[ROMAN] High Society Crimes 1: Kunstvoll morden von Oreg Rogerson

Autor*in: Oreg Rogerson
Taschenbuch:  184 Seiten
ISBN: 978-3969760284
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 9,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Mike Greenfort ist reich und daher in der Lage selbst eines der gefragten Bilder von Walt Dermond zu leisten, neuer Star am Künstlerhimmel. Sein Partner Alex kann wenig mit dem modernen Kunstgeschmack seines Freundes anfangen, wittert aber sofort ein krummes Geschäft, als er exakt dasselbe Bild in der Galerie entdeckt, das Mike gerade erst erworben hat. Spontan beginnen die beiden nachzuforschen und erhalten dabei Unterstützung von Walt Dermonds Professor, der sich inzwischen zum Kenner des Künstlers aufgeschwungen hat. Zu dritt kommen sie einem groß angelegten Betrug auf die Spur, bei der lange Zeit nicht feststeht ob Walt Dermond Täter oder Opfer ist …

Eigene Meinung:
Mit „Kunstvoll morden“ erschien im Sommer 2025 der erste Band der „High Society Crimes“ Reihe von Oreg Rogerson im dp Verlag. Das schmale Büchlein umfasst 184 Seiten, recht wenig für einen klassischen Krimi. Der zweite Band der Cosy Crime Reihe „Einbruch mit Stil“ kam nur kurz nach dem ersten Teil auf den Markt du erzählt eine gänzlich neue Geschichte. Weitere Bände sind in Arbeit, aber noch nicht angekündigt.

Die Geschichte spielt in LA, wo Mike und Alex in einer Villa leben, sich die lästige Hausarbeit von Hausangestellten abnehmen lassen und auch sonst ein Leben im Luxus führen. Mike ist Geschäftsführer eines Familienunternehmens, das er von seinen Eltern geerbt hat, Alex arbeitet (wenn überhaupt) als Personal Trainer. In gewisser Weise erinnern einen die beiden an die Hauptfiguren aus „Hart aber Herzlich“ – reich, unabhängig und mit einem Hang dazu Fälle als Privatermittler aufzuklären. Da sie dieses Mal direkt betroffen sind, sind sie Feuer und Flamme, herauszufinden, welche krummen Geschäfte in der Kunstszene von Statten gehen und wer der wirkliche Schuldige ist. Leider wirkt der gesamte Fall stark konstruiert und in sich überhaupt nicht logisch – da wird ein Mord ins Spiel gebracht, den man bereits nach wenigen Sekunden durchschaut und als absolut unglaubwürdig empfindet, der aber von den Figuren akzeptiert wird und quasi die Basis für all die weiteren Verbrechen ist. Der gesamte Fall wirkt an den Haaren herbeigezogen und die Figuren tun ihr Übriges – da wird aus einem Personal Trainer plötzlich ein Profi-Einbrecher, aus dem reichen Erben ein perfekter Fahrer für wilde Verfolgungsjagden. Zusätzlich strotz die Geschichte nur so von Klischees – sei es das schwule Pärchen mit einem Hang zu seltsam peinlichen Kosenamen und der Tatsache, dass sie ihre Abende (und manchmal auch freie Zeiten) fast immer miteinander im Bett verbringen – als sei das das einzige, was schwule Männer in ihrer Freizeit tun; die mexikanischen Hausangestellten mit entsprechendem Dialekt, die Tatsache, dass Mike irgendwie nichts in seiner Firma machen muss als sich ab und zu mal der Belegschaft zu zeigen und der schrille Freundeskreis der beiden inklusiver wilder, glamouröser Partys. Es wirkt einfach zu übertrieben, zu schrill und dadurch leider unrealistisch.

Die Figuren sind zwar sympathisch, allerdings erfährt man nur sehr wenig von ihnen – Mike ist reich und wirkt eher wie ein Symbol-Geschäftsführer einer großen Firma, als dass er wirklich arbeiten muss. Alex ruht sich vorwiegend auf dem Vermögen eines Partners aus und scheint nur sporadisch als Personal Trainer zu arbeiten. Ansonsten hat er generell einen Hang zu Sport und ist extrem stolz auf seinen Körper. Auch scheinen sie keinerlei Probleme zu haben – sie sind perfekt, optisch wie auch charakterlich. Auch ihre Beziehung läuft harmonisch und ohne Reibereien, was sie tatsächlich recht langweilig macht und für keinerlei Dynamik zwischen ihnen sorgt.
Auch die Nebenfiguren sind recht flach – die stereotypen Hausangestellten, der schrullige Professor, der durchtriebene Galeriebesitzer, der arme, missverstandene Künstler – wirklich viel außerhalb der ihnen zugedachten Rollen erfährt man nicht. Es ist schade, dass sowohl die Figuren als auch die Geschichte viel Potenzial gehabt hätten, wenn man ihnen ein wenig mehr Tiefe gegeben hätte.

Stilistisch legt Oreg Rogerson einen lockerleichten, solide geschriebenen Cosy Crime vor, der vorwiegend durch Humor und spritzige Dialoge besticht. Leider sucht man Spannung vergeblich, auch die Möglichkeit mitzuraten gibt es nicht, da die Bösewichte so plakativ böse gezeichnet sind, dass man bereits ganz am Anfang weiß, wer hinter allem steckt. Auch ist der Fall recht schnell durchschaut, so dass man dem Ermittlerduo weit voraus ist. Das ist schade, denn ein Krimi, selbst wenn es sich um einen Cosy Crime handelt, lebt von Spannung und ein wenig Nervenkitzel. Stattdessen bekommt man haarsträubende Verfolgungsjagden, viele Klischees und eine inflationäre Nutzung der Kosenamen „Hase“ und „Captain“.

Fazit:
„Stilvoll morden“ von Oreg Rogerson ist ein schwächerer Vertreter des Cosy Crime Genres, das Krimi Fans leider nicht überzeugen kann. Weder die Handlung und der Kriminalfall noch die klischeehaften, perfekten Figuren können überzeugen, selbst wenn einige Dialoge und Szenen recht amüsant sind. Im Großen und Ganzen mangelt es an Spannung, Logik und Tiefgang, en auch wenn Cosy Crime Romane gemütlich und humorvoll sein sollen, so ist es bei „Kunstvoll morden“ dann doch zu viel des Guten – ein wenig mehr Tiefe und Logik hätten der Geschichte gut getan, insbesondere weil die Grundidee nicht unspannend ist.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert