[ROMAN] Mut verleiht Flügel von Günter von Lonski

Autor: Günter von Lonski
Taschenbuch: 160 Seiten
ISBN:978-3947066049
Preis: 10,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Björn ist 15 und anders als die anderen Jungs in seinem Alter – sein Herz schlägt für Mode und Design anstatt für Fußball, Mädchen findet er nicht halb so interessant wie die anderen und durch seine schüchterne Art wird er schnell in die Defensive gedrängt. Gerade gegen seinen Vater, der gleichzeitig auch Trainer des Fußballteams ist, hat Björn keine Chance. Das ändert sich, als er eines Tages plötzlich im Stadtsee neben seines Spiegelbild Geo Chavez sieht, einen Flugpionier, dem 1910 in seinem Aeroplan die Überquerung der Alpen gelang. Danach taucht Chavez immer wieder auf, berichtet von seinen Abenteuern und macht Björn auf seine Art Mut, zu sich selbst zu stehen. Unterstützung bekommt Björn auch von Mell, die seine beste Freundin wird und Sven, der Björns Gefühlswelt gehörig durcheinander bringt …

Eigene Meinung:
Das 160-seitige Jugendbuch „Mut verleiht Flügel“ von Günter von Lonski erschien im Sommer 2017 beim Monika Fuchs Verlag und handelt von Freundschaft, Mut und Selbstvertrauen. Günter von Lonski ist bereits seit mehreren Jahrzehnten als Schriftsteller aktiv – schreibt vorwiegend Kinder/Jugendbücher und Krimis, aber auch Drehbücher und Theaterstücke. Anlässlich der Veröffentlichung von „Mut verleiht Flügel“ brachte der Monika Fuchs Verlag zeitgleich den Tatsachenbericht „Im Aeroplan über die Alpen: Geo Chavez’ Simplonflug“ von Paul Willi Bierbaum neu heraus, der ursprünglich 1918 erschienen ist und die Ereignisse rund um die Alpenüberquerung von Geo Chavez schildert.Die Geschichte um den 15-jährigen Björn behandelt hauptschlich die Themen Freundschaft, Selbstfindung und den Mut zu sich selbst zu stehen – in Björns Fall steht der „Kampf“ gegen seinen Vater an oberster Stelle, denn für diesen sind sportliche Leistungen, insbesondere im Fußball, neben den schulischen am Wichtigsten. Dass Björn weder in dem einen noch in dem anderen wirklich gut ist, bekommt der Mann gar nicht mit, ebenso wenig, dass Björn sehr in sich gekehrt ist und eigentlich ganz andere Ziele im Leben hat. Eine wichtige Bezugsperson für den jungen Teenager wird Mell, ein toughes Mädchen, das Fußball spielen kann und Björn bei seinem Traum unterstützen will. Sven spielt eine eher untergeordnete Rolle, da ihm nur am Rande Beachtung geschenkt wird und Björn sich nicht unbedingt korrekt gegenüber ihm verhält.

Insgesamt ist die Geschichte sehr klischeebeladen – sowohl inhaltlich auch was die Charaktere betrifft: der schüchterne Junge, der kein Fußball spielen, sondern Modedesigner werden will ist natürlich schwul (zumindest klingt das am Rande durch), das toughe Mädchen, das ihm als beste Freundin zur Seite steht, der böse Vater, der wenig für die wahren Wünsche seines Sohnes übrig hat und Sven, der lieber Süßigkeiten herstellt. Die Sache mit Chavez und sein wiederholtes Auftauchen in spiegelnden Flächen ist leider auch nicht so spannend umgesetzt, wie man sich erhofft hat, denn im Grunde hilft er Björn nur bedingt, sondern erzählt eher, wie er zum Piloten wurde und was ihn bewegt hat, die Alpen zu überfliegen. Den Mut, sich seinem Vater zu stellen, entwickelt Björn mehr durch Mell und die Tatsache, dass er an einem Modedesign-Wettbewerb teilnehmen will.

Sehr schade ist auch, dass die Homosexualität im Grunde keine Rolle für die Geschichte spielt – einerseits ist es okay, wenn das Thema nicht unnötig ausgewalzt, andererseits fragt man sich bei einem Jugendbuch wie „Mut verleiht Flügel“ warum der Autor diese Sache überhaupt aufgenommen hat. Weder hat man das Gefühl, dass Björn sich wirklich für Sven interessiert (insbesondere so, wie er ihn zum Ende hin behandelt – da wird er dem Leser extrem unsympathisch), noch wird die Sache in irgendeiner Form aufgeklärt oder aufgegriffen. Es gibt nicht einmal ein wirkliches Ende für Björn und Sven, denn hier fehlt das klärende Gespräch vollkommen – man bleibt bei dem Thema vollkommen in der Luft hängen, weiß weder ob die beiden sich aufraffen, noch ob sie sich danach ignorieren. Auch Björns Aussprache mit seinem Vater ist alles andere als befriedigend, denn das Gespräch wird auf eine Seite zusammengefasst, anstatt wirklich in den Dialog zu gehen. Hier verschenkt der Autor alle Möglichkeiten, dem Buch Tiefe zu geben, zumal das Happy Ende wirklich schnell herbeigeführt wird (was alles andere als glaubwürdig wirkt).

Die Charaktere wirken leider sehr blass und klischeebeladen – man weiß schon ganz am Anfang, wer welche Position einnimmt und wie dieser in bestimmten Situationen handelt. Wirklich niemand bricht aus der ihm zugedachten Rolle heraus, nicht einmal Björn, obwohl er sich durch Chavez ändert und Mut findet, zu sich selbst zu stehen. Zudem wirken die Hauptcharaktere nicht wie 15-Jährige, sondern wesentlich jünger, was an ihren Handlungen und Reaktionen liegt. Auch die Erwachsenen können da nicht ausgleichen – gerade Björns Vater fällt durch seine Aart negativ auf.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Günter von Lonski hat einen recht einfachen, aber durchaus gut lesbaren Schreibstil, der für die Altersgruppe durchaus passend ist. Die Beschreibungen der Stadt und einzelner Szenen sind schön, bei den Dialogen hätte man jedoch mehr ins Detail gehen können, auch um diese zu vertiefen. Interessant sind die Passagen aus „Im Aeroplan über die Alpen: Geo Chavez’ Simplonflug“ von Paul Willi Bierbaum (Björn begegnet nicht nur Chavez, er liest auch das Buch), die mit in die Erzählung einfließen.

Fazit:
Insgesamt kann „Mut verleiht Flügel“ leider nicht überzeugen – Figuren und Geschichte sind zu klischeebeladen und wirken unausgegoren, Probleme werden nicht wirklich aufgearbeitet und gelöst und die Figuren wirken leider nicht sonderlich realistisch. Viele Aspekte werden mit in die Geschichte eingeflochten (das Thema Homosexualität, Mobbing und Geo Chavez), jedoch nicht wirklich gut umgesetzt – hier wäre weniger mehr gewesen, oder ein umfangreicheres Buch, um die einzelnen Themen auch wirklich passend zu beleuchten. So hinterlässt das Buch von Günter von Lonski leider ein unbefriedigendes Gefühl, denn nichts scheint wirklich zu einem Ende geführt worden zu sein. Schade – 1,5 Sternchen.

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