[Charakterinterview] Theresa und Olympia aus “Glasseelen”

Hallo ihr Lieben,

für den heutigen Beitrag zur Buch-WM habe ich ein besonderes Charakterinterview für euch in petto, denn beim heutigen Battle sind die Figuren aus „Glasseelen“ dran. Während Tanja sich auf Camilla und Nathanael/den Sandmann konzentriert, wollte ich unbedingt Theresa interviewen, die die meiste Zeit zu kurz kommt und der ich schon immer ein paar Fragen stellen wollte.

Also habe ich sie spontan angeschrieben und sie gebeten, mir via Chat einige Fragen zu beantworten – ein direktes Interview ist ja grad nicht drin (sie lebt vorwiegend in den Berliner Unterwelten, ich mehrere 100 Kilometer entfernt in Wiesbaden, von Corona mal abgesehen, da sind Reisen momentan sowieso nicht drin). Natürlich ist auch Olympia dabei, denn die beiden kann man wahrlich nicht voneinander trennen (zwei Seelen in einem mechanischen Körper), daher kommt ihr den Genuss sowohl Theresa als auch Olympia näher kennen zu lernen.

Viel Spaß

Juliane: Hallo ihr Beiden
Zunächst einmal vielen Dank, dass ihr Zeit gefunden habt, euch meinen Fragen zu stellen. Da wir das Ganze klassisch angehen, bitte ich euch zunächst um eine kurze Vorstellung.

Theresa: Hallo Juliane,
Eine Vorstellung? Klar, gerne, aber ich weiß nicht, ob die so kurz wird, wie Du es Dir erhoffst. Letztlich endet die Vorstellung ja nicht mit mir, sondern ich muss auch die “alte” Frau vorstellen, in deren Körper ich festsitze.
*Aua*
Olympia fährt nicht gerade auf die Bezeichnung alte Frau ab, das lässt sie mich immer spüren. Allerdings sollte sie doch endlich mal kapieren, dass ich das nicht so ernst meine, schließlich teile ich Gedanken und Gefühle mit ihr

Manchmal ist das voll ätzend.

Sie findet das Interview auch nicht so cool, einfach weil es zu viele Hinweise auf uns und unser Heim, eigentlich alles was wir sind, geben würde. Aber ich denke mal, dass das, was ich hier schreibe, ohnehin die wenigsten Leute glauben werden.

Also, wer WIR sind, wolltest Du wissen. Ganz einfach. Olympia ist ein Uhrwerkmensch, der immer eine Seele als “Batterie” braucht. Klingt schräg, nicht? Hintergrund dazu ist allerdings, dass sie, als sie gebaut wurde, schlicht nicht mehr tun konnte als herumsitzen und nett aussehen. Wenn man ihr Uhrwerk aufgezogen hat, konnte sie sich bewegen, sich drehen, tanzen, etwas hölzern Lächeln und so. Stellt sie euch wie die Vaucasson-Ente vor. Eine schöne Mechanik, die Anfang des 19. Jahrhinderts der Knaller war. Aber dabei ist es nicht geblieben. Sie sollte besser werden …

Okay, sie erhebt gerade Einspruch. Sie bekam ganz schnell eine Seele, damit konnte sie sich beinah menschlich verhalten und hatte auch alle Erinnerungen und Gefühle ihrer Spenderin. Und nun kommt der eklige Teil: Ihr wurden die menschlichen Augen der gerade sterbenden Frau, die die entweichende Seele aufgenommen hatten, eingesetzt. Das war der Anfang der Olympia.

Ich habe so ein bisschen Einblick in ihre Historie, auch wenn sie es nicht gerne mag, allerdings bin ich die x-te Seele, die diesen Körper antreibt. Und von jeder Frau, die Olympias Körper bewegt hat, ist immer noch ein Splitter der Persönlichkeit vorhanden.

Gruselig, oder?

Juliane: Ja, das ist wirklich etwas gruselig, aber auch sehr interessant. Da wir direkt in Olympias Vergangenheit starten, geht meine nächste Frage an sie – wer war diese sterbende Frau? Wer oder was war die erste Seele, die in Olympia … hm … eingepflanzt wurde? Hat sie daran noch Erinnerungen?

Theresa: Ich muss wieder aufschreiben, mit dem Smartphone steht sie auf Kriegsfuß. Aber sie diktiert es mir:

Einen schönen guten Abend meine liebe Juliane, ich kann mich sehr wohl noch an die erste Seele erinnern, denn ich wurde nach ihrem Vorbild geschaffen. Diese Dame hieß Clara und sie würde dem heutigen Bild einer jungen Frau ganz sicher nicht mehr entsprechen. Was willst Du über sie wissen?

Juliane: Uff, eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten – wie gemein. Naja, wusste sie, dass sie in die weiterleben wird und war sie damit einverstanden? Hatte sie da Mitspracherecht oder ist sie einfach in deinem Körper aufgewacht und musste das so akzeptieren?

Theresa: Du hast Sie mit der Richtung der Fragen überrumpelt, Juliane. Olympia ist dahingehend etwas dünnnerviger, denn das war der Anfang von all dem, was seine Ausläufer in das gegenwärtige Berlin getragen hat, auch den Serienmörder “Sandmann”

Okay, sie will doch wieder übernehmen. Wahrscheinlich hat sie Schiss, dass ich die ganze Geschichte zu sehr ausschmücke.

Olympia meint, ich soll es kurz und bündig halten: die gute Clara ist von ihrem Verlobten ermordet worden.

Juliane: Oh mein Gott, das heißt, sie war noch recht jung … die nächste Frage ist jetzt ziemlich heftig, aber ich muss sie einfach stellen – Theresa, wenn es zu viel ist, musst du nicht antworten. Wie war das bei dir? Also … direkt gefragt, wie war … dein Tod?

Theresa: Mein Tod … anders, eklig und ich habe die klarste Erinnerung an den Bullen, der mich eingefangen hat, als ich abhauen wollte. Das war der eklige Sack, der Camillas und meine Aussage auch aufgenommen hat. Da fand ich ihn schon erschreckend, denn er hat irgendetwas mit meinem Kopf gemacht, hat mich in meinem Körper so bedrängt, dass ich gar keinen Platz mehr darin hatte. Und ab da war ich mir auch sicher, dass er gefährlich ist. Ich hatte sowas von recht … Er mag vielleicht nicht der Sandmann selbst sein, aber er treibt seine Opfer zu ihm, unter die Erde, in die Tunnel und dann … Ich erinnere mich noch an den irrsinnigen Schmerz, als das Monster mir die Augen nahm. Dann hat es in meinem Kopf einen Kurzschluss gegeben und alles war aus.

Umso verwirrender war es, unterdrückt, in einem rasselnden und klappernden Körper geboren und von Olympia aufgefangen zu werden. Auch wenn ich es ungern zugeben will, aber es ist auch manchmal schön nicht allein zu sein und zu wissen, dass viele Seelen über mich wachen. Heute würde ich leichteres Spiel mit diesem mörderischen Duo haben. Aber diese Entscheidung wurde mir schon abgenommen. Darüber kann und will ich aber nicht reden, denn es betrifft letzten Endes nicht mehr nur mich als Person, sondern viele.

Juliane: Dann will ich an dieser Stelle nicht zu sehr nicht bohren, gerade wenn es euch beiden an die Essenz geht. Kommen wir wieder auf euch beide zurück – ich hab den Eindruck, dass das zwischen euch anders ist, als bisher. Oder irre ich mich da? Wie formuliere ich das? Den bisherigen Antworten entnehme ich, dass die bisherigen Seelen von Olympia assimiliert wurden (?) – Theresa erscheint mir aber noch sie selbst zu sein, so dass ihr quasi zu zweit in einem Körper seid. Stimmt das?

Theresa: Ich bin nur sturer als die anderen. Da waren einige ziemlich heftige Frauen drunter, aber oft auch solche sanften Seelchen, die von einer über 200 Jahre alten Persönlichkeit wie Olympia schlicht gefressen wurden und das gemacht haben, was sie am besten können, sich klein und in die hinterste Ecke verzogen, um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Ich bin da ein bisschen anders. Weich und nachgiebig bei meiner Camilla, aber ey – wenn mir sonst einer quer kommt, der hängt mir schnell quer unter der Nase. Aber deswegen haben Olympia und ich auch ziemlich oft Stress miteinander.

Juliane: Sprich du hast dich erfolgreich dagegen zur Wehr gesetzt, von ihr vereinnahmt zu werden. Klingt spannend, aber auch anstrengend. Hast du keine Angst, dass das irgendwann doch einmal passiert und du von Olympia “verschlungen” wirst oder habt ihr dahingehend so etwas wie ein Abkommen geschlossen, fortan zusammen in einem Körper zu leben?

Olympia:
Abkommen kann man das nicht nennen, denn viele Sachen streiten Theresa und ich immerfort aufs Neue aus. Es beginnt bei Kleinigkeiten im Haus – meinem Haus. Sie ermüdet schnell bei den Arbeiten, die ein solches Gebäude nun einmal in Anspruch nehmen, dafür verlangt sie von mir, dass wir uns möglichst oft draußen aufhalten, weil sie dann – wie sie es bei anderen, nicht bei sich nennt – auf ihrem Telefoncomputer herummdaddeln kann. Sie hegt einen inneren, beständigen Widerstand gegen unser Zuhause. Es hängt fraglos daran, dass es sich unter der Stadt befindet, in der Dunkelheit und der Ruhe. Ruhe hasst sie. Sobald sie an der Oberwelt ist, will sie Musik hören – das was sie Musik nennt. Ich kenne den Lärm unterdessen. Ebenso nimmt sie diese eigenartigen Feste wahr, in denen sie sich unbedingt wie ein mittelalterliches Burgfräulein kleiden möchte und krampfhaft versucht die Vergangenheit zu ergreifen. Amelie, meine alte Gefährtin seit langer Zeit unterstützt sie dabei immerwährend. Ich lasse ihr diesen Spaß, glücklicherweise findet solch eine Narretei nur ein bis zweimal im Jahr statt und Amelie hat sich als weitaus bessere Autofahrerin erwiesen als Theresa.

Juliane: Das klingt eigentlich lustig, wenn ich ehrlich bin. Außerdem kann ich Theresa verstehen – ich bin auch gerne auf Mittelaltermärkten unterwegs. Sei einfach ein bisschen offener, Olympia – du wirst sehen, das macht ziemlich viel Spaß. Und wer weiß, vielleicht nähert ihr euch an und irgendwann gibt es keine täglichen Grabenkriege mehr. Wie sieht es denn an der Liebesfront aus? Sowas wollen die Leser*innen meines Blogs immer wissen. Könnt ihr euch arrangieren? Theresa mag ja Frauen, bei Olympia fehlen mir dahingehend gerade die Informationen …

Olympia: Das ist ein Thema, bei dem ich mich prinzipiell enthalte und lieber Theresa antworten lasse, denn ich kann mir solche flüchtigen Gefühle nicht leisten …

Theresa: Cool, sie lässt mir die Bühne

Liebesfreud und Liebesleid – das hatte ich alles, seit ich hier in Berlin und in dem Monster-Lost-Place Ancienne Cologne gestrandet bin. Camilla hatte ich ja leider immer nur sporadisch für mich, ganz gleich wie, sie hat für mich immer mehr als Freundin oder Schwester gefühlt, auch wenn wir immer mal wieder über die Grenzen hinaus gegangen sind. Aber ich habe sie schon als Kind von Herzen geliebt und umso schlimmer war es, als ich hier unten, in einem Körper geendet bin, der keine körperlichen Empfindungen hat und die Kraft von einer Hebebühne besitzt. Eingeschlossen in Olympia, die mich zu Anfang wirklich klein gehalten hat … Ey, was denn, stimmt doch, oder verträgst du öffentliche Kritik nicht mehr?

– Bitte –

Na also! Wo war ich? Ach ja, als ich in ihr wiedergeboren wurde, hatte sich Camilla schon viel zu sehr dem Christoph genähert. Eigentlich ein lieber Typ, manchmal zu sanft für sie und ich glaube, ich würd‘ gut mit ihm klar kommen, denn wir haben viele gemeinsame Interessen, aber ich bin immer noch nicht ganz mit ihm warm, denn … Ach, Scheiß Eifersucht!

Andererseits gibt es da noch Amelie, ebenfalls eine Uhrwerkfrau, nur echt modern und mit tollen Ansichten, richtig gut drauf und einfach lieb. Sie sieht leider aus wie Olympia. Sehr hübsch, aber wenn wir zusammen unterwegs sind, hält man uns für eineiige Zwillinge. Das macht es natürlich schwer. Wenn Olympia mir die Möglichkeit gibt, verbringe ich alle freie Zeit mit Amelie und ich muss sagen, mit ihr zu reden, das öffnet mein Herz. Ich würde sagen, ja, ich mag sie verdammt gerne.

Juliane: Das stelle ich mir sehr schwierig vor – ich hoffe sehr, dass das mit Amelie klappt. Ist sie denn Frauen gegenüber offen eingestellt? Wenn ja würde mich das freuen, auch wenn ihr natürlich eine Menge Probleme zu bewältigen habt – beide seid ihr Maschinenfrauen und dann seid ihr euch optisch auch noch so ähnlich. Ich drücke euch auf jeden Fall die Daumen.

Theresa: Amelie ist allem gegenüber ziemlich offen, Wenn ihr was nicht passt, macht sie dicht und redet nicht mehr, aber das passiert sehr selten. Und ja, Du hast recht, wir haben sicher noch viele Probleme vor uns. Aber weißt Du was? Nächstes Frühjahr fahren wir auf ein Steampunk-Festival – das geht rund drei Tage und da ich weiß, dass Olympia sich in der Außenwelt gern zurückzieht, haben wir viel Zeit für uns und kommen uns vielleicht etwas näher.

Ey, Steampunk, das ist doch wie für uns beiden gemacht. Wir sind da bestimmt der Kracher

Juliane: Das stimmt – ihr wärd der Hingucker, insofern ihr zeigen würdet, wer ihr wirklich seid. Das wäre auf jeden Fall eine Schlagzeile wert. Dann würden sie garantiert glauben, dass das, was du mir erzählt hast stimmt.

Aber hey, das ist nicht zufällig der Aethercircus in Buxtehude, oder?

Theresa: Klar ist das der Aethercircus. Warum fragst Du?

Juliane: Da bin ich mit meiner Frau auch Hey, das wäre ja cool – dann könnten wir uns ja auch mal live treffen und direkt miteinander reden. Vielleicht kann man dann ja das Interview ein wenig erweitern, insbesondere im Hinblick auf Amelie 😉

Theresa: Aber klar – bin sofort dabei

Juliane: Sehr cool – dann melde ich mich auf jeden Fall nächstes Jahr nochmal. Bis dahin bedanke ich mich für das Interview und die sehr persönlichen Eindrücke – es hat mir viel Spaß gemacht. Ich wünsche euch beiden alles Gute und hoffe, ihr findet ein wenig zueinander.

Theresa: Wen meinst Du, Olympia und mich, oder eher Amelie und mich?

Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, und vor allem, dass Du mir meine Geschichte auch wirklich glaubst, denn hey – es gibt nicht viele, die so offen sind


Ich hoffe, der kurze Einblick in die Hintergründe von “Glasseelen” hat euch gefallen und ihr habt Lust, mehr über Theresa, Olympia und natürlich all die anderen Figuren zu erfahren, die in der Geschichte eine Rolle spielen. Wenn ihr Tanja bei ihrem letzten Battle unterstützen wollt, dann gebt ihr euer Stimmchen in der Facebookgruppe “Buch-WM 2020: Die Battlearena” – ihr wisst ja, jede Stimme zählt.

Viele Grüße,

Juliane

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