[SACHBUCH] Ich bin ich, und jetzt? von Nico Abrell


Autor: Nico Abrell
Taschenbuch: 128 Seiten
ISBN: 978-3423718240
Preis: 9,95 EUR (Taschenbuch)
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Inhalt:
Nico Abrell ist 18 Jahre jung, Youtube Star und schwul – in „Ich bin ich, und jetzt?“ gibt er Jugendlichen auf 128 teils interaktiven Seiten einen kurzen Einblick zu den Themen Diversity, Homosexualität, Coming-Out und lässt es sich nicht nehmen auch über sein eigenes Leben und seine Beziehung zu seinem Partner David zu schreiben …

Eigene Meinung:
Der Youtuber Nico Abrell liest, schreibt und vlogt, vorwiegend über Bücher, aber auch über seine eigenen Erfahrungen hinsichtlich Mobbing, Coming-Out, Beziehungsproblemen und alles, was seine Fans interessiert. In dem knapp 120-seitigen Büchlein, erschienen bei dtv, widmet er sich in kurzen, sehr schnell gelesenen Kapiteln den verschiedenen Problemen, die auf einen Jugendlichen zukommen können, der erkennt, dass er homosexuell ist – angefangen bei Entdecken der Sexualität, dem eigenen Eingestehen bis hin zum Coming-Out vor Freunden und Familie.

Inhaltlich lässt das Büchlein zu wünschen übrig, denn es bietet Jugendlichen, die nach einem passenden Ratgeber leider nicht viel – mit Ausnahme der Tatsache, dass man es schnell gelesen hat (für Lesemuffel ist das Buch also perfekt). Für die meisten Dinge zieht der Autor seine eigenen Erfahrungen heran und berichtet, wie er mit seinem Partner David zusammengekommen ist und was sie alles gemeinsam durchgemacht haben (angefangen beim ersten Kuss, bis hin zum ersten Mal – wobei das nicht wirklich zum Tragen kommt (auch wenn das Cover das ankündigt)). Allgemein erzählt der Autor vorwiegend aus seinem eigenen Leben und berichtet von seinen eigenen Erfahrungen – was im Grunde nicht verkehrt ist, da er so eine sehr persönliche Beziehung zum Leser aufbaut. Für einen wirklichen Ratgeber ist diese persönliche Note allerdings nicht geeignet, denn das Buch wirkt mehr wie eine Autobiografie, als wie ein Buch, mit dem man seine Probleme in den Griff bekommen könnte. Auch sonst fehlt ein bisschen der Bezug zur queeren Szene (man erkennt sie im Grunde nicht wirklich wieder) – wahrscheinlich, weil Nico Abrell selbst nur wenig Berührungspunkte mit anderen queeren Menschen hat.
Wenn man ein Fan von Nico und David ist und ihnen bzw. ihren Vlogs folgt, ist das Büchlein natürlich nicht uninteressant – für Jugendliche, die sich ernsthaft mit ihrer Homosexualität und den damit verbundenen Problemen auseinandersetzen müssen und umfassend informieren wollen, bietet das Buch leider zu wenig Inhalt und kaum brauchbare Tipps. Dazu bleibt es insgesamt zu oberflächlich – die Geschichte der Homosexualität wird nur sehr kurz angerissen und skizziert lediglich die Eckdaten (gut, das ist wahrscheinlich für Jugendliche auch weniger interessant – darüber kann man sich auch bei Wikipedia informieren), zum Thema Mobbing werden nur 2-3 Seiten aufgewendet und die vorgeschlagenen Kontersprüche bieten keine wirkliche Hilfestellung, wenn man es darauf anlegt. Auch andere allgemeine Themen, die für Jugendliche interessant sein könnten, bekommen nur wenig Raum oder kommen nicht wirklich zum Tragen – hier hätte man für einen Ratgeber einfach mehr in die Tiefe gehen müssen.

Was zusätzlich negativ ins Gewicht fällt, sind die vielen leeren, interaktiven Seiten, die den Leser auffordern eigene Gedanken und Sprüche aufzuschreiben und sich auf diesem Weg selbst kennenzulernen. Das ist im Grunde nicht uninteressant und für den ein oder anderen hilfreich, doch ich zweifle, dass jemand den Aufforderungen wirklich folgt und sich auf diesem Weg einen Leitfaden für’s Coming-Out und gegen Mobber zurechtlegt. Zudem werden diese Seiten zum Ende hin immer unnötiger – was haben selbst angelegte Listen der Lieblingsbücher, Lieblingsfilme und schwulen Künstler in einem Ratgeber zum Thema Coming-Out zu suchen? Im Grunde wirkt es zum Ende hin ein wenig wie Seitenschinden, um den recht hohen Preis zu rechtfertigen.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – der Autor hat einen sehr leichten, gut lesbaren Stil, der Jugendliche ansprechen dürfte. Allgemein dürfte sich die Zielgruppe in dem Büchlein wiederfinden, denn Nico Abrell ist jung genug, um die heutigen Jugend einzufangen und zu repräsentieren. In diesem Zusammenhang ist das Buch wahrscheinlich für alle Jugendlichen geeignet, die sich zum ersten Mal mit Gedanken über Homosexualität herumschlagen und keine Lust haben, einen dicken Ratgeber zu wälzen, sprich für den Einstieg ist „Ich bin ich, und jetzt?“ durchaus geeignet.

Die Aufmachung ist auf jeden Fall gelungen, denn die Seiten (gerade die interaktiven, in denen der Leser selbst zum Zuge kommen soll) sind hübsch gestaltet und nicht rein schwarz/weiß sondern in blau/rot-Tönen gehalten, was „Ich bin ich, und jetzt?“ ein wenig aufwertet. Den recht hohen Preis rechtfertigen sie allerdings nur bedingt, denn man bekommt für knapp 10,-€ im Grunde wenig brauchbaren Inhalt.

Fazit:
„Ich bin ich, und jetzt?“ ist von einem Jugendlichen für Jugendliche geschrieben – er ist direkt und persönlich, bietet aber nur bedingt einen Einstieg in das Thema Homosexualität und Mobbing. Dafür bleibt Nico Abrell zu oberflächlich und bietet im Grunde nur wenig Hilfe, wenn es wirklich darum geht, sich Problemen zu stellen. Das Büchlein ist eher etwas für den Einstieg, ersetzt aber keine wirklich soliden Ratgeber, die einfach mehr fundierte Hintergrundinformationen haben. Das ist schade – man hätte viel mehr aus dem Buch machen können, wenn man mehr Zeit investiert und besser recherchiert hätte. So hinterlässt „Ich bin ich, und jetzt?“ ein zwiespältiges Gefühl und kann als Ratgeber nur bedingt empfohlen werden. Im Grunde ist das Buch eher für Fans des Vloggers geeignet, als wirklich für Jugendliche, die auf der Suche nach Hilfe und Unterstützung sind. Schade …

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