[KURZROMAN] Der Flügelschlag eines Schmetterlings von Luke Colin

Autor: Luke Colin
Taschenbuch:  96 Seiten
ISBN: 978-3956811517
Preis: 2,99 EUR (eBook) / 5,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Corvin ist transgender, eine Tatsache, die seine Freunde verstehen, seine Mutter jedoch nur schwer nachvollziehen kann. Er bestreitet sein Leben, fest entschlossen sich nicht unterkriegen zu lassen. Dass er eines Tages in einer Nebenstraße zusammenbricht und im Krankenhaus wieder zu sich kommt, scheint der Beginn eine Reihe seltsamer Ereignisse zu sein, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Nicht nur Fotos und Freunde verschwinden, sein verstorbener Vater ist plötzlich wieder am Leben. Seine Erinnerungen passen nicht mehr zur Realität– irgendetwas geschieht und er kann kaum erfassen, was mit ihm los ist und was so plötzlich in seinem Leben schiefläuft …

Eigene Meinung:
Mit dem knapp 100-seitigen Kurzroman „Flügelschlag eines Schmetterkings“ legt Luke Colin sein Debüt vor. Das Büchlein erschein im April 2020 im Selfpublishing und erzählt die ungewöhnliche Geschichte eines farbigen Transgender-Jugendlichen, gespickt mit einigen fantastischen Elementen, die erst ganz am Ende Sinn ergeben.

Die Geschichte ist ungewöhnlich und verwirrend aufgebaut, da der Autor seinen Figur auf eine seltsame Reise schickt, bei der Realität und Traum immer mehr miteinander verschwimmen. Nicht nur Corvin verliert immer mehr den Überblick – Freunde sind da und plötzlich verschwunden, sein Vater taucht auf, nur um kurz darauf wieder aus seinem Leben verschwunden zu sein. Man muss am Ball bleiben, um die Handlung nachvollziehen zu können und die verschiedenen Änderungen im Blick zu behalten, zumal Corvin selbst nach und nach einige wichtige Eckdaten vergisst. Erst am Ende lüftet Luke Colin das Geheimnis und erklärt, was mit Corvin überhaupt passiert – eine gelungene Wendung, die alle Ereignisse in ein stimmiges Licht rückt. Bis es soweit ist, darf man nicht nur Corvins Selbstfindung als Transgender begleiten und miterleben, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat, auch die Tatsache, dass er farbig ist, bringt einige Probleme mit sich, denn Alltagsrassismus steht bei ihm und seiner Freundin an der Tagesordnung. Dieser Punkt ist allerdings nicht ganz so geschickt eingearbeitet, wie das Transgenderthema, sondern recht plakativ und direkt – es wirkt an einigen Stelle leider deplatziert und in der Form fast schon störend. Das ist nicht falsch zu verstehen – es werden einige wichtige Punkte hinsichtlich der Problemen von PoC angesprochen, aber diese in lange Monologe der Hauptfiguren zu packen, wirkt ein wenig gestelzt und ungünstig. Diese Dinge hätte man subtiler in die Geschichte einbauen können.

Die Figuren sind interessant und spannend in Szene gesetzt, insbesondere Corvin, der sich innerhalb der verwirrenden Ereignisse zurechtfinden muss. Man ist die meiste Zeit nah bei ihm, erlebt die Geschehnisse aus seiner Sicht und kann sich gut mit ihm identifizieren. Auch seine Freunde sind gut ausgearbeitet, auch wenn sie in einigen Szenen etwas statisch wirken, was an den lange Monologen zu einigen Themen liegt.

Stilistisch ist „Der Flügelschlag eines Schmetterlings“ gut gelungen – Luke Colin hat einen fesselnden, sehr angenehm lesbaren Stil. Man braucht ein wenig, um in die Handlung zu finden (was aber an den Ereignissen liegt), aber sobald man eingetaucht ist, fiebert man der Auflösung entgegen. Zwischendurch wirken einige Dialoge gestelzt, auch der Einsatz von Fachbegriffen, die man teilweise googeln muss, um sie zu verstehen, ist nicht förderlich, um die Geschichte in einem Zug zu lesen. So gut diese Dinge zeigen, dass sich der Autor auskennt und weiß wovon er als Transgender spricht, so stark holpern diese Passagen für den Leser. In einem erzählenden Buch sollte man die detailreiche, erklärende  Wortwahl zugunsten der Verständlichkeit anpassen, gerade wenn man Leser erreichen will, die sich noch nicht so intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Alternativ könnte man auch ein Glossar am Ende hinzufügen, in dem spezielle Begrifflichkeiten erklärt werden.

Fazit:
„Der Flügelschlag eines Schmetterlings“ ist trotz der kleineren Kritikpunkte ein gelungenes Buch, das besonders durch das überraschende Finale und die Aufklärung der Ereignisse überzeugen kann. Luke Colin legt ein beeindruckendes, fesselndes Debüt vor, das trotz der Schwächen überzeugen kann, insbesondere wenn es um die Gefühlswelten und die Probleme seines Protagonisten geht. Wer von den gängigen Transgender-Romanen abweichen will und etwas erfrischend Neues sucht, ist mit „Der Flügelschlag eines Schmetterlings“ richtig – zu empfehlen.

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