[CHARAKTERINTERVIEW] Morgana und Caleb aus “Narbenmond”

Ich heiße euch zum Charakterinterview mit Morgana und Caleb herzlich Willkommen. Mehr durch Zufall landete ich in der Welt von “Narbenmond” und hatte die Gelegenheit mit der Priesterin und der Leibwächterin zu sprechen und ihnen das ein oder andere Geheimnis zu entlocken. Wie immer gilt: Das Interview liest man am besten erst, wenn man den Roman gelesen hat – leichte Spoiler lassen sich nicht vermeiden, da das Gespräch mit den beiden nach den Ereignissen des Buches stattfindet. Ich wünsche euch viel Spaß 🙂

Ein entspannender Spaziergang im Wald, was kann es für eine gestresste Bloggerin schöneres geben? Kein Lärm, keine Termine, nicht einmal mehr ein ständig klingelndes Handy. Einfach nur alleine mit sich und den eigenen Gedanken. Es ist still. Hier und da Zwitschern Vögel, der Wind rauscht in den Blättern und die Bäume … scheinen sich ihrem Gegenüber rüberzubeugen und mit ihren Astkronen einen Weg zu bilden. Seltsam. Warum sind die Bäume so gewachsen? Neugierig geworden folgt Juliane dem Weg und bereut bereits, dass Handy zu Hause gelassen zu haben. Der Weg mitten im Wald wäre ein tolles Fotomotiv. Statt ihn für ihre Frau oder die Nachwelt festzuhalten, geht sie weiter.

Zu ihrer Überraschung mündet der von Baumkronen überdachte Weg bei einer hölzernen Tür. Wieso steht eine Tür mitten im Wald? Ob das irgendein Kunstprojekt ist? Mutig geworden drückt sie die Klinke, geht hindurch und … hat für einen Moment das Gefühl, als würde sich alles um sich herum drehen. Auf der anderen Seite der Tür geht der Wald nicht wie erwartet weiter. Stattdessen ist sie in einem runden Raum, in dessen Mitte eine Tafel mit neun Plätzen steht.

Zwei Personen blicken auf, als sie eintritt. Eine von ihnen trägt ein mittelalterlich anmutendes tiefrotes Kleid. Die Frau schenkt der verwirrten Bloggerin ein freundliches Lächeln. »Lady Juliane, wir erwarteten Eure Ankunft. Bitte setzte Euch.«

»Ist das jene, deren Ankunft dir die Göttin im Traum vorhersagte?« Die zweite Person trägt eine schlichte lederne Rüstung. Ein blutrotes Tuch bedeckt die untere Hälfte des Gesichts und zweifarbige Augen mustern die Bloggerin kritisch.

»So ist es. Bitte verzeiht, Lady Juliane, ich vergaß uns vorzustellen. Mein Name ist Morgana und dies ist meine Gemahlin Caleb.« Bei dem überraschten Blick ihrer Frau vertieft sich ihr Lächeln. »Wir können ehrlich zu der Fremden sein, Liebste. Vor ihr müssen wir dein wahres Geschlecht nicht verbergen. Sie ist eine Freundin und kann uns alles fragen, was ihr beliebt.«

Juliane sieht sich neugierig um und betrachtet die beiden Frauen. Zum Glück ist das nicht ihre erste Reise in eine andere Welt, um Fragen zu stellen, daher kann sie sich schnell darauf einstellen.

»Es freut mich hier zu sein, auch wenn ich gar nicht damit gerechnet habe.« Sie zückt Block und Stift. »Zum Glück gehe ich nie ohne Notizbuch aus dem Haus. Zunächst möchte ich aber gerne wissen, wo ich gelandet bin? In welche Welt hat es mich gerade verschlagen?«

Morgana: »In unserer Welt, die vom Sonnengott und der Mondgöttin beschützt wird, gibt es viele Länder. So wie jenes der Südner oder das östliche Wüstenreich. Doch Ihr seid im Waldland, dass von König Richard und seiner Gemahlin Königin Gwendolyn regiert wird. Es ist ein Land voll der namensgebenden Wälder. Den Menschen geht es gut hier bei uns. Nur wenige leiden Hunger. Wer tüchtig ist, der kann viel erreichen.«

Neben ihr nickt Caleb zustimmend. »Streng genommen befindet ihr Euch sogar im Schloss von König Richard. Hier im Eichensaal versammelt sich sonst nur die königliche Garde.« Dabei mustern ihre zweifarbigen Augen die Fremde.

Juliane: »Verstehe – dann weiß ich jetzt, wo ich gelandet bin. Es freut mich hier sein zu dürfen. Ist es in Ordnung, dass ich im Eichensaal bin? Dieser ist doch eigentlich nur den Mitgliedern der Garde vorbehalten, oder?«

Morgana: »Auch König Richard ist nur ein Diener der Götter und da die Göttin Euren Besuch vorhersagt, lassen wir dies eine Ausnahme sein.«

Caleb tastet nach dem Stil der Holzfälleraxt, die neben ihr am Tisch lehnt. »Es würde Euch auch nicht bekommen, dieses Privileg für Schaden zu nutzen. Es ist meine Aufgabe König Richard zu beschützen.«

Juliane lächelt unsicher, und rückt lieber ein wenig von Caleb ab. »Es liegt mir fern, irgendetwas zu unternehmen – solange ihr mich später wieder in meine Welt zurückbringt. Apropos Welt – diese hier ist ganz anders als meine – wie ist es für euch, in diesem Land zu leben? Wenn ich mich recht entsinne, ist es nicht einfach als Frau Gehör zu finden oder gar gleichberechtigt neben einem Mann zu stehen.«

Morgana lächelte sanft. »Freunden von uns geschieht kein Leid.« Dann jedoch wird sie ernster. »Es ist nicht leicht, als Frau in unserer Welt. Als ich als Heilerin des Königs an den Hof kam, gab es scheußliche Gerüchte, ich sei seine Mätresse. Meine vorherige Stellung als oberste Tempeldienerin untersagte eine Vermählung und am Hofe wurde ich dazu gedrängt.«

»Frauen sind Mütter, Dienstmädchen, Heilerinnen … ihre Rollen sind begrenzt«, stimmt Caleb zu. Jetzt erst zieht sie das rote Tuch von ihrem Gesicht. Brandnarben sind an ihrem Hals zu sehen. Fragend sieht sie zu Morgana und spricht weiter, als diese aufmunternd nickt. »Ich wurde als Findelkind von einem Holzfäller gefunden. Das ist keine Welt für eine Frau oder gar ein Mädchen. Deswegen wurde ich als Junge aufgezogen. Gleich ob bei den Holzfällern oder später in der königlichen Armee, eine Enttarnung bedeutet für mich den Tod. Eine Frau, die in der Lage ist eine Axt zu führen … Männer tun so, als sei dies ein göttlicher Frevel.«

Juliane nickt. »Den Eindruck hatte ich auch, als ich davon gelesen habe. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ihr wisst, dass eure Geschichte niedergeschrieben wurde, von einer Autorin meiner Welt.« Sie betrachtet die beiden Frauen. »Es ist schon ein hartes Los, wenn man nicht zeigen kann, wer man ist und was man alles kann. Habt ihr vor, das irgendwann mit König Richards Hilfe zu ändern? Im Süden haben Frauen ja einen ganz anderen Stand. Könnte man so etwas nicht im Waldland etablieren?«

»Unsere Geschichte wurde niedergeschrieben?«, fragt Morgana überrascht nach und lacht dann auf. »Es muss wie ein Märchen klingen. Die Heilerin, die sich in die Leibwächterin des Königs verliebt.« Sie legt eine Hand auf Calebs Arm. »Frauenrechte … das ist ein Wort, dass wir nicht kennen. Aber wir beide, wir haben wahrhaft Glück.«

»So ist es.« Caleb löst den Griff von der Axt und ihre Haltung entspannt sich spürbar. »Wir haben eine Familie gefunden.« Bei ihr klingt es, als werde dieses Glück nur sehr wenigen Menschen zu teil. »Menschen, die uns so zu schätzen wissen, wie wir sind.« Dann senkt sie den Blick und es scheint als würde sie ein klein wenig erröten. »Märchenhaft … das ist es«, stimmt sie ein wenig verlegen zu. »Die Wege der Götter sind wahrhaft unergründlich«, fügt sie dann wieder lauter hinzu. »Aber unsere Geschichte niederschreiben … ziemlich frevelhaft.«

»Ich kann versichern, das Buch ist sehr märchenhaft und hat viele Leserinnen und Leser gefunden. Ich könnte euch ansonsten gar keine Fragen stellen.« Juliane überlegt. »Ja, ihr habt wirklich Glück – ihr habt eine Familie gefunden und könnt euch glücklich schätzen. Nur, was ist mit den Frauen, die dieses Glück nicht haben. Ihr könntet mit der Zeit viel verändern. Auch in unserer Welt brauchte es mutige Frauen, die für unsere Rechte eingetreten sind.«

»Wir sollen die Welt verändern?« Morgana scheint nicht so Recht zu wissen, was sie von dieser Idee halten soll.

Neben ihr grinst Caleb. »Wer sollte das tun, wenn nicht die königliche Garde? Königin Gwendolyn und du, Morgana, ihr seid sicher gute Vorbilder für kleine Mädchen.« Sie tätschelt den Griff der Axt. »Trotzdem sollte niemand erfahren, dass dein Gemahl eine Frau ist. Ich bin kein Vorbild.«

Juliane runzelt die Stirn. »Also ich fände es gut, wenn ihr eure Position nutzt, um die Dinge nach und nach zu ändern. Dafür muss man ja nicht alle Karten auf den Tisch legen, aber Stück um Stück, kann man sicher etwas bewegen.« Sie sieht zu Caleb. »Und warum solltest du kein Vorbild sein? Es gibt gewiss Frauen, die gerne kämpfen und sich beweisen wollen.«

»Ich stimme Lady Juliane zu. Du bist ein Vorbild, Liebste, auf deine eigene Art und Weise.«

»Selbst die engsten Freunde belügen zu müssen, ist wenig vorbildlich. Unter einer starken Frau stellen sich nicht viele eine Holzfällerin vor.« Sie bemerkt Morganas strengen Blick und tätschelt versöhnlich ihre Hand. »Sieh mich nicht so an, wir werden beides unser Bestes tun, damit Frauen nicht auf ewig in der Rolle als Mutter oder Küchenmädchen feststecken.« Worte, die sie mit einem Handkuss besiegelt und ihre Frau damit in Verlegenheit bringt.

»Das freut mich zu hören – vielleicht gibt es bald eine weitere Geschichte, die besagte Autorin von euch erzählen kann. Ich habe ja auch mitbekommen, dass ihr nicht die einzigen seid, die eine geheime Liebe leben – auch hier gibt es Pärchen, die nach außen hin nicht zeigen dürfen, was sie empfinden.«

»Ihr sprecht von Kommandant Arturo und Master Aureno, nicht wahr? Ich fürchte die beiden haben es noch schwerer als wir. Alle Welt glaubt, dass Caleb ein Mann sei. Wenn wir zusammen sind, sehen sie keinen Frevel, aber bei zwei Männern … Sie müssen immerzu auf der Hut sein.«

»Wenn diese seltsame Frau auch darüber schreibt, dann bekommt sie mit Sicherheit Arturos Breitschwert zu spüren«, gibt Caleb schmunzelnd zu bedenken. »Ich würde mich nicht mit dem Kommandanten der königlichen Armee anlegen.«

»Da dieses Buch hier nicht erhältlich ist, müsst ihr euch keine Gedanken machen, Caleb. In unserer Welt ist man gegenüber zwei Männern etwas offener eingestellt, auch wenn auch diese mitunter gegen viele Vorurteile zu kämpfen haben. Aber sie könnten sich ähnlich offen zeigen, wie Mann und Frau.« Juliane notiert sich einige Stichpunkte, dann sieht sie die beiden an. »Was gibt es ansonsten über euch zu erzählen. Ihr habt ja eine Menge erlebt und viele Geheimnisse aufgedeckt. Welche Neuigkeiten gibt es aus eurem Leben?«

»Es wäre schön, wenn es bei uns irgendwann einmal ähnlich ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Angst der Wille unserer Göttereltern ist. Liebe ist etwas wunderbares, etwas, dass gefeiert werden muss, statt sich ihrer zu fürchten.«

»Viele halten sie geheim und wer es nicht tut, der büßt dafür«, stimmt Caleb ernst zu. »Ich kenne zwei Soldatenanwärter, die einander sehr zugetan sind. Wenn jemand das erführe …« Sie schüttelt den Kopf, als wolle sie es vergessen. »Neuigkeiten? Wir leben unser Leben, schützen den König und sehen unser Kind aufwachsen. Es mag ungewöhnlich sein, dass ich mich als Mann ausgebe und dass wir beide König Richard dienen, aber eigentlich … führen wir ein ganz normales Leben. Gleich wie ungewöhnlich es einst begann.«

»Das ist schön. Ich denke, ihr habt euch nach all den Abenteuern ein wenig Ruhe verdient.« Juliane überlegt, was sie noch fragen könnte. »Wie geht es denn der restlichen königlichen Garde?«

»Alle sind wohlauf. Es überrascht mich immerzu wie ihre Leben sich in den letzten Jahren veränderte. Seit ich sie hier in diesem Raum das erste Mal traf, ist sehr vieles passiert. Zu Beginn warb Merkan um mich, ich hielt Tarik für einen Langfinger und ich wurde aus der Freundschaft von Arturo und Aureno nicht so Recht schlau.« Sie lächelte bei der Erinnerung leicht. »Einige von uns brechen bald mit Königin Gwendolyn zu den weißen Quellen auf. Dort findet ein Ritual zu Ehren der Göttin statt, bevor wir weiterreisen und ihren jüngeren Bruder im östlichen Wüstenreich treffen. Sie ist sehr besorgt um ihn.«

»Wüsten«, schnaubt Caleb neben ihr verächtlich. »Wenn ihr in unserer Welt etwas sehen wollt, so geht in die Wälder. Wenn ihr so weit von jeglichen Städten entfernt seid, dass ihr glaubt, alleine auf der Welt zu sein. Wenn es nur das Rauschen der Blätter und die Lieder der Holzfäller gibt. Das ist wahres Leben.«

Juliane sieht mit leuchtenden Augen zu Morgana. »Das klingt nach einem neuen Abenteuer – eine Reise in die Wüstenreiche? Ward ihr schon einmal dort, oder werdet ihr zum ersten Mal dorthin reisen?« Ihr Blick wandert zu Caleb. »Dort wird es keine Bäume geben. Das muss für dich eine ziemliche Umstellung sein.«

»Keiner von uns war jemals dort, außer natürlich Königin Gwendolyn. Es ist ihre Heimat. Sie kam in dieses Land, um den ihr damals fremden Richard zu heiraten. Aber ich fürchte sie ist sehr besorgt um ihren jüngeren Bruder, Prinz Kayran. Er ist sehr kränklich und verließ in seinem Leben noch niemals den Palast. Vielleicht vermögen wir es ihn ein wenig aufzumuntern.«

»Wenn er wahrhaftig Gwendolyns Bruder ist, dann werden wir uns auf einige Überraschungen bereit machen müssen. Mich würde es nicht einmal verwundern, wenn er heimlich davon läuft.« Caleb grinste Juliane an. »Das würde ich auch in einem Land voller Sand und ohne Bäume tun.«

Juliane lächelt und steht auf. »Das scheint ein weiteres Abenteuer für euch zu werden – ich wünsche euch für eure Reise alles erdenklich gute. Kommt gut wieder zurück. Ich hoffe, ihr habt bald ein wenig mehr über die Wüstenreiche zu erzählen.« Sie packt ihre Notizen ein und sieht sich noch einmal im Eichensaal um. »So langsam sollte ich mich auf den Heimweg machen – ich glaube, meine Frau wird sich fragen, wo ich geblieben bin.« Sie zwinkert den beiden zu.

Morgana ist im ersten Moment überrascht, lächelte dann jedoch. »So richtete Eurer Gemahlin unsere Grüße aus. Und wenn Ihr erneut in unsere Welt kommt, dann zeigen wir sie Euch. Das Schloss und die Königsstadt, den See, an dem wir uns kennenlernten und die tiefsten Wälder. Alles, was unsere Welt so wunderbar macht.«

Caleb erhebt sich und verneigt sich vor der Frau aus einer fremden Welt. »Wir werden auch weiterhin kämpfen. Gehabt Euch wohl, Lady Juliane. Mögen die Götter immer auf eurer Seite sein.«

»Ich danke euch – und freue mich schon auf unser Wiedersehen. Ich hoffe, dass ich dann mehr vom Schloss sehen kann und Gelegenheit habe, all die wunderbaren Menschen kennenzulernen, die euch beiden etwas bedeuten.«

Juliane geht zurück durch die Tür und erneut scheint sich für einen Moment die Welt um sie herum zu drehen. Als sie zurückblickt, ist die Tür im Wald verschwunden. Ob das alles nur ein Produkt ihrer Fantasie war? Doch um ihren Stift ist ein tiefrotes Tuch gebunden. Es duftet schwach nach Kräutern. Ob dies ein Abschiedsgeschenk von der Heilerin und der königlichen Leibwächterin ist?


Natürlich habt auch ihr die Möglichkeit den beiden oder einer anderen Figur aus “Narbenmond” bzw. dem Spinoff “Das Schicksal einer Sternschnuppe” eure Fragen zu stellen – traut euch und schickt eure Fragen an Koriko@gmx.de – ich leite sie entsprechend weiter. Alle, die sich bereits jetzt daran beteiligen, nehmen automatisch am Gewinnspiel teil, das am Samstag startet und bei dem es tolle Gewinnpakete von Serena C. Evans zu gewinnen gibt. Wir sind gespannt auf eure Fragen 🙂

1 thought on “[CHARAKTERINTERVIEW] Morgana und Caleb aus “Narbenmond””

  1. Hallo und guten Tag,

    Danke für den Einblick in den Roman.
    Gerne schon mal eine Frage abgeschickt…bin gespannt auf die mögliche Antwort.

    LG..Karin..

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