[AUTOBIOGRAFIE] Das Kind meiner Mutter von Florian Burkhardt

Autor: Florian Burkhardt
Hardcover:  208 Seiten
ISBN: 978-3037630792
Preis: 14,99 EUR (eBook) / 34,90 EUR (Hardcover)
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Story:
In Folge eines Autounfalls und des Todes des jüngsten Sohnes, zeugen Florians Eltern sofort ein Ersatzkind – ihn. Florian wächst überbehütet und unter dem strengen Regiment seiner Mutter auf, was bedeutet, dass alles verboten ist, was in ihren Augen schlimm ist und zu Drogen und einem Lotterleben führt. Für Florian Burkhardt die Hölle, was sich besonders bemerkbar macht als er älter wird und kaum die Möglichkeit hat sich frei zu entfalten. Stattdessen bestimmt seine Mutter seinen beruflichen Werdegang und legt seine Kontakte zur Außenwelt fest. Schlimmer wird es, als Florian erkennt, dass er homosexuell ist – eine Unaussprechlichkeit in der damaligen Zeit. Es bleibt ihm nur durchzuhalten und auf den Tag hinzuarbeiten, an dem er sich endgültig lösen kann …

Eigene Meinung:
Der autobiografische Roman „Das Kind meiner Mutter“ erschien 2017 im Wörterseh Verlag. Verfasst wurde der knapp 200-seitige Roman von Florian Burkhardt, der als Model, Partyveranstalter und „Electroboy“ ein Leben auf der Überholspur lebte, bis ihn eine Angststörung dazu zwang, sich mit seiner Kindheit und Jugend auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang verfasste er den vorliegenden Roman, der nach seiner preisgekrönten Dokumentation „Electroboy“ auf den Markt kam.

Das Buch ist in drei Zeitepochen eingeteilt (Illusion, Vision und Passion) und beleuchtet Florian Burkhardts Kindheit, seine Jugend und sein Leben als junger Erwachsener, bevor er nach Amerika ging. In all diesen Kapiteln spielt seine Mutter mit ihrem Kontrollzwang und ihrer Härte eine schier übermächtige Rolle, die jegliche Freiheiten und jegliche Kreativität unterdrückt und alles daran setzt, ihren Sohn in eine bestimmte, den Normen entsprechende Form zu pressen. Der Autor findet klare Worte, um seine Gedanken und Empfindungen auszudrücken und auf diesem Weg seine unschöne Vergangenheit zu verarbeiten. Dabei legt er besonderen Schwerpunkt auf seine Kindheit und erzählt sehr ausführlich von der Zeit vor der Pubertät. Hier wirkt sein Leben noch relativ normal, was auch daran liegt, dass ein Kind gewisse Dinge ganz anders wahrnimmt und viele Aktionen der Mutter nicht negativ bewertet. Das sorgt leider dafür, dass dem Buch gerade am Anfang die Spannung fehlt, die Dynamik und der Konflikt, der eine Autobiografie interessant macht. Das ändert sich zum Glück im Mittelteil, wenn die Jugend des Erzählers in den Vordergrund rückt und deutlich wird, wie stark der Einfluss seiner Mutter ist und wie sehr sie das Leben ihres Sohnes kontrolliert. In diesem Abschnitt hätte man sich wiederum mehr Details gewünscht, bestenfalls hätten einige Szenen ausführlicher sein können, um einen tieferen Einblick in das kontrollierte Leben des Autors zu geben (doch vielleicht war das zu persönlich und intim, um es in der Biografie darzustellen). So kratzt es leider ein wenig an der Oberfläche, ist zwar dank des Konflikts spannend, jedoch wird das meiste stark zusammengefasst, so dass man nur bedingt die Gefühlswelten und Gedanken des Autors ausloten kann.

Vielleicht gibt es in der Fortsetzung „Das Gewicht der Freiheit“ die Möglichkeit, die Gedanken und Gefühle des erwachsenen Florian Burkhardts besser kennenzulernen und nachzuvollziehen. Der Roman beleuchtet sein Leben in Amerika und sein abwechslungsreiches Leben fernab der Heimat und ist ebenfalls beim Wörterseh Verlag erschienen.

Stilistisch ist die Autobiografie gewöhnungsbedürftig – gerade am Anfang braucht man etwas, um in das Buch einsteigen zu können. Das liegt auch daran, dass einige Formulierungen unglücklich gewählt und holprig, teils auch fehlerhaft sind. Zudem ist der erste Teil „Illusion“ zwar sehr bildlich aus Sicht eines Kindes geschrieben (und von dem Ansatz her sehr gut gelungen), dennoch etwas langatmig.  Erst im zweiten und dritten Teil kann man sich besser mit dem Ich-Erzähler identifizieren, die Passagen werden flüssiger und runder, wenngleich man sich wünscht, er hätte einige Szenen ausführlicher ausgearbeitet.

Fazit
„Das Kind meiner Mutter“ ist eine bewegende, nachdenklich stimmende Autobiografie von Florian Burkhardt und hinterlässt einen tiefen Eindruck. Der Inhalt begleitet den Leser über das Ende des Buches hinaus – man fragt sich, was aus dem jungen Mann geworden ist, der von seiner Familie so unterdrückt und kleingehalten wurde. Trotz einiger Schwächen im Aufbau, lohnt sich ein Blick, wenn man autobiografische Werke schätzt. Lediglich der horrende Preis schreckt ein wenig ab, denn das Hardcover schlägt mit fast 35,-€ zu Buche. Wen das nicht stört, sollte einen Blick riskieren.

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