[HÖRBUCH] Echo von Thomas Olde Heuvelt

Autor*in: Thomas Olde Heuvelt
Übersetzer*in: Gabriele Haefs
Sprecher*in: Matthias Lühn
Taschenbuch: 720 Seiten
Hörbuch: 20 Stunden, 06 Minuten
ISBN: 978-3453320987
Preis: 13,99 EUR (eBook) / 17,00 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Was eine gewöhnliche Kletterpartie auf den Mont Maudi in den Schweizer Alpen sein sollte, wird für den passionierten Bergsteiger Nick Grevers zu einem Albtraum – er stürzt in eine Gletscherspalte, kommt schwer verletzt ins Krankenhaus und sein Gesicht ist fortan entstellt. Kurz darauf häufen sich seltsame Vorfälle, denn was auch immer auf dem Berg passiert ist, Nick hat etwas Uraltes mit sich gebracht. Sein Lebensgefährte Sam Avery will Nick unbedingt helfen und ist sogar bereit seinen Partner zurück zum Mont Maudi zu begleiten, um herauszufinden, was mit Nick passiert ist, nicht ahnend, welches Grauen das Paar in den verschneiten Bergen wirklich erwartet …

Eigene Meinung:
Der Mystery Horror Roman „Echo“ von Thomas Olde Heuvelt erschien 2021 im Heyne Verlag in Deutschland. Parallel zum Taschenbuch und eBook kam auch das Hörbuch auf den Markt, eingesprochen von Matthias Lühn, der sämtliche Bücher des Autors vertont hat. De Geschichte um Sam und Nick ist in sich abgeschlossen und durchweg nichts für zarte Gemüter, ebenso wenig für solche, die auf eine romantische Substory hoffen.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Triller und Horror, wobei der Horroraspekt manchmal direkt, manchmal eher subtil in die Handlung eingewoben wird. Man lernt Nick und Sam kennen, die ein eingespieltes Team sind, das bisher alle Widrigkeiten des Lebens gemeinsam gemeistert haben. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, als Nick nach einem schweren Unfall während einer Bergtour entstellt ins Krankenhaus zurückgebracht wird und sich seltsame Ereignisse häufen, die oftmals darin münden, das Menschen sterben. Schnell wird klar, dass Nick etwas Uraltes mit sich gebracht hat, was sich in seinem entstellten Gesicht verbirgt. Thomas Olde Heuvelt baut den Spannungsbogen langsam voran und lässt sich viel Zeit, die Hintergründe zu erkunden und die Ereignisse während der Bergtour aufzudecken. Auch die menschlichen Abgründe der Figuren bleiben dabei nicht auf der Strecke, sondern werden ähnlich intensiv beleuchtet wie die uralten Kräfte des Berges, von dem Nick besessen ist. Gerade Sam erlebt im Laufe der Geschichte Höhen und Tiefen und muss sich auch einem traumatischen Erlebnis aus seiner Kindheit stellen. Der Autor beweist, dass er ein Händchen für seine Figuren hat und präsentiert sowohl Nick als auch Sam in all ihren Facetten. Als schwules Paar funktionieren die beiden hervorragend und sind absolut glaubwürdig – ohne dass es übertrieben kitschig oder romantisch wird. Der Fokus liegt klar auf den unheimlichen Szenen, dem subtilen Horror und den Geheimnissen rund um den Maudit, der wie eine gewaltige Präsenz über allem schwebt. Thomas Olde Heuvelt legt keinen klassischen Horror-Roman vor, sondern präsentiert eine gelungene Mischung aus alten Legenden, mysteriösen Geheimnissen, ureigenen Kräften und menschlichen Abgründen, die sehr gut ineinandergreifen und dafür sorgen, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann.

Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und offenbaren nach und nach ihre Hintergründe und Geheimnisse. Sam ist hierbei zu Beginn kein großer Sympathieträger, da er sehr egozentrisch und oberflächlich ist. Erst mit der Zeit offenbart sich, was hinter der aufgesetzt coolen Fassade verbirgt und wie viel er bereit ist zu geben, um seinem Partner zu helfen, wenngleich er bis zum Ende mit der Tatsache zu kämpfen hat, das Nick nicht mehr gutaussehend und perfekt ist. Nick wiederum hadert mit der düsteren Seele, die sich in ihm festgesetzt hat und immer mehr an Präsenz gewinnt. Er will seinen Partner schützen, kann jedoch wenig gegen die Seele des Berges unternehmen, der Gefallen an Sam zu finden scheint und droht auch ihn zu verschlingen. Die Nebenfiguren werden ebenfalls sehr gut beleuchtet, wirken lebendig und authentisch.

Stilistisch legt Thomas Olde Heuvelt ein überaus spannendes und intensives Buch vor, das vor allem durch atmosphärische Beschreibungen und eine gute Charakterisierung der handelnden Figuren besticht. Er hat ein Händchen für unheimliche, spannende Szenen, einen subtilen, ungewöhnlichen Horror und fesselnde Dialoge, wenngleich letztere aufgrund der vielen Anglizismen von Sam durchaus anstrengend zu lesen sind. Aber es passt zu seinem Charakter, dass er gerade bei erschreckenden Ereignissen oder solchen, die ihn unter Druck setzen in seine englische Muttersprache zurückfällt und seine Sätze mit unendlich vielen englischen Ausdrücken ausschmückt. Ansonsten muss man beim Lesen am Ball bleiben, da die Geschichte wechselnd aus Sicht von Nick und Sam erzählt werden, jedoch nicht immer chronologisch verläuft. Zudem werden viele Passagen mit Aufzeichnungen, Briefen und Tagebucheinträgen erzählt, was wie ein gigantisches Puzzle wirkt, dessen Bild sich Leser*innen erst nach und nach erschließt.
Der Hörbuchsprecher Matthias Lühn macht seine Sache außerordentlich gut – er hat eine angenehme Stimme, die es schafft zu fesseln. Es gelingt ihm die unheimliche Atmosphäre perfekt einzufangen, Sams sprachliche Eigenheiten wiederzugeben und den vielen Figuren ihre eigene Stimme zu geben. Man muss zwar am Ball bleiben, um nicht den Überblick zu verlieren, doch wer Horror/Mystery-Hörbücher mag, kommt bei Matthias Lühn voll und ganz auf seine Kosten.

Fazit:
„Echo“ ist ein gewaltiges, atmosphärisches Buch, das vor allem durch subtilen Horror, einen langsamen Spannungsaufbau und authentische Figuren besticht. Thomas Olde Heuvelt baut eine spannende Geschichte voller unheimlicher Mächte und Geheimnisse und menschlichen Abgründen auf, spielt mit menschlichen Urängsten im Angesicht uralter Naturgewalten. Hinsichtlich des eher ruhigeren, etwas langatmigen ersten Drittels des Buches muss man lediglich ein wenig Geduld mitbringen und am Ball bleiben, dann bekommt man einen ungewöhnlichen, fesselnden Roman, dessen Ende perfekt zur Geschichte passt. Wer Horror und Mystery mag, sollte einen Blick riskieren – insbesondere Hörbuchfans kommen bei Matthias Lühn voll und ganz auf ihre Kosten. Zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert