[ROMAN] Duell der Prinzen von C.S. Pacat


Autor: C.S Pacat
Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN: 978-3-641-15522-3
Preis: 9,99 EUR (ebook)
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Rezension zum englischen Original (5 Sterne)

Story:
Um einen Krieg zwischen den verfeindeten Ländern Vere und Akielos zu verhindern, ist Damen, hinter dem sich eigentlich Prinz Damanios von Akielos verbirgt, gezwungen mit Laurent, dem Thronfolger des Landes Vere zusammenzuarbeiten. Gemeinsam werden sie von Laurents Onkel an die südliche Grenze geschickt, um das Land gegen Eindringlinge zu verteidigen. Damen wird schnell klar, dass der gegenwärtige Regent in keiner Weise das Wohl seines Neffen im Sinn hat. Alles deutet darauf hin, dass Laurent auf dem Weg in den Süden getötet werden soll, was dem nahenden Krieg neue Nahrung geben würde. Während Laurent alle Hände voll zu tun hat, die Intrigen seines Onkels abzuwehren und sich auf seine Art der Unterstützung der Nachbarländer zu versichern, versuchte Damen aus den Männern, die Laurents Heer begleiten, eine funktionierende Einheit zu machen. Inmitten der harten Kämpfe, komplexen Intrigen und detaillierten Planungen kommen sich die beiden Prinzen unweigerlich näher. Aus Respekt wird Freundschaft und letztendlich kann sich Damen der Anziehungskraft Laurents nicht mehr verwehren …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Duell der Prinzen“ erschien Anfang 2016 der zweite Band der Erfolgsreihe „Captive Prince“ von C.S. Pacat – dieses Mal jedoch nur als eBook. Leider scheint der dritte Roman, der noch am Ende des Buches mit dem Titel „Rückkehr des Prinzen“ angekündigt wurde, nicht mehr als Einzelband zu erscheinen. Stattdessen wurde ein Sammelband, der alle drei Bücher enthalten soll für den Januar 2017 von Heyne angekündigt.

„Duell der Prinzen“ setzt dort an, wo Band 1 endete und führt die Geschichte um Damen und Laurent spannend weiter. C.S. Pacat gelingt es das Potenzial der Geschichte um ein Vielfaches zu steigern und den Vorgängerroman in mehrfacher Hinsicht zu übertreffen. Die Handlung besticht erneut durch komplexe Intrigen, doppelbödige Elemente und eine so vielschichtige Handlung, dass man wirklich konzentriert bei der Sache bleiben muss, um alle Andeutungen und Hinweise zu verstehen. Dabei werden auch offene Punkte vom ersten Band aufgegriffen oder einige Ereignisse präsentieren sich urplötzlich in einem neuen Licht, so dass die Geschichte immer logischer und in sich schlüssiger wird. Dadurch fesselt auch der zweite Band der Reihe von der ersten bis zur letzten Seite und es fällt schwer das Buch zur Seite zu legen.
Die Autorin baut einmal mehr auf eine intrigenreichen Geschichte, die dieses Mal auch von einigen Kampf – und Actionenszenen unterbrochen wird, da es erstmals auch zu Schlachten kommt. Dadurch wirkt „Duell der Prinzen“ wesentlich dynamischer und interessanter als Band 1, der sich vorwiegend im Palast abgespielt hat und wo Damens „Spielwiese“ auf wenige Zimmer beschränkt war. Sicherlich gibt es auch im zweiten Band viele Beschreibungen und Hintergrundinformationen (so erfährt man durch Damen endlich mehr über den Staatstreich seines Bruders und die Hintergründe zu seiner Degradierung zum Sklaven), aber es gibt auch mehr Action, so dass die Geschichte ausgewogener geworden ist.

Natürlich kommen sich Damen und Laurent endlich näher, wenngleich von einer romantischen Liebesbeziehung keine Rede sein kann. Stattdessen bekommt man von C.S. Pacat eine realistische und glaubwürdige Beziehung präsentiert, die im Grunde nicht gut enden kann – etwas, was beide Protagonisten wissen. Dennoch spürt man das Knistern zwischen Laurent und Damen, die Gefühle, die beide füreinander entwickeln und die in einer gemeinsamen Nacht enden.

Neben der komplexen Handlung können einmal mehr die Figuren überzeugen. Laurent und Damen entwickeln sich im Laufe der Ereignisse weiter, und werden endlich zu Kampfgefährten und Freunden, die einander respektieren. Damen lernt im Laufe der Zeit Laurent besser kennen und verstehen, und ist bald der einzige, der Laurents uneingeschränktes Vertrauen genießt. Zudem vertieft sich sein Interesse an Laurent, der Damens Gefühle sogar teilweise erwidert.
Auch Laurent wird im Laufe der Zeit greifbarer, was daran liegt, dass er sich Damen gegenüber öffnet und immer wieder einen Blick auf seine wahre Natur gewährt. Natürlich ist er für Damen und damit auch für den Leser zumeist undurchsichtig, seine Aktionen nur schwer nachvollziehbar, doch er taut während der Reise zur Grenze spürbar auf.

Auch die Nebenfiguren sind starke, in sich logisch handelnde Persönlichkeiten. C.S. Pacat führt eine Vielzahl interessanter Charaktere ein, wobei auch alte Bekannte einen kürzeren oder längeren Auftritt bekommen. Jord und Orlant, die Damen im Palast bewacht haben, nehmen einen größeren Part ein, während der 13-jährige Nicaise nur am Rand auftaucht. Mit Aimeric taucht eine neue Figur auf, die im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle spielt und auch die Herrscher der Südreiche von Vere bekommen ein wenig mehr Gewichtung. Alles in allem geben sie Laurent und Damen einen passenden Rahmen, um sich zu entwickeln und die Geschichte voranzutreiben.

Stilistisch ist „Duell der Prinzen“ gut gelungen und mitreißend umgesetzt. C.S. Pacats Schreibstil ist sehr komplex, sie nutzt gerne ungewöhnliche Wörter und Beschreibungen, was den Charme ihrer Schreibstils ausmacht. Die deutsche Übersetzung wirkt dieses Mal flüssiger und passender, wenngleich sie noch immer nicht die Eleganz des englischen Originals einfangen können. Leser, die des englischen mächtig sind, sollten vielleicht testweise in die englische Leseprobe schnuppern, bevor sie sich für die deutsche oder englische Fassung entscheiden.

Fazit:
Mit „Duell der Prinzen“ schließt C.S. Pacat an den Erfolg des ersten Bandes an und führt die Geschichte um Laurent und Damen überzeugend und intrigenreich fort. Dank der komplexen Handlung und der vielschichtigen Charaktere gehört „Captive Prince“ zurzeit zu den besten Gay Fantasy Reihen, die es auf dem Markt gibt. Da Heyne sich für eine preiswerte Gesamtausgabe der Reihe entschieden hat und Band 3 nicht mehr separat veröffentlichen wird, fällt es schwer den zweiten Band zu empfehlen – wer „Captive Prince“ kennenlernen möchte, sollte am besten bis 2017 warten, wer Band 1 mochte ebenfalls. Insbesondere da „Duell der Prinzen“ mit einem bösen Cliffhanger endet.

Die Rezension zu “Captive Prince 2 – Prince’s Gambit” (englisches Original) kann man hier nachlesen.

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[ZITATE-FREITAG] Haus aus Kupfer

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich ein Buch präsentieren, das mich auf eine Art und Weise beeindruckt hat, wie es nur sehr wenigen Büchern gelingt. Ich habe Jobst Mahrenholz’ Werke mit “Der linke Fuß des Gondoliere” lieben und schätzen gelernt – “Haus aus Kupfer” hat mich jedoch so tief berührt, dass das Buch inzwischen zu meinem absoluten Favouriten (neben “Adrian Mayfield”, “Das Schicksal ist ein mieser Verräter”, “Bruder” und “Die Bücherdiebin”) gehört. Wie schon bei “Tänzer & Schatten” hätte ich am liebsten das gesamte Buch zitiert – doch man muss sich ja beschränken 😉


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meine Rezension

»Okay! Versuch dir vorzustellen, du trägst eine Zahnspange, ja?«

Ich nickte, während ich an der Zigarette zog. »Felia war meine Zahnspange«, erklärte Felice. »Sie hat mein ganzes Leben lang versucht, mich in Form zu pressen. Damit ich perfekt bin. So, wie die Gesellschaft mich haben will. Ebenmäßig. Sie mein Leben lang zu tragen hat geschmerzt, gedrückt, mich eingeschränkt. Ich habe mich hässlich und fremd mit ihr gefühlt. Nun bin ich sie los, und die Schmerzen hören auf. Da ist kein Fremdkörper mehr, nichts, was versucht, mich in eine Form zu pressen. Da bin nur noch ich. Vielleicht etwas schief gewachsen, nicht ganz so perfekt. Doch ich bin es.«

“Haus aus Kupfer”, S. 53 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

»Und Lu?«, fragte ich betroffen.

»Ich hab mich doch verabschiedet.«

»Was ist mit dem Mut?«, bohrte ich weiter. »Wäre das nicht eine ganz gute Übung, mal etwas Mut zu zeigen?«

»Ich bin eine Belastung«, erwiderte er mit gesenktem Blick.

»Du bist eine Bereicherung, Felice!«

»Das ist Quatsch, Giaco, und das weißt du auch.« Er lächelte traurig, schwang sich zur Seite und erhob sich. »Ich denke drüber nach, okay?«

“Haus aus Kupfer”, S. 88 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

»Felia hat er immer sehr gemocht«, versicherte er mir mit unstetem Blick.

»Ja? Und?«

»Aber Felice findet er richtig klasse.«

»Wie meinst du das?«

»Genau so, wie ich’s sage.«

»Wie kommst du darauf?«

»Weil ich ihn … kenne … verdammt. Und weil ich das mitbekomme.« Er strich sich durchs Haar und sah mich direkt an, betroffen dabei. »Weil ich nicht blind bin, darum.«

Und in dem Moment begriff ich, was er mir da eigentlich offenbart hatte, über Giacomo.

“Haus aus Kupfer”, S. 111-112 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Also erzählte ich sie ihm, meine Version. Und während ich das tat, betrachtete er mich wieder, mit diesem unergründlichen Giaco-Blick seiner tiefgrünen Augen. Er versank in den meinen, verharrte dort und stürzte mich in eine kleine Verwirrung.

Als ich endete, hob er leicht den Kopf. Vorsichtig strichen seine Finger über meine Lippen.

»Vergiss das alles«, sagte er leise. Er seufzte.

Und dann küsste er mich. Kühle, feuchte Lippen legten sich sanft auf die meinen. Zart und sinnlich.

“Haus aus Kupfer”, S. 131 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Felices erstes Mal.

Tatsächlich war es das: Felices erstes Mal.

Zum ersten Mal als – ich.

Sanft strichen meine Hände über Giacos Brust, entdeckten ihn behutsam. Er sehnte sich nach mehr, spürte ich.

Noch vor Stunden war da vor allem Angst gewesen. Es gab so vieles, was ich ihm nicht geben konnte. Nicht mit diesem Körper. Ich war – unvollkommen. Doch nun …

“Haus aus Kupfer”, S. 170 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

»Na, beim Blondieren gegen die Tür gelaufen?«, wollte er wissen. Sein humorloses Lachen zeigte, was er von mir hielt, mittlerweile. Klar, ich hatte ihm in die Suppe gespuckt.

»Oberflächlich, wie gehabt«, erwiderte ich lächelnd, nachdem wir uns gesetzt hatten. »Aber das mit den Haaren, Aldo, das ist tatsächlich extra für dich.«

Nun schaute er sichtlich irritiert in die Runde.

»Ich dachte mir«, erklärte ich so, dass es alle hören konnten, »… mit dieser simplen Äußerlichkeit einfach mal von Felice abzulenken. Damit er wenigstens für einen Moment das Gefühl hat, hier nicht die Dauerrolle des Aussätzigen übernehmen zu müssen.«

“Haus aus Kupfer”, S. 195 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Dann betrachtete ich mich im Spiegel. Das Make-up hatte etwas gelitten. Da musste ich nachbessern. Die blonden Haare, sie gefielen mir. Ich fand das erotisch. Meine Zunge fuhr lüstern über die Lippen, meine Augen halb geschlossen. Plötzlich musste ich loslachen.

Mein Äußeres stand für einen neuen Abschnitt in meinem Leben. Kein Lu mehr. Dafür viel Felice. Nicht Giaco – Jack! Wow, nicht übel. Das Lachen ging in ein Grinsen über. Es gefiel mir wirklich.

“Haus aus Kupfer”, S. 214 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Mit diesen Zitaten mache ich euch hoffentlich neugierig auf dieses tolle Werk, bei dem es um Transexualität, Akzeptanz und Toleranz geht. Ich kann es auf jeden Fall jedem ans Herz legen <3

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Blutzoll der Wölfe von Alegra Cassano

 

Autor: Alegra Cassano
Taschenbuch:  Band 1: 440 Seiten | Band 2: 384 Seiten
ISBN: Band 1: 978-3945934272 | Band 2: 978-3945934319
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Morgans Leben scheint beendet, als der Wolfswandler Waydar mit seinem Rudel in das Dorf des jungen Mannes kommt und ihn als Blutzoll fordert. Doch während die anderen ausgewählten Menschen schnell von den übrigen Wölfen gefressen werden, verzichtet Waydar darauf Morgan zu jagen, da der junge Mann starke Anziehungskraft auf ihn ausübt. Schon bald sind Gefühle im Spiel, denn nicht nur Waydars Interesse an Morgan wächst, dieser fühlt sich ebenfalls zu dem Wolf hingezogen. Allerdings beginnen damit die Probleme, denn Waydar ist auf dem Weg zu seiner eigenen Hochzeit mit der ältesten Tochter der Silberfelle – ein Bündnis, das von seinem eigenen Vater bereits vor Jahren geschlossen wurde. Zudem erwachen in Morgan Kräfte, die schnell zeigen, dass in ihm das Erbe eines Bestadors schlummert, des einzigen Wesens, das in der Lage ist einen Wolfswandler zu töten …

Eigene Meinung:
Mit den ersten beiden Romanen zu „Blutzoll der Wölfe“ legt Alegra Cassano den Auftakt ihrer Gestaltwandler-Fantasy-Reihe vor, die den Leser bereits nach wenigen Seiten in den Bann zieht. Derzeit arbeitet die Autorin am dritten Buch der Reihe, in der es Morgan und Waydar über das Meer in ein unbekanntes Land führt. Wer abgeschlossene Geschichten bevorzugt, sollte vor dem Lesen mindestens die ersten beiden Bände kaufen, denn die Handlung von Band 1 geht nahtlos in Band 2 über und wird weitestgehend abgeschlossen. Weiterlesen …

[ROMAN] Die Schwimmbad-Bibliothek von Alan Hollinghurst


Autor: Alan Hollinghurst
Taschenbuch: 496 Seiten
ISBN: 978-3-959850360
Preis: 9,99 EUR (eBook) |14,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der junge Adelige William Beckwith genieß sein Leben in vollen Zügen: Partys, erotische Exzesse und ohne finanzielle Sorgen lebt
der schwule Mann im London der 80er Jahre in den Tag hinein. Erst als er dem alten Lord Nantwich auf einer Toilette das Leben rettet, ändert sich sein Leben Stück um Stück. Der ehemalige Kolonialbeamte bittet den jungen Mann nämlich darum, seine Memoiren zu schreiben und übergibt Will einige seiner Tagebücher und Aufzeichnungen. Obwohl Will weniger daran interessiert ist, liest er sich doch in Nantwichs Leben ein und taucht in die damalige Zeit ein, in der Homosexualität noch strafbar war. Gleichzeitig lernt er den jungen Bodybuilder Phil kennen und lieben, und beginnt eine lose Beziehung mit ihm.

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst erschien bereit 1988 und zählt zu den Klassikern der schwulen Literatur. Mit seinem Debüt gewann der Autor unter anderem den „Somerset Maugham Award“ und „E. M. Forster Award of the American Academy of Arts and Letters“. Auch Hollinghursts spätere Werke brachten ihm weitere Preise ein und fast durchweg positive Kritiken, weswegen er zu den bedeutendsten modernen, englischsprachigen Schriftstellern gehört. Weiterlesen …

[ROMAN] Indianer im Kopf von Corinna Behrens


Autor: Corinna Behrens
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3940611451
Preis: 9,99 EUR (eBook) | 16,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Als der alte Pfarrer der Gemeinde in Ruhestand geht und das evangelische Pastorenpärchen Huber vorgestellt wird, gerät Jackies Leben gehörig aus den Fugen. Nicht nur verliebt sie sich fast auf den ersten Blick in Mirjam Huber, ihr Mann scheint ihr nur wenig Sympathie entgegen zu bringen. Dementsprechend problematisch wird ihr Arbeitsverhältnis, denn sie arbeitet in der evangelischen Verwaltung, was bedeutet, dass sie permanent auf der Hut sein muss. Zu allem Überfluss sieht sie nach einer gemeinsamen Meditation (inkl. traditionellem Kiffen) mit ihrer spiritistischen Freundin Monika immer wieder Spirit Hawk und die alte Indianerin Mahpea, ganz besonders wenn es um Mirjam und deren Mann geht. Nur was haben ihre Träume und Visionen wirklich zu bedeuten?

Eigene Meinung:
Mit dem humorvollen Romane „Indianer im Kopf“ legt der Butze Verlag einen weiteren lesbischen Liebesroman vor. Dieses Mal stammt es aus der Feder Corinna Behrens, deren erste Romane im Eigenverlag erschienen sind. Weiterlesen …

[ZITATE-FREITAG] Tänzer & Schatten

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich eine Novelle bzw. einen Kurzroman im Gepäck, der mich absolut fasziniert und begeistert hat, als ich ihn das erste Mal gelesen hat. Das Buch stammt aus der Feder C. Dewis, die mich bereits mit ihrem Debüt “Staub und Stolz” vollkommen überzeugt hat. Um noch einmal auf diese wundervolle, im Eigenverlag veröffentlichte Novelle hinzuweisen, habe ich mich dieses Mal für Zitate aus “Tänzer & Schatten” entschieden.


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meine Rezension

Hätte ich ein schlagendes Herz, müsste es jetzt wohl aussetzen. Ich berühre seine Mundwinkel, lecke darüber, gebe mich nicht mit seiner Passivität zufrieden, will ihn, will seine Lippen.

Wie befremdlich.

Ich zucke zurück, wir sehen uns in die Augen und nun dämmert es ihm, dem dummen Menschen. Verwunderung und Entsetzen machen sich auf seinem Gesicht breit.

»Ja, Tänzer. Die Legenden sind wahr. Und ich bin mir sicher, dass wir beide diesen Abend bitter bereuen werden, an dem du uns aneinandergebunden hast.«

“Tänzer & Schatten”, S. 15 (c) C. Dewi

»Verlierst du leicht die Kontrolle, Schatten?«

Bilde ich mir das ein, oder provoziert er mich gerade?

»Mensch.« Ich spucke das Wort aus, verächtlich. »Kontrolle ist ein menschliches Bedürfnis. Hingabe, Leidenschaft, Ekstase. Das sind die Dinge, die uns treiben, uns zu dem machen, was wir sind.«

»Mordende Monster?«

Ich lache leise. »Ja.«

“Tänzer & Schatten”, S. 25 (c) C. Dewi

Ich balle die Hände zu Fäusten. Mir ist das Geräusch seines schweren Atems hinter mir viel zu bewusst. Ich spüre seinen Blick, er bohrt sich zwischen meine Schulterblätter. Im Türrahmen bleibe ich stehen. Wenn ich mich jetzt umdrehe, falle ich vor ihm auf die Knie.

Wenn ich mich jetzt umdrehe, komme ich nie mehr von ihm los.

Wenn ich mich jetzt umdrehe, töte ich ihn.

Stattdessen begehe ich den größten Fehler meiner Existenz.

»Mein Name lautet Niall, Tänzer.«

“Tänzer & Schatten”, S. 46 (c) C. Dewi

Mit einem leisen Schmatzen löse ich meine Fänge aus seinem Fleisch. Der durstige Teil in mir faucht gereizt. Man sollte ein Raubtier nicht bei seiner Mahlzeit stören. Sofort fließt ein dünnes Rinnsal Blut aus der Wunde. Meine Zunge schnellt nach vorn, fängt sein kostbares Blut auf. Ich ziehe die Oberlippe empor, fühle den Drang, mich erneut tief in ihm zu versenken. Verzweifelt kämpfe ich ihn nieder, lecke stattdessen immer wieder über die Wunde, drücke zwei Finger darauf, bis die Blutung versiegt.

Der Tänzer ist noch bei Bewusstsein, aber seine Lider haben sich halb herabgesenkt, er blinzelt träge. Wie viel habe ich ihm genommen? Ich presse mich dicht an ihn, schiebe meinen linken Arm unter ihn, ziehe ihn an meine Brust. Noch immer bin ich in ihm.

“Tänzer & Schatten”, S. 62-63 (c) C. Dewi

Er hat den Samen in meinen Mund gelegt, hat die Wurzeln in meinen Körper geschickt. Nun bringt er die Pflanze zum Wachsen. Mit jedem seiner Stöße wird sie größer in meinem Mund. Sie hat eine Blüte getrieben. Fest wird sie von grünen Blättern umschlossen. Nun brechen sie auf. Es beginnt mit einem Kitzeln auf der Zunge. Ich reibe sie an seiner, um es loszuwerden, doch es gelingt mir nicht. Es wird eng in meinem Mund. Stört es ihn gar nicht beim Küssen? Es ist so groß. Schwer drückt es meine Zunge nieder und doch ist es ganz leicht. Es kann schweben.

Es ist das mächtigste Wort dieser Welt. Meiner Welt.

»David.«

“Tänzer & Schatten”, S. 72 (c) C. Dewi

Viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Zu Anfang wusste ich es nicht. Ich war beschäftigt genug mit all den Veränderungen. Die Schatten, sie wollen mich nicht mehr. Ich kann nicht mehr mit ihnen verschmelzen. Sie schützen mich noch, ja. Ich kann mich in Dunkelheit hüllen, wenn ich mich anschleiche an ein Opfer. Aber in meinem natürlichen Habitat kann ich nicht mehr aufgehen. Alle Gestalt, alle Körperlichkeit hinter mir lassen – das ist Vergangenheit. Unwiderruflich verloren.

Es scheint, als wollten die Schatten kein schlagendes Herz in sich bergen. Genauso wenig wie ich. Welch Ironie. Ich habe immer geglaubt, ich besäße keine Heimat. Ich lag falsch. Die Schatten waren meine Heimat. Ihre Dunkelheit, von zartem Lavendelgrau bis hin zu tiefstem Schwarz.

“Tänzer & Schatten”, S. 97 (c) C. Dewi

Liebe ist etwas Fremdes für mich, zumindest glaube ich das, denn nichts, was ich je gespürt habe, kommt den Beschreibungen dieses Gefühls nahe. Ich finde mich nicht wieder, wenn ich in Büchern darüber lese oder Szenen in Filmen sehe. Nein. Aber ich fühle … Verbundenheit. Den Wunsch, David zu beschützen. Den Wunsch, ihm zu gehören. Zu ihm zu gehören. Ich will ihn. So sehr. Ich will, dass er vor mir kniet und mich Meister nennt. Und bin gleichzeitig nichts weiter … als ein Schatten. Liege ihm zu Füßen und will ihn einhüllen in Dunkelheit und Begehren.

Sein Schatten. Ja, das bin ich wohl. Bis der Herzschlag stoppt, den er mir geschenkt hat.

Bald. Bald schon.

“Tänzer & Schatten”, S. 112-113 (c) C. Dewi

Ich hoffe sehr, dass ihr diesem kleinen Juwel eine Chance gebt, solltet ihr “Tänzer & Schatten” noch nicht besitzen – es gehört defintiv zu meinen Lieblingsbüchern 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[KINDERBUCH] Ein Känguru wie du von Ulrich Hub und Jörg Mühle


Autor: Ulrich Hub
Illustrator:
Jörg Mühle
Hardcover: 96 Seiten
ISBN: 978-3-551-55664-6
Preis: 8,99 EUR (eBook) | 12,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der Tiger Pascha und der Panther Lucky arbeiten mit ihrem Zirkusdirektor auf ihren ersten großen Auftritt hin. Kurz vorher keimt in den beiden Tieren ein schrecklicher Verdacht –ihr Tiertrainer ist schwul, immerhin hat er keine Frau, ist unsportlich und kommt sehr gepflegt daher. Ohne zu Zögern laufen sie weg, da sie nicht von einer „Schwuchtel“ trainiert werden wollen. Auf der Flucht stoßen sie in einem Boxclub auf einen echten Kerl – das boxende Känguru Django, das noch keinen Kampf verloren hat. Die drei werden Freunde und als Django schließlich offenbart, dass er schwul ist, beginnen die kleinen Raubkatzen umzudenken und müssen sich eingestehen, dass es doch nicht so furchtbar ist, wie sie gedacht haben …

Eigene Meinung:
Das illustrierte Kinderbuch „Ein Känguru wie du“ stammt von Ulrich Hub und wurde von Jörg Mühle illustriert. Es erschien im Dezember 2015 beim Carlsen Verlag und basiert auf dem gleichnamigen Kinder-Theaterstück von Ulrich Hub, der das Thema „Anders sein“, Akzeptanz und Toleranz bereits in seinen früheren Stücken und Büchern behandelt hat. Das Theaterstück „Ein Känguru wie du“ läuft seit 2014 auf verschiedenen Bühnen in ganz Deutschland und wurde u.a. von der Jugend-Jury des Mülheimer KinderStückePreises ausgezeichnet. Weiterlesen …

[ANKÜNDIGUNG] Verlagsprogramme Herbst/Winter 2016/17

Hallo ihr Lieben,

die neuen Manga-Verlagsprogramme sind ja schon seit einer ganzen Weile bekannt – irgendwie bin ich nicht dazu gekommen, sie hier vorzustellen. Liegt zum einen an den vielen Aktionen und Specials der letzten Wochen, zum anderen daran, dass ich immer weniger Lust auf Mangas habe. Dennoch habe ich mir die Ankündigungen einmal angesehen – gerade Tokyopop und EMA bieten Boys Love Fans eine Menge frischer Lektüre.

Tokyopop:
Wie nicht anders erwartet, bitete Tokyopop ide interessantesten Neuankündigungen im Boys Love Segment und wartet darüber hinaus noch mit dem Girls Love Titel “Der Zauber einer mir unbekannten Welt” auf. Leider sind viele Einzelbände dabei – aber in Japan gibt es im BL Genre nur noch selten längere Reihen, so dass den Verlagen zunehmend die Auswahl fehlt. Für Fans von Hinako Takanaga gibt es einen neuen Einzelband, Waka Sagami, Chise Ogawa, Lalako Kojima und Akino Shiina präsentieren ebenfalls ihre neuen Mangas. Die übrigenen Mangakas sind Debütanten – ihre Werke erscheinen erstmals in Deutschland.

Boys Love:

  • Hinako Takanaga: Die Blume und der Schmetterling, November 2016, Einzelband, € 6,95
  • Lily Umiyuki: Otona-chan., Einzelband, November 2016, € 6,95
  • Chise Ogawa: Ein Spiel namens Liebe, Einzelband, Oktober 2016, € 6,95
  • Lalako Kojima: Neun Leben, Einzelband, Oktober 2016, € 6,95
  • Akino Shiina: BL Syndrom, 3 Bände, September 2016, € 6,95
  • Natsuki Matsuoka / Mikuro Noichi: Hong Kong Dragnet, 2 Bände, August 2016, € 6,95
  • Ohana: 23:45, Einzelband, August 2016, € 6,95
  • Waka Sagami: Mein geliebter Geliebter, Einzelband, August 2016, € 6,95

Girls Love:

  • Moto Momono: Der Zauber einer mir unbekannten Welt, 2 Bände, Oktober 2016, € 6,95

Carlsen:
Die Ankündigungen des Carlsen Verlags sind (wie nicht anders erwartet) eher mau – Kyoko Aiba ist keine unbekannte Zeichnerin bei Carlsen. Ihr Debüt “I hate the Dentist!” erscheint Ende Mai. Neben den Einzelbänden werden die Reihen “Acid Town” und “Ein melancholischer Morgen” fortgesetzt.

Boys Love:

  • Kyoko Aiba: Naughty Tease, Einzelband, Oktober 2016, € 6,99
  • Kyoko Aiba: Keep my Secret, Einzelband, Februar 2017, € 6,99

EMA:
Der Verlag präsentiert dieses Mal eine sehr umfangreiche, bunte Auswahl verschiedener Mangas – zum einen wurde auch die aktuelle Spin-Off-Reihe der immens erfolgreichen Catboy Serie “Kuroneko” lizensiert, zum anderen dürfen sich Fans von Ryo Takagi und Papiko Yamada auf neuen Lesestoff freuen. Zudem präsentiert EMA zwei bis dato unbekannte Zeichnerinnen auf dem deutschen Markt: Ogeretsu Tanaka und Scarlet Beriko. Eine gute Mischung.

Boys Love:

  • Papiko Yamada: Chain my Heart, Einzelband, Oktober 2016, € 7,50
  • Saeko Kamon: Das Raubtier in dir, Einzelband, März 2017, € 7,50
  • Scarlet Beriko: Give me a Hand, Einzelband, November 2016, € 7,50
  • Ryo Takagi: Kurokoi, Einzelband, Februar 2017, € 7,50
  • Aya Sakyo: Kuroneko – Nachtaktiv, bisher 2 Bände, Dezember 2016, € 7,50
  • Ogeretsu Tanaka: Love Whispers In The Rusted Night, Einzelband, Oktober 2016, € 7,50
  • Scarlet Beriko : Show me your Gun, Einzelband, Januar 2016, € 7,50
  • Ogeretsu Tanaka: The Right Way to Write Love, Einzelband, Dezember 2016, € 7,50

Was haltet ihr von den neuen Mangaankündigungen? Welche Titel reizen euch am meisten und wie findet ihr die Aufteilung? Welche Werke fehlen eurer Meinung nach in Deutschland.

Ich bin gespannt.

Liebe Grüße,
Juliane

[GEWINNSPIEL] Tanja Meurer

Wie immer endet die Special Week mit einem Gewinnspiel, bei dem ihr die Chance habt, die vorgestellten Bücher zu gewinnen. Dieses Mal gibt es je 2 Exemplare von “Die Seelenlosen” und “Schweiß und Blut” zu gewinnen, von “Rauhnacht” gibt es in jedem Paket ein eBook im Wunschformat – vielen Dank an die Verlage, die die Preise zur Special Week gesponsert haben.

SIgnatur

1.Platz – “Die Seelenlosen” mit Charaktersignaturen

Als besonderes Bonbon könnt ihr, das im Charakterinterview von Gwenael und Jaleel “unterschriebene” Exemplar der “Seelenlosen” gewinnen – das Buch wird natürlich auch noch von der Autorin mit einem Wunschcharakter bezeichnet und signiert. Dennoch ist dieses Werk in seiner Form einzigartig!

Wie immer müsst ihr eine Mail an Koriko@gmx.de schicken und mindestens eine Frage an Tanja oder an einen ihrer Charaktere stellen. Ihr dürft euch jede Figur ihrer Romane rauspicken, die ihr schon immer mal löchern wolltet – eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Alle Fragen, die bis zur Deadline bei mir eingehen, werden bei der Gewinnerbekanntgabe von der Autorin beantwortet und als Leserinterview auf diesem Blog präsentiert.

Eure Fragen könnt ihr bis zum 22.05.2016 an die oben genannte Mailadresse schicken (bitte im Betreff “Gewinnspiel Tanja Meurer” angeben) – sie werden gesammelt und an die Autorin weitergeleitet. Unter allen Teilnehmern verlose ich nach Zufallsprinzip folgende Buchpakete:

1. Platz: “Die Seelenlosen” (signiert von den Charakteren Gwenael und Jaleel!!), “9 mm – Schweiß und Blut” und “Rauhnacht” (eBook)
2. Platz: “Die Seelenlosen” und “Rauhnacht” (eBook)
3. Platz: “9 mm – Schweiß und Blut” und “Rauhnacht” (eBook)

Alle Bücher werden mit einem Wunschcharakter bezeichnet und sind signiert!

Ich bedanke mich bei den Verlagen Incubus, Deadsoft und der Weltenschmiede für die Bereitstellung der Gewinne.

Hinweise:
1. Tanja freut sich über Kommentare, Anmerkungen und Feedback zu ihren Werken (oder auf eine Antwort zu ihrer Frage im Interview), sprich ihr könnt gerne einige Worte an sie richten 🙂
2. Solltet ihr das ein oder andere Buch bereits besitzen, sagt mir in der Mail Bescheid – ich versuche beim Auslosen Rücksicht darauf zu nehmen, damit niemand Bücher doppelt bekommt.

Tanja und ich sind gespannt auf eure Fragen, Ideen und Antworten – die Gewinner und das Leserinterview werden am 25.05.2016 auf diesem Blog präsentiert. Wir freuen uns auf eure Fragen.

Viel Glück!

[INTERVIEW] Tanja Meurer

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Wie bei jeder Special Week stellt das Autoreninterview den zweiten Höhepunkt dar – hier erwarten euch spannende Informationen zu Tanja Meurer, ihren Werken und Projekten. Dieses Mal wird das Interview mit ihren eigenen Zeichnungen und Illustrationen unterlegt – denn Tanja schreibt nicht nur, sie zeichnet auch. Wer mehr über sie, ihre Projekte, Zeichnungen und Bücher erfahren will, sollte einen Blick auf ihre Homepage oder ihren Blog werfen.

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Ayco und Luca, Nebenfiguren aus “Die Seelenlosen” (c) Tanja Meurer

715k9SayOxL._UX250_Bitte erzähl uns ein wenig mehr von dir. Was machst du in deiner Freizeit?
Was ist in meiner Freizeit mache? Wenn ich kann, schreiben, zeichnen und meine Spieler durch fiese Abenteuer scheuchen 😉 In letzter Zeit komme ich allerdings nicht mehr zum Schreiben. Zu viele andere Sachen gehen derzeit vor.

Welchem Job gehst du hauptberuflich nach?
Seit Februar 2016 bin ich Projektassistentin bei Wirth Klimatechnik. Vorher habe ich elf Jahre in der AREVA verbracht und habe mich als Dokumentationsassistentin verdingt. Fakt ist, dass ich seit einer kleinen Ewigkeit nur noch in bauverwandten Berufen arbeite. Gelernt habe ich allerdings das schöne Handwerk den Bauzeichners – noch immer ganz plump am Zeichenbrett, wie in der „guten, alten Zeit“.

Wann hast du mit dem Schreiben begonnen? Gab es einen Auslöser, der dich zum Schreiben brachte?
Anno Domini 1980, als ich acht Jahre alt war. Der Auslöser war meine Liebe zu Krimis. Allerdings floss mir in den Kiddi-Krimis von Enid Blyton, den „drei ???“ und „TKKG“ eindeutig zu wenig Blut (weshalb ich auch schon mit sieben mein Herz für die Goldmann-Ausgaben der Edgar Wallace Gruselkrimis entdeckte). Deshalb erlebten meine kindlichen Helden richtige, mörderische Krimis, die zumeist auch noch unheimlich waren (ein Hoch auf all die Horror-Filme, die ich als Kind gesehen habe). „Das Haus der Verlorenen Seelen“, „Die schwarze Dreizehn“, „Bis das Blut gefiert“ und natürlich „Tanz der Vampire“ (und so ziemlich alle Edgar Allen Poe-Filme und Vampirschinken aus dem Hause Hammer). Alles pure Inspiration für mich 🙂

Hast du dir das Schreiben selbst beigebracht oder auf anderem Wege gelernt?
Ja, einen entsprechenden Lehrgang habe ich nie besucht.

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Gwenael und Jaleel aus “Die Seelenlosen” (c) Tanja Meurer

Deine Bücher sind sehr detailverliebt, gerade zu aufwendig, was die Beschreibungen angeht. Warum?
Während des Schreibens bin ich der erzählende Charakter, ich sehe und fühle, was der Protagonist sieht und fühlt. Als Bauzeichnerin kann ich natürlich mein bauliches Umfeld gut beschreiben und als Zeichnerin habe ich einen Blick für das Detail. Darüber hinaus bin ich mit verdammt vielen Menschen zusammengekommen, kann sie also auch gut einschätzen, weswegen ich auch die Persönlichkeiten gut darstellen kann.

Wie lange hast du an deinem Fantasy-Roman „Die Seelenlosen“ geschrieben?
Hehehe, zu lang, wetten?
Nein, angefangen habe ich 2013 / 2014, fertig war er 2015, danach ging er in das erste Lektorat, was schon ein Weilchen dauerte, denn nicht nur ich war Land unter, sondern der Verlag zog auch mit Sack, Pack, Lager und allem was dazugehört, um. Das Zweitlektorat ging dafür rasend schnell.

Die Mischung Steampunk, Fantasy und Krimi ist recht ungewöhnlich – warum eine solcher Mix?
Das ist alles, was ich wirklich sehr gerne mag 🙂
Rein Steampunk – zu technisch und damit auch zu langweilig, rein Fantasy – zu abgedroschen, rein Krimi – na ja, auch nicht gerade innovativ. Ich werfe immer das zusammen, was mir besonders viel Spaß macht und stricke was ganz Eigenes daraus.
Die Seelenlosen ist ja nicht mal die typisch mittelalterliche Fantasy-Welt, sondern entspricht dem Paris des opulenten Barocks. Darin lässt sich auch die Technisierung besser einbinden. Darüber hinaus gab es im Paris des Barock bereits organisierte (wenn auch vollkommen ineffektive) Polizeieinheiten. Das französische Polizeisystem wurde erst in den 1811 von Eugène François Vidocq revolutioniert.

coverWikipedia: Eugène François Vidocq [øˈʒɛn fʀɑ̃ˈswa viˈdɔk] (* 23. Juli 1775 in Arras; † 11. Mai 1857 in Paris) war ein französischer Krimineller und Kriminalist, dessen Leben zahlreiche Schriftsteller wie Victor Hugo und Honoré de Balzac inspirierte. Durch seine Aktivitäten als Begründer und erster Direktor der Sûreté Nationale sowie die anschließende Eröffnung einer Privatdetektei, die wahrscheinlich die erste der Welt war, wird er von Historikern heute als „Vater“ der modernen Kriminalistik und der französischen Polizei betrachtet und gilt als erster Detektiv überhaupt.

Ihn will ich auch in „Der Stadt der Maschinenmagie“ mit einbinden, natürlich nicht als Vidocq 😉

Oh – das klingt ja spannend. Kommt er schon im ersten Band vor oder kannst du einen Ausblick geben, wie er sein wird?
Nein, leider nicht. Das wird jemand im dritten Buch werden 🙂 Aber so ein paar Ansätze hat auch Jaleel in der Richtung. Er ist ein Krimineller und zugleich auch Kriminalist … und nicht nur er 😉

Wie lange begleiten dich Äos, Valvermont und die Figuren schon?
Sehr lang. Mit Valvermont habe ich als Fünfzehnjährige angefangen (1988). Die Stadt war eine Science Fiction Stadt und hieß ehemals New Hiroshima. Auf Basis der alten Stadt unter der Ruinenstadt New Hiroshima entstand das Konstrukt Valvermont. Banda – Sisikazev Viz Cyan – ist eines der Überbleibsel von damals. Äos allerdings wurde erst real, als ich mit Pen & Paper-Rollenspielen anfing und unbedingt mehr Tiefe in die ganze Geschichte bringen wollte.
Luca (Lysander) ist mein längst gespielter Rollenspielcharakter. Der Bursche begleitet mich seit April 1994. 2002 kam Ayco hinzu. Davor gab es allerdings schon Justin D’Arc, Nicodemus, Prinz Mesalla, Kaya, die Schwestern Anjuli und Jay Killraven (und natürlich) Sisikazev. Die meisten von ihnen sind sogar älter als Lysander. Jay und Anji sind in jedem Fall älter als Sisikazev, ein Überbleibsel aus der Mitte der 80er Jahre.

Nacht der Schwäne

Anabelle und Zaida aus “Rauhnacht” (c) Tanja Meurer

Auch „Rauhnacht“ gehört zum Steampunk-Genre. Was reizt dich gerade an solchen Geschichten?
Ich liebe Technik, besonders historische Technik, alte Autos, alte Bahnen, alte Maschinen – generell alles in der Richtung.

Wie schwierig gestaltet sich die Recherche für das London des 19. Jahrhunderts? Wie nah bist du (trotz fantastischer Elemente) an der Realität?
Es ist die Hölle. Ich habe eine alte Karte von 1880, mehrere Bücher über das historische London und Google. Ohne wäre ich aufgeschmissen, da ich noch nie in London war. Natürlich sehe ich mir auch sehr viele Filme an, die in der Zeit spielen, aber darüber hinaus muss ich immer sehr viel zwischenrecherchieren. Das ist auch der Grund, warum ich kaum mit dem 2. Band um Ana und Zaida zu Potte komme. Es gibt eigentlich keine Szene, in der ich nicht nachlesen muss, wie es 1877 in Mayfair, Holborn, Spitalfields, den Docklands, etc. aussah, welche Fabriken es gab, wie sie das alltägliche Leben beeinflussten, wie arm die Unterschicht tatsächlich war und in welchem Rahmen sich die Oberschicht bewegte. Allein die Szene im zweiten Buch, in der John Brown, der ewige Begleiter Königin Victorias, auch „der Hochlanddiener der Königin“ genannt, auftaucht, hat mich Stunden des Artikel durchforsten gekostet.

Das Gewicht einer Seele_dunkel

Anabelle und Zaida aus “Rauhnacht” (c) Tanja Meurer

Brown war ein Stallbursche, den Victoria kennen lernte, als ihr Mann sie das erste Mal nach Balmoral Castle mitgenommen hatte. Der junge Mann hatte die damals auch noch junge Königin so beeindruckt, dass sie ihn x-fach zeichnete, während Brown als Jagdbegleiter ihres Gatten fungierte. Später, nach dem Tod ihres Mannes Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, war Brown täglich um sie. Angeblich soll es – bis zu seinem Tod – keine Stunde gegeben haben, in der er nicht bei ihr war. In der Zeit wurde sie vom Volk spöttisch „Mrs. Brown“ genannt. Nach einigen Theorien soll sie heimlich Brown geheiratet haben. Nach seinem Tod hielt sie dieselbe, strenge, einsame Trauerzeit ein. Im übrigen benahm sich Brown ihr gegenüber nicht anders als jeder anderen Frau. Er nannte sie nie „Hoheit“, sondern „Frau“ oder „Weib“ und warf ihr an den Kopf, wenn ihm etwas nicht an ihr passte.

Ja … ich recherchiere immer genau 😉

Wie kamst du auf die Idee eines lesbischen Ermittler-Pärchens? Gerade im lesbischen Bereich gibt es solche Figuren ja sehr selten.
Eigentlich sollten Ana und Zaida in den 30ern oder 50ern als Detektiv-Duo angesiedelt werden, natürlich in den USA – genaugenommen in New Orleans. Aber Zaida hätte in der Zeit in etwa die Halbwertzeit einer Flasche Milch im Hochsommer gehabt. Wäre nicht so doll für die schwarze Schönheit. Davon abgesehen gibt es Geschichten und Filme um lesbische Paare aus der Zeit, auch Krimis (siehe „Die schwarze Dahlie“).

schweic39f-und-blut„9 mm“ ist ein sehr realistisches Projekt – wie kam es dazu?
Die Serie „Auf Achse“ war schon für meinen Berufswunsch LKW-Fahrerin zu werden (habe ich tatsächlich auch knapp vier Jahre durchgezogen). Dadurch entstand Christoph. Er und Jay waren Rollenspielfiguren. „Schweiß und Blut“ entsprang einer Idee, die mir vor fast 20 Jahren kam, als ich noch für den Express-Kurierdienst Aberle unterwegs war. Ich hatte mir damals überlegt, wie ich reagieren würde, wenn ich in einer solchen Situation wäre. Natürlich wäre es bei mir eher in eine wilde Prügelei ausgeartet, anders als bei Christoph und Jens.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Juliane Seidel, die Band 2 geschrieben hat?
Jay ist im Rollenspiel Jules Charakter. Als vor eineinhalb Jahren Miriam Kanis mit der Idee auf uns zukam, dass wir beiden Weiber Kurzgeschichten für ihre „Bad Boys“-Anthologie liefern sollten, kam ich auf die Idee, Jay (über den bereits ein guter Teil Buch in Form vom „Verborgenen Feind“ existierte), noch mal aus der Hand zu geben und sie zu bitten, dass sie sich einen Krimiplot einfallen ließ, der sich mit meinem am Ende kreuzt. So kam es zu „Rotten Games“.

Wie wird es mit der Reihe weitergehen – gerade Christoph hat ja noch eine Menge Geheimnisse, die ergründet werden wollen!
Ich bin derzeit an „Verborgener Feind“, den ich im Juli 2013 angefangen hatte. Das greift viele Geheimnisse auf, löst aber nicht alle. Im Gegenteil, es kommen noch mehr hinzu 😉 Aber die Fragen zu seiner Vergangenheit als Kommissar, Julian deVries und der Nacht in Südfrankreich, die er fast nicht überlebt hätte, werden beantwortet.

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Olli und Daniel aus “Der Rebell” (c) Tanja Meurer

Welche Figur ist deine Lieblingsfigur und warum?
Oh – fiese Frage … Oliver Hoffmann (Hauptfigur aus meinem Roman „Der Rebell“, der im Herbst neu aufgelegt wird) – der Punk steht mir sehr, sehr nah. Er ist auf Basis eines meiner besten Freunde aus Teeny-Tagen erschaffen worden. Der Oliver war ein wunderbarer Mensch und ein guter Freund. In dem Zug auch Jamal und Daniel, die Konkurrenten, aber auch gute Freunde sind und die Zwillinge Till und Tim.

Ich mag auch Gwenael sehr gerne, weil er gefasst ist, ein ruhiger Mann, der ziemlich um sein Ansehen kämpft, aber ich hänge auch sehr an Luca-Seraphin Veradis, an Nasim, Antoine Laribe („Die Stadt der Maschinenmagie“), Dariusz, Christoph und Jay („9 mm“), Madame Zaida, Arthur Hailey und Eddy Masters („Rauhnacht“). Wer mir ebenfalls sehr nah steht, ist der entstellte Heinrich Christian Wolff (Hunger / Der Misanthrop).

Meistens sind es die ruhigen, etwas älteren Charaktere, die gefasster reagieren, gelassener, die nach außen hin nichts aus der Ruhe bringt (vollkommen gleich, wie es in ihnen aussieht).

Was sind Deine aktuellen Projekte? Auf was können sich die Leser als Nächstes freuen?
Derzeit bin ich an „9mm – Verborgener Feind“, „Mord ohne Leiche“ (2. Anabelle Talleyrand-Band), „Die Stadt der Maschinenmagie 2“ (ist eigentlich geschrieben, wird aber noch einmal überarbeitet), „Der Misanthrop / Wolff“ und natürlich an Schattengrenzen („Der Rebell“ kommt neu bei HomoLittera heraus. Dann habe ich auch den Folgeband „Hass“ in Petto).

Das ist eine ganze Menge – wie schaffst du das alles? Wann kommst du zum Schreiben?
Gar nicht, wenigstens in den letzten drei Monaten nicht. Vorher sporadisch, an Wochenenden, nach der Arbeit, wenn ich krank auf der Nase lag, immer, wenn ich allein war). Aber gerade habe ich einen neuen Job und ich tue alles dafür ihn zu behalten. Das heißt, volle Konzentration (und ich mache immer noch saublöde Fehler). Resultat: eine strenge Schreibdiät … Nein, ich vermisse es gerade wirklich. In der letzten Zeit waren aber Jobsuche, die Vorbereitungen für die Homonale (das schwullesbische Filmfest Wiesbaden, jedes Jahr im Januar) und die ganze Arbeit für QUEER gelesen (schwullesbisches Literaturfestival, erstmals im April), wichtiger. Jetzt wird es vielleicht endlich wieder was mit dem Tippseln. Denn ich habe einiges vor und eine neue Idee mit neuer Richtungsgebung für „Mord ohne Leiche“.

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Tanja Meurer

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Verlagen? Wie produktiv war die Zusammenarbeit mit deinen Lektoren und Verlegern?
Bestes Lektorat überhaupt – Kira Wolf-Marz. Die Zusammenarbeit mit dem Incubus-Verlag ist unglaublich genial. Mein Lektor bei der Weltenschmiede ist allerdings auch Wahnsinn, besonders weil Tobias Keil Dozent für afrikanische Geschichte ist (passt bei Zaida ja absolut perfekt ) und alles so rund schleift, dass es passt.
Die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin bei DeadSoft ist ebenfalls sehr, sehr gut. Sie ist eine sehr große Hilfe gewesen. Nur mit dem Lektorat bei Bookshouse war ich nicht zufrieden.

Würdest du auch den Schritt zum Selfpublishing wagen oder bleibst du lieber bei der Zusammenarbeit mit Verlagen?
Lieber Verlage; aber ja, ich will „Glasseelen“, den ersten Schattengrenzen-Band, noch einmal neu herausbringen. Dann wird er überarbeitet sein, härter, unheimlicher und der lesbische Aspekt zwischen Theresa und Camilla soll mehr zum Tragen kommen – und nein, Chris ist NICHT attraktiv. Er ist und bleibt der unromantische, fertige Straßenpunk mit Asthma und seiner stark bisexuellen Ader.

Welches Genre bevorzugst Du?
Ist das noch nicht klar geworden? 😉
Krimi, Thriller, Mystery, Horror (bevorzugt Geisterhaus-Geschichten), Steampunk, Fantasy, Gay, Lesbian. Es muss viel Action vorhanden sein, es muss gruselige Elemente beinhalten, es muss spannend sein und es darf jederzeit realistisch bleiben 😉

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Justin, Ayco und Luca (c) Tanja Meurer

Was empfiehlst du Jungautoren?
Hört auf das, was Lektoren sagen. Meistens haben sie recht.

Wie wichtig ist das Thema Liebe?
Welche Art der Liebe? Bei all meinen Romanen ist die Basis der Freundschaft das Grundgerüst für alle tieferen Gefühle. Das beinhaltet natürlich nicht die „Liebe auf den ersten Blick“. Das ist oberflächlich. Wenn man sich nur in das Aussehen verliebt, erlebt man eine herbe Überraschung. So wenigstens meine Erfahrung.

Liest du Gay Romance oder realistische Gay-Romane?
Realistisch – Gay Romance hat für mich den Nachgeschmack von Zuckerersatzstoff.

Welche Autoren schätzt du besonders? Welche Vorbilder hast du?
Im schwulen Bereich sind es E.M. Forster, Joseph Hanson (ich liebe seine „Dave Brandstetter“-Krimis) und Cecil Dewi (sie ist unglaublich realistisch in ihrer Beschreibung der schwulen Liebe).
Aber ich verehre auch besonders „John Ball“. Sein „In der Hitze der Nacht“ ist ein vielschichtiger, unglaublich greifbarer Kriminalroman, der im Süden der USA spielt. Ein schwarzer Polizist strandet dort und wird unter Mordverdacht verhaftet. Das Zusammenspiel zwischen Virgil Tipps und dem rassistischen Sheriff Chief Gillesbie ist Wahnsinn. Ebenso empfehle ich jedem der es hören will (oder nicht) Ellis Peters‘ „Bruder Cadfael“-Krimis. Der Mönch, der ehemals Soldat im ersten Kreuzzug war, und mit seinem besten Freund, dem Sherif Hugh Beringar ermittelt, ist genial, besonders weil Ellis Peters es schafft eine kleine Hand voll fiktiver Figuren in ein vollkommenes, historisches Umfeld einzubinden, denn – man beachte – selbst die Äbte um Cadfael und den Antagonisten Prior Robert Pennant gab es tatsächlich.

Wie findest du den deutschen Markt im Gay Bereich? Wo siehst du ihn (und dich als Autor) in ein paar Jahren?
Übersättigt mit austauschbaren Büchern, aber das trifft jedes Genre. Der Gay-Bereich ist darin nicht anders als der Fantasy-Sektor, die Krimis, Thriller oder die Liebesromane. Deswegen suche ich immer nach dem Ungewöhnlichen. Das fehlt mir aber in den letzten Jahren.
Wo ich mich in den kommenden Jahren sehe? Wahrscheinlich bin ich keinen Schritt weiter als jetzt, weil ich mich weigere, der Masse anzupassen. Meine Protagonisten sind und bleiben Freaks, Außenseiter, fern ab von strahlenden Helden, dicht an der Realität. Das zieht nicht. Aber es geht einfach bei mir nicht anders.

Olli

Olli (c) Tanja Meurer

Was würdest du deine Leser fragen?
Was ihnen bei meinen Geschichten gefällt, warum sie welchen Charakter mögen oder verachten, was sie über meine Person denken 🙂

Deine Worte an die Leser?
Kauft Kinder, kauft – ne, Quatsch! Einfach nur, dass ich wirklich glücklich bin, dass es andere Irre gibt, die – genau wie ich – nicht nur dem Mainstream folgen. Ihr seid toll 🙂