein Opfer hat, er will den Täter dingfest machen. Dass er dafür auch mal Vorschriften und Anweisungen in den Wind schreibt, wird ihm zwar zum Verhängnis, macht aber auch seine Stärke aus.
Einige Nebenfiguren, zum Beispiel Chaytons Cousine lernt man gut kennen, ebenso einige Lakota und ihre Schicksale. Im Gegenzug dazu bleiben die Kollegen von Logan recht blass, aber das dürfte der Kürze des Buches geschuldet sein.

Stilistisch legen die beiden Autorinnen einen guten Roman vor der jedoch kleinere Schwächen hat. So stolpert man über verhältnismäßig viele Rechtschreibfehler, hin und wieder ist ein Wörtchen zu viel. Störend empfand ich die vielen Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels, so dass ich mehrfach nachschauen musste, welcher Erzähler aktuell am Ball ist. Gerade bei den expliziten Szenen häufen sich Perspektivfehler und verwirren den Leser – hier hätte der Lektor eingreifen und vieles glattziehen müssen. Positiv ist, dass der Text wie aus einem Guss wirkt und man nicht den Eindruck hat, dass sich zwei Autorinnen für „Unter weiten Adlerschwingen“ verantwortlich zeigen.

Fazit:
„Unter weiten Adlerschwingen“ ist ein schöner Gay Romance von Svea Lundberg und Màili Cavanagh, der durch eine gut recherchierte und nachdenklich stimmende Hintergrundgeschichte, sympathische Charaktere und einen soliden Kriminalfall entspricht. Stilistisch gibt es zwar einige Schwächen (gerade bei den Perspektiven) und auch zum Ende hin häufen sich die Logikfehler, doch darüber kann man hinwegsehen, insbesondere wenn einem der Romance-Anteil wichtig ist. Denn gerade dieser ist sehr schön ausgearbeitet und lässt den Leser mitfiebern. 3,5 Sterne, aufgerundet auf 4.

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