[SACHBUCH] Bus 57 von Dashka Slater 


Autor: Dashka Slater 
Hardcover: 400 Seiten
ISBN: 978-3743203631
Preis: 14,99 EUR (eBook) | 18,95 EUR (Hardcover)
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Inhalt:
Im November 2013 steckt der 16-jährige, afroamerikanische Teenager Richard mitten im Bus 57 in Oakland den Rock einer/eines genderqueeren Gleichaltrigen in Brand. Sasha erleidet Verbrennungen zweiten und dritten Grades und kann nur durch das beherzte Eingreifen zweier Passagiere gerettet werden. Der Vorfall, der folgende Prozess gegen Richard und Sashas Krankengeschichte geht durch die Presse und schlägt hohe Wellen. Auch die Journalistin Dashka Slater bearbeitete den Fall für die New York Times und verfasste einen längeren Artikel, bevor sie ihre Recherchen vertiefte und mehr über die Hintergründe in Erfahrung brachte. Sie bilden die Grundlage für „Bus 57“.

Eigene Meinung:
Das vorliegende Jugendbuch „Bus 57“ erschien erstmals 2015 in den USA und beleuchtet die Ereignisse rund um den Vorfall im November 2013 in Oakland. „Bus 57“ ist weder ein klassisches Sachbuch, noch ein klassischer Roman, sondern eine Mischung aus beidem – zum einen stützt es sich auf Polizeiberichte und Gerichtsackten, Interviews und Expertenmeinungen, zum anderen behält die Autorin eine persönliche Note bei, ohne jemand wertend zu sein.

Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Im ersten Teil beschäftigt sich die Autorin mit Sasha, ihrem/seinen Coming-Out, Leben und den Besonderheiten, die Sasha ausmachen. Dabei geht sie sehr detailliert auf die verschiedenen Facetten queeren Lebens ein, liefert Begriffserklärungen und gibt einen guten Überblick, was genderqueer bedeutet. Zudem zeigt die Autorin, wie Sasha aufgewachsen ist und aus welchem Viertel ihre/seine Familie stammt. Der zweite Teil stellt Richard in den Mittelpunkt, seinen Freundeskreis, seine Familie und was es heißt aus einem weniger gut situierten Viertel von Oakland zu kommen. Auch hier hat die Autorin gut recherchiert, lässt Familie und Freunde zu Wort kommen und zeigt, dass Richard mehr ist, als ein gewissenloser Täter. Im dritten Teil des Buches geht es um das Feuer an sich – die schreckliche Tat, die das Leben zweier Jugendlicher für immer verändert. Es wird aufgezeigt, was Sasha im Nachgang alles durchmachen muss (im Krankenhaus, aber auch privat), ebenso beleuchtet dieser Teil die Festnahme Richards und die ersten Vernehmungen, die dafür sorgten, dass Richards Verbrechen von der Staatsanwaltschaft als Hate Crime eingestuft wurden. Im vierten und letzten Teil beleuchtet die Autorin den Prozess in all seinen Etappen und nimmt besonderen Bezug auf die Besonderheiten des amerikanischen Strafrechts gegenüber Jugendlichen, die in besonderen Fällen als Erwachsene angeklagt werden können, aber auch auf die Strafvollzugsanstalten des Landes.

Stilistisch besticht „Bus 57“ durch eine absolut genderneutrale Umsetzung – ein absolutes Novum auf dem deutschen Jugendbuchmarkt. Das betrifft nicht nur die männlichen und weiblichen Begrifflichkeiten, getrennt durch Sternchen (z.B. Schüler*innen, Autor*innen, etc.), sondern auch ein passendes Pronomen für Sasha. In diesem Zusammenhang wurde bei der Übersetzung des Buches mit Sasha und der Autorin ein passendes genderneutrales Pronomen generiert (im englischen wird they verwendet, im deutschen hat man sich für sier entschieden). Das ist zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch man findet schnell hinein und versteht sehr gut, warum es notwendig war, bei Sasha auf klar männliche oder weibliche Pronomen zu verzichten. Dashka Slater begegnet der queeren Thematik mit einer Form des Respekts und bietet einen gut recherchierten Einstieg in die Thematik. Doch nicht nur die queeren Themen werden sehr intensiv und schlüssig dargestellt – auch die andere Seite rund um Richard, seiner Vergangenheit und der Prozess an sich wird sehr gut vermittelt. Als Leser begreift man, dass das amerikanische Justizsystem gegenüber Afroamerikanern und „Nicht-Weißen“ deutlich ungerechter arbeitet und in diesem Zusammenhang viel getan werden müsste. Die Autorin bringt entsprechende Statistiken, Berichte und Kommentare bei, die diesen Eindruck untermauern.

Positiv ist, dass die Autorin auf jegliche persönliche Meinung und Färbung verzichtet und die Ereignisse vollkommen neutral wiedergibt – so sorgt sie dafür, dass man sich selbst Gedanken machen muss und gibt dem Leser nicht eine bestimmte Meinung vor (in einem Sachbuch ist das ganz besonders wichtig).

Fazit:
Insgesamt ist Dashka Slater ein eindringliches Buch gelungen, das dem Leser zu Herzen geht, tief bewegt und zum Nachdenken anregt. Man begreift die Tat vielleicht nicht, findet auch keine Entschuldigung für das, was Richard getan hat, doch man lernt ihn als Täter besser kennen und versteht, dass ihn sein Umfeld zu dem gemacht hat, was er ist. Parallel dazu erfährt man eine Menge über Sasha, die queere Bewegung und wie wichtig Toleranz und Respekt im alltäglichen Umfeld ist. „Bus 57“ kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und für Respekt und Toleranz zu kämpfen. Für Jugendliche (gerade als Schullektüre), aber auch für Erwachsene sehr zu empfehlen. Ein absolutes Must-Read.

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