[Roman] Chaosprinz von Katja Kober

 

Autor: Katja Kober
Taschenbuch:  Band 1: 560 Seiten, Band 2: 656 Seiten
ISBN: 978-3-942451-21-5
Preis: je 8,99 EUR (eBook) | 34,95 EUR (Box)
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Story:
Direkt an seinem 18. Geburtstag offenbart Tobias‘ Mutter ihrem Sohn, dass sie sich ein Leben in Ostafrika aufbauen und dort armen Kindern helfen will. Da Tobias Deutschland auf keinen Fall verlassen will, bleibt für ihn nur die Möglichkeit zu seinem Vater zu ziehen, mit dem er seit 15 Jahren keinen Kontakt hatte. So siedelt er von Hamburg nach München und lernt dort seine neue Familie kennen – seine neue Mutter, seinen unnahbaren Vater, die Zwillinge Emma und Tim und seine Stiefgeschwister Maria und Alex. Doch so schön sich Tobias sein neues Leben ausgemalt hat, so schwer fällt es ihm in der reichen Familie und in München einen Platz zu finden. Zwar findet er schnell Freunde, doch nach und nach mutiert Alex zum Hauptproblem seiner Gefühls- und Gedankenwelt. Als seine Liebe erwidert wird, wähnt er sich im siebten Himmel, doch Alex ist nicht bereit über seinen Schatten zu springen und das Bild des vorbildlichen Sohnes und Schülers zu zerstören. Für Tobias beginnt ein nervenzerreißendes Auf und Ab, bei dem er selbst erwachsen werden muss.

Eigene Meinung:
„Chaosprinz“ ist in gewisser Weise das Debüt der Autorin Katja Kober, wenngleich beim Cursed Verlag die Romane „Harlekin“ und „Männerheld“ vorher erschienen sind. Das liegt vor allem daran, dass „Chaosprinz“ zunächst nur online erschienen ist und eine Veröffentlichung erst später in Frage kam, nachdem die Rufe der Fans nach einer Veröffentlichung in Buchform immer lauter wurden. So hat der Verlag die fast 1.200 Seiten starke Geschichte in zwei Romane gepackt, die in einem hübschen Schuber daher kommen. So fällt „Chaosprinz“ schon optisch ein wenig aus der Reihe, da er wesentlich umfangreicher ist, als die gängigen Romane des Gay Romance Genres.

Inhaltlich präsentiert die Autorin eine Liebesgeschichte, die ganz im Stil einer Soap Opera gehalten ist. „Chaosprinz“ ist eine typische Alltagsstory mit viel Drama, Herzschmerz, Romantik und Comedy. Das mag auf den ersten Blick langweilig erscheinen, entpuppt sich jedoch als sehr unterhaltsame und witzige Lektüre, die man gerne liest und die durchaus Spaß macht. Hin und wieder ziehen sich einige Passagen ein wenig, da Katja Kober ein Talent hat einige Szenen wirklich episch lang zu beschreiben und Tobias‘ Gedanken sehr ausführlich zu beschreiben. Das hat natürlich den Vorteil, dass man ihn sehr gut kennenlernt und sich wirklich gut in ihn hineinversetzen kann. Dennoch hätte man einige Passagen durchaus straffen können, denn 1.200 Seiten sind schon ein ordentlicher „Klöpper“, den man nicht an einem Tag liest.

Das liegt vor allem an den liebenswerten, lebendigen Charakteren, die Katja Kober erschaffen hat. Tobias ist ein herzensguter, manchmal etwas kindischer Chaot, den man schnell ins Herz schließt und dessen Geschichte man gerne mitverfolgt. Man kann sich sehr gut mit ihm identifizieren, bekommt immer seine Gedanken du Gefühle mit und teilt mit ihm gute, wie schlechte Momente. Auch die übrigen Figuren (und davon gibt es eine Menge) haben Hand und Fuß. Positiv ist, dass sich die Autorin nicht nur auf Tobi und Alex konzentriert, sondern nach und nach gut zwanzig Figuren einführt, die alle für den Fortlauf der Handlung wichtig sind. Seien es Tobias‘ Schulfreunde Elena, Lena und Martin, deren Probleme und Liebesleben ebenfalls in die Geschichte eingeflochten werden, oder die skurrile Patchwork Familie, die sich im Laufe der Zeit bildet und für eine gute Portion Dramatik und Action sorgen – es macht einfach Spaß sie beim Lesen kennenzulernen. Dabei bleiben die Figuren stets realistisch: Tobias‘ Schulfreunde haben die üblichen Probleme und Hobbies von Jugendlichen in dem Alter: Party, Liebe und Schule, während die Sorgen der Erwachsenen auf einer ganz anderen Ebene liegen.

Eine besondere Position nehmen dabei Tobias‘ schwule Freunde Manu und Marc ein, wobei gerade Letzterer schnell zu Tobias‘ schlechtem Gewissen, bestem Freund und Seelengefährten in einem mutiert, was mehr als einmal für witzige und amüsante Szenen sorgt. Auch er und sein Partner Manu haben im Laufe der Geschichte mit Problemen zu kämpfen, die man durch Tobias‘ Augen miterlebt.
Katja Kober hat einen sehr leichten, lockeren Stil, der wunderbar zur Geschichte und den Figuren passt. Der Roman ist in der ersten Person Präsens geschrieben, was nicht jedermanns Sache sein mag, doch schnell eine Bindung zu Tobias aufbaut, da alles aus seiner Sicht erzählt wird. Man lernt ihn dadurch sehr gut kennen, was nicht bedeutet, dass die Autorin ihre anderen Figuren vergisst. So zeigt sie immer wieder, dass die Perspektive und die Meinungswelt ihres Protagonisten nicht immer das einzig Wahre ist und andere Menschen dieselbe Situation anders bewerten können. Auf diesem Weg lernt nicht nur Tobi die Sichtweise und Gefühle der anderen Figuren kennen, sondern auch der Leser, was gerade den Charakteren eine unglaubliche Dreidimensionalität verhält. So glaubt man oftmals Tobias sei in der Position des Opfers, bis man die Hintergründe und Sichtweise seiner Freunde oder seiner Familie kennenlernt.

Neben der guten Charakterisierung hat Katja Kober ein Händchen für Humor und witzige Szenen. Mehr als einmal sorgt sie für Lacher und gerade die Comedy-Elemente (die zumeist auf Tobias‘ ungestüme und direkte Art zurückzuführen sind) machen „Chaosprinz“ so lesenswert. Es ist trotz seines Umfangs und allem Hin und Her zwischen Tobias und Alex unterhaltsam und amüsant. Es macht einfach Spaß und eignet sich perfekt für tristere Tage, in denen man sich nach lustiger Abwechslung sehnt.

Fazit:
Mit viel Witz, Charme und einem Haufen sympathischer Charakter gelingt Katja Kober ein schöner, lesenswerter Roman, in dem weder die Liebe, noch die vielen Probleme der handelnden Figuren zu kurz kommen. „Chaosprinz“ ist eine gelungene, mitreißende Soap Opera, in die man dank des liebenswerten Helden Tobias schnell eintauchen kann und dessen chaotisches Leben man sehr gern mitverfolgt. Wer romantische, witzige Bücher mag und vor dem Umfang von 1.200 Seiten nicht zurückschreckt, sollte einen Blick riskieren. Es lohnt sich.

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