[ROMAN] Ein halber Sommer von Maike Stein

Autorin: Maike Stein
Hardcover:  272 Seiten
ISBN: 978-3789110511
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 19,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Berlin im Sommer 1961 – die Grenze zwischen Ost und West ist nicht mehr als eine weiße Linie und Grenzübergänge sind kein Problem. Für Marie und Ecki eine Erleichterung, pendeln sie doch oft in den Westen – Ecki um mit anderen Jungs Fußball zu spielen, Marie, um auf ihn aufzupassen. Als sie zufällig auf die junge Lennie trifft, hat auch Marie einen triftigen Grund regelmäßig nach Westberlin zu fahren, denn die beiden verbindet schnell mehr als Freundschaft. Doch die unbeschwerten Treffen sind bald vorbei, als kurze Zeit später die Grenze geschlossen und die Mauer gebaut wird. Für beide Mädchen eine Katastrophe, die letztendlich nur eine Möglichkeit lässt: Marie muss nach Westberlin fliehen, wenn sie zusammenbleiben wollen …

Eigene Meinung:
„Ein halber Sommer“ ist ein neuer lesbischer Roman aus der Feder Maike Steins, die bereits das Jugendbuch „Wir sind unsichtbar“ im Oetinger Verlag veröffentlicht hat. In ihrem neuen Roman entführt sie die Leser*innen in einen Teil der deutschen Geschichte – dem Mauerbau und die damit einhergehenden Probleme. Der Roman erschien als Hardcover im Sommer 2019.

Die Geschichte spielt während einer spannenden Epoche der jüngeren deutschen Vergangenheit und bietet einen tollen Einstieg ins Thema Mauerbau und Leben während der deutschen Teilung. Maike Stein entführt die Leser*innen in ein geteiltes Berlin, das zu Beginn nur wenige Probleme für die Bewohner darstellt, können sie doch im Frühsommer 1961 noch ungehindert zwischen Ost und West pendeln. Auch Marie und Lennie haben keine Probleme – sie können sich kennenlernen, ineinander verlieben und sich regelmäßig treffen. Der Leser ist stets dabei, allerdings springt gerade am Anfang der Funke nicht über – insbesondere was die ersten Treffen der Mädchen anbelangt. Alles geht wahnsinnig schnell. An welchem Punkt sich die beiden ineinander verlieben, ist nur schwer zu benennen und auch sonst kann man nicht so recht nachvollziehen, was die beiden füreinander empfinden. Das macht es auch etwas schwierig, die folgende Handlung nachzuvollziehen, denn Marie ist sofort bereit, alles zu versuchen, um bei Lennie zu sein und umgekehrt – obwohl man nicht den Eindruck hat, die beiden würden sich wirklich kennen. Es wirkt irgendwie ein wenig aufgesetzt, als müsste es diese Liebe geben, damit die Handlung fortschreiten kann. Vielleicht liegt es daran, dass man als Leser*in nicht nah genug an den Figuren ist und sich nur schwer mit ihnen identifizieren kann.
Auch die Handlung um den Mauerbau und die Teilung von Ost und West kann den Leser nur teilweise erreichen. Sicherlich sind einige Sachen gut dargestellt und umschrieben, aber einiges bleibt leider auf der Strecke. Gerade zum Ende hin hat man den Eindruck, alles wirkt ein wenig überstürzt und übereilt, zumal etliche Dinge offen bleiben, die man vielleicht in einem Epilog hätte aufklären können.

Die Figuren sind durchaus authentisch und realistisch in Szene gesetzt – gerade Marie mit ihrem starken Berliner Akzent und ihrem Traum die Welt zu bereisen und frei zu sein. Auch Lennie kann durchaus überzeugen, gerade mit ihrem Wunsch, mehr über ihren verschollenen Vater zu erfahren (was leider insgesamt zu kurz kommt) oder ihrem Traum Uhrmacherin zu werden. Nichtsdestotrotz bleiben den Leser*innen die beiden Mädchen fremd, ihre Geschichte geht nicht so stark unter die Haut, wie es hätte sein können. Sie bleiben verhältnismäßig blass, gerade wenn es um ihre Gefühlswelten geht.
Auch die Nebenfiguren kommen teils ein wenig kurz. Sie passen zwar gut zur Geschichte und den beiden Mädchen – gerade Ecki und Lennies Mutter spielen eine größere Rolle, aber auch sie kommen dem Leser nur bedingt nahe. Das ist schade, da man kaum eine Verbindung zu den Haupt- und Nebenfiguren aufbauen kann.

Stilistisch kann Maike Stein leider nur bedingt überzeugen – gerade der Beginn des Buches ist sehr verworren und von den Beschreibungen her holprig. Das liegt vor allem an den teils verschachtelten Sätzen und den nicht gänzlich stimmigen Beschreibungen. So hat man einige Probleme, ins Buch eintauchen zu können. Auch die Beziehung von Marie und Lennie bleibt gefühlsmäßig auf der Strecke, da es der Autorin nicht immer gelingt, die Empfindungen der beiden zu beschreiben und dem Leser näher zu bringen. Man lernt zwar Lennie und Marie kennen, da sich die Perspektiven abwechseln, aber es gelingt Marie Stein nicht, zu berühren. Das ist schade, denn die Geschichte hätte Potenzial für mehr gehabt. Wenigstens wurde aus dem Coming-Out der Mädchen kein allzu großes Drama gemacht – zwar sind sowohl Lennies Mutter als auch Maries Familie nicht begeistert von der Beziehung der Mädchen, sie übertreiben es jedoch nicht mit ihren Aktionen.

Fazit:
„Ein halber Sommer“ ist ein thematisch interessantes Jugendbuch, das eine bisher nahezu unbeachtete Zeit der deutschen Geschichte aufgreift und mit der aufkeimenden Liebesgeschichte zweier Mädchen kombiniert. Leider springt der Funke bei der Liebesgeschichte zwischen Marie und Lennie nicht ganz über, zudem bereitet der etwas verworrene Schreibstil hin und wieder Probleme, die Handlung nachzuvollziehen und richtig in die Geschichte einzutauchen. Schade – hier hätte man mehr aus der Grundidee machen können. Nichtsdestotrotz sollte man einen Blick riskieren, wenn man nach Jugendbüchern sucht, die in dieser Zeit spielen oder ein lesbisches Pärchen in den Mittelpunkt stellen. Am besten reinlesen und selbst entscheiden.

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