[ZITATE-FREITAG] Dornenritter

Hallo ihr Lieben,

die letzten Monate habe ich es nicht geschafft, einen neuen Zitate-Freitag auf die Beine zu stellen – das änderte sich beim Lesen mit “Dornenritter” von Kaja Evert. So viele tolle Textstellen und Sätze, die mir im Sinn blieben, am liebste hätte ich einen Großteil des Buches hier präsentiert. Da das nicht geht, habe ich versucht eine bunte Mischung an Textstellen zusammen zu tragen, die euch hoffentlich einen guten Einblick ins Buch geben und den ein oder anderen vielleicht überzeugen, einen genaueren Blick in den queeren Dark Fantasy zu werfen, den ich jedem ans Herz legen kann.

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meine Rezension

In diesem Moment begriff Steyn, dass Brianag recht gehabt hatte: Er befand sich in einem Kampf auf Leben und Tod. Auch die Zuschauer schienen es zu wissen. Ihre Rufe klangen wild, fast panisch. Oder war das … Blutdurst?

“Dornenritter”, 7% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

»Rabensteyn«, sagte die tiefe, dunkle Stimme, »ich dachte, Ihr wärt längst fort.«

Wie der Gerber unmittelbar vor ihm stand, massig, bedrohlich, und seinen Schatten auf ihn warf, beschleunigte sich Steyns Herzschlag, und seine Hände wurden feucht.

»Ihr wart Seiner Hoheit gegenüber respektlos.«

»Warum? Weil ich nicht zögere, eine Gelegenheit wahrzunehmen, wenn sie sich bietet?«

“Dornenritter”, 10% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

Er wandte sich zum Gehen. An seiner Stelle kam der Gerber auf Steyn zu. Der Feuerschein enthüllte zwei Schnitte im Gesicht, wo ihn das Messer getroffen hatte, einen an der Braue und den anderen unterhalb der Augenhöhle, über dem Wangenknochen. Jemand – Brock? – hatte sie mit groben Stichen genäht. Nachdem seine Blutmaske abgewaschen war, wirkte er zwar ein wenig grau und mitgenommen, aber keineswegs missgelaunt.

»Geht es ihr gut?«, fragte er mit einer Kopfbewegung zu Jadna, die ein Stück abseits stand und ihnen den Rücken zugekehrt hatte.

Was war das für eine Frage? »Natürlich nicht.«

“Dornenritter”, 24% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

»Ich werde nicht klug aus Euch, Gerber.« Steyn zerrte sich die Stiefel von den Füßen und warf sie neben die Teile seiner Rüstung. »Habt Ihr kein Mitgefühl? Ihr wollt doch Ritter des Lichts werden.«

»Ich folge dem Feuer«, sagte Gavin. Unter seinem eindringlichen Blick schob Steyn unwillkürlich die Schultern hoch. Diese Augen – hell, wie der frostige Winterhimmel in seiner Kindheit gewesen war. Hatte er wirklich geglaubt, bei Gavin sicher zu sein? Nun fühlte er sich wie ausgeliefert. Eine beängstigende, ziehende Empfindung, die seinen gesamten Körper durchdrang und ihn schneller atmen ließ. Zugleich rührte der Blick etwas in ihm an, was er bislang nicht gekannt hatte. Eine Art Sehnsucht.

“Dornenritter”, 35% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

»Die Kleriker Riandors nennen es eine Sünde, ich weiß«, sagte Gavin. »Aber weshalb nennen sie es dann nicht auch eine Sünde, zu essen oder zu schlafen?«

»Das ist etwas völlig anderes!«

»Findet Ihr? Vielleicht bin ich nicht der Richtige, darüber zu urteilen. Aber das ist, was ich denke: Der Körper weiß, was er will. Gebt es ihm und seid nicht so hart zu Euch. Wichtiger ist, was Eure Seele begehrt. Das entscheidet, ob Ihr ein Feuer oder eine wandelnde Dunkelheit seid.«

“Dornenritter”, 45% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

Wie Steyn war auch Gavin ein Drachentöter, ein Held. Niemand, um ihn zu verbannen oder heimlich verschwinden zu lassen. Daher hatte ihn jemand – der König? – in eine Position befördert, von der er annahm, dass sie seinen Fähigkeiten und seinem Wesen entsprach. Etwas Schlimmeres hätte ihm nicht widerfahren können. Seine neuen Pflichten würden Gavin zweifellos mit jedem Tag tiefer ins Dunkel treiben, ohne ein ›Licht, das seinen Pfad erhellte‹ – so hätte er es mit seinem wirren Sinn für Poesie wohl ausgedrückt.

Das also hatte sein Verrat bewirkt.

“Dornenritter”, 53% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

»Warum tut Ihr das, Rabensteyn?«

»Wollt Ihr nicht wissen, was damals Eurer Familie zugestoßen ist?«

»Ich habe es Euch schon gesagt: Lasst mich in Ruhe!«

»Das kann ich nicht.«

»Weil Ihr mich braucht, wie? Nicht nur als Ortskundigen.« Gavin schnaubte. »Es ist schon zum Lachen. Einst kannte ich einen Mann, der ein Feuer in sich trug. Sein Licht fiel auf mich und zeigte mir, wer ich sein könnte. Aber er stieß mich in die Dunkelheit. Jetzt, da ich den Mann wiedersehe, ist sein Feuer fort.«

“Dornenritter”, 71% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

»Mein Leuchtfeuer«, sagte Gavin mit seiner dunklen Stimme, und die Flamme in ihm brannte heller. »Es ist verdammt finster ohne ein Licht in der Nacht.«

»Und ohne jemanden, der seine Glut erhält«, flüsterte Steyn.

Er schmiegte sich an Gavin. Dessen Hände strichen fest über seinen Körper, wo ihn eben noch seine Blicke berührt hatten. Steyn schloss die Augen, genoss es, Gavins warme, raue Haut auf seiner zu fühlen, Gavins Lippen auf seinem Hals, den kratzigen Bart, die Zähne. Feuer rann in ihm hinab. Er hatte das Chaos gefürchtet, es von sich gestoßen, und doch war es immer zu ihm zurückgekehrt. Es wurde Zeit, das Chaos erneut zu umarmen.

“Dornenritter”, 88% (c) Kaja Evert, SadWolf Verlag

Ich hoffe, die kleine Auswahl gefällt euch und ihr habt Lust bekommen Rabensteyns und Gavins Geschichte zu lesen. Ich kann euch Kaja Everts Dark Fantasy nur wärmstens ans Herz legen – das Buch hat mich wirklich mitgerissen und gefesselt. Wenn ihr düstere, queere Fantasy mögt, dann solltet ihr auf jeden Fall zugreifen und euch in die dunkle Welt entführen lassen, die “Dornenritter” aumacht 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

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