[ROMAN] Von Rache und Regen: Regentänzer von Annette Juretzki

Autor: Annette Juretzki
Taschenbuch:  562 Seiten
ISBN: 978-3947031269
Preis: 4,99 EUR (eBook) | 13,95 EUR
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Story:
Sechs Jahre kämpft Riagh als Soldat mit seinem besten Freund Sivok in den Heeren des Imperiums gegen das Volk der Ash’Bahar, die die Toten wiederauferstehen lassen und kontrollieren können. Als die Untoten ihre Heimat Carthal überrennen, desertieren die beiden, um Anryn zu retten – die Frau, der Riagh versprochen wurde. Doch noch Riagh findet seinen Weg zurück in das Land des Regens und begibt sich auf die Suche nach Anryn – als Deserteur kein leichtes Unterfangen, denn jeder kann zu einem Feind werden. Als er eines nachts den ash’barischen Feuermagier Nuzar rettet, ahnt er nicht, welches Schicksal die beiden ungleichen Männer fortan verbindet. Nuzar schließt sich ihm nicht nur an, sie werden auch ungleiche Verbündete, denn Nuzar kennt einen Weg den Fluch zu brechen, der die Toten wiederauferstehen lässt. Zudem erfährt Riagh mehr über die Hintergründe des Krieges und das sein Leben enger mit der Zukunft der ganzen Welt verbunden ist, als er je geahnt hat …

Eigene Meinung:
Mit „Regentänzer“ legt Annette Juretzki den ersten Teil ihrer neuen Duologie „Von Rache und Regen“ vor. Der knapp 600-seitige Roman erschien ihm Traumtänzer Verlag, in dem auch die „Sternenbrand“-Reihe der Autorin erschien. Der zweite Band der Duologie ist für Winter 2020/Frühjahr 2021 geplant und soll die Geschichte um Riagh und Nuzar beenden.

Die Geschichte ist in zeitlich in einer Epoche angesiedelt, die an die Eisenzeit erinnert, gespickt mit etlichen fantastischen Elementen. Man wird direkt in einen allumfassenden Krieg geworfen, der auf alles Seiten nur Verlierer hervorgebracht hat und in der die Untoten die größte Gefahr für die Lebenden darstellen. Die Autorin erschafft eine äußerst stimmige, sehr reizvolle und lebendige Welt, die ihre eigenen Mythen und Göttersagen, Kulturen und Sprachen hat (die Sprache der Ash’Baharim nutzt beispielsweise das generische Femininum, was in Büchern sehr selten vorkommt)  – sie hat das World Building perfektioniert. Gerade Carthal ist so greifbar beschrieben, der Götterglauben der Bewohner des Landes so  nachvollziehbar gestaltet und die Historie so gut durchdacht, als würde man mit Riagh ein real existierendes Land durchstreifen. Auch die übrigen Länder der Welt sind sehr gut beschrieben – man hat die Menschen und Städte bildlich vor Augen.
Auch die Geschichte um Riagh und Nuzar ist durchweg gelungen und mitreißend geschrieben. Man ist schnell in der Handlung und stets hautnah dabei. Die Autorin lässt sich Zeit, die beiden ungleichen Charaktere vorzustellen und zusammen zu führen, denn im Grunde stehen sich die Völker der beiden als Feinde in einem schier endlosen Krieg gegenüber. Dementsprechend lange dauert es, bis die beiden Vertrauen zueinander aufbauen. Auch die Beziehung der beiden entwickelt sich nur langsam, denn es dauert bis Riagh und Nuzar einander mehr offenbaren und sich schließlich eingestehen, mehr füreinander zu empfinden. Nichtsdestotrotz wird es nie langweilig, denn Annette Juretzki (ver)zaubert mit Worten, witzigen, charmanten und stimmungsvollen Dialogen und tollen Beschreibungen, die Bilder im Kopf entstehen lassen und unter die Haut gehen. Positiv sei angemerkt, dass sie auf allzu explizite Erotik verzichtet und stattdessen lediglich andeutet, was vollkommen ausreichend ist, da es die Geschichte nicht unterbricht und unnötig in die Länge zieht.

Die Figuren sind sehr lebendig, authentisch und nachvollziehbar gestaltet – Riagh ist der typische Krieger, zumeist wortkarg und eigenbrötlerisch hat er nur ein festes Ziel vor Augen – Anryn zu finden und vor den Horden Untoter zu beschützen. Es fällt ihm schwer, Vertrauen zu fassen, was bei seiner Vergangenheit und dem, was er erlebt hat, nicht verwunderlich ist. Mit seiner groben, fast schon barbarischen Art ist er das exakte Gegenteil von Nuzar, der mit Worten umzugehen weiß, sehr gebildet wirkt und gänzlich anders kämpft als Riagh. Auch er verfolgt ein festes Ziel – er setzt alles daran, den Fluch aufzuheben, der die gesamte Welt knechtet.
Auch die unzähligen Nebenfiguren, die den beiden ungleichen Männern auf ihrer Reise begegnen, sind sehr lebendig in Szene gesetzt und handeln stets logisch. Sie wirken nicht nur wie Statisten, sondern wie echte Menschen mit echten Problemen – ein Grund weswegen die Welt so lebendig und greifbar wirkt.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Annette Juretzki hat einen detailreichen, atmosphärisch dichten und gut lesbaren Stil, der durch brillante Dialoge, stimmige Beschreibungen und lebendige Figuren besticht. Sie weiß, wie sie ihre Figuren in Szene setzt, wie man mittels Dialogen Spannung aufbaut und wann man eine ernste Szene durch eine Prise Humor auflockern kann. Auch die Kampfszenen sind actionreich und unterhaltsam, die Beschreibungen von Carthal sehr passend und man ist immer nah bei den Figuren und in der Geschichte. Wie auch bei „Sternenbrand“ versteht es die Autorin zu fesseln und zu begeistern.

Fazit:
„Von Rache und Regen: Regentänzer“ ist ein wunderbarer düsterer Fantasyroman, der durch tolle Charaktere, atmosphärische Dialoge und wundervolle Beschreibungen besticht. Die Autorin erschafft eine greifbare Welt, die den Leser gefangen nimmt und dafür sorgt, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Wer düstere Fantasy abseits des Mainstreams mag, der sollte unbedingt einen Blick in die Geschichte von Riagh und Nuzar werfen – das Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen. Bleibt zu hoffen, dass bald die Fortsetzung erscheint, denn am liebsten will man sofort weiterlesen, sobald man „Regentänzer“ beendet hat. Unbedingt lesen!

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