[ROMAN] Rowan & Ash von Christian Handel

Autor: Christian Handel
Hardcover:
416 Seiten
ISBN: 978-3764171056
Preis: 14,99 EUR (eBook) / 17,95 EUR (Hardcover)
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Story:
Seit seinem dritten Lebensjahr ist Rowan O’Brien der Kronprinzessin von Iriann versprochen, denn für seine Familie bedeutet eine Heirat die Rückkehr zu Macht und Königskrone. Für Rowan wird dies mit jedem Lebensjahr problematischer, denn so sehr er die Kronprinzessin als Freundin schätzt, sein Herz schlägt doch für jemand anderen – den Königssohn Ash, den er einen Sommerlang auf dem Festland Gwilen kennenlernt.
Als die beiden sich am Königshofe von Iriann wiedersehen, sind Probleme vorprogrammiert – nicht nur, weil Rowan weiß, was sein Pflicht ist, sondern auch weil das Schattenlabyrinth, der Quell der Magie des Landes, allmählich erwacht. Immer mehr Schattenkreaturen streifen durch das Land und verbreiten die tödliche Krankheit Hexenbrand. Erwacht die schwarze Hexe, die von den ehemaligen Herrschern dort eingesperrt wurde? Welche Geheimnisse bergen die ausgebrannten Ruinen?

Eigene Meinung:
„Rowan & Ash“ stammt aus der Feder Christian Handels, der bereits mehrere Kurzgeschichten und Romane mit queeren Figuren auf den Markt gebracht hat. Mit dem vorliegenden Jugendbuch wagt er sich an ein Fantasyjugendbuch mit schwulen Helden, etwas das in dieser Konstellation auf dem deutschen markt nur schwer zu finden ist.

Die Geschichte ist gut durchdacht und wartet mit einer soliden Grundidee auf, ist allerdings ein wenig unausgewogen, was die Spannungskurve anbelangt. So zieht sich gerade die erste Hälfte unnötig in die Länge, da vorwiegend Rowans Innenlebe und seine Probleme thematisiert werden – da Homosexualität in dieser Welt nicht akzeptiert, als eklig und schmutzig beschrieben wird, sieht Rowan keine Chancen darin, seine Gefühle für Ash jemals ausleben zu dürfen. Dass er die Familie wieder dem Königsthron näherbringen soll, indem er die Kronprinzessin heiratet, sorgt dafür, dass er für sich kaum Möglichkeiten sieht, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – er ist gefangen in Ehr- und Pflichtgefühl, dem Wunsch, seiner Familie gerecht zu werden und das beste für Iriann zu tun. Dementsprechend schwierig hat es Ash, sich Rowan zu nähern und an die gemeinsame Zeit auf dem Festland anzuknüpfen – was dem jungen Königssohn kaum möglich ist. Es dauert, bis die beiden sich näher kommen, nur um beim ersten größeren Konflikt wieder auseinander zu gehen. Erst dann kommt die eigentliche Hintergrundgeschichte um das Schattenlabyrinth wieder zum Tragen und lenkt die Geschichte in vollkommen andere Bahnen. So nimmt die Handlung im letzten Dritten spürbar an Fahrt auf, wird spannender und endlich erfährt man mehr über die eigentliche Geschichte der Schattenlabyrinths und der schwarze Königin. Es ist schade, dass der Autor sich so lange an Rowans Problemen aufgehalten hat, während das Schattenlabyrinth, der Hexenbrand und die Schattenkreaturen soviel Potenzial für mehr Action und Spannung gehabt hätten. Allgemein wirkt die Geschichte nicht gänzlich ausgewogen – 200 Seiten plätschert die Handlung vor sich hin, der Fokus liegt auf Rowans Innenleben, seinen Sorgen und Ängsten, 150 Seiten geht es um die Geheimnisse des Schattenlabyrinths. Das sind im Grunde zwei vollkommen unterschiedliche Handlungsansätze, die sich fast aneinander stören und kaum Berührungspunkte haben. Dass das Ende dann so abrupt kommt und all das, was Christian Handel seinem Helden an Problemen zugemutet hat, nicht aufgelöst wird, wirkt wie ein Schlag ins Gesicht, nachdem man sich so viele Seiten lang mit seinen Ängsten auseinandersetzen musste. Da wäre es besser gewesen, seine Homosexualität und seine Ängste vor einem Outing nicht so ausführlich zu thematisieren, wenn am Ende der Leser nichts davon erfährt. Einziger Pluspunkt – die Hintergründe der schwarzen Königin werden gut erklärt, die Probleme der Welt wirklich gut gelöst. Der Switch am Ende in diesem Punkt kann auf jeden Fall überzeugen.

Die Figuren bleiben recht blass und zweidimensional – ganz besonders Rowan ist kein starker, mutiger Held. Er bleibt lieber im Hintergrund, passt sich der Situation an und zieht den Kopf ein, wenn es Probleme gibt. Insgesamt ist er sehr durchschnittlich, fast schon langweilig, da er gefühlt keine Stärken und Schwächen besitzt. Auch Ash bleibt recht blass, man lernt ihn nur oberflächlich kennen. Das ist schade, da man sich dadurch auch nicht so wirklich auf die Liebesgeschichte der beiden einlassen kann – das Kribbeln zwischen den Zeilen fehlt. Die übrigen Figuren laufen den beiden Helden daher fast ein wenig den Rang ab, allen voran Raven, Rowans beste Freundin, die gerade im letzten Teil punkten kann. Auch Ashs Schwester ist eine spannende Figur, über die man gerne mehr erfahren hätte.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Christian Handel hat einen angenehmen, sehr leichten Schreibstil, der gut funktioniert, wenn es um das Innenleben seiner Figuren geht. Durch die Ich-Perspektive ist man immer nah bei Rowan, erfährt alles über ihn und kann seine Entscheidungen nachvollziehen. Auch die Beschreibungen sind gelungen, da der Autor einen sehr bildhaften Stil hat, er dafür sorgt, dass man gut in die Geschichte hineinfindet. Etwas schwerer fällt es, sich die Fantasy-Welt wirklich vorzustellen- sie bleibt wie die Figuren recht blass, da sie nicht lebendig und authentisch wirkt. Man hat einfach nicht das Gefühl in Iriann zu sein.

Fazit:
„Rowan & Ash“ ist ein Buch, das man nur schwer bewerten kann, da es viele Stärken und Schwächen hat und sich nicht recht entscheiden kann, ob es eine Liebesgeschichte voller Probleme erzählen will, oder ein fantastisches Abenteuer voller Geheimnisse. Nichtsdestotrotz kann der Roman überzeugen – gerade im letzten Drittel, wenn die Geheimnisse des Schattenlabyrinths enthüllt werden. Wer neugierig geworden ist, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren, denn Christian Handels queeres Jugendbuch ist in gewisser Weise ein Novum auf dem deutschen Markt, ist es doch eines der ersten Fantasy-Coming-Out Bücher von einem größeren Verlag. Am besten reinschauen und selbst entscheiden.

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