[ROMAN] Glitzernde Nächte von Julia E. Dietz

Autor: Julia E. Dietz
Softcover:  300 Seiten
ISBN: 978-3863616786
Preis: 13,99 EUR (eBook) / 15,90 EUR (Softcover)
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Story:
Timos Leben als schwuler Teenager in einer Kleinstadt ist nicht leicht, insbesondere da er seinen konservativen und strengen Eltern nur schwer gerecht wird. Einzig sein bester Freunde Sebastian ist für ihn da und jemand, mit dem er über alles reden kann. Das ändert sich als Lennart aus Berlin in das kleine Städtchen kommt und Timos Leben gehörig auf den Kopf stellt. Die beiden beginnen trotz oder gerade wegen des Prüfungsstresses und ihren alltäglichen Problemen eine Affäre miteinander, die zunächst rein sexuell ist – bis Timo sich wirklich verliebt und damit Lennart ungewollt von sich stößt, da dieser gar kein Interesse an einer Beziehung hat …

Eigene Meinung:
„Glitzernde Nächte“ ist das Debüt von Julia E. Dietz und erschien in der „Junge Liebe“-Reihe des Himmelstürmer Verlags. Die Geschichte um Timo und Lennart ist in der heutigen Zeit angesiedelt und passt vom Genre her in den Young Adult Bereich. Der Roman ist vergleichbar mit „Jetzt sind wir jung“ von Julian Mars.

Die Geschichte umfasst ungefähr ein Jahr im Leben der Jugendlichen Time und Lennart, die beide ihr Päckchen zu tragen haben – Timo leidet unter seinem strengen Vater, der genaue Pläne hat, was die Zukunft seines Sohnes betrifft und für offene Gespräche weniger zu haben ist; Lennart hat nach einigen Drogenexzessen, die ihn schlussendlich auch ins Krankenhaus brachten, von seiner Mutter eine letzte Chance erhalten, um sich zu fangen und seine Schule zu beenden. Beide sind bis zu einem gewissen Grad gebrochen, müssen mit sich und ihrer Sexualität klarkommen und haben gegen Wiederstände zu kämpfen, um einen Platz im Leben zu finden. Julia E. Dietz greift verschiedene Probleme Jugendlicher auf und verknüpft sie zu einem authentischen Bild der heutigen Jugend – Drogen, Prüfungsstress, Angst vor der Zukunft, erste Liebe und natürlich die sexuellen Erfahrungen, die Timo als junger Schwuler in entsprechenden Clubs und mit One Night Stands sammelt. Dabei geht es hin und wieder alles andere als kitschig oder sonderlich liebevoll zur Sache, sondern oftmals schmutzig und direkt. So gibt es etliche explizite Szenen (jedoch ohne, dass die Autorin diese künstlich aufbläht und über mehrere Seiten ausdehnt), auch in den Dialogen sind die Jungs sehr direkt und nennen die Dinge beim Namen. Wer romantische Gay Romance Romane oder die lockeren, amerikanischen LGBT-Jugendbücher gewöhnt ist, der wird mit „Glitzernde Nächte“ nicht unbedingt etwas anfangen können, da das Buch anders, weil wesentlich direkter, ist.

Die Figuren wirken sehr authentisch und sind gut nachvollziehbar in Szene gesetzt. Timos Probleme sind stets logisch und wirken ins sich schlüssig, ebenso seine Handlungen und Reaktionen. Manchmal ist er ein wenig zu inaktiv, doch die Autorin bringt glaubhaft rüber, warum sich Timo so verhält. Für Lennart braucht man mehr Zeit, denn er ist gerade am Anfang schwerer zu greifen – man erfährt erst zum Ende der Geschichte, was ihm in Berlin wiederfahren ist und wo seine eigentlichen Probleme liegen. Nichtsdestotrotz fehlt den beiden manchmal ein wenig die Tiefe, ganz besonders allerdings Sebastian, der die Rolle als sympathischer, verständnisvoller Freund zwar perfekt ausfüllt, über den man jedoch relativ wenig erfährt (außer, dass er jedes Mädchen um den Finger wickelt, was ihm über den Weg läuft). Auch die übrigen Charaktere kommen mitunter ein wenig kurz – die Mitschüler in Timos und Lennarts Klasse, Lennarts Arbeitskollegin Nina und mitunter auch Timos Eltern.

Stilistisch legt Julia E. Dietz ein beeindruckendes Debüt vor, das vor allem durch eine direkte, unverblümte Sprache besticht. Sie bewegt sich fernab der üblichen Gay Romance Bahnen, da sie zwar eine Liebesgeschichte einbaut, diese jedoch weder kitschig, noch sonderlich romantisch umgesetzt sind, sondern vielmehr sehr realistisch und authentisch. Ein wenig verwirrend ist die Tatsache, dass sie für Timos Perspektive die Ich-Perspektive gewählt hat, während sie Lennarts Part aus der 3. Person heraus erzählt. Das sorgt dafür, dass man bei einem Wechseln hin und wieder ins Stolpern gerät. Zudem haben sich gerade bei Lennart Perspektivfehler eingeschlichen (Sprung zu einer anderen Person), die beim Lesen verwirren. Ansonsten gibt es wenig zu bemängeln, Dialoge und Beschreibungen sind gelungen – die Autorin findet das passende Maß, schreibt nicht zu viel und nicht zu wenig und beherrscht auf jeden Fall ihr Handwerk.

Fazit:
„Glitzernde Nächte“ ist ein gelungener Young Adult Roman, der aufgrund der expliziten Szenen nicht ganz als Coming-of-Age Jugendbuch durchgeht und eher für erwachsener Leser geeignet ist. Julia E. Dietz hat ein Händchen für authentische, realistische Charaktere, scheut sich nicht vor schmutzigen Szenen und nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht die Probleme der heutigen Jugend anzusprechen. Die Geschichte ist gut geschrieben, kommt gänzlich ohne Kitsch und Glitzer aus und ist härterer Toback als so manch andere Bücher dieses Genres – was nicht negativ auszulegen ist. Wer nach Büchern sucht, die nicht ins romantische Gay Romance Genre passen oder durchaus auch härter und schmutziger sind, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

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