[ROMAN] Lavender House von Lev AC Rosen

Autor*in: Lev AC Rosen
Übersetzer*in: Jeannette Bauroth
Hardcover: 320 Seiten
ISBN: 978-3989060913
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 25,00 EUR (Hardcover)
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Story:
Nachdem seine Homosexualität bekannt geworden ist, wird Evander Mills unehrenhaft aus dem Polizeidienst verlassen und verliert zudem auch noch seine Wohnung, denn in San Francisco der 50er Jahre ist das Ausleben gleichgeschlechtlicher Liebe nur im Verborgenen möglich. Bevor er seinem Leben ein Ende setzen kann, wird er von einer Frau beauftragt die Todesumstände von Irene Lamontaine zu untersuchen, der zurückgezogen lebenden Matriarchin eines bekannten Seifenimperiums. Schnell wird Andy klar, warum er ermitteln soll – in dem Haushalt leben viele gleichgeschlechtliche Paare, versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit. Und schnell wird klar, dass es sich bei Irenes Tod um einen Mord handelt und der Täter nur im engsten Familienumfeld gesucht muss kann …

Eigene Meinung:
Mit „Lavender House“ erschien im Sommer 2025 der erste Band der Cosy Crime-Reihe „Evander Mills“ von Lev AC Rosen in Deutschland. Der New Yorker Autor ist durch den Jugendroman „Camp – Queerfeldein führt auch ein Weg“ bekannt geworden, der wie die Geschichten um Evander Mills ebenfalls im Second Chance Verlag erschienen ist. Der zweite Band der Krimi-Reihe „The Bell in the Fog“ soll im Sommer 2026 in deutscher Sprache erscheinen, die weiteren Bände dürften ebenfalls in Planung sein.

Die Geschichte spielt mitten in der McCarthy Ära, in der die USA stark durch die politisch motivierte Verfolgung von Kommunisten und Homosexuellen geprägt war. Dementsprechend gefährlich leben homosexuelle Menschen – sie werden beschimpft, unterdrückt, erpresst und verprügelt, ohne dass es Aussicht auf Schutz und Unterstützung gibt. In dieser Zeit siedelt der Autor seine Geschichten rund um den ehemaligen Polizisten Evander Mills an, dessen Homosexualität auffliegt, als es zu einer Razzia in einer Bar kommt. Fortan ist sowohl seine Karriere als auch sein gesellschaftliches Leben vorbei, denn kaum jemand ist bereit ihm auch nur ein Zimmer zu vermieten und seine ehemaligen Kollegen sind scheinbar überall. Dennoch nimmt er den Auftrag einer Frau an, die sich selbst als Witwe der Inhaberin eines großen Seifenimperiums bezeichnet und ermittelt fortan mit stark beschränkten Mitteln, denn sein Name steht nahezu überall auf der Schwarzen Liste.
Die Geschichte entwickelt sich insgesamt recht langsam, auch der Fall scheint sich eher stockend vor den Leser*innen zu entfalten, weswegen man ein wenig Geduld mitbringen muss, wenn man in Andys ersten Fall eintauchen will. Dass dies jedoch keineswegs unrealistisch ist, wird deutlich, wenn man die Geschichte mit dem historischen Kontext in Zusammenhang setzt – Andy hat nach seiner Entlassung und der Zerstörung seines Rufs nur wenig Mittel und Möglichkeiten, intensiv zu ermitteln. Kontakte wollen nicht mehr mit ihm sprechen und er kommt nur schwer an offizielle Informationen heran. Ihm sind weitestgehend die Hände gebunden, weswegen der Fokus seiner Ermittlungen auf den Gesprächen mit der Familie liegt. Erst nach und nach kommt er dem Täter auf die Spur und kann der Familie die Hintergründe zu dem Tod der Matriarchin präsentieren. In diesem Punkt ist der Roman spannend und logisch aufgebaut, auch wenn man schon frühzeitig weiß, wer für den Mord verantwortlich ist.

Die Figuren sind gut gezeichnet und haben alle ihre Ecken und Kanten. Der Hauptcharakter Andy ist schwul, hat sich bisher eher durchs Leben gemogelt und wenig Gedanken an die Menschen verschwendet, die wir er sind und von seinen Kollegen festgesetzt werden. Erst als er selbst betroffen ist, beginnt er umzudenken und sich selbst mehr für die queere Gemeinschaft einzusetzen, die im Verborgenen lebt. Die Familie um Irene Lamontaine ist bunt und divers – angefangen bei einem schwulen Sohm, dessen Liebhaber ebenfalls im großen Anwesen lebt, über die lesbische Schwiegertochter, die einer Scheinehe zugestimmt hat, aber mit einer bekannten Barbesitzerin zusammen ist, bis hin zu queeren Hausangestellten, die von der abgelegenen Villa und dem offenherzigen Umgang der Familie profitieren. Es ist ein winziger Mikrokosmos, der auf den ersten Blick perfekt wirkt, aber viele Probleme mit sich bringt. Lev AC Rosen gelingt es den verschiedenen Figuren ein Profil zu geben und sie überzeugend in Szene zu setzen.

Stilistisch legt der Autor ein solides, gut geschriebenes Werk vor, dass durch stimmige Dialoge und ein gutes Zeitkolorit besticht. Man fühlt sich ins San Francisco der 50er Jahre versetzt und erlebt die Geschichte durch Andys Augen, der nach und nach eine neue Richtung in seinem Leben finden muss. Seine Selbstfindung ist ein großer Teil der Geschichten, neben dem Lösen des Kriminalfalls und der Überführung des Täters. Ein wenig irritierend ist die Verwendung des Begriffes „queer“, der zeitlich nicht passend erscheint, was aber im Nachwort des Übersetzers erklärt wird. Lev AC Rosen legt besonderen Wert auf die Entwicklung der Figuren, den verschiedenen Stimmen und Motiven der Figuren und der Geheimnisse, die viele von ihnen verbergen. Wer auf der Suche nach Action, Schießereien und Verfolgungsjagden ist, wird hier nicht fündig – „Lavender House“ ist wesentlich ruhiger und bedächtiger. Man darf gespannt sein, wie die Reihe fortgeführt wird und welchen Fall Andy als nächstes bearbeiten darf.

Fazit:
„Lavender House“ ist ein gelungener Auftakt der Cosy Crime-Reihe „Evander Mills“, der durch einen spannenden Kriminalfall, sympathische authentische Figuren und ein gutes, realistisches Zeitkolorit der amerikanischen 50er Jahre besticht. Lev AC Rosen legt einen fesselnden Roman vor, der durch eine Mischung aus Spannung, Drama und dunklen Geheimnissen besticht. Wer historische Krimis mit queeren Figuren mag und wen es nicht stört, dass es keinerlei romantische Verstrickungen gibt, der sollte einen Blick riskieren.

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