[ZITATE-FREITAG] Unter einem Banner

Hallo ihr Lieben,

der letzte Zitate-Freitag ist eine gefühlte Ewigkeit her, Zeit endlich mal wieder ein Buch auf diesem Weg vorzustellen. Dieses Mal habe ich “Unter einem Banner” ausgesucht – aus mehreren Gründen. Zum einen ist das Buch wirklich fantastisch – ich habe mich schon lange nicht mehr so intensiv in eine Geschichte reingedacht und mit den Helden mitgefiebert, zum anderen hat die Autorin Elea Brandt mit diesem Buch bei den Literarischen Winterspielen in der Kategorie “Wortkunstlauf” den ersten Platz belegt (Gratulation noch einmal an dieser Stelle). Wenn das kein Grund ist, auf diesem Blog ein paar Zitate aus “Unter einem Banner” zu präsentieren, die zeigen, wie gut die Autorin ihr Handwerk beherrscht und die euch hoffentlich neugierig machen.

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meine Rezension

Scharlachrot leuchtete der Himmel über ihnen. Knisternde Flammensäulen stoben über den Zelten empor. Schwarzer Rauch füllte die Luft, es regnete Asche. Ein Schwarm aus bogenförmigen Lichtern ging von den nahen Berghängen hernieder. Wunderschön – und tödlich. Die Pfeile schlugen in die Zeltdecken ein, setzten das Leinen in Brand oder verloschen zischend im Schnee. Schreie erklangen. Gebrüllte Befehle. Waffenklirren.

Für einen Moment stand Reykan da wie gelähmt. Er starrte reglos auf das grausige Schauspiel, das sich ihm bot. Unmöglich. Die Späher hatten die Umgebung abgesucht und keine Anzeichen für skaratischen Soldaten entdeckt! Wie konnten …?

“Unter einem Banner”, S. 42 (c) Elea Brandt

»Reykan von Torat.« Der Bass des Königs hallte eindrucksvoll durch den Saal. »Eure Verdienste im Krieg gegen Skarat und vor allem bei der Belagerung Notias sind nicht in Vergessenheit geraten. Trotz der unangenehmen Niederlage ist Uns bewusst, welch großen Beitrag Ihr und Eure Männer bei der Eroberung der skaratischen Minen und bei der Verteidigung Unseres Lagers geleistet habt. Deswegen ernennen Wir Euch Kraft Unseres Amtes zum neuen Hauptmann der serinischen Königswache.«

Reykan stand da wie angewurzelt, als habe er gerade einen Schlag ins Gesicht bekommen. Seine Gedanken rasten. Hauptmann der Königswache. Hier, in Arlis, mitten im Zentrum der Unruhen, an der Seite jenes Mannes, der seine Kameraden bei Notia in den Tod geschickt hatte.

»Majestät«, stammelte er hilflos, »ich … ich fühle mich sehr geehrt, aber … Ich kann diese Aufgabe unmöglich annehmen.«

“Unter einem Banner”, S. 92 (c) Elea Brandt

Renards knochige Finger schlangen sich mit erstaunlicher Kraft um Reykans Handgelenk. Dieser beugte sich nach vorne. »Benrik«, wisperte der König. »Ihr müsst … meinen Sohn …«

Reykan nickte. Renards Blick durchbohrte ihn wie ein Messerstich, zwang ihn, ihm standzuhalten.

»Beschützt … meinen Sohn.« Ein Zittern überlief seinen Körper, rasselnd rang er nach Luft. »Ihr müsst … Schwört es mir. Bitte …«

Reykan senkte den Blick. Sein Schwur hatte ihm nichts als Leid beschert, alles in ihm sträubte sich, dem König dieses letzte Versprechen zu geben. Doch würde er damit leben können, einem Todgeweihten seinen Wunsch zu verweigern? Reykan kannte die Antwort.

»Sorgt Euch nicht, Hoheit«, flüsterte er mit bebender Stimme. »Ich finde Euren Sohn und ich werde ihn mit meinem Leben beschützen. Ich schwöre es Euch.« Die Worte schmeckten schal, klangen falsch und erzwungen. So, als wären es nicht die seinen. Ein vertrautes Gefühl.

“Unter einem Banner”, S. 122-123 (c) Elea Brandt

»Ich dachte, sie wären weg«, knurrte Reykan, »ich …«

»Ihr dachtet?« Benrik schnaubte. »Überlasst das Denken besser denen, die was davon verstehen, und erledigt Eure Aufgabe, verdammt noch mal! Was, wenn der Nalfa zurückgekommen wäre?«

»Ist er aber nicht«, brummte Reykan. Er hasste das bohrende Gefühl, dass Benrik recht hatte. Er hätte nicht wegdösen dürfen. Nicht in so einer Situation. Es hatte nur ihre Vorräte erwischt statt einen von ihnen, doch das war fatal genug. »Es war nur ein Erdkriecher, und …«

»Was wir eher unserem Glück verdanken als Eurer Weitsicht«, unterbrach ihn Benrik zornig. »Es hätte genauso gut etwas Schlimmeres sein können.« Er schnaubte. »Ein fantastischer Leibwächter seid Ihr.«

»Passt doch«, knurrte Reykan und spie seinen Frust aus. »Ein nutzloser Leibwächter und ein nutzloser König. Ich schätze, wir verdienen einander.«

“Unter einem Banner”, S. 193 (c) Elea Brandt

Reykan schluckte. Die grauen Augen des Prinzen fesselten ihn und das Feuer, das darin loderte, raubte ihm schier den Atem. Wie wildes Sturmmeer, dessen Sog ihn nicht mehr losließ. Benrik verstärkte den Druck auf Reykans Brust, kam ihm noch näher und eroberte im nächsten Moment seine Lippen.

Gleißende Hitze schoss durch Reykans Körper, ein Beben erfasste ihn von den Zehenspitzen bis zum Haaransatz. Benrik drängte sich gegen ihn, forderte ihn auf, den Kuss zu erwidern. Zögerlich öffnete Reykan die Lippen und der Prinz nahm die Einladung ungestüm an. Seine Hand vergrub sich in Reykans Haar, zog ihn zu sich und hielt ihn fest. Benrik stöhnte leise unter dem Kuss, verstärkte für einen kurzen Moment seinen Griff und ließ Reykan dann langsam los.

Als sie sich voneinander lösten, schnappte Reykan erst einmal nach Luft. Sein ganzer Körper schien zu vibrieren, seine Lippen brannten und er spürte sehr genau, wohin sein Blut gerade floss. »Was verdammt noch mal war das?«

Benrik lachte hell. Seine Wangen waren gerötet und der begehrliche Ausdruck in seinen Augen ließ Reykan auf angenehme Weise schaudern. »Ich denke, gemeinhin nennt man es ›Kuss‹.«

“Unter einem Banner”, S. 225 (c) Elea Brandt

Benrik lächelte müde und wischte sich die letzten Tränen aus den Augen. »Du hast recht«, murmelte er ernst. »Aber ich möchte trotzdem eines klarstellen. Du schuldest mir nichts – und meinem Vater ebenso wenig. Diesen Konflikt hat er allein zu verantworten, und als sein Fleisch und Blut werde ich ihn schultern müssen. Du hast keine Verpflichtung dazu. Ich bin nicht wie mein Vater. Ich werde niemanden zwingen, meine Fehler auszubaden.«

Reykan schluckte. Ein leiser Schauer kroch seinen Rücken hinunter. Die Bestimmtheit in Benriks Worten beeindruckte ihn und er war erstaunt, wie viel Ruhe und Erhabenheit dieser Mann ausstrahlen konnte, wenn er es wollte.

Entschieden schüttelte Reykan den Kopf und legte Benrik mit leichtem Druck die Hand auf die Schulter. »Ich weiß das zu schätzen«, erwiderte er ernst, »aber ich bin nicht so weit mit dir gegangen, um jetzt umzukehren. Wenn du Harrenstein die Stirn bietest, dann stehe ich an deiner Seite. Aus Überzeugung. Nicht aus Zwang.«

Benrik lächelte schief. »Du kennst mich kaum. Woher willst du wissen, dass aus mir ein anständiger König wird?«

»Das weiß ich nicht«, gab Reykan zurück, »aber ich setze große Hoffnungen in dich.«

“Unter einem Banner”, S. 267-268 (c) Elea Brandt

Reykan seufzte und wandte sich zu Benrik um. Er lächelte dünn. »Glaub mir, du bist nicht der Einzige, dem es so geht. Ich wollte mich nie wieder in die Politik einmischen, nach allem, was in Notia passiert ist – und jetzt tue ich genau das.«

Benrik pustete eine Haarsträhne aus seinem Gesicht. Mit ernster Miene musterte er Reykan. »Ich weiß zu schätzen, dass du das für mich tust. Wirklich. Aber Andrika …« Er lehnte sich gegen das schmiedeeiserne Geländer und ballte die Hände zur Faust. »Verdammt, sie ist alles für mich! Mag sein, dass Cardon sie nicht mit Absicht verletzt hat, aber er hat es trotzdem getan. Wie soll ich diesem Kerl jetzt noch vertrauen?«

»So ist eben Politik.« Reykan lächelte bitter. »Manchmal muss man ertragen, was man nicht ändern kann.«

»Und wenn ich es nicht ertragen will?«

“Unter einem Banner”, S. 335-336 (c) Elea Brandt

»Ich weiß«, zischte Benrik. »Was soll ich denn tun? Erwartet Ihr von mir, dass ich Reykan opfere? Dass ich ihn seinem Schicksal überlasse?«

»Ich erwarte, dass Ihr eine vernünftige Entscheidung trefft«, grollte Cardon. »Er ist nur ein einzelner Mann, doch Ihr habt Hunderten ein Versprechen gegeben.«

»Ich verdanke ihm mein Leben«, erwiderte Benrik. »Ich werde ihn nicht einfach aufgeben!«

»Ihr seid ein Narr«, knurrte Cardon. »Ihr gebt unser Bündnis und Eure Krone auf, nur wegen dieses einen Soldaten? Mir ist egal, was Ihr in ihm seht, aber das ist Irrsinn!«

»Und wenn schon«, blaffte Benrik zurück. »Lieber lebe ich mit der Schmach, den Krieg verloren zu haben, als mit Reykans Blut an meinen Händen. Geht jetzt. Meine Entscheidung ist getroffen.«

“Unter einem Banner”, S. 417 (c) Elea Brandt

Jetzt hoffe ich, dass ihr dem Buch zeitnah eine Chance gebt und es demnächst ebenfalls in den Händen haltet. Solltet ihr mehr über die Autorin erfahren wollen, haltet in den nächsten Tagen die Augen offen – es steht noch ein Interview mit Elea Brandt auf dem Programm – seid gespannt 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

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