[ROMAN] Shadow Kissed – Erwählt von Kristina Licht

Autorin: Kristina Licht
Taschenbuch: 348 Seiten
ISBN:979-8708134639
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 11,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Alle fünf Jahre ist das Dorf Dawncliff verpflichtet dem mysteriösen Lord der nahen Burg fünf heiratsfähige, jungfräuliche Töchter zu Verfügung zu stellen, die im Vorfeld mittels Blutprobe ausgewählt werden. Von diesen fünf Frauen kehren nur vier zurück, die fünfte nimmt sich der Lord zur Frau. Als eines Tages eine neue Wahl bevorsteht, tauscht er das Blut seiner Schwester mit seinem eigenen und wird daraufhin als eine der Schattengeküssten zur Burg gebracht. Dort lernt er nicht nur den seltsamen Lord kennen, er entdeckt nach und nach, was sich hinter dem uralten Abkommen verbirgt. Und in welcher Gefahr sich die Frauen befinden, die um die Gunst des Lords buhlen …

Eigene Meinung:
Mit „Shadow Kissed – Erwählt“ legt Kristina Licht ihren ersten Roman mit schwulem Pairing vor, wenngleich in ihren bisherigen Veröffentlichungen immer wieder ein schwuler oder bisexueller Charakter auftrat. Das 350-seitige Buch erschien im Selfpublishing, im April/Mai erschient mit „Verbunden“ der Abschlussband der Duologie, der die Geschichte von Aaron und Lord Dawncliff beenden dürften.

Die Geschichte wirkt wie eine Mischung aus einem leicht unheimlichen Vampirroman und einem der populären „Frauen stellen sich einer Auswahl“-Romane, in denen viele Frauen um die Gunst eines Prinzen oder Adeligen buhlen. In diesem Fall ist dem Leser schnell klar, dass es sich um Lord Dawncliff um einen Vampir handelt – die Tatsache, dass er seine Auserwählten mit Hilfe einer Blutprobe bestimmt und natürlich nur bei Sonnenuntergang in Erscheinung tritt. Spannend ist die Kategorisierung der Blutgruppen nach Edelsteinen, wobei Aarons Blut als Rubin dem seltensten und besten entspricht. Für Lord Dawncliff ein Problem, da er auf der Suche nach einer Gefährtin ist und mit Männern nichts anfangen kann – Aaron wiederum schon, auch wenn er das mit seinen knapp 20 Jahren noch nicht so wirklich begriffen hat.
Das Hauptproblem des Buches ist die Zeit, in der es angesiedelt wurde. Beim Lesen hat man schon zu Beginn Probleme, die Geschichte zeitlich nicht wirklich einordnen zu können, da die eingewobenen Elemente zu widersprüchlich sind, um zu passen: das Dorf Dawncliff, dessen Größe eher einer Stadt entsprechen dürfte (anders ist es mir unerklärlich, warum die ausgewählten Frauen einander nicht kennen), Kleider, die so gar nicht in eine mittelalterliche Zeit passen (und einfache Bauernmädchen, die wissen, wie man sie trägt und sich gegenüber einem Adeligen verhält), die allgemeine, viel zu moderne Sprache inklusive einiger Begriffe, die es im Mittelalter nicht gab und natürlich eine Burg, die vom Baustil her so gar nicht ins Mittelalter passt (Glasfenster gab es im Mittelalter noch nicht). Und gerade, als man sich dazu entschlossen hat, das Ganze in einer fantastischen Welt anzusiedeln, bring die Autorin ein paar Jahreszahlen ins Spiel, die offenbaren, dass das Buch in der Antike angesiedelt ist, also weit vor dem Mittelalter spielt und so ziemlich alle Beschreibungen nicht zusammenpassen. Es ist schon klar, dass es sich um einen Fantasyroman handelt, aber wenn man ein Buch auf historische Grundpfeiler stellt, sollte man zumindest rudimentär recherchieren, was es bedeutet ein Buch um 110 n. Chr anzusiedeln.

Die Geschichte zieht sich ansonsten gerade zu Beginn in die Länge, auch bei den Szenen im Schloss wird der Fokus zu stark auf die Frauen gelegt, die mit Aaron in der Burg sind. Natürlich ist es schön, auch diese unterschiedlichen Charaktere kennen zu lernen und ihre Beweggründe zu verstehen, doch da man einen Roman mit schwuler Liebesgeschichte erwartet, wird man doch enttäuscht sein. Man kann nicht davon sprechen, dass sich Aaron und der Lord wirklich kennenlernen und nach und nach Gefühle füreinander entwickeln, denn im Grunde begegnen sie sich nur ein paar Mal und zumeist brodeln bei beiden negative Gefühle hoch. Man kann Aaron für seine Dreistigkeit gegenüber den Lord nur bewundern (und sich fragen, warum der Vampir den jungen Mann so einfach gewähren lässt). Von Liebe oder romantischen Gefühlen kann man bei den beiden Männern wirklich nicht sprechen – wer gerne Gay Romance liest ist mit „Shadow kissed – Erwählt“ tatsächlich schlecht beraten. Dass die Geschichte dann auch noch in einer blutigen Vergewaltigung Aarons endet, sorgt beim Leser für gemischte Gefühle, denn solche „Rape-to-Love“-Geschichten sind inzwischen eigentlich ein No-Go.

Die Figuren sind recht klischeehaft aufgebaut und entsprechen dem typischen Stereotypen – der düstere Vampir voller Geheimnisse, der auf der Suche nach der perfekten Gefährtin ist, der junge Bauernsohn, der in seiner Verlobten eher eine Schwester als seine zukünftige Frau sieht, die etwas forschere, unabhängigere Auserwählte Bruna, die ebenso wie Aaron den Spuk des Lords beenden und die Frauen retten will. Keine Figur bricht aus den festgelegten Bahnen aus und kann überraschen, was schade ist. Hin und wieder hätten unerwartete Wendungen und Reaktionen der Geschichte mehr Pepp gegeben.

Stilistisch legt die Autorin ein solide geschriebenes Buch vor, wenn man sich nicht an der modernen Sprache und den vielen Begrifflichkeiten stört, die so gar nicht in die Zeit passen. Diese Tatsache betrifft sämtliche Beschreibungen, die Dialoge und die Figuren. Bei modernen Geschichten, die in unserer Zeit spielen, wäre der Stil kein Problem, bei Büchern mit historischem Background stolpert man unweigerlich darüber. Ansonsten wird die Geschichte aus wechselnden Perspektiven erzählt – zumeist wählt Kristina Licht Aaron und Bruna als Erzähler aus, hin und wieder kommen auch Lord Dawncliff oder die anderen Frauen zu Wort. Diese wechselseitige Erzählweise muss man mögen, um in die Geschichte eintauchen zu können.

Fazit:
„Shadow kissed – Erwählt“ ist ein Roman, der nur schwer überzeugen kann und gerade Gay Romance Leser*innen nicht ganz erreichen dürfte. Dafür gibt es zu wenig Romantik und Gefühl zwischen den beiden Männern und der Fokus wurde zu sehr auf die Frauen gelegt. Auch passen die historischen Grundelemente überhaupt nicht zusammen und sorgen für zusätzliche Irritation. In Kombination mit den klischeehaften Figuren und der modernen Sprache ist „Shadow kissed – Erwählt“ ein Roman, den ich nicht empfehlen kann. Schade – die Grundidee enthält einige spannende Elemente, die Potenzial für eine tolle Vampirgeschichte gehabt hätten. Am besten vorab reinlesen und selbst entscheiden, ob man das Buch lesen möchte.

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Ein Gedanke zu „[ROMAN] Shadow Kissed – Erwählt von Kristina Licht“

  1. Die Vergewaltigung war zu viel für mich. Vielleicht ist das Genre falsch und das Buch sollte In Dark Fantasy sein? Obwohl…das bereinigt nicht die Jahreszahlen (am besten wäre 3s gewesen man hätte die ganz weggelassen).

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