
Autor*in: Julia Laske
Taschenbuch: 276 Seiten
ISBN: 978-3384523716
Preis: 9,99 EUR (eBook) / 15,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Als der sechzehnjährige David vor seiner gewalttätigen Mutter flieht, weiß er nicht wohin – seine Schwester ist froh von zu Hause weg zu sein und studiert weit weg, sein Vater schafft ebenfalls den Absprung und versucht sich mit seinem Freund ein neues Leben aufzubauen. Nur für David ist dort kein Platz, deswegen schlägt er sich auf der Straße durch bis er den Punk Ronnie kennenlernt, der ihm in einer alten, besetzten Fabrik ein neues Zuhause bietet. Für David beginnt eine stetige Veränderung – beginnend mit einem neuen Namen, Kippe, und einem veränderten Aussehen. Nach und nach verliebt er sich in Ronnie, doch das Leben auf der Straße ist hart und bringt unerwartete Gefahren mit sich …
Eigene Meinung:
Mit dem realistischen Jugendroman „Kippenrauch“ legt Julia Laske ihr Debüt und gleichzeitig den Auftaktband einer längeren Reihe vor, denn die Geschichte um Kippe ist mir dem vorliegenden Buch noch nicht abgeschlossen. Die Autorin verarbeitet in ihrem Buch eigene Erfahrungen der Punk-Szene und ihrer ehrenamtlichen Arbeit in einem Jugendzentrum, was den Roman sehr authentisch und nachvollziehbar macht. Wann der zweite Band erscheinen soll, steht leider noch nicht fest.
Die Geschichte entführt Leser*innen in Davids Leben, der unter seiner gewalttätigen Mutter zu leiden hat, die jeden in der Familie drangsaliert. Als sich abzeichnet, dass David fortan allein mit ihr zusammenleben soll, da Schwester und Vater eigene Wege gehen und ihn zurücklassen, entscheidet er sich zur Flucht, was ein Leben auf der Straße bei bedeutet. Für einen Jungen aus wohlhabenden Verhältnissen ein gewaltiger Schritt ins Ungewisse, denn ein Leben ohne Dach über dem Kopf ist hart. Als er Ronnie begegnet, der ihn unter seine Fittiche nimmt, geht es endlich ein wenig aufwärts, auch wenn Davids Leben hart und schonungslos bleibt, zumal für die Gruppe, die die alte Fabrik gesetzt nicht nur Gefahren durch di Polizei drohen.
Julia Lake erzählt ehrlich und authentisch die Geschichte eines Jungen, der sich nach Freiheit und einem Leben ohne Gewalt sehnt, sich jedoch der Härte des Lebens auf der Straße stellen muss und auch dort einer From von Gefahr und Gewalt aussetzt. „Kippenrauch“ kommt ohne Kitsch und Romantik aus, denn auch wenn sich Kippe in Rommie verliebt und die beiden ein Paar werden, ist es schwer für sie ihr Glück zu finden – zu viele Steine liegen in ihrem Weg, teils ausgelöst durch ihre eigenen Unzulänglichkeiten, teils durch die Gefahren, die der Rand der Gesellschaft mit sich bringt. Kippes Leben wirkt wie ein Tanz auf dem Drahtseil und die Autorin zeigt auf den knapp 300 Seiten eindrucksvoll das Leben von Straßenpunks, die Kämpfe, die diese auszufechten haben und die Gefahren, die ein Leben jenseits aller Konventionen mit sich bringt.
Die Figuren sind dabei sehr realistisch und authentisch in Szene gesetzt – man kann sich sehr gut in David hineinversetzen, spürt seine Verzweiflung und seinen Wunsch nach einem Leben in Freiheit. Der Fokus der Geschichte liegt klar auf seinen Gedanken und Gefühlen, die gesamte Geschichte wird aus Kippes Sicht erzählt. Dementsprechend lernt man auch nur Ronnie ein wenig besser kennen, denn er ist Kippes Fixstern, um den sich sein neues Leben dreht. Die übrigen Figuren tauchen nur am Rande auf, da sie Kippes Leben nur teilweise berühren. Aus diesem Grund wirken die übrigen Figuren ein wenig blass, doch da es zur Erzählstruktur und zur Hauptfigur passt, fällt das nicht stärker ins Gewicht.
Stilistisch legt Julia Laske ein starkes, stimmungsvolles Debüt vor, das durch eine starke, fast poetische Sprache und stimmungsvolle Beschreibungen besticht. Man wird in Kippes Welt gerissen, spürt seine Ängste du Sorgen ebenso wie seine Wünsche und Hoffnungen. Man spürt die Kälte der verlassenen Fabrik und die Gefahren, die auf den Straßen lauern – Julia Laske hat ein Händchen dafür Orte und Schauplätze zu beschreiben, so dass man beim Lesen den Eindruck hat, mitten im Geschehen zu sein. Auch die Traumsequenzen, die Kippe quälen, die tiefen Traumata, die er verarbeitet, sind gut umgesetzt und sorgen dafür, dass man ihn sehr gut nachvollziehen kann. Neben den persönlichen Schicksalen scheut sich die Autorin darüber hinaus nicht davor gesellschaftskritischen Themen wie elterliche/häusliche Gewalt und das Leben obdachloser Jugendlicher am Rande der Gesellschaft aufzugreifen, was zum Nachdenken anregt. Es bleibt zu hoffen, dass man nicht allzu lange auf die Fortsetzung warten muss, denn das Buch endet recht offen und man möchte wissen, wie es mit Kippe weiter geht.
Fazit:
„Kippenrauch“ ist ein starkes, emotionales, authentisches Debüt, dass durch eine realistische Geschichte, greifbare Figuren und einen atmosphärischen Schreibstil besticht. Julia Laskes Jugendroman besticht durch starke gesellschaftskritische Themen, aber auch Freundschaft, Liebe und der Kampf um die eigene Freiheit. Wer auf der Suche nach realistischen Büchern für Jugendliche ab 14 Jahren ist, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren, insbesondere wenn man mehr über die Subkultur der Punk-Szene erfahren möchte. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und zu dem hoffentlich bald eine Fortsetzung erscheint – zu empfehlen.





